Das verwunschene Tal

Tauche ein in die Welt von Aurorae!

Das verwunschene Tal

Beitragvon Der Schreiber » Freitag 25. Januar 2013, 17:42

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Das Verwunschene Tal ist ein zauberhafter Landstrich, zu Füßen des Supra Silvas. Die Wälder sind hier dicht, von wunderschönen Lichtungen durchzogen. Die Steine sind moosbehangen und alles erscheint so weich und rund. Viele Waldfeen sollen hier in den Tiefen der Wälder ihr zu Hause habe, ebenso wie Kobolde.
Das Klima ist hier sehr stabil, da wa von zwei Seiten geschützt wird, einmal vom Supra Silva und auf der anderen Seite vom Pass Emen.

1. Papiliabaum

In diesem bizarr aussehenden Baum wohnten einige Papilias, die es nach dem Krieg nicht mehr schafften nach Hause zurück zu kehren. Sie hatten sich im Verwunschenen Tal eine zweite Heimat aufgebaut und dieser Baum diente ihnen als Lebensbaum. Vor ungefähr 100 Jahren verstarb der letzte von ihnen.

2. Der Alte vom Tsalsee

An dieser wunderschönen Stelle hat sich ein vollendeter Duride mit Namen Tsal niedergelassen. Der See wurde nach ihm benannt: Tsalsee. Den Papilias diente er als guter Ratgeber und er überragt den restlichen Wald.

3. Lurebaum

Hier leben einige Druiden in Vollendung mit der Natur. Sie haben ihre Häuse in einen mächtigen Baum gebaut, den sie Lurebaum nennen. Der älteste Druide zählt 104 Jahre und ist ein weise alter Mann. Viele Schüler scharren sich um ihn, um alles über die Natur zu lernen. Sie verehren Tsal und einmal die Woche wandern sie zu ihm und singen mit ihm.

4. Gelebas Haus

Hier steht Gelebas Haus. Geleba ist eine sehr alte Priesterin, die es in die Einsamkeit zog, um ihre Tocher Nara weit weg von Patria aufzuziehen. Sie pflegen gute Kontakte zu den Lures.

5. Clan der Lumpius

Hier ist der Clan der Lumpius ansässig, sie sind kein wanderndes Volk, sondern haben sich hier am Barsee ein kleines Dorf erbaut. Sie sind ein friedlicher Clan, der nur aus 60 Clanmitgliedern besteht.

6. Schamanenkreis

Das wohl bedeutenste Heiligtum der Schamanen! Der Schamanenkreis besteht seit über 3000 Jahren, so heißt es und wurde errichtet vom Vater aller Schamanen, Scaccius. Die Steine sind kreisförmig um eine Art Tisch gruppiert und sind mit grünen Adern durchzogen, die pulsieren. Der Tisch in der Mitte strahlt ein grünliches Licht ab und schenkt jedem, der ihn berührt Sicherheit. Es heißt die Steine würden mit ausgesuchten Schamanen sprechen und Scaccius Seele würde darin wohnen.

7. Vorias Zunft

Einst lebte hier die Amazone Voria, sie kehrte Patria den Rücken zu und zog sich in das verwunschene Tal zurück, um Frauen zu trainieren. Sie ist schon vor über 150 Jahren verstorben und ihr Haus steht leer und verlassen, eingerahmt von dichtem Dickicht.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Donnerstag 7. Februar 2013, 14:46

Zwei Tage waren vergangen und Freismer hatte sie mit einem strammen Marsch verbracht. Die Umgebung verriet schon, dass sie nur auf die warmen Tage wartete, um zu explodieren. Es musste wunderschön hier im Sommer sein. Aber wo übbige Pflanzen wuchsen, gediehen auch die Pflanzenwesen. Falls es noch welche gab. Freismer hatte seit dem letzten Sommer keine mehr gesehen. Vielleicht verdrängte das Dunkel auch sie.
Er hatte wieder eine kleine verlassene Hütte an einem See gefunden. Wobei Hütte traf es nicht ganz. Es war der Rest, der von einer Hütte übrig geblieben war. Aber es bot ihm Schutz vor der Kälte und auch Sichtschutz vor Namenlosen oder Ohadus.

Der Tag hatte seinen Höhepunkt erreicht und die Sonne blinzelte schon vorsichtig herab. Sie spiegelte sich im See und gewann dadurch an Kraft. Gegen die letzten kalten Tage, empfand es Freismer schon als warm. Er hatte sich komplett ausgezogen und stand mit den Waden im eiskalten Wasser. Weiter traute er sich nicht hinein und er wusch sich gründlich. Das letzte Bad war eine gefühlte Ewigkeit her. Freismer war sehr gründlich, er wusch sich auch die Haare, entfernte seinen Bart, stutzte die Nägel. Als er mit allem fertig war, fühlte er sich wie ein neuer Mensch und sogar seine Stimmung war ein bisschen besser. Es tat ihm gut zur Göttin zu beten. Vielleicht hörte sie ihn und spendete ihm Kraft.

