Wald der Stimmen

Tauche ein in die Welt von Aurorae!

Wald der Stimmen

Beitragvon Der Schreiber » Freitag 25. Januar 2013, 17:18

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Der Wald der Stimmen ist wohl einer der schönsten Wälder Auroraes, da er so gut wie keine Nadelbäume aufweist. Der Wald der Stimmen soll vor einigen Jahrhunderten König Amodem der III. vor einem Angriff der Pflanzenwesen gewarnt haben, auf dass er die Mauern von Patria verstärken ließ und tatsächlich nur deshalb die Schlacht sein nennen konnte.
Das Feental befindet sich im Wald der Stimmen. Durch einen Zauber wird es vor dem menschlichen Auge verborgen. Der Clan der Drachen treibt im Wald der Stimmen sein Unwesen, sie haben es besonders auf Frauen und Falken abgesehen.

1. Wachhaus

Ehemaliges Wachhaus der Amazonen, doch seit einigen Generationen nicht mehr genutzt.

2. Verfallenes Heiligtum

Erontempel hieß das Heiligtum einst und diente den einigen Clans als Rückzugsort. Eron hieß der Clanführer der es erbauen ließ, um die Göttin zu huldigen.

3. Verlassene Goldmine

Eine verlassene Goldmine, die erschöpft war. Die Gänge sind teilweise schon eingestürzt und ein See hat sich in ihrem Inneren gebildet.

4. Iaens Hütte

Ganz versteckt im Wald der Stimmen wohnt der Eremit Iaen. Er ist ein alter weiser Schamane, der aus Angst vor den Amazonen sein Haus so gut versteckt hat, das selbst er es manchmal nicht wieder findet. Das könnte natürlich auch am Alter liegen.

5. Feental

Die letzte Heimat der Paplias, das Feental. Es ist von außen nicht sichtbar, nur wenn die Feen das wollen.

6. Wolfshöhle

Das ist aber nicht irgendeine Wolfshöhle, sondern hier wohnt ein riesiges Rudel von mindestens 60 Tiere. Ursprünglich war die Höhle wohl bewohnt, jedenfalls deuten viele Zeichen darauf hin.

7. Tempel der Fruchtbarkeit

Trotz seines hohen Alters ist dieser Tempel noch sehr gut erhalten, kein Wunder, denn immer noch pilgern Frauen hierher, die keine Kinder bekommen können. Der Ritus sieht eine Opferung vor, ein Tier muss sterben, damit die Göttin Erbarmen zeigt - so sagt man.

8. Lager des Drachenclans

Nach der Trennung des ursprünglichen Falkenclans ließ sich ein Teil hier nieder, sie nennen sich nun die Drachen mit ihrem Clanführer Shrek.

9. Heilige Hallen

Auch hier priesen die früheren Clanmitglieder die Göttin. Er ist aus reinem Marmor erbaut und zeigt auf den Torrentis, der an ihm vorbeitost.

10. Sekte der Lichtbringer

Hier hat eine Sekte ihr Lager, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Feuer am brennen zu halten. Sie sind der Ansicht, dass es ein Feuer für die Göttin ist, damit sie den Weg zu den Menschen wieder findet, wenn sie herab steigt.

11. Der Lichtbringer

Direkt an dem Knie des Torrentis steht der Lichtbringer. Ein skuriles Gebäude auf deren Spitze das Feuer brennt.
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Foxane » Samstag 2. Februar 2013, 15:30

Leise redete sie vor sich hin. Soweit war es schon mit ihr gekommen. Gut, sie hatte ja ab nun eine mehr als gute Ausrede: Die Zwiesprache mit ihrer Schwester. Das half und Foxane lächelte wieder. Fast hätte sie ein Liedchen angestimmt, doch bremste es gleich wieder aus.

Auch dieser Wald ließ viele Erinnerungen auf sie einstürmen. "Humbug", Schluss jetzt. Konzentriere dich.
Sie wollte immerhin in den nächsten Tagen den Pass von Emen erreichen. Wenn sie sich ran hielt, nachts durchwandern konnte, ja. Die Königsschlucht würde sie leicht streifen und das Gormata Gebirge würde sie keines Blickes würdigen.

Das Leder ihres Schuhwerkes löste sich allmählich auf. Es behinderte so arg, daß sie rasten musste.
Wollen mal sehen, ob das mit dem Reparieren noch klappt. Beherzt zog sie die zerfranzten Lederteile über Steine. Und du, mein geliebter Bronzespeer, bist gleich danach an der Reihe. Der Speer wurde im Kampf in zwei Teile zerlegt.
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Foxane » Sonntag 3. Februar 2013, 12:56

Mit der Beschreibung dieser Fähigkeit des 'Reparierens' hätte jeder Beobachter seine Probleme. Man sah nur die wuselnden Hände der Amazone. Die enorme Geschwindigkeit ließ jeden schwindelig werden. Also man konnte rein gar nichts erkennen.

Stolz betrachtete Foxane ihre Werke:
"Ha, das sind nun die Mokkasins, die jedem Gewaltmarsch trotzen werden," lobte sie sich selbst. Sie hatte unterwegs einige Stahlstücke aufgelesen, die sie flach zu Blech verarbeitete. Ringsherum um das biegsame Metall wurden mehrere Lagen Leder gewickelt und speziell verknüpft.
'Das waren wohl die ersten 'Stahlverstärkten Amazonen-Schuhe!'.

Fast genauso fix und geschickt ging es mit dem Speer. Dazu musste sie allerdings ein kleines Feuer anfachen. Aber bei dieser Schnelligkeit hatten die Rauchwölkchen keine Chance Zeichen zu senden. Ebenso stolz hob sie den Speer in die Höhe:
"Du bist zwar ein wenig kürzer geworden, aber liegst so noch besser in der Hand."

Foxane beseitigte alle Spuren ihrer Reparatur und zog summend weiter.

(....weiter Pass Emen)
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Taira » Montag 18. Februar 2013, 12:26

Für den unaufmerksamen Betrachter war da nichts in dem dichten Buschwerk verborgen als ein großer Haufen welker Blätter. Natürlich könnte man sich im Vorbeigehen fragen, was so viele verdorrte in und unter einem immergrünen Busch zu suchen hatten. Noch dazu im Monat des Erwachens. Man hätte bei genauerem Hinsehen vielleicht auch bemerken können, dass sich die Blätter ganz seicht auf und ab bewegten, so als würden sie atmen. Doch aufmerksam waren die Vorbeiziehenden nicht wirklich. Vielleicht hatten sie auch nie gelernt,wirklich auf die natürliche Umgebung zu achten. Und so fiel ihnen die Menschenfrau auch nicht auf, die das seltsame Kunststück fertig gebracht hatte, sich in den Busch zu zwängen und sich dort ein notdürftiges Versteck zu errichten.

Erst als die Vorbeiziehenden weit, weit entfernt waren, raschelte das Laubwerk verdächtig. Der Busch ächzte wie unter einer zentnerschweren Schneelast. Dann … mit einem kräftigen Ruck, kam eine Gestalt zum Vorschein: Klein und in ein buntes Mischmasch an Kleidung gehüllt. Sie passte so schlecht, dass es offensichtlich war, dass sie ursprünglich nicht dieser Frau gehört hatte. Als sie sich bewegte, schimmerte ein Stück vormals gut gearbeiteter und gut gepflegter Lederrüstung hervor. Diese hatte allerdings ihre besten unblutigen Tage lange hinter sich. Dreck und rostig schimmernde trockene Reste von was auch immer klebten ihr an Kleidung, im Gesicht, an den Händen und sogar in den Haaren, die wohl mal rot gewesen waren. Jetzt hatten sie eher die Farbe von getrocknetem Blut und Dreck, was auch daran lag, dass genau diese Dinge sich überwiegend in ihren Haaren befanden.

“Schöner Mist,“ murrte die Frau und spuckte aus. Halbherzig schüttelte sie sich die Blätter aus den Haaren und stapfte in die entgegengesetzte Richtung der Wesen davon, die sie zum Glück nicht wahrgenommen hatten. Sie selbst war trotz allem nicht dumm und wusste, wann sie unterlegen war und das Kämpfen besser sein ließ. Jedenfalls wusste sie das an den Tagen, an denen sie leben wollte. Heute war so ein Tag. Irgendetwas hatte sie noch zu erledigen gehabt. Aber was? Ihr Gedächtnis war nicht mehr das beste, seit dem …

“Halt!“ fauchte sie unwirsch. “Einfach nur seit dem verdammich! Das kann doch nicht so schwer sein, du hole Nuss! Und jetzt Klappe! Sonst hört dich noch jemand.“ Sie schlug den Weg zum Torrentis ein. Sie war ihm so lange ausgewichen wie möglich. Doch jetzt gingen ihre Wasservorräte zur Neige und es ließ sich nicht vermeiden. Entlang des Flusses stromerten noch immer hungrige Namenlose herum, auf der Suche nach Menschen. Es war ein gefährlicher Ort. Andererseits … gefährlich war es in diesen Zeiten überall, solange man noch ein schlagendes Herz in der Brust hatte. Doch sie war ja nicht alleine unterwegs. Sie hatte ihre besten Freunde dabei: Rache und Tod. So hatte sie irgendwann ihre Schwerter getauft.
“Ja, das sind echte Freunde,“murmelte sie versonnen vor sich hin. Sie murrten nie, taten das was sie sollten und hielten die Klappe.

“Schnell jetzt, schnell,“ flüsterte sie. Denn sie war am Fluss angekommen. Unruhig suchten ihre Augen die Gegend ab. Sie lauschte, schnüffelte versuchsweise in der Luft. “Die ist rein,“ kicherte sie. Also keine stinkenden Namenlosen. Hastig riss sie sich die Wasserschläuche von den Schultern und tauchte sie in den Fluss. Ihre Augen blickten beinahe gehetzt hin und her, schienen am Ufer nach etwas zu suchen. Doch sie fanden nichts. Sie entspannte sich ein bisschen und wünschte sich für einen kurzen Augenblick die alten Zeiten wieder. Als sie noch in den Genuss heißer Bäder gekommen war. Versuchsweise roch sie an ihrer Kleidung und rümpfte angewidert die Nase. Sie würde bald etwas gegen den Gestank unternehmen müssen, sonst würde sie kein Versteck der Welt mehr verbergen können. Sie machte vom Gestank her schon einen Namenlosen Konkurrenz. Könnte auch daran liegen, dass Teile von ihnen immer noch an ihr hafteten. Ein Bad im Torrentis allerdings, wollte sie nicht riskieren. Sie würde eine andere Möglichkeit finden müssen. Ob sie das heute vorgehabt hatte? Egal. Es gewann auf jeden Fall Priorität. “Wer hätte gedacht, dass ich ein Bad am meisten vermissen würde? Nicht Gesellschaft, nicht Freunde, nicht den ominösen Weltfrieden. Nein. Nichts ist doch bedeutsamer, als heißes Wasser.“
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Taira » Mittwoch 20. Februar 2013, 18:36

Eine Frau ein Wort. Sie schlug sich rasch wieder in die Wälder, ohne dem Fluss eine Lebewohl zu sagen und blieb wie gewohnt den früher viel genutzten Wegen fern. Manchmal fragte sie sich, ob der Aufwand, den sie betrieb, es wirklich wert war. Die Ohadus waren alles andere als blöd. Sie würden wissen, dass Menschen nun die Wege mieden und die Plätze, die sie vormals bewohnt hatten. Vielleicht stand ja in Patria das Badehaus noch. Oder die Quellen in den Katakomben waren noch erreichbar? Sie schüttelte sich wie ein nasser Hund. "Keine gute Idee. Das Risiko ist zu hoch. Andererseits ... das Risiko ist hoch." Sie lächelte versonnen. Ein kleiner Kampf wäre jetzt genau das Richtige. Allerdings machte sie sich keine Illusionen. Sie besaß keine Waffe mehr, die einem Ohadu gefährlich werden konnte. Ja ... hätte sie sich doch besser ein verzaubertes Langschwert zugelegt, als sie noch Gelegenheit dazu gehabt hatte. Aber das war nun Geschichte, sofern sie nicht zufällig über eins stolperte. Auf die ein oder andere Weise.Vielleicht traf sie ja irgendwann auf einen Namenlosen. Das doofe an ihnen war jedoch, dass sie seit neuestem immer nur in Horden durch die Gegend zu ziehen schienen. Und ihr stand heute der Sinn nicht nach sterben. "Zumindest nicht mein eigenes Sterben."

Sie schlug den Weg Richtung Westen ein. Sie gab sich große Mühe, nicht daran zu denken, warum sie das tat. Es hatte nur in zweiter Linie damit zu tun, dass sie versuchte zu überleben. Sie hatte noch etwas anderes vor. Eine letzte Aufgabe, ein letztes Versprechen von dem sie sich nicht trennen mochte. Danach würde sie sich nie wieder an solcherlei Unsinn binden. "Versprechen. Ehre. Pah!" Sie spuckte aus, mitten auf den ach so heiligen Boden, des Landes, das die Göttin angeblich so geliebt hatte. Wenn es so gewesen wäre, hätte sich diese feige Ratte, nicht einfach davon gemacht und ihre geliebten Menschen im Stich gelassen. Das schlimme war ja, dass die Menschenfrau in gewisser Weise die Existenz der Göttin nicht verleugnen konnte. Sie wusste, dass sie da war. Irgendwo da draußen. Versteckt hatte sie sich und die Menschen blieben sich selbst überlassen, obwohl sie bereit gewesen waren, für sie in den Tod zu gehen. Viele, sehr viele hatten es getan. Und wozu? Damit sich die Göttin verkrümeln konnte?! Dankeschön.

