Quartiere der Streuner, Stadt der Streuner - Ebene 2

Das Heim der Diebe und Streuner in Patria (Zutritt nur als Gildenmitglied).

Quartiere der Streuner, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Der Schreiber » Samstag 9. Februar 2013, 11:12

Von den Wegen wurden Rundungen in den Fels geschlagen. Und diese sind geschickt in kleinere Kammern unterteilt. Ursprünglich waren diese Wände nur aus Holz und Lehm und eine Decke diente als Tür. Aber einige Streuner haben ihr Zuhause mit Ziegeln verkleidet, ein Dach daraufgesetzt und eine massive Tür eingebaut.
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Re: Quartiere der Streuner, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ruby » Montag 11. März 2013, 17:37

Kommend von den Streunerpfaden, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Rubys Schritte wurden langsamer und sie entspannte sich mit jedem Schritt, den sie zwischen sich und Ahavan brachte. Nun würde sie erstmal ihre Freundin aufsuchen und ihr alles erzählen. Sicherlich würde diese neidisch werden, bei dem was sie heute alles erlebt hatte. Das Tratschen stand jedoch nicht im Mittelpunkt. Sie betrat das Quartier und rief schon an der Tür nach ihrer Freundin. Sie kam ihr auch zugleich entgegen mit einem besorgten Gesichtsausdruck, doch Ruby winkte gleich ab und erzählte ihr die ganze Geschichte.
Ihre Freundin holte noch ihre Mutter dazu und diese wiederrum eilte gleich zu einer Freundin, die früher mal dem Priesterorden angehörte. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte sie wieder mit ihr zusammen auf und dann wurde es ernst. Es gab eine lange Einweisung über die Göttin, die Magie und die Hilfsmittel. Nach einigen Stunden - und Ruby war erschöpft als hätte sie 5 Stunden durchgetanzt - endete die Frau endlich und sah Ruby erwartungsvoll an.

Naja was sollte sie sagen? Sie bereute es jetzt schon dieses ganze Theater angefangen zu haben. Ruby interessierte sich einen Gorsakfurz für die Göttin, die auch gerade erst ihren Krieg verloren hatte. Was übrigens Rubys Glück zu sein schien, denn die Magie war geschwächt, so dass es weniger auffiel, dass sie gar nix konnte. Es widerstrebte ihr dieses ganze Gerede über diese Göttin anzuhören. Wie konnte man nur sein ganzes Leben mit so einem Blödsinn verbringen?
Ruby bedankte sich natürlich ganz brav bei der Frau, immerhin hatte sie ihr geholten und hatte ihr eine Liste dagelassen mit Kräutern, die sie unbedingt benötigte und sie hatte ihr auch versucht zu erklären wo die Tränke und Kräuter aubewahrt wurden. Ruby war also so gut es ging für den kommenden Tag vorbereitet. Sie verließ kurz darauf auch das Haus ihrer Freundin, da sie für heute wirklich genug hatte!
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Re: Quartiere der Streuner, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ruby » Montag 11. März 2013, 17:38

Kommend von den Streunerpfaden, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Rubys Schritte wurden langsamer und sie entspannte sich mit jedem Schritt, den sie zwischen sich und Ahavan brachte. Nun würde sie erstmal ihre Freundin aufsuchen und ihr alles erzählen. Sicherlich würde diese neidisch werden, bei dem was sie heute alles erlebt hatte. Das Tratschen stand jedoch nicht im Mittelpunkt. Sie betrat das Quartier und rief schon an der Tür nach ihrer Freundin. Sie kam ihr auch zugleich entgegen mit einem besorgten Gesichtsausdruck, doch Ruby winkte gleich ab und erzählte ihr die ganze Geschichte.
Ihre Freundin holte noch ihre Mutter dazu und diese wiederrum eilte gleich zu einer Freundin, die früher mal dem Priesterorden angehörte. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte sie wieder mit ihr zusammen auf und dann wurde es ernst. Es gab eine lange Einweisung über die Göttin, die Magie und die Hilfsmittel. Nach einigen Stunden - und Ruby war erschöpft als hätte sie 5 Stunden durchgetanzt - endete die Frau endlich und sah Ruby erwartungsvoll an.