Freismer ging zu seinem Speer und nahm ihn liebevoll in die Hand. Er und die Göttin hatten ihn leben lassen! Er sah sehr mitgenommen aus. Das Holz und das Metall hatte Furchen. Die würde er nicht reparieren können, aber er konnte ihn säubern und ein bisschen einfetten, um das Holz geschmeidig zu halten. Er setzte sich also neben die Hütte, genoß den wundervollen Ausblick und reinigte nun auch seine Waffe mit großer Hingabe. Ein perfekter Tag, wenn Ayla auch hiergewesen wäre!
Wenn zwei Falken auf einem Baum sitzen und ein Schwarm Wildenten fliegt vorbei, dann sagt auch nicht ein Falke zum andern: "Schau, da fliegt die Mehrheit, das muss der richtige Weg sein, schließen wir uns an!" Sie werden weiterhin als Falken dem Weg der Falken folgen.

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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Freitag 8. Februar 2013, 14:32

Den Abend verbrachte Freismer mit den Rücken an die eine noch stehende Wand der alten Hütte gelehnt und er sah der Sonne zu, wie sie hinter den Bergen verschwand. Schlagartig wurde es kalt und Freismer wickelt sich in seinen warmen Umhang ein.

Es war seltsam, dass es die letzten ein oder zwei Wochen so ruhig geworden war. Die Zeit davor war er mindestens alle 2 Tage auf Zûls Schergen getroffen. Meist hatte er ihnen ausweichen können, nur zwei Mal musste er gegen sie kämpfen und er konnte von Glück sagen, dass keine Ohadus dabei waren. Nun fühlte er sich zum Glück schon wieder stark genug, um schwerere Kämpfe zu überstehen. Seine Wunden waren abgeheilt und zu Kräften war er auch wieder gekommen.
Am Schluß waren im Heer die Nahrungsvorräte knapp geworden, weil Zûls Armee alles tötete was ihnen in den Weg kam. Wurzeln waren kaputt getrampelt worden. Das Gemüse und Obst war komplett aufgebraucht. Hätte Zûl sie nicht so vernichtend geschlagen, wären sie wohl alle verhungert.
Alleine war es einfacher an Nahrung zu kommen. Tiere gab es immer noch kaum, aber hier so abgelegen fand man Wurzeln, Arubüsche und ganz in der Nähe hatte er sogar ein paar Erdkugeln gefunden. Sein Bauch war richtig gut gefüllt. So gut hatte er schon seit Wochen nicht mehr gegessen.

Mit diesem vollen Bauch schlief er sehr bald ein und erwachte vom Surren eines Käfers neben seinem Ohr. Die Sonne blinzelte schon über die Bergspitzen und der See lang ruhig wie ein Spiegel vor ihm. Am liebsten wäre er hier geblieben, aber in diesen Zeiten war es nicht sehr klug sich häuslich nieder zu lassen. Wenn er leben wollte, musste er in Bewegung bleiben.
Er packte alles zusammen, schulterte seinen Rucksack und weiter ging es Richtung Berge.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Sonntag 10. Februar 2013, 03:51

Freismer kam auf seinem Weg an einem völlig zerstörten Lager vorbei. Er hielt dort inne und ließ das Szenario auf sich wirken. Die Vorstellung das es genauso auch in seinem Lager aussehen würde, keiner überlebt hatte, alles zerstört war, ließ die gute Laune verschwinden. Es tat weh, es tat in seiner Brust weh. Kein Mensch hatte so ein Schicksal verdient. Estemar, Mariata, die kleine Bella... Er wusste nicht ob sie tot waren und das gab ihm einen Hauch von Hoffnung. Vielleicht hatten sie es wie er geschafft zu überleben. Vielleicht irrten auch sie umher, auf der Suche nach anderen. Sie würden sich finden und weiter leben.

Schweren Herzens ging Freismer in das zerstörte Lager hinein und suchte nach nützlichen Dingen. Er wusste, dass es die ehemaligen Einwohner genauso gewollt hätten. Er fand einen Ballen mit Tierhaut, den er einsteckt und ein Räucherhaus mit viel getrocknetem Fleisch. Er suchte eine weitere Tasche und er nahm so viel mit von dem Fleisch, wie in seine beiden Taschen bekam. Getrocknetes Fleisch war wertvoller als alles andere auf der Welt. Die Last drückte zwar schwer auf seine Schultern, aber das Mühsal nahm er gern auf sich.