Die Rothaarige riss die Hände in die Luft. Ihre grünen Augen sprühten Funken des Hasses. "Ich werde dich finden Aurora, hörst du?! Und dann rechnen wir ab! Ich hab keinen Bock mehr, dass wir alle leben müssen wie die Hunde, nur weil du deine Probleme nicht selbst regeln kannst! Feige Pute!" Abermals spuckte die Frau aus und trat wütend gegen einen trockenen Strauch. Dieser wehrte sich, indem er minimal zurück federte und ein paar Äste abbrach, die sie pieksten. "Ist das alles was du drauf hast?" fauchte sie den Busch an. Sie zog Tod aus seiner Scheide und ließ ihre ganze Wut an dem Buschwerk aus. Die Aststücke flogen ihr nur so um die Ohren. Im Augenblick war es ihr absolut egal, ob man sie hörte. Sie wütete so lange, bis der Busch in kleineren und größeren Stückchen vor ihr auf dem Boden lag und sie schwer atmete. Doch das brennende Gefühl der Wut blieb, auch wenn es nur noch schwelte. Und so zurrte sie ihr Gepäck fest und begann zu rennen. Sie hörte erst damit auf, als sie den Wald der Stimmen hinter sich gelassen hatte und die ersten Hügel langsam in Berge übergingen.
"Königsschlucht," brummte sie schwitzend und schwer atmend, bevor sie sich einfach auf den kalten Boden fallen ließ und die Augen schloss. Für einen Augenblick gab es da nichts mehr, als das Rauschen ihres eigenen Blutes in ihren Adern und das Schlagen ihres Herzens.

_______________________________________
weiter Königsschlucht
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Omando » Montag 11. März 2013, 21:10

Nur unweit vom ehemaligen Lager des Drachenclans, ganz nahe beim Torrentis, vernahm man ein leises Pfeifen. Ein jeder Hörende, der unten am Waldboden stand, musste schon eine gute Orientierung haben. Denn das Pfeifen kam von ganz weit oben, von einem uralten Baum. Nicht genug der Ruhestörung, denn ab und zu flog ein Beerenkern auf den Waldboden und hüpfte eins- zweimal bevor er kullernd liegen blieb. Wären noch Mäuse oder sonstige kleine Flitzer am Leben, hätten die Kerne wie Steingeschosse gewirkt. Jammerschade. Schaute ein Fremdling dann in die Höhe konnte er immer noch nichts erkennen. "Ja, das ist ein feiner Platz. Soll nur ein Namenloser kommen, den hau ich platt."

Omando lag bequem in einem verlassenen Raubvogelnest. Ein riesiges Nest und seit ein paar Tagen sein Schlafplatz. Er dehnte seine Glieder und war des Nichtstuns leid. Das Alleinsein war er ja zeitweise gewohnt. Aber vor der Dunkelheit fand man immer einen oder mehrere Menschen im Wald, am Fluss zum netten Plausch oder gar zur gemeinsamen Jagd. Ja, die geliebte Jagd vermisste er so schmerzlich und wurde halb wahnsinnig darüber. Das muss ein akuter Fleischmangel sein, dachte er. Man betrachte nur meine schlotternde Lederkleidung. Die Selbstgespräche halfen ihm ein wenig über die Einsamkeit hinweg. Zur eigenen Unterhaltung und zum Zeitvertreib verstellte er seine Stimme. Einmal sprach er im tiefen Bass, dann antwortete er sich selbst im Bariton. Beobachter würden ihn für verrückt halten. Er fand das klasse und gab seinem Bariton den Namen Ton. "Geht’s dir gut?, Ton. Schlecht Omando. Du lässt mich verhungern! Dagegen können wir etwas tun, mein lieber Ton."

Langsam hangelte er sich von Liane zu Liane, von Ast zu Ast bis er unten ankam. Die Luft wurde von Tag zu Tag wärmer. Mit viel Glück könnte vielleicht im Fluss wieder neues Leben entstehen. Er ging zum Ufer und hoffte, dass er heute einige Pfeilfische mehr gefangen hatte. Früher wimmelte es hier von diesen kleinen Fischen. Jetzt fand man sie nur noch ganz vereinzelt. Diese sonst nur in Schwärmen vorkommenden Fische können allein nicht lange überleben. Während er vorsichtig das Netz einholte, entschied er später den Fluss nordwärts abzulaufen. Er war so in Gedanken versunken, achtete nicht auf den Schlick, rutschte ab und landete rücklings bis zum Hintern im Fluss. Ein schallendes Gelächter erklang. "Wie peinlich Omando. Das passiert dir, einem Waldläufer? Halt den Rand, Ton." Der konnte nicht aufhören zu lachen und Omando stimmte mit ein.
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Omando » Dienstag 12. März 2013, 14:01

Nach dem Verzehr des mageren Fangs von nur 5 dieser kleinen Fische fühlte Omando ein wenig Magenbefriedigung. Auf dem Baum, hoch oben im Raubvogelnest machte er es sich bequem, rülpste und schloss die Augen. Kurz danach verfiel er in den Schlaf der Unschuldigen. Und dann kehrte dieser Traum der Träume wieder zurück.

Es war kurz vor dem Einbruch der Dunkelheit, dass er im dichten Gestrüpp nach Wild jagte. Da entdeckte und belauschte er eine Amazone und einen Krieger. Offensichtlich hatten sie diesen Treffpunkt schon länger vereinbart und öfters aufgesucht. Denn sie erweckten sofort den Verdacht von vertrauten sowie läufigen Sakussis. Omando hatte so etwas noch nie gesehen, geschweige denn erlebt. Nachdem die beiden kurze Liebessprüche hauchten, entkleideten sie sich in wahnsinniger Geschwindigkeit. Omando stöhnte leise im Schlaf. Der Rest des Traumes, der immer wieder gleich ablief, ließ Omando schweißgebadet aufschrecken. "Du hast wieder von Weibern geträumt? Stimmt's?", flüsterte Ton. Oha, ja das hatte er. Die Gefühlswallungen machten ihn schier verrückt und umtriebig. Er kletterte und hangelte den Baum hinab. Er wusste, was da im Moment half. Ein kühles Bad im Fluss.

Omando tauchte unter und schwamm einige Bahnen, bis er ruhiger wurde. Er tauche auf, ging ans Ufer und schmetterte im reinsten Bass: "Verdammt und zugenäht. Ein Weib muss her!" Ton reagierte sofort: "Träum weiter Bruder."
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Omando » Mittwoch 13. März 2013, 19:29

Der Waldläufer erwachte in seinem Riesenvogelnest. Endlich hatte er mal ein paar Stunden am Stück geschlafen. Das verdankte er der kleinen Portion Fische am frühen Morgen und der Tatsache, dass seit Tagen keine Namenlosen umtriebig waren. Omando kratzte sich am Kopf und grinste. Eigentlich sehr schade. Sorgten diese blutrünstigen Biester immerhin für etwas Abwechslung. "Angeber", erklang es im hellsten Bariton. "Du Memme von einem Ton. Ich, der passionierteste Jäger, verkümmert hier jämmerlich." Und es machte BING!! in seinem Kopf. Er sprang auf, klopfte laut auf seine Schenkel und verkündete bassmäßig: "Omando wird hier nicht länger nach kleinen Fischen suchen. Du undankbarer Wald, du. Schickst mir kein Wild vor den Bogen und lässt kein Prachtweib vorüberziehen."

Während er so leidenschaftlich brüllte, hüpfte er auf dem Nest mit geballten Fäusten hin und her, um die Worte mannhaft zu unterstreichen. Ein KNACKS gefolgt von einer Vibration, dann noch ein Knacks, ein Reißen sowie Bersten von Holz. Das Nest hatte sich aus der Verankerung gelöst. Omando wusste nicht wie ihm geschah und versuchte im Fall irgendwo Halt zu finden. Einigen Ästen, verdammt waren das viele, konnte er nicht ausweichen, geschweige denn danach greifen. So schlug und plumpste er von Ast zu Ast. Alle möglichen und unmöglichen Körperstellen wurden getroffen. Brennende Peitschenhiebe durchzogen ihn. Halte durch, bleib bloß wach! Im letzten Drittel des Falls konnte er endlich nach einem Ast greifen bzw. der Ast griff nach ihm. Er prallte breitbeinig auf, schrie wie am Spieß, rutschte seitlich ab und umschlang hastig den Ast. Kopfüber hing er nun da und jaulte in höchster Stimmlage. Omando war sonst recht resistent gegen Schmerzen aller Art, aber dies hier war zu viel.

So hing der Waldläufer eine ganze Weile kopfüber am Ast. Die grellen Sterne vor seinen Augen schillerten in allen Farben. Dann hatte er keine Kraft mehr. Im tiefsten Bass rief er "Sakussi-Mist" und fiel. Bumms! Der Waldboden federte ein wenig und doch schlug er hart auf seinen Allerwertesten. "Schleimschneckenscheiße, war das ein Ritt. Zeit zum Knochensortieren. Kein Ton, Ton!"

= weiter in "Die Königsschlucht"
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Drago » Mittwoch 3. April 2013, 02:10

Nur äußerst unwillig hatte Drago sich aus dem Wald der Lichter zurückgezogen. In seinem ehemaligen Jagdrevier kannte er sich nämlich aus wie nirgends sonst. Er kannte Verstecke, angefangen von hohlen Bäumen über immergrüne Bäume mit dichten Kronen bis hin zu der ein oder anderen für normale Menschen schwer zu erreichenden Höhle. Da er keine Ahnung hatte, was ihn genau jagte, war es ihm zunächst sinnvoll erschienen, sich in das Gebiet zurückzuziehen, in dem er fast sein ganzes Leben verbracht hatte. Das blöde war nur, dass die Jäger vermehrt aus dieser Richtung kamen. Er hatte die Taktik angewandt, für die die Falken einst berüchtigt gewesen waren: Möglichst nah unter der Nase des Feindes zu bleiben, um sie zu verhöhnen und dann zuzuschlagen, wenn sie nicht damit rechneten. Und das wichtigste: Nie lange am selben Ort verweilen. So wurde man schwerer entdeckt.

Lange hatte das nicht funktioniert. Zwar hatte er das ein oder andere Ding ausgeschaltet, gut getarnt auf einem Baum ausharrend oder in einem dichten Busch, wo die herausragende Pfeilspitze kaum auffiel. Im Grunde hatte er auf alles geschossen, was sich bewegte und irgendwie nicht natürlich aussah. Also nicht wirklich menschlich wirkte oder tierisch. Letztendlich war sein Plan dort auszuharren jedoch im Sande verlaufen. Der Wald hatte sich verändert, war so lebensfeindlich geworden, dass es kein Wild zum Jagen gab und auch keine essbaren Wurzeln oder Pflanzen. Es war nicht so, dass der Wald sich auf natürlichem Wege verändert hatte. Schneisen der Verwüstung zogen sich jetzt durch den Wald wie die Brandnarben auf seiner Brust und seinem Oberarm. Geschwärzte Erde, verbrannte Bäume. Nicht überall doch sehr häufig und so willkürlich, dass dies unmöglich natürliche Brände gewesen sein konnten. Schon gar nicht im Winter, wo alles kalt und nass war.

Man sagte bei den Falken und später auch bei den Drachen, dass es in Patria Frauen geben würden, die mit den Elementen zaubern konnten. Drago hatte das immer für ein Schauermärchen gehalten, um kleinen Jungs das fürchten zu lehren. Jetzt aber glaubte er daran, dass es möglich war, diese Magie. Nach dem, was er wusste, war diesen Frauen ohnehin alles zuzutrauen. Allerdings kam es ihm trotz allem wahrscheinlicher vor, dass diese Dinger etwas mit der Verwüstung des Waldes zu tun gehabt hatten. Sie waren irgendwie nicht natürlich. Er hatte jedenfalls noch nie diese halb verwesten und matschigen Kreaturen gesehen, die noch dazu so unterschiedlich aussahen, dass er sie keiner Gattung zuordnen konnte. Es war als habe sich jemand einen Scherz erlaubt und aus Tierkadavern und allem möglichen Dreck irgendetwas neues geformt. Wie die Kinder, die mit Lehm spielten und Figuren daraus machten.

Gemeinsam hatten sie nur, dass sie Jagd auf ihn machten, als sei er die Beute und nicht der Jäger. Das war ein ziemlich besch … eidenes Gefühl. Vor allem da er ja bereits gejagt wurde. Also. Eventuell. Sofern die Drachen noch existierten, hieß das. Shrek. Das war ein zäher Hund und Drago glaubte nicht an Glück. Das was andere Glück nannten, war in Wirklichkeit Geschicklichkeit und harte Arbeit. Gut möglich also, dass der Clanführer der Drachen lebte und ihn auch jagen ließ. Er wusste sehr gut, wie übel Shrek Verräter zurichtete. Er hatte ein paar Mal dabei zusehen müssen. Kein schöner Anblick. Wirklich nicht.