Naja was sollte sie sagen? Sie bereute es jetzt schon dieses ganze Theater angefangen zu haben. Ruby interessierte sich einen Gorsakfurz für die Göttin, die auch gerade erst ihren Krieg verloren hatte. Was übrigens Rubys Glück zu sein schien, denn die Magie war geschwächt, so dass es weniger auffiel, dass sie gar nix konnte. Es widerstrebte ihr dieses ganze Gerede über diese Göttin anzuhören. Wie konnte man nur sein ganzes Leben mit so einem Blödsinn verbringen?
Ruby bedankte sich natürlich ganz brav bei der Frau, immerhin hatte sie ihr geholten und hatte ihr eine Liste dagelassen mit Kräutern, die sie unbedingt benötigte und sie hatte ihr auch versucht zu erklären wo die Tränke und Kräuter aubewahrt wurden. Ruby war also so gut es ging für den kommenden Tag vorbereitet. Sie verließ kurz darauf auch das Haus ihrer Freundin, da sie für heute wirklich genug hatte!
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Re: Quartiere der Streuner, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ahavan n'a Riu » Mittwoch 13. März 2013, 15:14

Die Nacht senkte sich allmählich herab. Nicht, dass man diesen Umstand hier unter der Erde wirklich hätte beobachten können. Dunkel war es hier unten im Grunde immer, sofern keine Öllampen brannten. Und diese brannten nun spärlicher. Denn auch das Lampenöl war nun eher ein Luxusgut. Ob sie irgendwann in absoluter Dunkelheit hier unten leben mussten? Bei dem Gedanken wurde ihm für einen Augenblick die Kehle eng. Immerhin hatte er eine perfekt funktionierende innere Uhr, die vielleicht sehr selten mal durcheinander geriet. Immer dann, wenn seine Aufträge ihn Nachts wach hielten. Doch das war nicht der einzige Grund, warum er wusste, dass es langsam spät wurde. Die Geräusche der Menschen, das leise Summen der Unterhaltungen im Hintergrund, die hier über die Wege geschwebt waren, verstummten langsam aber sicher. Es war bereits so leise, dass Ahavan seinen Herzschlag hören konnte. Er hatte gehört, dass dies viele Menschen beruhigte. Ihn machte das immer nervös. Es erinnerte ihn an Dinge. Dunkle Dinge. Schmerzhafte Dinge, die ihm widerfahren waren. Er wollte nicht daran denken und die meiste Zeit vergaß er diese Dinge auch völlig. Nur wenn es still wurde, dann kam es vor, dass ihn die Erinnerungen malträtierten. Vor allem heute war es schlimm. Damon hatte ihn Mero genannt. Elender Hund!

In seinem Quartier entledigte er sich seiner Kleidung und legte sich auf sein Bett. Die Hände verschränkte er nach Außen hin entspannt hinter seinem Kopf. Aber Ahavan war nicht entspannt. Im Gegenteil. Er wusste, dass Monster war frei. Daher wagte er auch nicht die Augen zu schließen, noch nicht. Er klaubte den Süßholzstummel aus seine Tasche und kaute ein bisschen darauf herum. Meistens war das eine gute Ablenkung. Eine Ablenkung, die er neuerdings jedoch nur noch sehr selten anwandte, dann, wenn es besonders schlimm war. Zu kostspielig war echtes Süßholz geworden, zu schwer zu bekommen. Ein dünner Schweißfilm bildete sich auf seiner Stirn, als er sich mit aller Macht darauf konzentrierte, die Bilder, die sein Verstand ihm schicken wollte, nicht einzulassen. Doch heute Nacht war er nicht stark genug. Vielen Dank auch Damon.

