Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Tauche ein in die Welt von Aurorae!

Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Der Schreiber » Freitag 25. Januar 2013, 17:20

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Außerhalb der Stadtmauern zieht sich ein gerodeter Gürtel um die Stadt. Aus Angst vor den Pflanzenwesen haben die Patrianerinnen hier jeden Baum gefällt. Südlich der Stadtmauern befindet sich der Friedhof. Einige Häuser, die in der Stadt keinen Platz mehr hatten, befinden sich ebenfalls auf diesem Gürtel.
Seit die Flüchtlinge Patria überrollen, haben sie auch hier ihr Lager aufgeschlagen und hoffen auf Nahrung und Arbeit.

1. Patria

Patria ist die einzigste Stadt in Aurorae, die die Zeit überdauert hat. Hier sind die Amazonen, Hexen und Priesterinnen zu Hause. Die Stadt wird regiert vom Rat der drei Orden.

2. Friedhof

Der Friedhof Patrias befindet sich nicht unweit südöstlich der Stadtmauer entfernt. Hier werden alle Einwohner Patrias beigesetzt, auch die Ratsmitglieder, für die es eine spezielle Gruft gibt. Die Priesterinnen pflegen die Gräber.

3. Häuser außerhalb und das Flüchtlingslager

Einige Frauen haben sich entschieden außerhalb Patrias ihre Häuser zu errichten. Wahrscheinlich waren die hohen Steuer der Grund. Seitdem immer mehr Flüchtlinge aus dem Süden kommen, ist hier ein Flüchtlingslager entstanden, dessen Ausmaße schon jetzt enorm sind.
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Manya » Sonntag 3. November 2013, 10:36

Seit Manya ihre Hütte verlassen musste und aufgebrochen war ging sie unbewusst nach Norden. Es war wie ein unsichtbares Band, dass sie hielt und Nim für Nim weiter zog. Erst in dem Moment wo sie die Reste der Stadtmauer Patrias sah, blieb sie erschrocken stehen. Sie zog ihr Gorsakjunges ganz eng an sich heran, aus Angst ein Fluch würde sie treffen, der sie augenblicklich tötete. Natürlich war das Blödsinn, aber es war ein dumpfes Gefühl, dass sie hier nichts zu suchen hatte. Dies war nicht mehr ihre Heimat. Nichts verband sie mit diesem Ort, nur ihre Vergangenheit. Beim Anblick der verfallenen Stadt blieb kein Zweifel daran, wer den Krieg gewonnen hatte. Ob Vaera noch lebte? Wenn ja, dann war sie sicherlich nicht in der Stadt, wie auch keine andere Menschenseele. Manya ging ein bisschen weiter, seitlich zur Stadtmauer und erhaschte kurze Blick durch die kaputte Mauer. Sie konnte Zûls Schergen sehen, die durch die verlassenen Straßen zogen und wenn man nicht genau hinsah, konnte man meinen sie wären die neuen Bewohner. Aber das war Blödsinn, sie waren bestimmt nur noch hier, weil es so Idioten gab - wie sie - die von Patria immer noch magisch angezogen wurden und in den Tod gingen.

Manya wurde sich darüber im Klaren, dass es hier sehr gefährlich war. Wenn Kobolde und Schlimmeres in Patria waren, dann zogen sie mit Sicherheit auch außerhalb von Patria ihre Kreise, genau wie sie! Es war Wahnsinn noch länger hier zu bleiben und doch... Manya setzte sich auf einen Stein, zog das Gorsakjunge an sich heran und streichelte es am Kopf. Sie hatte dem Kleinen immer noch keinen Namen gegeben. Nicht weil ihr keiner einfiel, sondern weil sie Angst hatte es zu verlieren und es war leichter etwas ohne Namen zurück zu lassen! Sie legte ihren Kopf an seinen, schloss die Augen und flüsterte leise zu ihm. Die Worte beruhigte nicht nur das ängstliche Tier, das die Kobolde roch, sondern auch sie selbst. Bilder der Vergangenheit zogen vor ihrem geistigen Auge vorbei und sie dachte an die schönen Tage mit Foxane! Sie vermisste ihre Waffenschwester und Freundin und sorgte sich um sie. Hatte sie überlebt?
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Mahot » Sonntag 3. November 2013, 17:25

Ganz langsam und lautlos hob Mahot die Falltür an und schielte nach allen Richtungen. Erst als er auch kein verdächtiges Geräusch hörte, schlüpfte er hindurch, schloss die Falltür und rückte das Moos darüber wieder an seinem Platz. In der rechten Hand hielt er das fliegende Klappmesser. Er zog den Leinenärmel bis weit über die Hand. Mahot schlich bis zu einem größeren Mauerrest, duckte sich und konnte sie hören, diese seelenlosen Geschöpfe. In den letzten Tagen, wenn er hier oben war, hatte er keine menschlichen Schreie mehr vernommen. Diese Brut hatte alles vernichtet, was einmal blutete. Auch meinte Mahot, dass diese Schlächter täglich weniger wurden. Vielleicht zogen sie sich allmählich zurück. Aber er traute ihnen nicht. Sie würden weiter ausschwärmen bis tief in die Wälder, so lange sie noch Blut witterten.