Aber er war kein hilfloses Frauenzimmer, dass ohne einen Mann nicht überleben konnte. Er wusste sich zu helfen, ohne um Rat zu fragen. Nein. Er war ein Mann. Und als solcher war er es gewohnt, die Dinge in die Hand zu nehmen und etwas zu unternehmen. Genau das hatte er auch getan, als er den Wald der Lichter verließ, weil es ihm dort zu gefährlich geworden war. Wegen der Dinger, die sich durch die Wälder bewegten, als wären sie die Herren der Welt. Besser also vor der einen Gefahr geordnet zurück zu weichen und sich nur einer zu stellen. Er hatte jedoch keine Ahnung, welche die Größere war. Was er wusste, war dass sich die Dinger jedenfalls einfacher niederschießen ließen als Männer, mit denen er einmal gemeinsam am Lagerfeuer gesessen hatte, die er Brüder genannt hatte. Skrupellos war er nicht gerade, auch wenn Shrek immer verlangt hatte, er sollte das werden. Also mied er den Ort, an dem die Drachen ihr Lager aufgeschlagen hatten weiträumig und hielt sich an der Grenze zum Wald der Lichter auf.

Noch. Ewig würde er sicher nicht mehr hier hausen können. Auch hier gab es nicht viel zu essen. Ein paar Singvögel hier und da, die kaum genug Fleisch boten, als dass ein Mann anständig satt wurde. Und Männer brauchten nun einmal Fleisch zum Überleben, weil sie hart arbeiteten. Die ganze Zeit Grünzeug zu essen war was für Frauen. Auch wenn er jetzt dazu gezwungen war, es ihnen gleich zu tun. Er hatte nämlich keine Lust sein Fleisch roh zu essen, wie ein wildes Tier. Nicht dass er es nicht schon mal aus Verzweiflung versucht hätte. Um Fleisch zu braten, brauchte es nämlich ein Feuer. Ebenfalls nicht unbedingt etwas, dass sich so einfach entzünden ließ. Es zog diese Dinger an wie Der Unrat die Fliegen. Er hatte es ausprobiert und sich gerade noch auf einen Baum retten können.

Es gab auch kleinere Dinger von denen, die nicht ganz so dumm waren und zwar stanken, aber nicht nach verwestem Fleisch. Dragos Magen knurrte trotz dieses Gedankens lautstark. So laut, dass er schon fürchtete, es würde seinen Häschern seine Postion am Fluss verraten. Er hatte sich ein Versteck unter einer Weise gesucht. Deren Äste hingen so tief, dass sie eine Laube bildeten. Noch dazu war der Baumstamm ausgehöhlt, so dass er sich bei Gefahr hineinzwängen konnte. Oder er konnte auf den Baum klettern. Doch nicht jetzt. Jetzt hielt er schon seit Stunden, seine behelfsmäßige Angel ins Wasser und hoffte darauf, dass ein Fisch anbiss. Tat er aber nicht. Verflucht. Er sehnte sich nach den guten und deftigen Eintöpfen, die die Frauen immer gekocht hatten. Fast schon konnte er es riechen, diesen köstlichen Duft. Aber nur fast.
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Drago » Samstag 20. April 2013, 07:09

Gewöhnlicherweise genoss Drago die Stille in den Wäldern. Doch in jüngster Zeit nicht mehr. Die Stille war nicht mehr eine natürliche Stille. Wenn die Vögel verstummten, weil sich ein Raubtier näherte oder ein Mensch. Nein. Die Natur war völlig verschreckt und fast nicht mehr existent. Vor einer Weile noch, da hatte er die Menschen ganz bewusst gemieden. Jetzt schien es ihm, als wäre er der einzige Mensch auf der Welt. Vielleicht würde er sich sogar darüber freuen einem ehemaligen Clanbruder oder sogar Shrek zu begegnen. Nur um zu wissen, dass er nicht der letzte Mensch im Wald der Stimmen war. Na gut, Shrek jetzt nicht unbedingt. Und Scaldis wohl auch eher nicht. Wer wusste schon, was der mit ihm anstellen würde. Irgendwie war der Drachenschamane von jeher, nun ja, extrem unheimlich gewesen. Und das lag nicht nur daran, dass er Dinge geschehen lassen konnte, gegen die man sich nicht verteidigen konnte.

Drago war Magie im Grunde seines Herzens suspekt. Selbst wenn sie von einem Schamanen stammte. Also gut. Doch lieber keiner der Drachen. Aber vielleicht eine Amazone? Oh ja, sie würde vermutlich ebenfalls versuchen ihn umzubringen. Patrianerin eben. Und er hatte wahrlich genug Leute, die ihm nach seinem Leben trachteten. Sofern man diese Dinger als Leute bezeichnen wollte. Sicher war er da nicht. Drago seufzte resigniert und starrte weiter auf seine Angel, die noch immer ergebnislos im Wasser herumtrieb. Sein Magen knurrte wie ein alter Bär. Er sehnte sich sehr nach einer anständigen Mahlzeit. Er selbst konnte leider überhaupt nicht kochen. Er briet sein Essen einfach, wenn es mal Fleisch gab über eine gut geschützten und verdeckten Flamme und aß es kalt, nachdem er die Postion gewechselt hatte.

Einmal hatte er den Fehler begangen bei dem Kochfeuer zu verweilen und das hätte ihm fast das Leben gekostet. Nein. So dumm würde er nicht mehr sein. Fast schon hatte er den Geruch von über Feuer gegartem Fisch in der Nase. Wenn doch nur einer Anbeißen würde. Niemand hatte ihm gesagt, was für eine langweilige Tätigkeit das war. Fische waren ohnehin nicht die intelligenteste Beute. Da musste man nur eine Schnur mit einem Haken ins Wasser halten und einem Wurm oder einer Fliege daran und dann bissen die Dinger irgendwann. Oder eben auch nicht. Vielleicht hätte er der Einfachheit halber einfach den Wurm essen sollen? Nein, so tief war er noch nicht gesunken. Dann aß er lieber Grünzeug oder hungerte.

Er musste wohl zwischendrin eingenickt sein, ohne es zu bemerken. Er schreckte mit einem Mal hoch, als etwas heftig an der Angel zog. Aufgeregt sprang er auf. Das musste was großes sein! Endlich ein Abendessen. Beim Aufspringen jedoch sah er, was sich mit der Schnur verheddert hatte und er wurde bleich. Langsam und vorsichtig verließ er sein Versteck und näherte sich dem Anblick, der sich ihm bot. Ein totes Reh schwamm im Fluss, war von der Strömung an das Ufer getrieben worden, an dem Drago saß. Die Hinterläufe hatten sich in der Angelschnur verfangen, während die Strömung es weiter zu ziehen versuchte. Drago zog sich die Hose aus und watete ins Wasser um das Reh mit den Augen zu untersuchen. Die Haut war seltsam bräunlich schwärzlich verfärbt. An manchen Stellen auch grün. Es sah ein bisschen so aus, als hätte es lauter Eiterbeulen gehabt, die aufgeplatzt waren. Teile des Rehs waren einfach weg. Nicht verwest, sondern schlicht und einfach weg. Als hätten sie nie existiert. Drago kannte jedenfalls keine Waffen die kreisrunde Löcher in den Torso eines Tieres machten von dem Durchmesser seines Armes.

Vorsichtig entwirrte er die Angelschnur und entfernte sie von den Füßen des toten Tieres ohne es zu berühren. Dem Reh entströmte ein äußerst seltsamer Geruch. Nicht direkt Verwesung. Es war noch etwas anderes, dass ihm unbekannt war. Dieses Tier war absolut nicht zum Verzehr geeignet. Er war für einen Augenblick ärgerlich über so viel Verschwendung. Wer machte so etwas Dummes? Tiere zu töten, ohne einen Nutzen aus ihnen zu ziehen? Selbst Patrianerinnen konnten nicht so blöde sein. Oder? Er überlegte kurz, ob er das Tier aus dem Wasser holen sollte, um es zu begraben oder sowas. Aber der Boden war noch gefroren und er hatte kein Werkzeug. Und ein Feuer kam nicht in Frage. Aber es im Fluss lassen, wo es vielleicht das Wasser vergiftete? Langsam schwante ihm, warum keine Fische beißen mochten. Vielleicht war mit ihnen etwas vergleichbares passiert? Aber bei allen Killerfalken oder Eisdrachen oder was auch immer, wer machte denn so etwas?

Die Antwort, die sich in seinem Kopf einnistete war alles andere als beruhigend. Jemand, der die Dinger losgeschickt hatte, jemand, der aus irgendeinem Grund etwas gegen Menschen hatte, zerstörte die Nahrungsquellen der Menschen. Systematisch. Verflucht! Aber wer machte so etwas nur? War das eine neue Verrücktheit von Patria, um die Männer endlich loszuwerden? So blöd konnten die einfach nicht sein. Oder? Für eine Weile stand er wir angewurzelt mitten im Fluss, dann gab er dem Reh mit der Angel einen sanften Schubs, ließ dann die Angel ebenfalls ins Wasser fallen und sah dann dabei zu, wie Reh und Angel langsam Flussabwärts trieben. Er würde sich schon eine neue bauen. Aber etwas, dass mit diesem seltsam getöteten Reh in Berührung gekommen war, damit wollte er lieber nicht mehr auf Beutefang gehen. Vielleicht war es ja Gift gewesen, was das Tier getötet hatte oder so.
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Kyra » Mittwoch 24. April 2013, 22:23

Kyra suchte zunächst eine Furt auf, die auf ihrer Karte verzeichnet war. Diese erwies sich allerdings als ungeeignet, denn am Ufer in Sichtweite lagerte eine Gruppe Kobolde. Die Zauberin war sich nicht ganz sicher, ob sie dort nur rasteten oder tatsächlich die Aufgabe erhalten hatten, den Übergang zum Wald der Stimmen zu bewachen. Sie unterhielten sich sehr laut miteinander, was Wachen eher nicht tun, allerdings war es natürlich möglich, dass sie schon sehr lange hier gesessen hatten, ohne dass etwas passiert wäre. Und ohne einen – im übertragenen Sinne – peitschenschwingenden Ohadu im Nacken ließen die Kobolde die Disziplin vermutlich etwas schleifen. Kyra beschloss vom für sie schlechtesten Fall auszugehen, nämlich, dass die Ohadus auf die Idee gekommen waren, die Furten bewachen zu lassen. Und so Menschen abzufangen, die aus dem Wald der Lichter fliehen wollten. Das erschwerte ihr Vorhaben zwar, ließ aber noch das eine oder andere Schlupfloch. Kyra glaubte nicht, dass tatsächlich ALLE Furten bewacht waren – denn um dies zu tun, müssten die Ohadus alle Furten kennen. Die oft genutzten Übergänge – jene, die auch auf der Karte verzeichnet waren – fielen vermutlich weg, aber das Wasser des Flusses zerstörte manche Furten und ließ sie andernorts wieder neu entstehen. Bei einer solchen unbekannteren weil neueren Furt würde sie ihr Glück versuchen müssen.

Die Suche nach einem geeigneten Übergang erwies sich als anstrengender, langwieriger Prozess. Sie durfte sich nicht zu weit vom Ufer des Torrentis entfernen, weil sie die Furt sonst nicht sehen würde, aber sie durfte natürlich auch nicht aus der Uferböschung heraustreten und sich in eine exponierte Lage begeben. Und sie musste vor allem leise sein, damit potentielle Wachen sie nicht hörten. Zum Glück hatte sie gelernt, wie man sich im Wald leise bewegt – ihr Vater war Waldläufer gewesen und hatte es ihr beigebracht. Die Erinnerung an ihn jagte ein so schmerzliches Gefühl durch ihren Körper, dass sie kurz taumelte und sich für einen Moment nichts sehnlicher wünschte, als sich einfach auf dem Boden zusammenzurollen und liegenzubleiben. Dennoch war ihr auch klar, dass sie dem nicht nachgeben durfte. Nie. Das half ihr nicht und machte ihren Vater auch nicht wieder lebendig. Gewaltsam drängte sie den Gedanken an ihn beiseite, ehe er sie zurück nach Maryenhain kurz nach dem Fall führen konnte, und konzentrierte sich stattdessen auf ihre Suche. Einen Schritt nach dem anderen … langsam und behutsam, um nicht von potentiellen Wachposten entdeckt zu werden. An der nächsten Furt ging Kyra ebenfalls vorbei … zwar war sie nicht auf der Karte verzeichnet und wirkte verwaist, aber in der unmittelbaren Umgebung war es zu ruhig. Kein Vogelzwitschern, kein Rascheln von Nagetieren im Unterholz … absolut nichts. Natürlich brauchte das nicht zwangsläufig zu heißen, dass Zûls Diener in der Nähe waren, aber sie wollte lieber vorsichtig sein.

Irgendwann entdeckte die Zauberin schließlich eine Furt, die geeignet zu sein schien. Sie war nicht auf der Karte zu finden, war also jüngeren Datums oder einfach unbekannt, und die Umgebung wirkte friedlich. Zumindest machten sich Vögel und andere kleine Waldtiere hin und wieder bemerkbar. Trotzdem beschloss Kyra, kein Risiko einzugehen und die Furt für eine Weile zu beobachten. Sie suchte sich ein Versteck in der Uferböschung und behielt den Fluss und das andere Ufer im Auge. Gelegentlich schaute sie über die Schulter, damit sie auch von dieser Seite keine böse Überraschung erlebte. Immer wieder wanderte ihr Blick jedoch zum Wald der Stimmen zurück. Durch die gedrungenen Bäume mit den breiten Kronen wirkte er dunkler als der Wald der Lichter, aber auch urtümlicher und geheimnisvoller. Für Kyra war der Wald der Stimmen eigentlich so, wie ein Wald eben sein sollte. Der Wald der Lichter hatte auch seine schönen Seiten und es war hübsch, wenn die Sonnenstrahlen den Waldboden in goldenes Licht tauchten, aber er war Kyra immer wie … ja, wie menschliches Territorium vorgekommen. Im Wald der Stimmen war der Mensch nur ein Bewohner unter vielen gewesen – zumindest war es der Zauberin immer so vorgekommen. Fakt war, dass dort einfach wenige Menschen gelebt hatten. Dafür hatte es mehr Tiere gegeben und wenn man den Legenden aus ihrem Dorf Glauben schenken wollte auch andere Wesen wie Naturgeister oder Papilias.