Dunkelheit. Kälte. Der Hall von Schritten, an den Wänden, der Decke, dem Boden. Ohne Orientierung. Nur Kälte, klirrende Kälte. Dann ein Feuerschein in der Ferne. Schrecklich. Näher kam der Schein. Viel zu schnell. Mit dem Schein kamen auch sie und die Schmerzen. Weiche Gesichter. Melodische Stimmen. Heiteres Frauengelächter. Das war fast am schlimmsten. Die Unbekümmertheit in ihrem Lachen. Das Licht blendete ihn. Sie steckten eine Fackel in den Halter. Mit der zweiten fuhren sie seinen Körper entlang. Nicht nah. Aber er konnte die Hitze spüren. Sie wärmte seine kalten Glieder. Doch er wusste, dass war das einzige Gute, was ihm nun widerfahren würde. "Er ist ja fast blau, guck mal!" Wieder Kichern. Dann kamen die scharfen Messer. Eines fuhr in seinen Unterarm, schnitt die Haut auf, bis das Blut heraustropfte. Sie fingen es in Schalen. Eine trug es fort von ihm. Er konnte nicht schreien. Sie hatten ihn geknebelt. Sie fühlten sich gestört, wenn er schrie. Doch er weinte vor Schmerz. Nur der Anfang. Nur der Anfang eines langen Arbeitstages. Experimente. Nie wieder würde er dieses Wort hören können, ohne dass er unweigerlich erschaudern würde . Experimente! Dachte ein kleiner Teil seines Verstandes verächtlich. Dummes Zeug. Sie waren sinnlos in seinen Augen. Doch der Teil verstummte, so schnell wie er gekommen war. Wurde überrollt von noch mehr Bildern. Schmerzen. Lachen. Mehr Schmerzen. Blut. Mero starrte die Decke an um sie nicht anblicken zu müssen. Verfolgte die Fugen mit seinen Augen. Da oben, war ein Stück von einem Stein abgebröckelt. Dann war der Kopf seiner Mutter über ihm. Sie riss ihm den Mund auf und flößte ihm einen Trank ein. Mero schloss die Augen. Er ertrug es nicht mehr. Er wollte nur noch sterben. Doch so einfach machten sie es ihm nicht. "Mal sehen, was der Sklavenrausch bei einem noch nicht geschlechtsreifen Mann verursacht." Seine Mutter wieder. Kühl. Sachlich. Er hatte das ganze Fläschchen bekommen. Es dauerte nicht lange und er entspannte sich gegen seinen Willen. Sie sahen schöner aus. Netter. Sie nahmen ihm den Knebel ab. Und er fühlte sich Lächeln. Dann küsste ihn eine der jüngeren Frauen. "Keine Reaktion," kommentierte seine Mutter vom Fußende der Holzkonstruktion auf die er gefesselt war. Dann kamen sie mit der langen Nadel. Die kannte er schon. Sie tat weh. Doch weil sie sagten er dürfe nicht schreien, tat er es nicht. Das machte den Schmerz nicht erträglicher, als sie seinen Arm durchstachen. " Fügsamkeit, immerhin." kommentierte seine Mutter wieder.

Sein eigener heiserer Schrei holte Ahavan schließlich zurück. Er war nicht so laut wie früher, als er noch ein Kind war, aber voller Entsetzen. Der Streuner zitterte und griff nach einem kleinen Wasserschlauch, der an seinem Bettpfosten hing. Doch es genügte ihm nicht. Die Gilde war wie ein unterirdisches Gefängnis für ihn. Wie das Gefängnis. Er musste hier raus! Und so warf er sich einen pelzgefütterten Umhang um die Schultern und öffnete den Tür. Nur mit einer langen Unterhose bekleidet trat er auf die Wege der Streunergilde. Ahavan zog den Umhang eng und fest um sich, so dass er das weiche Fell auf der Haut spürte. Raus. Nur raus hier! Einmal den Sternenhimmel sehen und Durchatmen.