Mahot wusste, dass er sich jedes Mal in Gefahr begab. Der Prinz wäre entsetzt, wenn er das wüsste. Aber Mahot scherte sich nicht darum, was andere ihm verboten. Gut, unten musste er notgedrungen die Gesetze befolgen. Aber hier oben war er sein eigener Herr. Ab und zu eine dieser Kreaturen zu töten, war mehr als eine gute Tat. Ein Miststück weniger. Wenn er in der Gilde mal keine Ablenkung durch ein Weib fand, war das Abschlachten eines Feindes hier die reinste Befriedigung für ihn.

Plötzlich hörte er etwas trampeln. Ganz leicht vibrierte der Waldboden, nicht weit von ihm. Lautlos schlich er der Geräuschsquelle entgegen, duckte sich hinters Gestrüpp und dann sah er sie. Eine Frau, sitzend auf einem Stein und einen Gorsak neben sich. Dass es sich um eine Amazone handelte war schnell klar und sein Herz hüpfte vor Aufregung. Wie lange ist es her, dass er eine gesehen hatte? Sein Blick fiel seitlich auf ihr Profil. Was für eine Frau. Der Kleidung und den Waffen nach zu urteilen, musste sie einen hohen Rang innehaben. Seine äußerst amüsanten Erfahrungen, die er mit jungen Amazonen oder Amazonenschülerinnen erleben durfte, hatten sein Wissen erweitert.
Er holte tief Luft und schlich noch näher. Ihr fein geschnittenes Gesicht, ihre stolze Körperhaltung und ihre schlanke Figur zogen ihn magisch an. Als sie ihren Kopf etwas drehte und in seine Richtung blickte, sah er ihre Augen. Was für Augen. Das reichte ihm und er erhob sich, ging ein paar auf sie zu, blieb stehen und rief so leise er konnte:

"Seid gegrüßt, stolze Amazone. Ich bin Mahot, ein Kämpfer dieses Lebens. Es freut mich außerordentlich eine verwandte Seele nahe dieser fast toten Stadt zu treffen."
....Und auf die gelernte Weise
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Manya » Montag 4. November 2013, 09:37

Der Tag neigte sich dem Ende zu, die Sonne warf lange Schatten. Manya war mehr als froh, dass die dunkle Jahreszeit überstanden war. So lächerlich es auch klang, die Sonne brachte Wärme, Leben und Hoffnung! Hoffnung war ein lächerliches Wort in Anbetracht der Zerstörung vor ihr. Auf der anderen Seite war es vielleicht auch die gerechte Strafe für die vielen hundert Jahre Sklavenhalterei. Vielleicht hatten die Patrianerinnen es nicht anders verdient! Aber all diese Unschuldigen...

Manyas Gedankengänge wurden durch ein sehr leises Geräusch in der Umgebung gestört. Sie bewegte sich nicht und hielt inne. Es kam langsam näher, dann Stille. Sie spürte ein leises Kribbeln im Nacken, als würde sie jemand beobachten, aber das war sicherlich nur Einbildung, jedenfalls das Kribbeln. Ihre Muskeln waren angespannt und sie drehte sehr langsam ihren Kopf, so wie sie es getan hätte, wenn sie in Gedanken wäre. Ein Scherge Zûls war es sicherlich nicht. Diese Kreaturen ließen keine Vorsicht walten, sondern bewegten sich wie Sieger es taten, mit schweren festen Schritten. Gab es an diesem Ort tatsächlich noch Leben? Unvorstellbar. Auch ihr Gorsakjunges roch nun etwas, seine Nase blähte sich auf und er gab ein leises Schnauben von sich.
Manya hatte nicht vor seine Tarnung auffliegen zu lassen, also wartete sie bis sich etwas tat und so kam es auch. Ein Mann stand plötzlich zwischen den Büschen und kam auf sie zu. Mit hochtrabenden Worten begrüßte er sie.

Sie musterte ihn mit wenigen Blicken, doch eigentlich reichten seine Worte schon aus. Es war ein seltsames Gefühl in der jetzigen Zeit auf so viel Hochmut zu stoßen. Ein Kämpfer des Lebens! Wie lange er wohl gebraucht hatte, um sich diesen Titel auszusuchen...
"Seid gegrüßt, Mahot, Kämpfer des Lebens.", entgegnete sie nüchtern und ebenso leise. Er trug eine Armbrust und ein Messer. Die klassischen Waffen eines Waldläufers. Er war sehr groß und eine normale Frau hätte ihn sicherlich stattlich genannt. Doch Manya hatte für solche Dinge kein Auge mehr. Es war ein Mann gewesen, der ihr Leben zerstört hatte. Doch wer wusste es schon, vielleicht hatte dieser dämliche Krieger sogar ihr Leben gerettet... Dieser Gedanke ließ Manyas Augen funkeln und ihr rechter Mundwinkel zuckte kurz. Hoffentlich lag er mit seiner Neuen in einem modrigen Grab. Nur der Hass, den sie in den vergangenen Monaten aufgebaut hatte, ließ sie den Schmerz vergessen. Und heute gab es fast nur noch Verachtung für das andere Geschlecht.
"Verwandte Seele? Wenn ihr meint, dass wir beide Menschen sind, habt ihr wohl recht. Fast tot? Also gibt es in Patria noch Menschen?" So zuwider ihr diese Begegnung auch war, konnte sie doch etwas Gutes haben. Vielleicht erfuhr sie von diesem Mann etwas Wichtiges, zum Beispiel etwas über Vaera...
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Mahot » Montag 4. November 2013, 10:56