Plötzlich wurde Kyra aus ihrer Betrachtung gerissen, als sie eine Bewegung im Wasser des Torrentis wahrnahm. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich das Treibgut, das von den Fluten herangetragen wurde, als Rehkadaver. Das tote Tier stockte auf einmal unweit des gegenüberliegenden Ufers, was Kyra äußerst seltsam fand, da es nichts gab, woran es hätte hängen bleiben können. In diesem Moment wurde ihr auch bewusst, dass das Reh das erste größere Tier war, das sie seit geraumer Zeit zu Gesicht bekam. Um genau zu sein, hatte sie kein Tier mehr gesehen, das die Größe eines Kaninchens überschritt, seitdem der Krieg zu Ende war. Aber ehe sie den Gedanken weiterspinnen konnte, passierte etwas, das sie dazu brachte einfach aufzustehen und jegliche Vorsicht zu vergessen. Unter den Bäumen des gegenüberliegenden Ufers tauchte ein Mann auf. Ein Mensch. Er war einfach da als habe die Göttin ihn hingezaubert. Er hielt eine Angel in den Händen und begann, sich mit der Angelschnur zu beschäftigen. Kyra hätte nicht gedacht, dass man solche Erleichterung empfinden konnte. Es war, als habe jemand eine zentnerschwere Last von ihren Schultern genommen, deren vollständigem Gewicht sie sich erst jetzt bewusst geworden war. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und in ihre Augen kehrte kurzzeitig ein Strahlen zurück, das nicht mehr dort gewesen war seit … seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr.

Aber es erlosch praktisch sofort wieder und Kyra ließ sich wieder auf den Boden zurücksinken. Was, wenn es gar kein Mensch war, sondern ein Ohadu? Wie jeder seit dem Krieg wusste, konnten Ohadus das Aussehen von Menschen annehmen. Andererseits … ein Ohadu, der sich als Angler tarnte? In einer Welt, die so menschenleer wirkte, wie eine Welt nur wirken konnte? Das wäre einfach zu … blöd. Abgesehen davon, dass die Ohadus es heutzutage nicht mehr nötig hatten, Tarnidentitäten anzunehmen, um Menschen zu fangen. Sie konnten jetzt ganz offen jagen. Kyra beobachtete, wie der Mann den Kampf mit der Angelschnur, in der sich das Reh verheddert hatte, aufgab und die ganze Angel ins Wasser warf. Das tote Reh wurde daraufhin wieder von der Strömung ergriffen und in Richtung Furt getrieben. Dort schrammte es scheinbar kurz über den Boden, denn es vollführte eine Drehung um die eigene Achse und setzte dann seinen Weg fort. Als der Tierkadaver auf Höhe der Furt war, konnte Kyra auch erkennen, dass er ziemlich verunstaltet war – und das lag nicht daran, dass er schon eine Weile im Wasser gelegen haben musste. Dennoch war das Reh Kyra gerade herzlich egal. Viel wichtiger war, dass sie einen anderen Menschen gefunden hatte. Einen – anderen – Menschen. Ein letzter Rest Misstrauen schlummerte zwar immer noch in ihrem Inneren, aber die Zauberin konnte den Gedanken nicht ertragen, den Mann ziehen zu lassen. Lieber würde sie das Risiko eingehen, sich einem Ohadu zu offenbaren, anstatt den ersten Menschen ziehen zu lassen, den sie seit Ende des Krieges zu Gesicht bekam. Sie trat vollständig aus ihrem Versteck heraus und ging zum Ufer des Flusses hinab. Der Mann hatte dem Reh hinter geblickt, also schaute er in ihre Richtung und müsste sie eigentlich sehen. Trotzdem ging Kyra auf Nummer sicher, steckte sich zwei Finger in den Mund und stieß einen kurzen, schrillen Pfiff aus.
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Drago » Freitag 26. April 2013, 19:46

Drago sah dem Kadaver noch einen Moment nachdenklich hinterher, bevor er sich langsam umwandte und in sein Versteck zurück kehren wollte. Doch eine Bewegung am anderen Ufer hielt ihn zurück. Instinktiv griff er nach seinem Bogen, der jedoch nicht wie gewöhnlich über seinem Rücken hing. Verflucht! In diesem Augenblick hasste er sich für seine Unvorsichtigkeit. Sie konnte seinen Tod bedeuten! Einen Moment später erstarrte er jedoch vor Überraschung.

Ein Mädchen brach aus dem Unterholz des anderen Ufers, als habe sie nichts zu fürchten. Ihre Haare leuchteten ihm flammend rot entgegen wie die untergehende Sonne. Solche Haare hatte er noch nie gesehen und er fragte sich kurz, ob er sich an ihnen, wie an einem echten Feuer die Hände verbrennen konnte, wenn er sie anfasste. Dann jedoch schalt er sich selbst im Stillen einen Idioten. Sie war nur ein Mensch, nur ein Mädchen. Dann tat sie noch etwas. Sie steckte sich zwei ihrer Finger in den Mund und ein schrilles Geräusch erklang. Wie hatte sie das gemacht?

Vor Überraschung stand ihm der Mund offen und als ihm das auffiel, klappte er ihn hörbar zu. Was hatte das zu bedeuten? Dieses Geräusch? War sie eine patrianische Späherin oder so was? Schickten Patrianerinnen Kinder als Vorhut für Männerjagden? Würden gleich bewaffnete Kämpferinnen und diese magisch begabten Frauen hinter ihr aus dem Unterholz brechen und sich auf ihn stürzen? Er verharrte, wie Rotwild vor dem Raubtier, wartete und starrte sie fassungslos an, bereit zur Flucht, wenn sich seine Sorgen bestätigten. Nichts geschah. Keine Kampfschreie, keine Pfeile flogen und auch nichts von dem Feuer, dass den Wald der Lichter stellenweise so verwüstet hatte. Absolut nichts.

Offensichtlich war sie nicht gefährlich. Jetzt, wo er darüber nachdachte, war dieser Gedanke auch absolut albern. Himmel! Sie war doch nur ein Mädchen. Auf die Entfernung konnte er es nicht genau sehen, aber auf ihn wirkte es so, als würde sie lächeln. Er wusste erst, was er da tat, als er bereits den halben Fluss in ihre Richtung durchquert hatte. Und dann war es auch egal. Nur ein Mädchen, nein. Eine Frau war sie, wie er jetzt erkannte. Sie war klein, sehr klein. Da konnte man auf den ersten Blick die weiblichen Rundungen leicht übersehen. Doch je näher er kam, desto unübersehbarer wurden sie. Ihr Körper zeigte die typischen weiblichen Rundungen einer Gebärfähigen. Nach den Standards der Falken und erst recht der Drachen, machte sie das eindeutig zu einer Frau.

Drago konnte sein Glück kaum fassen. Waffen hatte sie auch keine offensichtlichen dabei. Sie würde sicher seine Hilfe brauchen. Und im Gegenzug bekam er vielleicht etwas Gesellschaft und jemanden der anständig kochen konnte. Er hatte das allein sein und seine kläglichen Kochkünste aber auch wirklich satt. Nervös strich er sich imaginäre Haare aus der Stirn. Verspätet ging ihm auf, dass er keine Hose trug. Also blieb er an der Stelle im Fluss stehen, wo ihm das Wasser immer noch bis zu den Hüften reichte. Er hatte nämlich keine Ahnung, ob der dünne Stoff seines Lendenschurzes im Wasser nicht durchsichtig wurde. Und er wollte ihre Begegnung nicht damit vermasseln, dass sie mehr sah, als sie musste. Das wäre jedenfalls nicht die beste erste Begrüßung, nahm er an.

Er schluckte kurz. Seine Finger verkrampften sich am Saum seines Hemdes und er musste sie zwingen, sich wieder zu entspannen. Er blickte in ein Gesicht, dass so ganz anders war, als das der Frauen, die er gewohnt war. Es war nicht so verhärmt, obwohl sich auch ein gewisser Kummer darin widerspiegelte. Er kniff die Augen zusammen und musterte sie, ohne zu bemerken, dass das vielleicht unhöflich war. Da war so eine Weichheit in ihrem Gesicht, die ihm gut gefiel und die das Gefühl bestärkte, dass sie harmlos war. Hatten sich Shreks Männer nicht immer darüber lustig gemacht, dass patrianische Frauen eher aussahen wie Männer als wie richtige Frauen? Das hier war eine richtige Frau. Und damit konnte sie wohl auch nicht aus Patria sein. Vielleicht aus irgendeinem Clan?

Die Viecher, die ihn jagten, jagten sicherlich auch andere Menschen. Er hatte Spuren von Kämpfen gefunden und die ein oder andere menschliche Leiche. Möglicherweise hatte sie so wie er alles verloren. Dabei spielte es keine Rolle, ob es bei ihr durch die Wesen geschehen war und bei ihm durch eine blöde, unwissende Entscheidung. Und so streckte er einladend die Hand nach ihr aus, bevor ihm endlich einfiel, dass er besser mal Lächeln sollte anstand so konzentriert zu glotzen. "Gib mir dein Gepäck. Ich bringe es trocken durch den Fluss", forderte er sie auf. Seine Stimme war recht angenehm, wenn auch durch die geringe Nutzung in letzter Zeit etwas rau. Als ihm aufging, dass sie vielleicht gar nicht über den Fluss wollte, fügte er noch etwas hinzu: "Im Wald der Lichter ist es schon lange nicht mehr sicher. Du kommst besser mit mir. Ich kann dich beschützen. Mein Name ist Drago. Und wie heißt du?" Ihm kam nicht in den Sinn, dass sie seine Hilfe vielleicht nicht brauchen könnte. Denn immerhin war er der Mann und sie nur eine hilflose Frau. Das war doch offensichtlich.
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Kyra » Dienstag 30. April 2013, 05:39

Kyra konnte die Überraschung, die sich auf dem Gesicht des Mannes abzeichnete, selbst auf die Entfernung erkennen. Offenbar war er genauso erstaunt wie sie, einen anderen Menschen anzutreffen. Diese Gefühlsregung war so echt, dass Kyra immer weniger annahm, einem getarnten Ohadu gegenüberzustehen. Sie bezweifelte, dass Ohadus in der Lage waren, Gefühle derart zu transportieren. Sie waren immerhin Untote. Wie sollte ein Untoter ein Gefühl simulieren? Der Mann blieb wie festgefroren an Ort und Stelle stehen. Womöglich hegte er die gleichen Befürchtungen wie sie und hielt sie für eine Ohadu. Kyra spielte mit dem Gedanken, Elementarmagie zu wirken, um ihm zu zeigen, dass sie nur eine Zauberin war, als er sich schon selbst in Bewegung setzte. Allerdings hielt er nicht, wie sie vermutet hätte, auf die Furt zu, sondern überquerte den Fluss an der Stelle, an der er stand. Neben der Furt schien der Torrentis also nicht allzu tief zu sein – zumindest für einen normal großen Menschen nicht – und vermutlich dachte er sich, dass er sich, nun da er sowieso schon nass war, die Furt auch sparen konnte.
 
Während er näher kam, musterte Kyra ihn zum ersten Mal genauer. Als erstes fielen ihr die dreckigen Haare auf, die ursprünglich mal blond gewesen sein mochten. Wenn sie sich nicht gerade an einem Fluss über den Weg gelaufen wären, hätte natürlich die Option bestanden, dass der Mann sich einfach länger nicht mehr die Haare gewaschen hatte. So aber glaubte sie eher, dass er absichtlich Dreck hineingeschmiert hatte. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass der Dreck gleichmäßig verteilt worden war und daher nicht wie über die Zeit entstandener Schmutz wirkte. Vielleicht hatte er das gemacht, um von ihrem Gegner nicht so schnell bemerkt zu werden – was eigentlich keine schlechte Idee war. Ansonsten konnte Kyra ihn zumindest auf den ersten Blick nicht einordnen, was daran liegen mochte, dass er nichts bei sich hatte, was ihn eindeutig als entweder Verborgenen oder Clanler gekennzeichnet hätte. Für einen ehemaligen patrianischen Sklaven hielt sie ihn nicht. Sie hatte einige in den Katakomben gesehen – und diese verhielten sich in der Regel eher unterwürfig und hätten es niemals gewagt, ihr so offen ins Gesicht zu schauen.
 
Im Großen und Ganzen sah er recht nett aus, fand sie. Das Einzige, das sie störte, war die Intensität, mit der er sie … ja, man könnte wohl sagen, anstarrte. Kyra war jegliche Art von übermäßiger Aufmerksamkeit unangenehm und sie spürte, wie sie sich innerlich zu winden begann. Wie von selbst wanderte ihr Blick zum Wasser des Torrentis, damit der Blickkontakt für einige Momente abgebrochen war. Natürlich konnte sie es ihm nicht wirklich übel nehmen, dass er sie musterte, immerhin wollte er wohl auch einschätzen können, mit wem er es zu tun hatte. Aber das hieß noch lange nicht, dass es ihr gefallen musste – daran hatten auch die langen Wochen der Einsamkeit nichts geändert. Sie schaute erst wieder in seine Richtung, als er ihr die Hand entgegenstreckte und sie aufforderte, ihm ihr Gepäck zu geben. Seine Stimme klang sehr nett, aber er schien auch länger mit niemandem mehr gesprochen zu haben. Deshalb räusperte Kyra sich, ehe sie das Wort ergriff. Auch sie hatte seit nicht mehr gesprochen seit … seit dem letzten Gefecht, an dem sie teilgenommen hatte. Und das war eigentlich auch eher ein Aufschrei gewesen, ein „Arkadius, pass auf …“, welcher zu spät für den Druiden gekommen war, der anschließend den Tod durch die Krallen von Namenlosen gefunden hatte.
 