______________________
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Re: Quartiere der Streuner, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Mahot » Samstag 2. November 2013, 21:50

Etwas müde und besorgt, betrat Mahot sein Zuhause. Die Geschäfte liefen einfach nicht mehr so gut. Um die Wahrheit zu sagen: Sie liefen gar nicht mehr! Patria war so gut wie leer gefegt und hier unten konnte und durfte man niemanden übers Ohr hauen. Höchste Zeit, die Gesetze mal zu ändern. Zorn stieg in ihm hoch und musste sich Luft verschaffen. Wenn oben in der Stadt oder sonstwo nichts mehr zu holen ist, wo dann noch?

Er würde beim nächsten Treffen dem Streunerprinzen mal die Meinung geigen. Hier unten gab es genügend Seelen, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Man sollte eine Auslese wagen. Die, die mehr draufhaben, sollten die anderen ruhig und nach Strich und Faden ausnehmen dürfen. Und Der- oder Diejenigen, die nichts mehr aufzuweisen haben, sollten verbannt oder den Könnern, eben den Meistern als Sklaven dienen.

Mahot brummte vor sich hin und goss sich noch mehr vom Wein ein. Genau so sollte es ablaufen. Wenn sich in einer Welt nichts mehr vorwärts oder weiterbewegte, dann muss durchgegriffen und sondiert werden. So lautet das Gesetz der Natur. Nur der Stärkere überlebt! Das sollte auch hier unten gelten. Es gibt hier zu viele Schmarotzer und Nichtsnutze. Würde man nur die Elite agieren lassen, könnte aus der Gilde ein Volk hervorgehen, über das man noch lange sprechen würde. So schreibt man Geschichte. Ja, gleich morgen früh wollte er seine Vorschläge unterbreiten. Ob er es dem Prinzen mitteilen wollte, wagte er zu bezweifeln. Vielleicht erst mal seinen ganz engen Freunden. Wenn sie in Weinlaune waren, konnte man viel in sie hinein flüstern.

Die Magd, eine Dirne, die ihm den Holzbottich mit warmen Wasser gefüllt hatte, schaute in augenzwinkernd an. "Mach, dass du rauskommst. Dich rühre ich nicht mehr an!" Er warf ihr eine Münze zu und sie verschwand.
Das warme Bad mit duftenden Ölen und ein weiteres Glas Wein beruhigten ihn. Aber nur kurz. Nach der Entspannung ist vor der Vorfreude. Er zog frische Unterkleider über, stieg in die Lederkleidung und verließ sein Haus. Er brauchte eindeutig noch mehr Entspannung.
....Und auf die gelernte Weise
Grub ich nach dem alten Schatze
Auf dem angezeigten Platze;
Schwarz und stürmisch war die Nacht.

(Auszug aus 'Der Schatzgräber' von Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Quartiere der Streuner, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Tanith » Mittwoch 20. November 2013, 14:48

Das Paar schien im ersten Moment nicht minder überrascht Tanith über den Weg zu laufen wie umgekehrt. Der Mann hatte sich zwischen sie und seine Gefährtin geschoben, wohl um diese im Zweifelsfalle vor Tanith beschützen zu können. Unter dem schmutzigen Kopfputz der Frau blitzten ein paar leuchtend-rote Haare hervor. Es war eine faszinierende Farbe, ein strahlendes Rubinrot und fast schon schien es Tanith dass die Farbe zu rot war. Sie konnte unmöglich echt sein! Diese Farbe war nicht Rot, sie war vielmehr die Idee von Rot die aussah was sich jemand vorstellen würde der die Farbe nicht kannte und wenn man sie denn in Worten erklären würde können die sich nicht auf "rot" beschränkten. Etwas zerrte scheuchte einen Gedanken aus der mentalen Peripherie von Taniths Bewusstsein.