Als er ihre Stimme hörte, rundete es das Gesamtbild dieser schönen Frau ab. Sie sprach hart aber im Nachklang doch mit einer gewissen Weichheit. Direkt und ohne Umschweife. Aber ihr Blick, der für Sekunden eine tiefe Traurigkeit sowie auch Zorn und etwas Verachtung aufblitzen ließ, warnten Mahot. Ihr konnte man so schnell nichts vormachen. Auch seinen Charme würde er ganz hinten anstellen müssen. Der könnte hier mehr zerstören als gewinnen. Merkwürdiger Weise verspürte er auch keinerlei Trieb, diese Amazone zu erobern. Noch nicht!

Dafür breitete sich ein ganz eigenartiges Gefühl in ihm aus. Diese Empfindung hatte er das letzte Mal, als er mit seinen Eltern und Geschwistern auf der Flucht im Wald unterwegs war. Der Beschützerinstinkt! Ja, für diese Frau würde er kämpfen, mit ihr kämpfen, um sie kämpfen.

Er kam näher, setzte sich ihr schräg gegenüber auf einen Stein und genoss den Anblick, der sich ihm bot. Die Amazone und der junge Gorsak. Seit wann genieße ich den Anblick eines Gorsaks?, fragte er sich und schmunzelte. Das Gesamtbild, die beiden sind eine Einheit. Drehe ich jetzt durch? Nein. Das waren die letzten Jahre, in denen er nur mit einem bestimmten Typus von Frau Tag für Tag in Kontakt kam. Frauen, die sich der Leichtigkeit des Lebens hingaben und selten nach mehr strebten. Sein Mund fühlte sich trocken an. Er zog den Flachmann hervor und gönnte sich einen Schluck. Er stellte die Flasche auf einen Stein: "Greift nur zu. Ein guter Rotwein." Ihren Namen hatte sie noch nicht genannt.

"Nein, die Stadt ist so leer und tot wie die dunkelste Seele. Vereinzelte und kleinere Gruppen, die mal hier oder sonst wo in ihren Verstecken hausen, ja, die gibt es noch. Aber sie bleiben, so wie ich, nie lange an einem Ort." Du Lügner, schimpfte er sich. "Wie war noch euer Name"?
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Manya » Montag 4. November 2013, 15:29

Er nahm ihr gegenüber Platz und holte ein kleines Fläschchen heraus und trank davon. Der Anblick erinnerte Manya sofort an die alten Zeiten in der Taverne Patrias wo Foxane und sie viele Stunden zugebracht hatten mit ihren Amazonenschwestern und eine Menge Spaß hatten. Es war einfach so unvorstellbar, das dies alles der Vergangenheit angehören sollte! Auch die Worte des Mannes beruhigten sie nicht. Insgeheim hatte sie doch gehofft, dass es Überlebende in Patria gab, aber nun wurde jede Hoffnung darauf zunichte gemacht. Erst bei der Frage nach ihrem Namen wurde sie aus den Gedanken gerissen und sie sah den Mann an. Ihr Name...

"Entschuldigt meine Unhöflichkeit! Mein Name ist Foxane.", antwortete sie ohne nachzudenken, denn der Name ihrer Freundin fiel ihr als erstes ein. Würde sie ihren wahren Namen preisgeben, würde es Vaera - vorausgesetzt sie lebte noch - viel leichter fallen sie aufzuspüren. Es war einfach undenkbar, auch wenn sie es hasste zu lügen. Doch diesen Fremden kannte sie nicht, außerdem war er ein Mann, also niemand dem man vertrauen sollte!
"Schade, ich hatte gehofft einige alte Freunde wiederzufinden. Und worin seht ihr euren Lebenszweck, wenn ihr von einem Ort zum anderen reist? Ist noch irgendetwas übrig geblieben? Das Heerlager, Maryenhain, die Zwergenhöhlen?" Manya war schon öfter der Gedanke gekommen wofür es sich noch zu leben lohnte seit ihrer Verbannung. Es gab für sie keine Freunde mehr, nicht mal andere Menschen, ihr Leben war zerstört, das Einzige was ihr seit Wochen Kraft zum weitermachen gab, war ihr kleiner Gorsak. Sie tätschelte ihm die Nase und bewunderte seine schon festen Schulterplatten. Er wurde langsam groß!
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Mahot » Dienstag 5. November 2013, 08:32

Foxane, was für ein Name. Mahot genoss den Klang ihrer Stimme und zögerte seine Antwort so lange wie möglich hinaus. Wusste er doch, dass er diese Frau vielleicht nie wiedersehen würde, wenn er sie ziehen ließ. Er spielte sogar kurz mit dem Gedanken, sie mit nach unten zu nehmen. Das verwarf er sofort. Eine Amazone, die das Kämpfen im Blut hatte und auf der Suche nach Ihresgleichen war, würde es keine zwei Tage in der Gilde aushalten. Das verriet ihr sehnsüchtiger Blick und die Art und Weise, wie sie die Orte von Aurorae aussprach.
Oh ja, er konnte das nachvollziehen. Früher oder später wird er umherziehen und nach Abenteuern mit lohnenden Geschäften Ausschau halten.