Kyra verdrängte die Erinnerung daran schnell wieder, denn sie wollte nicht, dass die Gefühle, die sie auslöste, sich in ihrer Stimme oder auf ihren Gesichtszügen widerspiegelten. „Freut mich, Drago, ich heiße Kyra.“ erwiderte sie mit einem leichten Lächeln auf seine Begrüßung. Bei dem Rest wusste sie zunächst nicht, wie sie darauf antworten sollte. Sie wollte ihm ihr Gepäck nur ungern geben, denn darin waren nicht nur Nahrungsmittel, Ersatzkleidung und eine Landkarte, sondern auch das Märchenbuch und die Puppe von Ilana. Zwar glaubte sie nicht, dass Drago sich damit auf und davon machen würde, aber ganz auszuschließen war die Option auch nicht. Andererseits wollte sie ihn auch nicht damit vertreiben, dass sie sich direkt extrem misstrauisch gab. Die Feststellung, dass es im Wald der Lichter nicht mehr sicher sei und er sie beschützen könne, entlockte ihr dann doch ein Lächeln. Sie war sich sicher, dass sein Angebot nett gemeint war … aber es warf doch die Frage auf, ob er sie für blind oder blöd oder beides hielt. Niemand, wirklich absolut niemand konnte sich heutzutage im Wald der Lichter aufhalten und NICHT wissen, dass er nicht sicher war. Dennoch zählte Kyra nicht zu den Menschen, die ihrem Gegenüber ein nett gemeintes Angebot wegen einer missglückten Formulierung um die Ohren schlugen.
 
„Ich weiß, dass der Wald der Lichter nicht sicher ist. Deshalb möchte ich auch in den Wald der Stimmen ... ich komme also gerne mit.“ Ihr Tonfall war immer noch sehr sanft und freundlich, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass sie seine – zumindest vermeintliche – Sorge nicht zu schätzen wüsste. Sie hätte ihn gerne ausgefragt, wie die Situation im Wald der Stimmen war, aber hier war nicht der richtige Ort, um sich länger zu unterhalten. Zwar war augenscheinlich niemand in der Nähe, aber sie standen mitten auf dem Präsentierteller. Nervös suchten ihre Augen das Flussufer ab. „Wir sollten drüben weiterreden. Ich habe weiter flussaufwärts einige Kobolde gesehen, die die Übergänge bewachen. Hier scheinen zwar keine zu sein, aber das heißt ja noch lange nicht, dass sich das nicht schnell ändern kann.“ Kyra zog ihre Stiefel und Socken aus und stopfte letztere in erstere. Dann raffte sie Rock und Mantel bis zur Mitte der Oberschenkel – woraufhin sich ihre Wangen leicht rötlich färbten, denn trotz der Dringlichkeit der Situation, war es ihr unangenehm, vor einem fremden Mann ihre Beine zu entblößen – und watete in die Furt hinein. Das Wasser war eisig, aber Kyra ließ sich nichts anmerken. „Danke für dein Angebot, mir tragen zu helfen, aber ich komme schon zurecht. Wir sollten nur wirklich schnell rüber …“
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Drago » Freitag 10. Mai 2013, 10:09

Sie räusperte sich. Das Geräusch klang seltsam für ihn. Frauen taten das in der Regel nur, wenn sie Angst hatten und unsicher waren, Zumindest seiner Erfahrung nach. Dabei hatte er doch sein bestes gegeben, nicht gefährlich zu erscheinen. Kurz fragte er sich, ob Scaldis ihm den Drachen nicht doch direkt auf die Stirn tätowiert hatte. Doch dann begann sie zu sprechen. “Kyra,“ wiederholte er ihren Namen und sei es auch nur um zu testen, wie er auf seiner Zunge schmeckte, wie er sich anfühlte. Der Name erschien ihm genauso ungewöhnlich wie ihre Erscheinung. Einen solchen Frauennamen hatte er jedenfalls noch nie gehört. Aber nun gut. Die Namen der Frauen seines Clans waren im Grunde immer einfach gewesen, schnell auszusprechen. Und manche hatten sich nicht einmal damit abgemüht, sondern sie einfach „Frau“ oder „Weib“ gerufen. So wollte er es auf keinen Fall halten.

Sie schwieg, schien nach Worten zu ringen und Drago bemühte sich, noch ein wenig freundlicher drein zu schauen. Vielleicht hatte er ja, ohne es zu bemerken wieder seine Augenbrauen zusammen gezogen? Das machte er manchmal, wenn er angespannt war. Tatsächlich musste er nun die Muskeln in seinem Gesicht lockern. Kein Wunder, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Frauen waren es bestimmt auch bei anderen Clans nicht gewohnt, frei sprechen zu dürfen oder so viel Aufmerksamkeit außerhalb des Schlafplatzes zu bekommen. Er war wirklich blöd und unbeholfen.

Er hörte auf, ihr in die Augen zu sehen, sondern ließ seinen Blick wandern, damit sie sich wohler fühlen konnte. Und tatsächlich sagte sie endlich wieder etwas. Ihre Worte entlockten ihm ein weiteres Lächeln. Er war schrecklich erleichtert. Nicht nur um seinetwillen, sondern auch um ihretwillen. Sie war erstaunlich vernünftig. Ihre Stimme war dabei so sanft, dass sie wohl selbst Shrek das ein oder andere mal besänftigt hätte. Viel wusste Drago ja nicht über Frauen. Er hatte keine eigene gehabt und sich mit den frei zur Verfügung stehenden Frauen nie wirklich abgegeben. Die Vorstellung eine Frau teilen zu müssen, hatte ihm noch nie behagt.

“Das freut mich,“ sagte er freundlich und wunderte sich doch darüber, dass sie ihr Gepäck nicht hergab. Da, wo er herkam, taten die Frauen für gewöhnlich das, was die Männer verlangten. Er war bisher davon ausgegangen, dass das bis auf Patria überall so war. Und dann sagte sie etwas anderes. Ein Wort, dass Drago nicht kannte. Kobolde. Waren das die komischen stinkenden Fleischberge oder die kleinen Dinger? Scheinbar wusste sie mehr über die Kreaturen, die überall die Wälder unsicher machten. Das machte ihn nicht misstrauisch. Denn sie war ja nur eine Frau, nicht wahr? Vielleicht lernten in anderen Clans die Frauen eben auch andere Sachen. Wie die Namen der komischen Wesen eben.

Dann begann sie sich ihre Stiefel und Socken auszuziehen. Drago schluckte. Unweigerlich blieb sein Blick an ihren Beinen haften, als sie ihre Röcke raffte. So ein Verhalten hatte er wirklich noch nie erlebt und es machte ihn sichtlich nervös. Er wusste gar nicht, wo er hinschauen sollte. Auf der einen Art war er neugierig darauf, wie ihre Beine aussahen, auf der anderen Art war er über diesen Gedanken ein bisschen schockiert. Keine anständige Frau machte doch so was, oder? Andererseits, wann hatte er schon mal eine Frau den Fluss überqueren sehen? Die Röcke zu raffen war sicher besser, als sich ganz zu entkleiden. Und sie konnte wohl kaum riskieren, dass ihr Kleid nass wurde.

Er entspannte sich wieder, verspannte sich aber sogleich wieder. Sie trat in den Fluss und das Wasser reichte ihr nicht bis weit über die Taille, sondern nur einen Teil der Beine. Für einen Augenblick fürchtete er, sie konnte doch zaubern. Dann jedoch sah er genauer hin und schalt sich einen Idioten. Eine Furt! Und das direkt vor seinem Versteck. Er würde sich wohl ein anderes suchen müssen. Eines, dass nicht diese Schwachstelle hatte, dass jeder herüberkam. Er lief sogar rot an, als ihm aufging, dass er ganz sinnfrei durch den Fluss gelaufen war, anstelle die Furt zu benutzen. Dann aber dachte er an seinen Lendenschurz und daran, wie durchsichtig dieser womöglich war.

Verwirrt war er nun auch darüber, dass sie alles alleine tragen wollte. Aber er respektierte es doch. Er wollte nicht über sie bestimmen und sei es auch nur, um nicht so ungehobelt zu wirken wie Shrek oder einer seiner Clanbrüder. Er nickte ihr zu und bewegte sich schleunigst wieder durch den Fluss. Nicht über die Furt, wegen seinem Lendenschurz. Er beeilte sich vor ihr am anderen Ufer zu sein und verschwand im Dickicht der Weide, sobald er aus dem Fluss heraus war. Sollte sie hinsehen, so würde Kyra feststellen, dass der Stoff seines Lendenschurzes am Hintern sehr durchsichtig war und wesentlich mehr preisgab, als es verhüllte. Das Hemd hatte er angelassen und es hatte sich am Saum ebenfalls mit Wasser vollgesogen.

“Gib mir einen kleinen Augenblick. Ich muss mir eben etwas Trockenes anziehen,“ sagte er über die Schulter hinweg. Sie würde es schon hören. Schnell entledigte er sich seines Schurzes und wickelte sich in einen neuen, schlüpfte dann in die Lederhose und zog sich das Hemd aus. Mit dem Rücken zum Stamm. Nur um sicher zu gehen, falls sie zu früh herein kam. So würde sie nur eine einzelne Klaue sehen, die sich über die Schulter hinweg in sein Fleisch zu krallen schien. Das konnte theoretisch ja alles sein. Er schlüpfte in ein trockenes Hemd und eine warme Weste, sah sich dann um und räumte verlegen noch die ein oder andere Unordnung bei Seite. “Du kannst jetzt gucken, Kyra!“ Beim Falken und beim Drachen! Er klang ja kindischer als jedes sechsjährige Mädchen. Er hockte sich auf dem Boden und zog sich Socken und Schuhe an damit er sie nicht ansehen musste, und sie nicht sah, wie albern er sich plötzlich vorkam.
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Kyra » Donnerstag 16. Mai 2013, 13:18

Zum Glück schien Drago nicht zu der Sorte Männer zu gehören, die es als Affront ansahen, wenn Frauen selbstständig Dinge taten. Zumindest bestand er nicht weiter darauf, ihr ihr Gepäck abzunehmen. Auch sonst machte er einen recht freundlichen Eindruck, aber er schien Kyra auf eine seltsame Art sorglos zu sein. Während sie in die Furt watete, beobachtete er sie weiterhin, anstatt selbst wieder auf die andere Seite zu gehen oder zumindest das Ufer nach Gefahren abzusuchen. Sie ignorierte ihn so gut wie sie konnte, denn sie wollte nicht wirklich wissen, ob er ihre nackten Beine anstarrte oder einfach nur sehen wollte, wie sie über den Fluss kam. Stattdessen richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf ihre Füße, die unter Wasser kalt und weiß wirkten. Steine bohrten sich in ihre Fußsohlen und erinnerten sie daran, wie empfindlich ihre Füße geworden waren, seitdem sie bei den Verborgenen lebte. Oder besser gesagt – gelebt hatte. Die Verborgenen … gab es nicht mehr. Wieder schob Kyra den Gedanken daran gewaltsam beiseite, denn sie hatte Angst vor der inneren Leere, die in den Katakomben von ihr Besitz ergriffen hatte.

Sie schaute erst wieder nach oben, als sie hörte, dass er sich entfernte. Er nahm denselben Weg, den er gekommen war – und zu ihrer unendlichen Scham erhaschte Kyra einen Blick auf seinen Allerwertesten, der wegen des nassen und weißen Lendenschurzes bestens zu erkennen war. Kyras Kopf schwenkte so schnell in eine andere Richtung, dass sie beinahe das Gleichgewicht verloren hätte. So eben noch konnte sie verhindern, dass sie mitsamt ihrem ganzen Gepäck in die Fluten des Torrentis stürzte. Und dann wären vermutlich nicht nur ihre Stiefel weg, die sie in der Hand hielt, sondern auch einige Dinge wie die Karte und das Märchenbuch unwiederbringlich zerstört. Schnell legte sie die restlichen Schritte bis ans andere Flussufer zurück, ohne noch einmal nach rechts oder links zu schauen. Jetzt wusste sie wenigstens, warum Drago davon abgesehen hatte, gemeinsam mit ihr die Furt zu durchqueren!