'Wer kann sich eigentlich frei und sorglos in den Ruinen Patrias bewegen die voller Kobolde und Namenloser sind? Welcher Mensch hat so unmöglich rote Haare? Wer sieht aus wie ein Mensch und doch nicht?'

Aber Tanith kam gar nicht dazu, diesen Gedanken zu ihrem erschreckenden Ende zu verfolgen da spürte sie schon die Hand des Mannes grob an der ihren und eine Klinge blitzte hervor. Ein scharfer Atem entwich ihr, dicht gefolgt von der Erkenntnis dass es sich nicht um einen verfluchten Schlangendolch handelte sondern um eine sichelförmige Klinge die genau so schnell wieder verschwand wie der Mann sie hervorgezaubert hatte.

"Ich musste sicher gehen," sagte der Mann wie um sein Handeln zu erklären und hob beide Hände in einer Geste die Harmlosigkeit beteuerte. Tanith glaubte der Geste nicht einen Milimeter weit - jemand der so schnell reagieren konnte, konnte nicht harmlos sein. Der Mann schien einen Moment lang zu horchen und Tanith wibbelte auf den Fußballen auf und ab, im Gedanken bereit zu laufen, zu kämpfen und sogar zu sterben, egal ob nun mit den herannahenden Massen oder ...-

"Für den Schnitt, Hübsche." Ein sauberes Tuch wurde ihr angeboten und Tanith nahm es zweierlei Gründen: zum einen, weil nicht gewiss war wann und wie sie die Wunde reinigen würde können, denn auch kleine Schnitte konnten zu gefährlichen Infektionen führen und zum anderen, weil sie nun mehr als sicher war dass der Mann kein Ohadu war. Ein Ohadu musste das Blut eines Menschen nicht vergießen um zu wissen, dass seine Beute vor ihm. Ob Menschen oder Entweihte - die Geschöpfe Zûls wussten leider stets nur zu genau mit wem sie es zu tun hatten.

Die Frau mit den unmöglich roten Haaren rümpfte die Nase (fast so als ob sie wüsste mit wem sie es zu tun hatte - war sie etwa...?) während sie mit einem zweiten Tuch spielte welches der Mann aus einer seiner vielen Taschen hervorgezaubert hatte. Aber der Mann sprach schon wieder und seine Worte waren ruhig und schroff, was Tanith begrüßte, aber noch viel mehr würde sie es begrüßen wenn sie mit Sicherheit sagen könnte, ob die andere Frau auch tatsächlich eine andere Frau oder wenigstens ein anderer Mensch (denn es gab ja auch Männer die wie Frauen aussahen und Frauen die wie Männer aussahen, wenn man mal an so manche Amazone dachte) war... "Wenn du ruhig bleibst, kann ich dich an einen sicheren Ort bringen. Allerdings wird dir Ruby dafür die Augen verbinden. Oder aber du rennst weiter und lässt dich von den Namenlosen fangen und fressen. Deine Entscheidung. Nur brauche ich sie jetzt."

Wie sollte sie das sagen? "Hör mal, ich komme ja gerne mit an deinen sicheren Ort, aber hast du vielleicht noch eben Zeit mir zu beweisen dass deine Gefährtin keine Entweihte ist?"- Dafür hatten sie keine Zeit. "Hast du deine Gefährtin eigentlich schon mal bluten sehen?"- Und auf diese Frage würde wohl kaum jemand antworten wenn eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit bestand, dass in wenigen Augenblicken sehr viel Blut vergossen werden würde und zwar leider auch noch das eigene. "Kann ich mir deine Klinge borgen und das selber testen?"- Wer in diesen Zeiten seine Waffe aus den Händen gab war dumm, dämlich und so gut wie tot und der Mann war ziemlich lebendig und machte keinen Eindruck von großer Dummheit, eher das Gegenteil. Er hatte bis jetzt überlebt, das war ein gutes Zeichen.