Er rückte ein wenig näher zu ihr, um den Geruch von ihr aufzunehmen und sprach leise:
"Erst gestern traf ich einen Händler, den ich schon lange kenne. Er war ein sehr guter Freund meines Vaters und er zieht schon sein Leben lang durchs Land. Er ist ein alter Knochen und wie er bisher überleben konnte, ist vielen ein Rätsel. Ich vermute, dass er ein Zauberer ist. Er taucht alle paar Monate hier in der Gegend immer wieder auf. Dieser Alte kennt ganz Aurorae. Glaub mir, wenn er sagt, dass kein Ort mehr so ist wie früher, dann ist es so. Gerade gestern sprach er, dass er keinem einzigen Zwerg seit Monaten begegnet ist. Da er mit den Zwergen immer gut verhandelte, machte der Alte sich auf die Suche. Er fand die Höhlen und doch nicht. Die Eingänge, wenn sie dort waren, wo er sie vermutete, wären mit Tonnen von Geröll überschüttet und versperrt. Alle anderen Orte, die du nanntest sind auch dem Erdboden gleich."

Mahot machte eine Pause und sah in ihr Gesicht. Da war sie wieder, diese Traurigkeit. Zu gerne würde er jetzt seinen Arm um sie legen. Er ließ es und fuhr fort: "Der Alte erwähnte auch, dass er einige menschliche Abdrücke sowie die eines Gorsaks im Verbotenen Tal entdeckt habe."

Er griff nach der Flasche und während er trank, hörte er wieder die Schreie. Die Todesschreie seiner Eltern. Die Familie war damals auf der Flucht vor den Schergen gewesen. Das war in der Gegend um das Verbotene Tal. Die Erinnerung schnürte ihm die Kehle zu.
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Manya » Dienstag 5. November 2013, 16:13

Kam es ihr nur so vor oder musterte er sie ganz genau? Manyas Nackenhärchen richtete sich ein bisschen auf und sie war auf alles vorbereitet. So naiv war sie natürlich nicht mehr, dass sie annahm ein jeder Mensch wäre ihr Freund. Ihr war sehr genau bewusst, dass es nichts zu essen gab, Menschen Kleidung brauchten... Waffen! Und sie hatte von allem jede Menge. Vor allem ihre verzauberten Speere mussten auffallen. Wer besaß heutzutage nicht gern so eine Waffe? Sie musste auf dem Schwarzmarkt ein Vermögen wert sein. Ihre Sinne waren geschärft, doch er schien wirklich allein zu sein. Keine "Freunde" in der Nähe und mit ihm allein würde sie schon fertig werden!

Er begann kleine Märchen zu erzählen, vielleicht um sie einzulullen. Ein Zauberer, ja sicher! Ihr kamen die Barden in den Sinn, die den ganzen Tag nichts anderes taten, als Geschichten zu erzählen. Vielleicht war er so einer?! Als er jedoch zu den Zwergenhöhlen kam, spitzte Manya die Ohren. Der Eingang verschüttet? Sie wusste natürlich das die Zwerge nicht am Krieg teilgenommen hatten. Entweder bedeutete das, dass die Zwerge vernichtet worden waren oder aber das sie in ihren Höhlen eingeschlossen sind. Beides war kein angenehmer Gedanke. Aber wenn nicht die Zwerge, wer dann konnte sich aus einer steinernen Höhle befreien?! Sie kam nicht dazu den Gedanken zu Ende zu denken, als er Gorsakabdrücke erwähnte. Eine Amazone? Vor ihrer Verbannung wäre das eine Nachricht gewesen, die sie aufgeregt in die Höhe hätte springen lassen, aber nun hatte sie eher zur Folge, dass Manya wusste wohin sie vorerst nicht gehen würde! Sie konnte nicht riskieren von jemandem erkannt zu werden. Verbannung war Verbannung und hieß nicht mehr wieder zu kehren. Daran änderte auch dieser Krieg nichts.
Der abgestandene Duft des Weins stieg ihr in die Nase und sie hätte fast würgen müssen. Ihr hungriger Magen zog sich krampfhaft zusammen. Sie hatte sich an das dumpfe Gefühl im Magen schon gewöhnt, aber manchmal rebellierte er und schmerzte noch mehr wie sonst.