Als sie drüben angekommen war, trat sie ein paar Schritte in den Wald hinein, sodass sie vom Flussufer nicht mehr gesehen werden konnte. Sie hörte Dragos Stimme, die aus einem Gebüsch rechts von ihr erklang. „Ja, besser ist das!“ dachte sie, denn die Sachen, die er jetzt anhatte, zeigten eindeutig zu viel für ihren Geschmack. Sie wusste, dass es genug Frauen gab, die gerne einen zweiten oder dritten Blick auf einen durchtrainierten Mann im durchsichtigen Lendenschurz riskiert hätten. Oder die sich zumindest einen Kommentar in seine Richtung nicht hätten verkneifen können. Aber Kyra zählte weder zu der einen noch zu der anderen Fraktion. Mehr oder weniger unbewusst hatte sie immer einen Bogen um Männer gemacht und noch nicht einmal den Gedanken zugelassen, jemanden auf diese Art und Weise an sich heranzulassen. Es fiel ihr sogar schwer, unverfänglich über das Thema nachzudenken. Bei Cal hatte sie zum ersten Mal einen winzigen Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber eben auch nie mehr als das. Sie hatte nie gewusst, was er über sie dachte und hatte ihn auch nie wissen lassen, was sie für ihn empfand. So gesehen war das Ganze zum Scheitern verurteilt gewesen, ehe es überhaupt begonnen hatte. Kyra schob auch diese Gedanken beiseite. Sie lösten in ihr eine unbestimmte Trauer aus, die wesentlich tiefer saß als die jüngsten Wunden des Krieges. Die Zauberin lächelte, wobei diesem eine – für sie eigentlich absolut untypische – Portion Zynismus anhaftete. Sie war schon ziemlich kaputt. Und jetzt hatte sie noch nicht einmal mehr ihre Familie, die sie auffangen konnte. Im Grunde genommen – so bitter der Gedanke auch war – war es ein schlechter Scherz, dass die Göttin ausgerechnet sie hatte überleben lassen. Besser jemanden, der mehr mit diesem Geschenk anzufangen wusste – so wie Symphonie oder Dalia. Oder Cal und sein Bärenclan, bei denen Kyra immer den Zusammenhalt geschätzt hatte. Oder Anilya. Oder Taira.

Kyra kam nicht mehr dazu, darüber nachzudenken, ob eine dieser Personen überlebt haben könnte, denn Drago meldete sich ein weiteres Mal zu Wort. Im Grunde war sie dankbar dafür, denn so kam sie gar nicht erst ins Grübeln und konnte sich stattdessen vorstellen, dass alle irgendwo in Sicherheit waren und die Ohadus sie nicht gekriegt hatten. Dragos Aufforderung lenkte sie auch insoweit ab, dass sie ein Lächeln auf ihr Gesicht zauberte. Er hörte sich ein bisschen so an wie Ilana, wenn sie etwas gebastelt oder eine Überraschung vorbereitet hatte und nun gespannt auf ihre Reaktion war. Irgendwie wirkte er tatsächlich sehr … jung. Obwohl sie nicht glaubte, dass er weniger Sommer gesehen hatte als sie. Aber er war so sorglos. So als habe nicht gerade ein grausamer Krieg das ganze Land in seinen Grundfesten erschüttert. Einerseits war das für diese Zeit sehr seltsam, andererseits hatte es auch etwas … Erholsames. Kyra nahm sich noch die Zeit, ihre Strümpfe und Schuhe wieder anzuziehen, ehe sie dem Klang seiner Stimme folgte.

Sie fand ihn unter den Ästen einer Weide, die nahe am Fluss stand. Offensichtlich hatte ihm der Ort als Versteck gedient, was wiederum von einer gewissen Weitsicht zeugte und nicht zu seinem sorglosen Verhalten eben passen mochte. Kyra registrierte erleichtert, dass er wieder vollständig bekleidet war. Nun sah sie auch sein Gepäck – und einen Bogen, der an dem Baumstamm lehnte. Da dies die einzige offensichtliche Waffe war, hielt sie Drago für einen Waldläufer. Einen Waldläufer der Clans, um genau zu sein, zumindest, wenn sie die Art seiner Kleidung als Indiz nahm … und die Tatsache, dass sie ihn noch nie bei der Verborgenen Garde gesehen hatte. Und durch ihren Vater hatte sie viele der Waldläufer zumindest vom Sehen her gekannt. Natürlich bestand die Option, dass er einer derjenigen war, die sie eben nicht kannte. Und der vielleicht ein ehemaliger Clanmann war, der zu den Verborgenen gekommen war. Egal. Sie würde es wohl früher oder später herausfinden. „Kein schlechtes Versteck.“ meinte sie mit einem Blick auf die Weide. „Allerdings könnte es passieren, dass die Ohadus irgendwann die Furt finden.“ Na toll, das war ja ein großartiges Kompliment! Lieber schnell weiterreden … „Seit wann bist du im Wald der Stimmen? Wie … sicher ist es hier?“
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Drago » Donnerstag 22. August 2013, 18:56

Drago lauschte auf ihre Schritte, als sie sich ihm näherte. Sie klangen beinahe laut durch die unnatürliche Stille des Waldes. Er lächelte, denn er war wirklich glücklich darüber endlich wieder Gesellschaft zu haben. Sie war zwar nur eine Frau, aber das hatte entscheidende Vorteile. Als Frau würde sie nicht mit ihm rangeln, wer das Sagen hatte. Frauen waren in der Regel sanft und warm, wenn man sie nur ließ. Sein Ausbilder bei den Waldläufern hatte ihm einmal gesagt, dass man Frauen mit sanfter Konsequenz behandeln sollte. Es mochten manche Männer zwar als Zeichen von Schwäche sehen. Aber es erleichterte einem auch das Leben, wenn Frauen sich freiwillig zu einem ins Bett legten oder ihren Pflichten gut gelaunt nachgingen und nicht, weil sie sonst geschlagen würden. Drago hatte weder das eine, noch das andere je ausprobieren können. Also ließ er sich von seinem Instinkt in Bezug auf die Rothaarige leiten.

Aus den Augenwinkeln beobachtete er ihr Kommen genau, achtete auf ihre Körperhaltung, ganz so, als wäre er auf der Jagd. Die Haltung eines Tieres verriet immer viel darüber, ob es sich in Gefahr wähnte oder angriffslustig war. Das musste also schließlich auch bei Frauen funktionieren oder? Als sie jedoch zu sprechen begann, fuhr sein Kopf mit einem Mal herum, fast so, als wäre er ein Killerfalke, der seine Beute entdeckt hatte. Kurz loderte etwas in seinen Augen auf. Eine Mischung aus Entsetzen und Ungläubigkeit vielleicht. Hatte sie gerade wirklich seine Entscheidungen in Frage gestellt? Niemals konnte diese Frau von den Clans sein, oder? Welcher Clanmann ließ sich so was schon von einer Frau gefallen? Sicherlich nicht mal Freismer. Doch ihre Körperhaltung war nicht aggressiv oder provokant. Sie behandelte ihn auch nicht wie eine überhebliche Patrianerin. Sie plapperte einfach rasch weiter und tat dabei ziemlich naseweis, fand er. Kurzum. Sie war ihm ein Rätsel. Er sann einen Augenblick darüber nach, welche Antwort wohl angebracht war. Sollte er sie schelten für ihre anmaßende Frage? Sollte er sie einfach übergehen? Er musterte sie aufmerksam, nachdenklich und zog seine Augenbrauen abermals zusammen. Schließlich rang er sich zu einer Antwort durch, die vielleicht ein wenig eingeschnappt klang, wenn man genau hin horchte.

“Die Furt war mir nicht bekannt. Oder glaubst du, ich wäre dir sonst durch den Fluss entgegen gelaufen? Wir werden uns ein neues Versteck suchen müssen. Eines, dass uns vor diesen Kobolden ...“ Er schmeckte das Wort versuchsweise auf seiner Zunge. “und vor möglichen überlebenden Drachen schützt. Das hier ist schließlich ihr Gebiet.“ Er erhob sich, schulterte sein Gepäck und seinen Bogen. Bewusst drehte er ihr dabei den Rücken zu. Es war zum einen ein Test, ob sie ihn nicht doch noch angriff, zum anderen zeigte er ihr so ein bisschen, was er von ihrem Verhalten hielt. Er war definitiv nicht amüsiert. Andererseits, vielleicht wollte sie sich ja nicht wichtig machen. Vielleicht wusste sie tatsächlich mehr als er? Möglich war das durchaus. Denn von den für ihn neuen Schrecken hatte er nicht viel Ahnung. Außer dass es besser war ihnen aus dem Weg zu gehen und sie schnell zu töten, wenn sie doch mal seinen Weg kreuzten. Also gab er sich versöhnlicher. Über die Schulter hinweg sprach er wieder mit ihr. “Du musst dir aber keine Gedanken machen. Ich kenne mich hier sehr gut aus und wenn du auf mich hörst, kann ich dich relativ sicher durch den Wald führen.“

Bei den Worten drehte er sich zu ihr um, zupfte sich seine Lederkleidung zurecht und war schon drauf und dran das alte Versteck zu verlassen. Aber er hielt sich nochmals zurück. Mit ein paar langen Schritten trat er direkt vor sie. Er senkte seine Stimme und legte Kyra vorsichtig, aber durchaus mit Nachdruck die Hand auf die Schulter. “Kann ich mich auf dich verlassen, Kyra? Du bist doch keine patrianische Hexe, die mir bei der ersten Gelegenheit irgendwas anhext, oder ihre amazonischen Schwestern herbeiruft, während ich schlafe, um mich zu verschleppen? Ich bin nämlich gerne ein freier Mann und möchte es auch bleiben.“ Nun, das war jetzt nicht gerade subtil gefragt. Aber es war doch mit einer gewissen Eindringlichkeit vorgebracht, so dass deutlich wurde, wie ernst Drago die Sache war. Er war bereit ihr zu vertrauen, vielleicht sogar dann, wenn sie aus Patria kam. Solange wie sie nur vorher die Fronten klärten und ihr klar war, unter welchen Bedingungen sie bei ihm bleiben durfte. Er würde sie im Gegenzug dann auch nicht wie seine Sklavin behandeln. Klang alles ganz einfach, fand er.
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Kyra » Dienstag 3. September 2013, 18:41

Er war eingeschnappt. Ganz eindeutig. Kyra begann verlegen mit einer Haarsträhne zu spielen. Sie hatte es eigentlich nur gut gemeint, aber natürlich wurden ihre Worte wieder auf die schlechtmöglichste Art ausgelegt. Sie unterdrückte das Bedürfnis, sich zu erklären, weil es das vermutlich auch nicht besser gemacht hätte. Scheinbar konnte sie einfach nicht mit Worten umgehen. Stattdessen wunderte sie sich darüber, dass Drago die Ohadus gar nicht erwähnte. Nur die Kobolde – und den Drachenclan. Andererseits – wenn er sich vor den Drachen fürchtete, dann konnten die Ohadus im Wald der Stimmen nicht sehr präsent sein. Was an und für sich gut war und Hoffnung darauf machte, dass es im Westen des Landes weitere Überlebende gab. Zwar machte es Kyra – sinnloserweise, wie ihr selbst in diesem Moment klar war – wütend, dass so viele gute Menschen gestorben waren, während ausgerechnet die Drachen überlebt hatten, aber es bedeutete eben auch, dass es neben ihnen beiden noch andere Menschen gab. Trotzdem musste sie nachhaken: „Wenn die Drachen noch hier sind, bedeutet das also, dass der Wald der Stimmen noch nicht von Zûls Heer überrannt worden ist?“

Drago bot sich als Führer durch den Wald der Stimmen an. Ihr eigener Aufenthalt hier war fast sechs Jahre her, sodass sie sich zwar irgendwie zurecht gefunden hätte, aber garantiert nicht so gut wie er. So gesehen freute sie sich über sein Angebot. Allerdings störte sie die Art, wie er es vorbrachte. Er behandelte sie ein bisschen so, wie manche Leute Kinder behandeln – so als hielte er sie für unfähig, selbstständige und vernünftige Entscheidungen zu treffen. „Danke“, erwiderte sie mit einem Kopfnicken – kurz hatte sie überlegt, überhaupt nicht darauf zu reagieren, aber sie wollte Unhöflichkeit nicht mit Unhöflichkeit vergelten. Zumal sie seine Geschichte nicht kannte – und in diesen Tagen musste man leider davon ausgehen, dass jeder Mensch, auf den man traf, ein schweres Schicksal zu schultern hatte. Gerade wollte sie ihn fragen, warum er sich hier so gut auskannte und von welchem Clan er eigentlich war, als er sich plötzlich umdrehte und ihr die Hand auf die Schulter legte. Obwohl er dabei nicht bedrohlich wirkte, wich Kyra reflexartig einen kleinen Schritt zurück. Und erschrak dabei über sich selbst. So hatte sie schon ewig nicht mehr auf eine simple Berührung reagiert. Nicht mehr seit … ja, seitdem sie begonnen hatte, die Elementarmagie zu meistern. Die Elemente hatten ihr immer Sicherheit gegeben, ihr das Gefühl vermittelt, nicht mehr allein und nicht mehr hilflos zu sein. Natürlich wäre es auch nicht gut gewesen, Drago in einen Schleier aus Flammen zu hüllen, nur weil sie sich erschreckt hatte, aber … sie fand es mehr als bedenklich, dass sie die Verbindung überhaupt nicht erst hergestellt hatte. Stattdessen hatte sie versucht zu fliehen, auszuweichen, sich in sich selbst zurückzuziehen. So, wie sie es gemacht hatte, als sie allein und verzweifelt war – als sie noch nicht wusste, wer sie überhaupt war. Hatte der Krieg sie wieder dahin zurückgeworfen? Oder hatte sie es in Wahrheit niemals wirklich gewusst?