Und dann war auf einmal alles Dunkel und das Tuch wurde grob und ziemlich rabiat um Taniths Kopf gebunden. Sie spürte den Druck, den das grobe Material auf ihre Augen ausübte, aber was sie noch viel mehr spürte war die Hitze ihres Zornes als die vermeintliche Frau ihr zuwarf: "Wir haben keine Zeit für solche Höflichkeiten. Entweder du setzt dich in Bewegung oder ich dreh dir den Hals um." Ein Schubs folgte dieser kleinen verbalen Unhöflichkeit und er kam aus einer gänzlich anderen Richtung wie die, aus der das Tuch gekommen war.

Verdammt! Sie hasste es, (nicht sehen zu können und musste sich bemühen, die aufsteigende Panik im Keim zu ersticken; Panik war ihr Feind) nicht zu wissen wo das kleine Miststück war! Wenn sie wirklich eine Entweihte war und begann einen Zauber zu wirken, nun Tanith würde das auch ohne die Augenbinde vermutlich nicht sofort sehen und erkennen, aber sie würde wenigstens wissen wohin sie den Blitz lenken musste. Blind einen Feuerring zu beschwören (der gewissermaßen per Ausschlussverfahren der einzig sinnvolle Zauber in dieser Situation war bis dass sie die Binde von ihren Augen genommen hatte) war dumm und leichtsinnig, vor allem weil sie den Mann dann auch verletzen würde und sie war sich nach wie vor sicher, dass er menschlich war, was wiederum bedeutete, dass er ein Geschöpf der Göttin war und damit beschützenswert. Vermutlich zogen die Entweihten auch weiterhin getarnt durch die Lande in dem Versuch, die letzten Überlebenden aus ihren Verstecken zu locken und zu Zûls Unterhaltung zu quälen und zu töten. Tanith war sich sicher, dass der dunkle Herrscher an solchen Grausamkeiten Vergnügen hatte. Ein grober Griff umfasste Taniths Schultern und die Zauberin konnte nicht anders als sich zu verkrampfen. Was sollte die ganze verdammte Geheimniskrämerei eigentlich?!

Tanith entfuhr ein leises Knurren als die Fremde sie irgendwelche Stufen hinabschob und einen Arm um ihre Hüfte legte um sie eben diese grob hinabzuführen. Aber die Frau stieß sie nicht die Stufen hinab, was eine einfache und elegante Art gewesen wäre, sich ihrer zu entledigen. Nein, stattdessen stiegen sie... ziemlich lange sogar... und immer tiefer, so schien es ihr... dankbarerweise schweigsam... die Stufen hinab. Und wie zu erwarten wurde Tanith das Tuch nicht sofort von den Augen genommen. Warum auch? Die anderen konnten ja sehen! Apropos, der Mann und die Frau wechselten ein paar leise Worte, die Tanith nur bedingt verstehen konnte. Ein Gästezimmer? Wieso nur klang das so nach Verhör und Folterkammer in Taniths Ohren?

Und während sie sich noch geistig schalt dafür, wie ein dummes Schaf blind zur Schlachtbank gelaufen zu sein, formten Mund und Zunge schon mit spitzen Worten den Satz: "Ist das die berühmt-berüchtigte patrianische Gastfreundschaft, von der meine Eltern mir schon so viel zu berichten wussten? Was wird's denn werden? Die Keller der Hexen oder doch die fürsorgliche Pflege der Joor bis zum letzten Atemzug?"
Zuletzt geändert von Tanith am Donnerstag 12. Dezember 2013, 13:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Quartiere der Streuner, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ruby » Dienstag 10. Dezember 2013, 16:50