"Ihr seid großzügig mit euren Informationen. Ich muss euch danken, Mahot! Ihr habt mir sehr geholfen. Die Nacht bricht gleich herein und ich werde mir nun einen Schlafplatz suchen. Die Welt ist klein geworden, vielleicht sieht man sich einmal wieder!" Manya erhob sich, griff nach den Zügeln von ihrem Gorsak und schulterte ihre Rucksack.
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Mahot » Dienstag 5. November 2013, 18:03

Er seufzte als die Amazone von Aufbruch sprach und es schmerzte, dass sein Charme hier nichts ausrichten konnte. Wären es andere Zeiten, dann hätte er jede Wette gewonnen und diese Frau nach Strich und Faden verführt.
Mahot blieb sitzen und sog jede Körperbewegung von Foxane auf. Wie grazil, wie zerbrechlich sie auch wirkte. Aber sie war eine starke Amazone und mit den besten Waffen ausgerüstet. Besonders die Speere, drei an der Zahl, waren außergewöhnlich. Also ein hoffnungsloser Fall. Weder würde sie seine Hilfe annehmen, sie zu begleiten, noch würde er sie zum gemeinsamen Übernachten in einem seiner unterirdischen Bunker überreden können. Aber Mahot baute auf die Zukunft. Nach dem Motto: Man sieht sich immer zweimal im Leben! Wenn er jetzt einen guten Eindruck hinterließ, dann würde das Wiedersehen in einer besseren Zeit positiv für ihn ausfallen. Taktik war hier gefragt. Und er war jung und konnte warten.

Während er sinnierte und ihre Figur bewunderte, rotierten seine Gedanken. Was sprach eigentlich dagegen, wenn er sie demnächst aufsuchen würde? Im Spurenlesen war er ein Könner. Ein Abenteuer außer Haus wäre wieder mal fällig. Der Gedanke nahm Formen an. Mahot schmunzelte und erhob sich. Langsam ging er auf den Gorsak zu, hielt seinen austreckten Arm vor das Maul des Tieres, ließ es schnuppern und streichelte es am Hals.

"Ein schönes Tier", sprach er sanft. "Immer gern zu Diensten. Bei einer so bezaubernden Frau wie ihr es seid, die sich allein in diesen Zeiten durchschlägt, kann man nur den Hut ziehen. Kann ich euch nicht dazu überreden mit mir ein bescheidenes Mahl zu teilen? Für eine sichere Übernachtung im kleinen Bunker kann ich auch garantieren. Auch wäre ich bereit, euch ein Stück des Weges zu begleiten?"

Ihr Blick war eindeutig und nicht zweideutig. Doch als Mann aus gutem Hause, wusste er, wie man sich galant verabschiedete. Noch bevor sie antworten konnte, setzte er nach:
"Ich wünsche euch, dass ihr findet, wonach euer Herz sich sehnt. Möge die Göttin immer mit euch sein, Foxane."
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Manya » Mittwoch 6. November 2013, 14:12

Es widerstrebte ihr, dass er zu ihrem Gorsakjungen ging und es streichelte. Auch seine zuckersüßen Worte prallten an ihr ab wie wie Wassertropfen auf dem Gorsakpanzer. Sie versuchte nicht wütend zu werden und tat es einfach damit ab, dass Männer wohl nichts dafür konnten, dass sie so waren wie sie waren. Körpergesteuerte Wesen ohne Hirn und die, die ein bisschen Hirn besaßen waren gefährlich, machhungrig und gierig. Sie wollte schon zu einer passenden Antwort ansetzen, aber da winkte er schon ab und sie konnte sich weitere Worte sparen. Sie war fast ein bisschen enttäuscht, nur zu gerne hätte sie ihm die Meinung gegeigt. Arroganter Habenichts! Was wusste er schon von ihrem Herzen, es war eine Frechheit, dass er diese Worte überhaupt in den Mund nahm. Sie wünschte sich, sie hätte ihn erst gar nicht getroffen. Es brachte nur wieder ihren aufgestauten Hass zum Vorschein. Vor ihrem geistigen Auge zog sie ihren Speer und brügelte damit auf den Mann ein. Solche Vorstellungen hatte sie oft, doch der Mann in ihren Vorstellungen war immer der gleiche: Marek! Wenn sie mit ihm fertig war, konnte man kein Gesicht mehr erkennen und er lag wimmernd am Boden.
Ein Mensch mit klarem Verstand hätte sicherlich gefragt, was Marek nur angestellt hatte, dass sie einen derartigen Hass auf ihn hatte. Leicht war diese Frage nicht zu beantworten. Vordergründig war es sicherlich die Frau, die sie an seiner Seite gesehe hatte. So schnell hatte er Gefallen an einer anderen gefunden! Von Liebe hatte er geflüstert, von der wahren Liebe, der einzigen... Er war jedenfalls ein guter Lehrmeister gewesen. Manya wusste nun was sie von säuselnden Worten der Männer zu halten hatte. Sie waren nichts weiter als aufgesetzte Hüllen. Aber natürlich ging dieser Hass noch weiter und endete bei ihr selbst. Sie hasste ihre eigene Dummheit, dass sie so leichtsinnig gewesen war alles in ihrem Leben aufs Spiel zu setzen. Für NICHTS!
Der Blutrausch hatte bei ihren Kämpfen eine ganz neue Bedeutung bekommen. Nicht selten hatte sie sich in der Vergangenheit gegen Namenlose zur Wehr setzen müssen. Es war nicht mehr von ihnen übrig geblieben als kleine Stücke. Was die Speere begannen, vollendete ihr Schwert. Sie hackte die Wesen akribisch in einzelne Stücke. Es verschaffte ihr Genugtuung und eine kleine Linderung.
Genau dieses Verlangen spürte sie in diesem Moment auch! Das Blut in ihren Adern rauschte schneller, so dass sie es in ihren eigenen Ohren hören konnte. Nur ihr Verstand hielt sie davon ab, ihr Schwert zu ziehen. Es gab kaum noch Menschen auf dieser Welt und sie würde für Zûl sicherlich nicht die Arbeit übernehmen!