Verwirrt versuchte sie ihre Gedanken zu ordnen und sich auf das zu konzentrieren, was er eigentlich gesagt hatte. Sie musterte ihn noch einmal richtig, dieses Mal ohne Angst oder Hintergedanken. Was sie sah, war ein Relikt aus der Vergangenheit. Aus der Vergangenheit, als die Patrianerinnen noch Sklavenjagden veranstalteten und es die größte Angst der freien Männer war, für immer hinter den hohen Steinmauern Patrias zu verschwinden. Oder als die Drachen allen, die die Freiheit liebten, mit Aggression und Waffengewalt begegneten. „Ich … bin keine patrianische Hexe, ich bin eine Zauberin der Verborgenen. Aber selbst wenn ich eine Hexe wäre, dann könnte ich meine Schwestern nicht herbeirufen, weil die meisten von ihnen tot sind. Patria … steht nicht mehr. Ebenso wenig wie Maryenhain und andere Siedlungen der Menschen. Entschuldige meine Direktheit, aber … du sprichst so wie jemand der nicht weiß, was in diesem Land passiert ist. Du redest über die Drachen und Patrianerinnen, als wären sie das Schlimmste, das uns im Moment drohen könnte. Aber die meisten Patrianerinnen sind im Krieg gegen Zûl und sein dunkles Heer gefallen – ebenso wie die Clans und die …“ Kyra stockte kurz und musste einiges an Überwindung aufbringen, um weiterzusprechen. „… die Verborgenen. Bis ich dich getroffen habe, wusste ich nicht, ob IRGENDJEMAND überlebt hat, außer mir …“ Ihr Blick verschwamm und sein Gesicht wurde zu einem undeutlichen Farbfleck. Abrupt drehte Kyra sich um und wandte ihr Gesicht den Ästen der Weide zu. Sie hätte eigentlich geglaubt, dass sie keine Tränen mehr übrig hatte, die geweint werden wollten …
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Drago » Sonntag 8. September 2013, 08:08

Sie wich zurück, als habe er vor sie zu schlagen. Drago biss sich verlegen auf die Unterlippe. Das hatte er schließlich nie vor gehabt. Ob sie erkannt hatte, aus welchem Clan er stammte? Einmal mehr schämte er sich für die Entscheidung, die er damals getroffen hatte. Wenn er damals schon so viel gewusst hätte wie heute, dann … Aber Drago war niemand, der sich lange mit der Vergangenheit aufhielt. Er konnte es sich ganz einfach nicht leisten. Das Hier und Jetzt war es, was zählte. Und jetzt gerade eben stand eine rothaarige, kleine Schönheit vor ihm, von der er im Grunde nichts wusste. Deshalb folgte sein Blick genau ihrer Gestik und Mimik. Sie wirkte auf ihn irgendwie verloren. Es lag nicht an ihrer geringen Körpergröße oder daran, dass sie eine Frau war, die sich alleine durch die Wälder wagte. Nein. Es war ihre Haltung, ihr Blick. Sogar die Art, wie sie ihn jetzt ihrerseits musterte. Er drehte die Hände nach außen, eine Geste, die ihr symbolisieren sollte, dass sie vor ihm nichts zu befürchten hatte. Konnte ja nicht schaden. Wenn sie so schreckhaft war, war sie womöglich schon von Männern geschlagen worden. Irgendwie gefiel dieser Gedanke Drago nicht sonderlich.

Und dann begann sie zu sprechen. Erst holprig, dann mit festerer Stimme. Verborgene? Das hatte er schon einmal gehört. Er war sich nicht sicher, aber er glaubte, dass waren Frauen, die mit Patria im Streit gelegen hatten. Sie machten keine Sklaven, sie nahmen geflohene Sklaven auf und hatten Verbindungen zu den Clans aufgebaut. Zu blöd. Kyra würde sich möglicherweise sehr gut mit den Clans auskennen.

Zauberin? War das nicht so etwas wie eine Hexe. Er schluckte und musterte sie in einem ganz neuem Licht. Trug sie deshalb keine Waffen? Aber sie sah doch so klein und schutzlos aus. Sie konnte unmöglich eine besonders gute Zauberin sein, oder? Sonst hätte sie ihn womöglich einfach weggebrutzelt oder in in der Erde versinken lassen und wäre dann einfach durch die Luft davongeflogen. Beim Drachen und beim Falken! Er hatte so viel über Zauberei gehört und etwas kroch unangenehm schleimig seinen Rücken und seine Schulter empor und drückte ihn nieder. Nur langsam und voller Erstaunen begriff Drago, dass das Gefühl Angst war. Angst vor einer Frau. Wie lächerlich! … Oder?

Dann sagte sie wieder etwas, dass ihn aus der Bahn warf. Die meisten waren tot? Patria, die uneinnehmbare Feste des Sklavenjägerinnen zerstört? Er wusste nicht, ob darüber entsetzt sein oder sich freuen sollte. Patria war in seinen Augen jedenfalls kein Verlust. Die anderen Menschen jedoch … etwa alle Menschen? Erstaunt hörte er ihr zu, verschränkte dabei die Arme vor der Brust und blickte besorgt zu ihr herunter. Zûl? Wer war nochmal Zûl? Er hatte nie besonders aufgepasst, wenn Scaldis von irgendwelchen seltsamen Dingen gesprochen hatte, aber war Zûl nicht ein Mann, der Zauberei beherrschte? Ein ziemlich alter Mann. Und der sollte das alles getan haben, was Kyra da erzählte? Aber warum? Nun, ihm fiel es in diesem Moment sehr leicht zuzugeben, dass er nicht, die geringste Ahnung hatte, wovon sie sprach und so antwortete er endlich auch auf ihre Frage, die sie zuvor gestellt hatte, ohne sich wie der letzte Idiot vorzukommen. Oder zumindest war er nun bereit, es sich selbst einzugestehen wie wenig er eigentlich wusste.

“Also, wenn du mit überrannt meinst, ob sich im Wald der Stimmen viele von den … kleinen Kreaturen und den seltsam deformierten stinkenden Kobolden aufhalten, von denen nie einer gleich aussieht und die auch nie gleich zu bekämpfen sind. Dann gilt der Wald der Stimmen wohl offiziell als überrannt. Sie töten alles, was ihnen begegnet. Ich habe wirklich keine Ahnung, wo sie herkommen. Ich war lange auf der Flucht vor den Drachen und habe mich in den Wäldern versteckt. Und irgendwann waren diese Dinger dann da. Dennoch würde ich die mögliche Gefahr, die von den vielleicht noch lebenden Drachen ausgeht nicht unterschätzen. Diese Dinger töten dich nur, die Drachen aber sind nicht so gnädig. Gerade nicht mit Frauen. Versklaven würden sie dich und zu Sachen zwingen, die du nicht willst und Stück für Stück würde deine Seele sterben, bis du nur noch eine leere Hülle bist.“[i] Es war zum Haareraufen. Wie sollte er ihr nur sagen, woher er das alles wusste? Sollte er ihr sagen, dass er ein abtrünniger Drache war? Sollte er lügen? Er wollte im Grunde seines Herzens ehrlich zu ihr sein, traute ihr aber auch nicht über den Weg. Nicht, wenn sie die Macht hatte, ihn abzufackeln. Vorsicht war angebracht. Also entschied er sich dafür, es erstmal gar nicht zu erklären. Mit etwas Glück zog sie ihre eigenen Schlüsse, die sie weit von der Wahrheit wegbrachten.

Jäh wurde sein Gedankengang durch ihre Körpersprache unterbrochen. Neuerlich änderte sich sein Bild von ihr. Sie hatte die Worte über die gefallenen Verborgenen kaum herausgebracht und nun wandte sie sich von ihm ab. Vermutlich um ihren Kummer zu verbergen. Keine Frau seines Clans hatte es je gewagt einem Mann auf diese Weise ihren Rücken zuzudrehen. Ob sie es wusste oder nicht, für ihn war es eine Geste von Vertrauen. Und dann sanken ihre letzten Worte endlich in seinen Verstand. Er schämte sich plötzlich, schämte sich dass er so darauf konzentriert gewesen war, seinen eigenen Allerwertesten zu retten, ohne zu begreifen, was sie ihm da erzählte. Was sie durchgemacht haben musste! Und das als Frau. Ganz alleine. Er wollte sie trösten. Aber wie machte man so was?

'Hör auf zu heulen, sonst setzt es eine.' war definitiv nicht die richtige Ansprache auch wenn es bei seinem Clan stets zum Versiegen der Tränen geführt hatte. Aber er hatte Frauen gesehen, die einander trösteten. Sie hatten sich in den Armen gehalten. Der Gedanke war seltsam, sich einer Frau auf diese Weise zu nähern, ohne ihr im gleichen Atemzug mitzuteilen, dass sie das Lager mit einem teilen sollte. Drago atmete tief durch, überbrückte todesmutig die Distanz, die sie zwischen sie beide gebracht hatte und umfing sie mit seinen Armen. Dabei bemühte er sich sehr, keine ihrer Körperteile zu berühren, die fürs Bett gedacht waren. Seine Arme schlossen sich etwas linkisch, aber mit viel gutem Willen um ihre Schultern, oberhalb ihrer Brust. Er zog sie an sich, so dass ihr Rücken nun gegen seinen Oberkörper lehnte und hielt sie dort fest. [i]“Weine nicht, Kyra. Du bist nicht mehr alleine.“
Puh, kam er sich doof vor! Dennoch redete er einfach weiter, in dem Versuch sie zu beruhigen. “Ich bin da. Ich lass dich nicht allein. Ich passe ab jetzt auf dich auf. Versprochen.“ Eines war ihm sonnenklar. Er hasste es, wenn Frauen heulten. Hatte es schon immer gehasst. Nicht nur, weil ihre Gesichter dann sehr unschön aufquollen, sondern auch, weil er im Grunde nichts tun konnte. Er war zur Hilflosigkeit verdammt. Dieses Gefühl war echt ätzend.
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Kyra » Samstag 9. November 2013, 11:14

Er hob die Hände in einer abwehrenden Geste und Kyra spürte, wie Hitze in ihre Wangen stieg. Sie hatte gar nicht angenommen, dass er ihr etwas hatte antun wollen, sie hatte ihm auch nicht das Gefühl vermitteln wollen, dass sie das von ihm dachte. Natürlich musste ihre Reaktion auf ihn so wirken, aber so war es eigentlich nicht gemeint gewesen. Gerne würde sie sich erklären, aber wieder fehlten ihr die richtigen Worte. Im Grunde genommen verstand sie sich selbst nicht mehr – und wie sollte sie sich dann einer anderen Person erklären? Noch dazu einem Fremden, von dem sie ihrerseits nicht viel wusste? Dazu kam, dass Worte ohnehin nie ihre Stärke gewesen waren. Es gab genug Menschen, die mit Worten Dinge erreichen konnten, für die andere große Taten brauchten. Zu diesen Menschen hatte sie nie gezählt. Allerdings hatte sie jetzt das Gefühl, dass die Schritte, die sie bereits gegangen war, nie passiert waren. Sie hatte in der Vergangenheit Dinge gesagt, die ihr selbst unwichtig vorgekommen waren – und hatte die Erfahrung gemacht, dass andere sie dennoch hören wollten. Jetzt war es so als … ja, als sei das alles nie passiert. Als sei sie durch ein Loch zurückgefallen in die Zeit, in der ihre Zunge wie vereist war und es ihr unheimlich schwer fiel, überhaupt etwas zu sagen. Worte wurden in ihrem Kopf zäh wie Leim und weigerten sich, sich zu sinnmachenden Sätzen zusammenzufügen. Weswegen Kyra sie einfach dort ließ und nicht aussprach. Weil es nichts brachte. Weil es eher noch für mehr Verwirrung sorgte, anstatt die Situation aufzulösen.

Aber all diese Gedanken wurden hinweggefegt von der Trauer, die sie unvermittelt traf. Die Leere, die sie eigentlich verdrängt zu haben glaubte, schlug mit unverminderter Wucht zu und füllte jeden Winkel von ihr aus. Sie sah Maryenhain wieder vor sich, die menschenleeren Straßen, Rundgänge, Räume. Zerbrochene Krüge, zerfetzte Kleider und einen verstümmelten Teddybären, dem der Kopf fehlte. Haustüren waren eingetreten worden, die Tempel in der Oberstadt völlig verwüstet – besonders der Tempel der Göttin war fast dem Erdboden gleichgemacht worden, dort stand eigentlich kein Stein mehr auf dem anderen. Sie sah sich selbst, wie sie in den leeren Wohnungen der ehemaligen Katakomben Zuflucht suchte wie eine Ratte, die sich vor einer Katze verkriecht. Sie sah wieder das Haus ihrer Familie, die Zerstörung, die auch dort getobt hatte. Wie sie die Puppe ihrer kleinen Schwester aufgehoben hatte, die wundersamer Weise noch heil geblieben war. Und dann … Menschen, die die Wege entlang wanderten. Kinder, die sich gegenseitig in die Rippen stießen und aufgeregt auf den Tempel der Göttin zeigten. Sie selbst, wie sie zusammen mit Clare im Tempel der Elemente gewesen war – und die beruhigende Nähe der Elemente gespürt hatte, die allumfassende Präsenz, die hier besonders stark war. Sie sah das neugebaute Haus ihres Vaters – und ihre Schwester Ilana, die aufgeregt durch die Räume stürmte und ihr alles zeigte. All das … hatte sie als gegeben hingenommen. Und all das … war jetzt verloren. Für immer. Noch ein Bild wollte sich aufdrängen, das Bild eines fahlen Gesichtes mit geschlossenen Augen, als …

… sie plötzlich spürte, wie sich zwei Arme um sie legten. Normalerweise hätte sie panisch reagiert, aber in dem Moment war sie so perplex, dass sie sich gar nicht regte, sondern alles mit sich geschehen ließ. Der Sinn seiner Worte erschloss sich ihr erst ein wenig später, zunächst hörte sie nur den beruhigenden Klang seiner Stimme. Kyras Tränen versiegten. Sie hätte im Nachhinein selbst nicht sagen können, ob es an der Überraschung lag oder daran, dass sie die Nähe und die Geste tatsächlich beruhigte. Für einen winzigen Moment war der Wunsch übermächtig in ihr, sich umzudrehen und die Umarmung zu erwidern. Und einfach ihre ganze Trauer herauszulassen und ihre Verzweiflung und das Gefühl des Verlustes in Tränen umzuwandeln. Aber sie verdrängte den Impuls. Er war immerhin ein Fremder und noch immer steckte es tief in ihr, vor Fremden nicht die Kontrolle über ihre Gefühle zu verlieren. Der Sinn seiner Worte drang schließlich zu ihr durch und sorgte dafür, dass Kyra zwei weitere Tränen über die Wangen liefen. Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie allein sie sich eigentlich gefühlt hatte. Zwar hatte sie nie ernsthaft geglaubt, dass sie der einzige lebende Mensch in ganz Aurorae war, aber die Angst, sie könne die anderen Überlebenden nicht finden, war ein steter Begleiter gewesen. Diese Angst hatte sogar an der letzten Kraftquelle gekratzt, die Menschen selbst in absoluter Dunkelheit noch haben: Hoffnung. So spürte sie erst in diesem Moment, wie erleichtert sie war, dass sie Drago getroffen hatte. Und wie gut ihr die Nähe tat. Früher hätte sie sich in einer vergleichbaren Situation geniert, aber jetzt war sie eigentlich nur unendlich dankbar.