Es schienen unendliche viele Ewigkeiten dahin zu ziehen, bevor Ahavan endlich erschien. Ohne es zu merken, gab sie ein leises Stöhnen der Erleichterung von sich. Hätten die Kobolde ihn entdeckt, wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen bis sie den Kellerabgang gefunden hätte. Sie war sicherlich nicht empfindlich, aber für den Tod der Gilde wollte sie nicht verantworlich sein. Nicht ganz aus Nächstenliebe, denn was würde dann aus ihr werden?! Zum Sterben war es eindeutig nicht der richtige Zeitpunkt. Wieder stieg Wut in ihr hoch und die Frage drängte sich erneut in ihr Bewusstsein, warum Ahavan diese Frau mitgenommen hatte. Und nun war sie es auch noch, die sich um sie kümmern musste. Am Ende der Treppe angekommen, löste sie aber sofort wieder ihre Umarmung und dirigierte die Frau mit leichten Berührungen an der Schulter. Die Tür schloss sich hinter ihnen und Ahavan wandte sich an sie. Ruby traute ihren Ohren kaum. War das sowas wie ein Kompliment? Er war zufrieden? Er hatte nichts gemerkt? Ruby lächelte für einen kurzen Moment und tat es mit einer Handbewegung ab. Einem Abenteuer mit ihm stand also nichts im Wege!
Er wollte zum Gästezimmer! Ruby nickte kurz und gab der Zauberin einen weiteren Schubs. Natürlich hatte Ruby von diesem Zimmer gehört. Viele ihrer Bekanntschaften hatten davon erzählt, aber sie selbst war noch nie in diesem Zimmer gewesen. Ihr Herz schlug einen Takt schneller und ihre Wangen röteten sich. Eines war sicher, mit Ahavan war das Leben aufregend und dieses Mal war es keine Geschichte, die sie hörte, dieses Mal steckte sie mitten drin. Sie ging jedoch nicht soweit, dass sie in Gedanken der Frau dankte! Eine Unterhaltung würde Zeit kosten, die sie anderweitig auch gut hätte brauchen können, zum Beispiel um ihre Wunden zu lecken. Ihre Beine und ihr Rücken schmerzten, dass sie ihr Training wohl die nächste Tage ausfallen lassen musste. Sehr ärgerlich!

Die Fremde demonstrierte zum zweiten Mal an diesem Tag, dass sie tatsächlich reden konnte! Ihre Eltern! Ruby konnte einfach nicht anders und lachte auf, was in diesen feuchten dunklen Gängen hundertfach widerhallte. "Wie mir scheint haben deine Eltern für eine hervorragende Ausbildung ihrer süßen kleinen Tochter gesorgt, wenn du dich in dieser fremden Stadt so gut auskennst! Mein Vorschlag wäre ja, wir beginnen im Keller der Hexen und arbeiten uns dann zum Haus der Joor vor. Es sei denn du möchtest noch gerne den Folterkeller der Amazonen kennenlernen?! Wie wäre das?" Das Wort Eltern sprach sie sehr spöttisch aus. Unwillkürlich frage sich Ruby plötzlich wie alt diese Frau wohl sein mochte. Ob sie noch ein halbes Kind war und nur durch das hässliche Auge so alt aussah? Aber warum machte sie sich darüber Gedanken? Es war einerlei. "Aber du kannst uns ja gleich mehr erzählen, wir sind nämlich am Ziel deiner Träume, Einäugige!"
Sie hatten das Gästezimmer erreicht und Ruby zog die Frau zur Seite, so dass Ahavan vorbei gehen konnte. Ruby hatte nicht vor dieses Zimmer zuerst zu betreten. Der Prinz war für sonderbare Dinge bekannt und sie wusste nicht ob hier Fallen eingebaut waren.
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Re: Quartiere der Streuner, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Tanith » Donnerstag 12. Dezember 2013, 13:35

Sie waren unter der Erde, so viel war Tanith klar, denn die Luft war feucht und kühl. Dennoch fühlte sie sich nicht abgestanden an - irgendwo hier musste es also mindestens einen Zugang zur Oberfläche geben durch den die Luft zirkulieren konnte. Für eine luftaffine Magierin wie Tanith waren das gute Nachrichten: Wind konnte sie machen, Feuer auch und die erdige Feuchtigkeit der Luft machte auch Eiszauber nicht unmöglich.