"Und mit euch!", sagte sie mit zusammengebissenen Zähnen. Sie zog ihren Gorsak etwas zu fest und ging wieder Richtung Süden woher sie gekommen war. Sie spürte seine Blicke im Nacken und ihre Finger zuckten. Sie zog gekonnt einen Speer aus seiner Halterung am Rücken und hielt ihn mit beiden Händen fest. Ihre Finger beruhigten sich mit jedem Schritt, die sie zwischen sich und den Mann brachte.
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Mahot » Mittwoch 6. November 2013, 16:54

Oh ja, wir sehen uns bestimmt wieder, mein Täubchen, dachte Mahot.
Die Vorfreude war einer der schönsten Dinge im Leben. Ihm blieb nicht verborgen, dass es in Foxane brodelte. Gehörte sie zu den Amazonen, die nur mit Frauen können? Er bezweifelte das. Wäre es so, hätte sie mehr Humor gezeigt und auch kokettiert. Nun wie auch immer, so konnte er wenigstens von ihr träumen. Von einem Weib, dass man nicht so schnell um den Finger wickeln konnte. Von einem Weib, das man nicht nur besitzen wollte. Das werden wahnsinnig tolle Träume sein.

Er dachte an die Mädchen und Frauen im Quartier. Für jeden Geschmack und für jede Torheit konnte man eine jederzeit finden. Mahot musste sich ihrer oft erwehren. Er hatte stets die Qual der Wahl. Da dieser Zeitvertreib schon lange die einzige Ablenkung war, fühlte er sich oft ausgelaugt und auch etwas gelangweilt. Darüber musste er unbedingt mal mit einem Kumpel reden.

Er blickte ihr so lange nach, bis sie am Horizont verschwand. Die Amazone und der Gorsak gingen der untergehenden Sonne entgegen. Was für ein Bild. Die Dämmerung kam schnell und er sputete sich.

Mahot trat ein in Mutter Erde und schlenderte im langen Tunnelgang. Er wollte ins Wirtshaus. Einen guten Roten, was zwischen die Zähne und Spaß haben.


Weiter Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Manya » Freitag 8. November 2013, 15:37

Manya war froh darüber endlich wieder allein zu sein. Hatte sie sich schon zu sehr an die Einsamkeit gewöhnt oder war es nur die männliche Gesellschaft, die ihr derart zu schaffen machte? Sie wusste auf diese Frage keine Antwort. Ihren Speer hielt sie weiterhin in den Händen. Es war besser auf alles vorbereitet zu sein, so nah an Patria. Das Licht reichte gerade noch aus, um nach Wurzeln oder Kräutern Ausschau zu halten. Es war so früh im Jahr jedoch schwierig. Kräuter würde sie wohl keine finde, außer ganz frische Triebe, aber vielleicht hatte sie mehr Glück mit Wurzeln. Seit ihrer Verbannung hatte sie sich mit solchen Dingen beschäftigen müssen. Ihre Waffen waren plötzlich nicht mehr so wichtig! Erst in diesen Tagen hatte sie gemerkt, wie wenig Ahnung sie davon hatte. Das Essen lag immer fertig auf dem Teller. Anfangs hatte sie Wild gejagd, aber als das ausblieb, musste sie sich mit dem Grünzeug beschäftigen. Da sie keine Ahnung hatte, was sie essen konnte und was nicht, musste sie alles austesten. Sie aß immer erst eine kleine Menge, prüfte Geschmack und wartete auf Krämpfe oder andere Anzeichen. Nicht selten wurden sie von heftigen Durchfällen und Erbrechen geplagt. Aber heute wusste sie so ziemlich genau was essbar war. Sie hatte keine Ahnung, ob auch andere genau diese Knollen suchten und aßen, aber sie tat es und sie wusste, dass sie so überleben würde.
Hier und da hilt sie inne, benutzte ihr kleines Messer zum Ausgraben der Knollen, stopfte sie in ihren Rucksack und ging weiter. Es war nicht viel, was sie fand, aber es würde reichen, um heute etwas in den Bauch zu bekommen. Als die Dämmerung einsetzte, ging sie noch so lange wie es möglich war, erst dann fand sie einen geeigneten Platz. Es war langsam an der Zeit sich Gedanken zu machen was nun kommen würde. Wohin sollte sie gehen? Sollte sie die Zwergenhöhlen aufsuchen? Auf dem Weg dorthin kam sie am Feental vorbei... Ja, das schien ihr klug zu sein!
Ein kleines Feuer brannte schnell und ein Topf mit Wasser hing schon darüber. Die Wurzeln schnitt sie klein und warf sie ins Wasser... Ihr lief schon das Wasser im Mund zusammen.
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Manya » Dienstag 12. November 2013, 14:18