Schließlich drehte sie sich doch um und lehnte ihre Stirn an seine Brust. Und kämpfte wieder gegen sich, aber dieses Mal focht sie gegen ihre inneren Barrieren an, die ihre Gefühle im Zaum hielten, gegen die Kontrolle, die seit damals im Wald der Stimmen ihr steter Begleiter waren. Es war unglaublich schwer, aber offensichtlich waren die Barrieren porös oder zumindest angeschlagen, denn plötzlich waren die Tränen doch da. Sie flossen ihre Wangen hinab, tropften auf ihren Mantel und vermutlich auch auf seine Lederkleidung. Aber selbst wenn Kyra sie noch hätte aufhalten wollen, hätte sie es jetzt nicht mehr gekonnt. Wie Krallen schlug sich der Schmerz in ihr Inneres und fraß sich durch ihren gesamten Körper. Bilder der Schlachten zogen vor ihrem geistigen Auge vorbei und reihten sich aneinander wie eine Kette bösartiger Geschwüre. Am liebsten würde sie sie zerreißen, aber ihre Arme waren zu schwach. Gesichter der Menschen, die sie liebte, tauchten auf, eins nach dem anderen. Aber ebenso schnell verschwanden sie, entweder waren sie für immer gefallen oder ihr Schicksal war ungewiss. Ihr Vater war tot. Gefallen in diesem sinnlosen Krieg. Er, der immer ihre Stütze gewesen war, obwohl er selbst gelitten hatte in all den Jahren nach dem Tod ihrer Mutter. Hatte sie ihm eigentlich jemals gesagt, wie viel er ihr bedeutete? Es tatsächlich gesagt, in Worte gefasst? Sie glaubte nicht. Und nun würde sie nie wieder die Gelegenheit dazu haben. Kyras Schultern hoben und senkten sich, während weitere Bilder sich einstellten, die Tränen schienen nicht mehr versiegen zu wollen. Erst nach einer geraumen Weile wurde sie sich wieder bewusst, wo sie sich befand. Sie fühlte sich seltsam leer und kraftlos, ihre Augen brannten und ihr Gesicht schmerzte tatsächlich, obwohl sich Kyra nicht erklären konnte, wieso. Auf der anderen Seite fühlte sie sich aber auch irgendwie … leicht. Als sei eine Last von ihr genommen worden.

Sie trat einen Schritt zurück und löste sich aus der Umarmung. Sie strich sich über das Gesicht und war sich bewusst, dass sie wahrscheinlich furchtbar aussehen musste. Das und die Tatsache, dass sie sich einfach hatte fallen lassen und so komplett die Beherrschung verloren hatte, machte sie jetzt im Nachhinein ein bisschen verlegen. „Es … tut mir leid.“ Ihre Stimme klang rau und belegt, so gar nicht wie sonst. „Die letzten Wochen waren einfach ein einziger langer Alptraum. Und ich hatte so eine Angst, dass niemand mehr da ist.“ Sie rang nach Worten. „Jedenfalls … bin ich froh, dass wir uns begegnet sind.“ Sie lächelte zum ersten Mal seit langem wieder, weil sie so etwas wie Glück verspürte. Das Lächeln fühlte sich ebenso seltsam an wie das Gefühl, beides schienen vergessene Weggefährten einer längst vergangenen Epoche zu sein. „Ich würde mich freuen, wenn wir zusammen weiterreisen könnten.“ Sie versuchte sich an das zu erinnern, was er zuvor gesagt hatte, aber das meiste war im Tränenmeer weggespült worden. Nur eines wusste sie noch. „Warum warst du auf der Flucht vor den Drachen?“
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Re: Wald der Stimmen

Beitragvon Drago » Sonntag 10. November 2013, 23:09

Mission erfüllt. Ein übermächtiges Gefühl tiefer Befriedigung und Erleichterung bemächtigte sich seiner, als er merkte, dass sie das Weinen einstellte. Gedanklich klopfte Drago sich schon selbst auf die Schulter, wie es seine Clanbrüder zu besseren Zeiten gemacht hatten, wenn er erfolgreich ein großes Wildschwein erlegt hatte. Und genau euphorisch wie nach der Jagd, fühlte er sich für einen Moment. Er hatte etwas getan. Etwas, dass er noch nie vorher getan hatte. Und er hatte damit gleich beim ersten Mal Erfolg gehabt. Das war neu. Konnte sein, dass das für manche Menschen normal war, für ihn nicht. Er war noch nie auf Anhieb gut bei etwas gewesen. Es hatte immer harter Arbeit bedurft. Vielleicht sollte er einen neuen Beruf daraus machen? Frauentröster? Nee, doch irgendwie zu weibisch. Gut, dass ihn keiner der Drachen sah. Vermutlich hätten sie ihn erst ausgelacht und dann für sein unmännliches Benehmen erschossen. Dennoch grinste er über ihr von einem Ohr bis zum anderen. Ein wenig unangenehm war ihm die Erleichterung schon. Es sollte ihn nicht kümmern. Schließlich war er ein Mann. Ganz oben in der Nahrungskette. Frauentränen sollten doch nur ein kleines Ärgernis für ihn sein. Wenn überhaupt.

Sie drehte sich in seinen Armen plötzlich um. Alarmiert blickte er zu ihr hinunter. Sie zitterte jetzt. Oh oh! Er konnte schon das Wasser in ihren Augen wieder aufsteigen sehen. “Gebrochene Falkenschwinge!“ entfuhr es ihm unbeherrscht, als sich die Tränen in wahren Sturzbächen aus ihren Augen ergossen. So viel zum Thema Naturtalent. Hilflos sah er ihr dabei zu, hielt sie linkisch und vielleicht auch ein wenig verzweifelt. Was sollte er jetzt tun? Scheinbar hatte sein grandioser Plan den entgegengesetzten Effekt gehabt. Nur die Ruhe vor dem Sturm ausgelöst. Immerhin heulte sie nicht laut auf, sondern weinte lautlos, während sich ihre Hände in sein Oberteil gruben.Womöglich wäre er ansonsten wie ein panisches Reh einfach in den Wald davon gestoben. Er hatte ja schon viel erlebt (na gut, nicht wirklich viel), aber so etwas war ihm völlig neu. Was sollte er jetzt nur mit ihr anstellen? Vielleicht war es doch nicht das dümmste ihr einfach eine runter zu hauen, wie man das bei den Drachen so mit hysterischen Weibsbildern machte? Nervös kaute Drago auf seiner Unterlippe.

Nur langsam ebbte das leicht panische Gefühl in seinem Inneren ab und er begann wieder mehr zu fühlen. Ihr kleiner weicher Körper fühlte sich in seinen Armen an, als könne er sie zerbrechen, wenn er zu feste zudrückte. Ihre Tränen durchnässten an den Stellen, wo sie auf seinen Oberkörper traten langsam aber sicher seiner Kleidung. Und obwohl sie weinte, empfand er ihre Nähe im Grunde als angenehm. Wie lange hatte er schon keinen Menschen mehr gesehen? Gut. Sie war wohl kaum ein richtiger Ersatz für das Gefühl, was ein Clan ihm vermitteln konnte. Aber mal ehrlich, das Gefühl, was er sich in seinem Clan stets gewünscht hatte, hatte er ohnehin nie bekommen. Er war irgendwie nie gut genug gewesen. Immer irgendwie nicht ganz richtig. Etwas in ihm, hatte sich selbst bei den Falken manchmal ausgeschlossen gefühlt. Bei den Drachen war das nur noch schlimmer geworden. Er brummte nachdenklich. Gemeinschaft. Zu jemandem zu gehören. Das war es, was er wollte und nie wirklich bekommen hatte. Und das obwohl er stets sehr hart dafür gearbeitet hatte. Nun hartes Arbeiten war er gewohnt. Wieso jetzt hier bei ihr damit aufhören? Er war drauf und dran, etwas Neues auszuprobieren. Zum Beispiel sich mit ihr hinzusetzen und sie eng an sich zu drücken. Er hatte keine Ahnung, ob das helfen würde, es war nur so ein Instinkt, dass das hilfreich sein könnte.

Doch da löste sie sich von ihm und schaute ihn aus den verheultesten Augen an, die er je an einer Frau gesehen hatte. Und anstelle es hässlich zu finden, berührte es ihn irgendwie, löste in ihm ein seltsamen Bedürfnis aus, auf sie aufzupassen. Es fühlte sich komisch an, wie ein Stück aufgeweichter Trockenfisch, den man in die Hand nahm. Aber es war trotzdem nicht halb so unangenehm. Und dann machte Kyra den Mund auf. Sie entschuldigte sich bei ihm. Scheinbar hatte sie bemerkt, dass ihn die Situation überfordert hatte. Das gefiel Drago ganz und gar nicht. Schließlich war er der Mann. Er durfte keine Schwäche zeigen. Schon gar nicht gegenüber einer Frau. Er legte ihr schwer die Hand auf die Schulter, um sie vom Sprechen abzuhalten. “Kyra,“ setzte er an. Er wollte ihr sagen, dass er durchaus in der Lage war, ein bisschen Heulerei auszuhalten, wollte ihr sagen, dass er stark war und kein Schwächling, der mit so etwas überfordert war (selbst wenn das nicht stimmte). Allerdings hatte sie bereits weiter gesprochen. Ihre Worte berührten etwas Weiches in ihm und er erwiderte unwillkürlich ihr Lächeln, streckte sogar die Hand nach ihrem Gesicht aus und wischte mit dem Zipfel seines Ärmel den Rest ihrer Tränen fort. Etwas linkisch und unbeholfen war diese Geste vielleicht, aber von Grund auf ehrlich. Und dann brachte sie seine Welt abermals aus den Fugen. Er verharrte mitten in der Bewegung, sein Ärmel noch immer auf ihre Wange. Wie ein Hammerschlag traf ihn eine schreckliche Erkenntnis, die ihm den Atem raubte.

All das, was er sich erhoffte, würde er wieder nicht bekommen. Selbst wenn er mit ihr gehen wollte, auf sie aufpassen wollte. Sie würde ihn einfach abfackeln mit ihrer Hexerei, wenn sie erfuhr, warum er vor den Drachen auf der Flucht war. Da war er sich sehr sicher. Jeder hasste die Drachen. Mehr noch, als man die Falken gehasst hatte. Früher einmal war er stolz darauf gewesen, hatte die Lügen geglaubt, dass man sie nur hasste, weil sie die stärksten waren und den wahren Weg gingen. Doch dann hatte er am eigenen Leib erfahren, wie hartherzig Shrek war. Unweigerlich kratzte er sich an der Brust, wo eine unansehnliche Brandnarbe von dem Jähzorn seines alten Clanführers zeugte. Unmöglich konnte er ihr das alles sagen. Anlügen wollte er sie aber auch nicht. Lügen war noch nie seine Art gewesen. Und wenn seine Lügen je herauskämen (und das würden sie mit Sicherheit, denn er war ein selten schlechter Lügner), dann würde sie ihn wohl erst recht abfackeln. Vielleicht würde sie ihn vorher auch foltern. Sie sah zwar klein und hilflos aus, aber wenn eine Zauberin so etwas ähnliches wie eine Hexe war …

Er seufzte gedehnt, als er sich letztendlich zu einer Entscheidung durchrang. Er nahm auch die Hand von ihrem Gesicht, räusperte sich verlegen und blickte ihr direkt in die Augen, während er mit den Schultern zuckte. “Belassen wir es einfach dabei, dass ich sie sehr erzürnt habe.“ Keine Lüge. Es war die Wahrheit mit dem Auslassen entscheidender Stellen. Doch war das nicht sein Recht? Wie lange kannten sie sich jetzt? Nicht mal einen halben Tag. Ach was, nicht mal das Achtel eines Tages! Er hielt ihr seine ausgestreckte Hand hin. “Komm. Wenn wir uns beeilen, können wir noch ein sehr interessantes und relativ sicheres Versteck erreichen, in dem wir uns besser unterhalten können.“
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