Jemand lachte über ihren durchaus herausfordernden Kommentar und Tanith erkannte die Stimme der Frau. So so, sie fand das also lustig... dann aber antwortete die Fremde und das Maß war voll. Sie hatte sich von diesen Fremden erstens: schneiden, zweitens: die Augen verbinden, drittens: beleidigen und viertens: recht grob herum schubsen lassen. Man hatte ihr die Hände nicht verbunden und Tanith hatte sich auf die Bedingungen des Mannes und der Frau eingelassen und nicht versucht, die Augenbinde zu entfernen. Das alles war aber offensichtlich nicht Beweis genug dafür, dass sie kein Übel plante. Es war offensichtlich, dass die Frau ihr feindlich gesonnen war - warum sollte sie sich weiterhin auf die Bedingungen einer solchen Person einlassen? Die Folterkammer wollte sie Tanith also zeigen, ja? Nun, dann blieb Tanith nur eines, nämlich Feindseligkeit mit Feindseligkeit zu vergelten.

"Eine interessante Art habt ihr mit Leuten umzugehen, die euch eigentlich nur vor einer Herde Kobolde und Namenloser bewahren wollte. Wirklich. Und so fürsorglich! Lasst mich euch eure Liebenswürdigkeit mit einer der meinen vergelten," erwiederte sie kalt und den augenscheinlich höflichen Worten folgte das Knistern von Flammen die in einem kleinen Ring um Tanith bildeten der sich langsam aber beharrlich erweiterte und sowohl dem Mann als auch der Frau genug Zeit ließ, sich von der blonden Magierin zu entfernen ohne ein Opfer der Flammen zu werden.

"Ich gestehe aber, ich habe genug von diesem albernen Versteckspiel," fuhr sie ruhig fort und zog sich die Augenbinde vom Kopf während der Feuerring bei seiner Größe von gerade mal 2 Schritt blieb. Ein ärgerliches Funkeln war in ihrem grünen Auge zu sehen, wohingegen des linke, blinde Auge weiterhin teilnahmslos erschien. Sehr zu Taniths Unmut war es schwieriger als sonst, den Ring aufrecht zu erhalten. Er hatte weder die Größe noch brannte er mit der Intensität welche die Grenze von Taniths Fähigkeiten darstellten und trotzdem konnte sie - sehr deutlich sogar - spüren wie das Feuer an ihren Kräften zehrte.

"Darf ich mich vorstellen? Ich bin Tanith, Tochter von Orest und Ioa, Schwester des Dastan. Ich bin eine bescheidene Zauberin aus Maryenhain und ihr," hier machte sie eine Pause und deutete auf die Frau mit dem auffälligen roten Haar, "... seit sicherlich eine Patrianerin, nicht wahr? Ich habe es schon mal gesagt und ich sage es wieder: euch Patrianerinnen mangelt es an allem was Menschen menschlich macht. Ihr habt keinen Respekt, keinen Anstand und kein Benehmen. Wirklich, wie haltet ihr es mit ihr aus?" Diese Frage war an den Mann gerichtet und es klang aufrechte Neugier daraus hervor.

Dann verschränkte die Zauberin die Arme vor der Brust. Ihre Stimme war noch immer ruhig und entspannt, auch wenn ihre Körperhaltung verriet, dass sie keinen Schritt weitergehen würde.

"Wo ihr jetzt schon meinen Namen kennt und wisst, dass ich keine Entweihte bin, wollt ihr euch da nicht auch vorstellen und mir das Gleiche beweisen?"
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