Die Worte des Mannes, dessen Namen sie schon wieder vergessen hatte, gingen ihr nicht aus dem Kopf. Das Verbotene Tal! Auch wenn sie sich dagegen wehrte, drangen die Erinnerungen daran immer klarer in ihre Gedanken. Trotz all der erschreckenden Dinge, die sie auf dieser Reise erlebt hatte, blieb doch das Schöne im Vordergrund. Nur zu gut erinnerte sie sich noch an den Spaß, den Foxane und sie gehabt hatten. Der Angriff der Clanmänner. Einer hatte wehrlos vor ihr gelegen, aber sie hatte es nicht übers Herz gebracht ihn zu töten. Zum Glück bemerkte niemand anderes diese Situation und dann die Ankunft an der Mine. Die stille Aufregung, die alle befallen hatte, als sie hinein gingen ohne zu wissen was sie dort erwartete. Und dann die Offenbarung: Quendors Grab!! Das Buch! Was das der Auslöser für den Krieg oder hatte er schon viel früher begonnen? Sie wusste es nicht, aber ab diesem Tag war nichts mehr so, wie es früher gewesen war. Vaera hatte ihr das Buch anvertraut und sie damit alleine nach Patria geschickt, aber dort kam sie vorerst nicht an. Sie war von diesem Ohadu angegriffen worden und gerettet wurde sie von einem Annuyiaeé... einem Krieger der Göttin. Sie lernte die Höhlen der Verborgenen kennen, Symphonie... Eisauge... alles schien so weit weg zu sein und doch war es noch nicht lange her. Ihre Ernennung zur Kriegsherrin, ihre Narrheit und ihr Sturz... Die Suppe, die sie gerade löffelte begann fahl zu schmecken. Wie viele Menschen waren gestorben. Lebte überhaupt noch jemand von denen, an die sie gerade mit so viel Liebe dachte?!
Das Buch! Wo war es geblieben? Wer hielt es in den Händen? So viel dunkle Macht in einem Buch...
Auch wenn die Gedanken an das Verbotene Tal sie derart gefangen hielten, würde sie von ihrem Plan nicht abweichen! Es könnte gefährlich werden und es sollte die letzte Option sein, die sie in Betracht zog!

Die warme Suppe hatte ihren Bauch gefüllt und sie müde gemacht. Sie band ihren Gorsak neben sich an und bereitete ihr ärmliches Nachtlager vor, dass sie gegen die ärgste Kälte schützen würde. Dann löschte sie das Feuer, um niemanden anzulocken und rollte sich in ihren Mantel ein.
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Manya » Dienstag 19. November 2013, 18:11

Manya hatte eine unruhige Nacht, was nicht zuletzt daran lag, dass sie in der unmittelbaren Nähe von Patria war! Auch die Tiere schienen nervös, was wiederrum ihren Gorsak ebenfalls unruhig werden ließ. Er stampfte mit den Beinen, blähte seine Nüstern auf und stieß die Luft mit einem pfeifenden Laut wieder aus. Die Sonne erhellte noch nicht den Morgen, da stand Manya bereits auf und packte ihre Sachen zusammen. Zum Glück hatte sei das Meiste bereits am Vorabend zusammen gepackt, so musste sie in der Dunkelheit nicht lange suchen. Eine Fackel wollte sie nicht benutzen, jeder würde sie so aus weiter Entfernung sehen. Der nun folgende Weg war Manya mehr als nur bekannt. Unzählige Male war sie hier gelaufen, zuletzt zum Heerlager. Sie war erschrocken wie ausgetrampelt der Weg war und wie breit. Durch die Feuchtigkeit war der Boden weich und sie spürte wie ihre Schuhe einsanken. Schon bald hingen dicke Matschklumpen an ihren Füßen, was das Laufen schwer machte. Auch wenn es noch dunkel war und sie wenig sah, wich sie auf den Wegesrand aus. Sie spürte Sträucher, die über ihr Gesicht kratzen und Steine, über die sie stolperte. Eine gefühlte Ewigkeit später, begann die Sonne langsam über die Gipfel zu wandern, erst jetzt gönnte sich Manya eine Pause am Lusciana-See, um ihre Stiefel zu reinigen und eine Kleinigkeit zu essen. Der Gorsak war vom satten Grün begeistert und Manya hatte einige Arbeit ihn zum weitergehen zu bewegen!
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Manya » Sonntag 1. Dezember 2013, 14:24

Hätte Manya den direkten Weg zum Feental eingeschlagen, würde er sie direkt durch das Heerlager führen. Sie war sich jedoch ganz sicher, dass es dort nicht anders aussehen würde als in Patria, es würde von Namenlosen oder Kobolden sicherlich nur so wimmeln. Und wenn nicht, war die zweite Möglichkeit auch nicht besser. Sollten sich Überlebende dort aufhalten, könnte ihr das genauso zum Verhängnis werden. Sie entschied sich dazu einen Bogen Richtung Süden zu machen und so das Herrlager zu umlaufen. Es würde sie zwar einiges an Zeit kosten, aber immer noch besser als böse Überraschungen zu erleben.

Die Landschaft wirkte dunkler und im wahrsten Sinne des Wortes niedergetrampelt. Jeder Baum schien die selben Qualen wie sie selbst zu erleiden. Alles ächzte unter der Last der dunklen Zeit. Manya musste sich auf andere Gedanken bringen, um nicht vollkommen melancholisch zu werden. Aber welche Gedanken? Sie musste schon sehr weit zurück blicken, um zu den... ihren guten Tagen zu kommen. Und ein Blick nach vorne brachte sie schon seit Monaten völlig um den Verstand. Ein Mensch ohne Zukunft, verbannt, nicht gewollt, überflüssig, war ein Nichts. Ein Mensch ohne Ziel und Hoffnung.
Auf der Suche nach Wärme, tastete ihre Hand nach ihrem Gorsak, der sie zugleich auch seine raue Zunge spüren ließ. Ein schwermütiges Lächeln zeichnete sich auf Manyas Gesicht ab und sie begann sehr leise ein altes Marschlied zu summen, um sich abzulenken.

Die Sonne hatte ihren Höhepunkt erreicht und Manya ging und ging, ohne eine Pause. Immer darauf bedacht auf weichem Boden zu laufen, um so wenig Geräusche wie möglich zu machen. Während dem Vormittag musste sie zwei Gruppen von Namenlosen ausweichen, die sich mit lauten Geräuschen Richtung Norden bewegten. Sie hatte schon sehr lange keinen Ohadu mehr gesehen, fiel ihr plötzlich auf! Der Göttin sei Dank.
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Re: Außerhalb der Stadtmauern Patrias

Beitragvon Mahot » Sonntag 1. Dezember 2013, 18:35

Als Mahot vorsichtig die moosbewachsene Falltür schloss, streckte er sich genüsslich und sog die frische, kühle Luft tief durch seine Lungen. Ja, das tat gut. Und als er die Augen öffnete, den Wald in greifbarer Nähe sah, wusste er, dass er sich richtig entschieden hatte.
Die letzten Stunden in der Gilde hatte er sich vortrefflich mit Rona, einer Schönheit in jeder Beziehung, amüsiert. Wissend, dass es eine Art von ungewissem Ausgang und ein Abschied für lange Zeit war, holte er mit großen Schritten aus und lief auf den Wald zu. Kaum umschlossen ihn die Bäume fühlte er sich geborgen und mit Tatendrang erfüllt. Er drehte sich noch einmal um und nahm stumm Abschied von einem zwar recht sicheren aber ereignislosen Leben. Noch vor wenigen Minuten hatte er seine Schwester Nimwar umarmt, die auch ohne viele Worte zu verschwenden ahnte, was er vorhatte. Sie war jedenfalls dort in Sicherheit und egal, wie lange er fern bleiben würde, sie wird auf ihn warten. Mahot hatte sonst zu niemandem sein Weggehen erwähnt.

Sein Rucksack war schwer und prall gefüllt mit Essensvorräten, Werkzeugen und mit Pfeilen. Mit normalen Jagd- und einigen Giftpfeilen. Die letzteren waren sehr kostbar, denn in diesen Zeiten waren gewisse Waffen kaum zu beschaffen. Aber darüber grübelte er nicht lange nach. Hatte er doch von Kindesbeinen an eine Waffenschmiedin in Patria, seine Tante, mehr als genug belagert und gequält, um ein Wissen zu erlangen, wie und womit man Waffen herstellen konnte. Wahrscheinlich wäre er ohne den Krieg heute ein Waffenschmied.

Mahot ging so schnell wie leise ohne Rast die ganze Nacht durch. Immer wieder vor Augen sah er seinen kleinen Bruder als Säugling. Das war sein Ziel. Herauszufinden und zu hoffen, ob er noch lebte.
Er entdeckte bald die Spuren des Gorsaks und auch die der Amazone. Was sie wohl jetzt gerade machte?
Zwischen Bäumen und dichtem Buschwerk wählte er sein erstes Lager aus. Er hätte gern ein Feuer gemacht, aber er ließ es sein. Aus der Ferne hallten, wenn auch sehr leise, die verhassten Feindgeräusche wider. Mahot warf die Decke über seine Schultern, aß ein wenig und schlummerte bald darauf ein.
....Und auf die gelernte Weise
Grub ich nach dem alten Schatze
Auf dem angezeigten Platze;
Schwarz und stürmisch war die Nacht.

(Auszug aus 'Der Schatzgräber' von Johann Wolfgang von Goethe)
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