Weiter ging er und kam an einem auffällig großen Baum vorüber. Hier musste Feuer gelegt worden sein. Der untere Stamm war völlig verkohlt. Erst jetzt sah Freismer nach oben, auf der Suche nach einem Grund für das Feuer und dann sah er in den Ästen kleine Häuschen. So etwas hatte er noch nie gesehen. Auch hier war kein Zeichen von Leben zu erkennen, also ging er noch ein Stück weiter, bis er an eine perfekte Stelle für ein Nachtlager kam. Mit einem lauten Stöhner legte er die schweren Taschen ab und massierte sich die Schultern. Es war anstrengender als gedacht. Zur Belohnung zog er sich ein Stück von dem Fleisch heraus und nahm ein paar Bissen. Kurz darauf lag er eingewickelt in seinen Umhang und schlief auch sofort ein.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Montag 11. Februar 2013, 14:17

Der Tag war schon einige Stunden alt, als Freismer endlich zum Aufbruch bereit war. Er hatte die Stunden der Frühe genutzt um seine Sachen zu flicken. Sein Umhang hatte einen Riss. Die Nähte seiner Hose hatten sich gelöst und seine Socken wiesen Löcher auf. Er hatte keinen Faden dabei, so musste der Saum seines Umhangs daran glauben. Dicke Socken waren ihm zu dieser Jahreszeit wichtiger, als ein Umhang bis zum Boden. Eine Nadel hatte er tags zuvor im zerstörten Clanlager gefunden und somit konnte er endlich seine Kleidung pflegen. Er war ungeübt in derlei Tätigkeiten, somit stach er sich mehrfach in den Finger und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er endlich fertig war.

Er sah eine beschwerliche Steigung vor sich. Der Hügel war höher als die in den letzten Tagen und es war ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er sich dem Gebirge näherte. Dank der großen Menge an Trockenfleisch war er angenehm satt, aber die Druckstellen auf seinen Schultern dankten es ihm nicht. Alleine die Vorstellung die schwere Last den Hügel hoch zu tragen, ließ Freismer daran zweifeln, ob es klug gewesen war so viel einzustecken. Er atmete tief durch und wollte es wenigstens weiter versuchen. Zur Not würde er die Hälfte verstecken und später wieder vorbei kommen, wenn der andere Vorrat aufgebraucht war.

Schritt für Schritt kämpfte er sich vor. Er hielt sich immer an den Bäumen auf, damit man ihn vom Tal aus nicht sehen konnte. Er war immer noch vorsichtig, auch wenn die letzte Sichtung eines Namenlosen schon so lange her war. Im Leben war es immer so, dass es einen gerade dann traf, wenn man am wenigsten damit rechnete.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Montag 11. Februar 2013, 16:59

Kendra zuckte zusammen. Was war das gerade gewesen? Vorsichtig hob sie ihren Kopf und späte über den Rand der schmalen Vertiefung in der sie sich versteckt hatte. Es mochte gegen Mittag sein, denn die Welt um sie herum erschien bereits in leichtem Zwielicht.

Kendra hatte nur ein wages Gefühl darüber wo sie sich befand. Sie musste irgendwo in der Nähe des Gebirgszuges sein, doch wirklich Orientieren würde sie sich wohl erst wieder können, wenn das Tageslicht ganz zurückkehrte. Was ihr das bringen würde wusste Kendra selbst nicht so genau, aber sicher würde sie sich wieder wohler fühlen. Allein weil die Dunkelheit nicht mehr so bedrückend war. Und die Namenlosen Kreaturen würden sich nicht mehr so einfach zu verstecken wissen.

Langsam tastete sie mit ihrer Hand nach ihrer Axt an ihrem Gürtel. Nur für den Fall, dass es sich nicht um ein wildes Tier handelte. Oder eher für den Fall das sie entdeckt wurde. Zugegebenermassen wusste sie nicht ob es wirklich etwas bringen würde, aber ohne Kampf würde sich bestimmt nicht geschlagen geben.
Kendra war sich sehr wohl bewusst, dass es mehr Glück als Können gewesen war, welche sie am Leben gehalten hatte seit diese Kreaturen durch die Wälder streiften.
Einen Moment glaubte Kendra nichts zu sehen. Vielleicht doch nur ein Tier. Im Zwielicht war es schwer etwas auszumachen und so hob sie ihren blonden Schopf etwas mehr um besser sehen zu können. Ein Fehler wie sie bald sehen sollte, denn im fahlen Licht waren ihre hellen Haare ähnlich einem kleinen Leuchtfeuer.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Montag 11. Februar 2013, 17:38

Langsam ging Freismer die Puste aus, die Rucksäcke drückten immer schwerer auf seinen Schultern, der Schweiß rann ihm den Rücken hinab und manchmal auch in die Augen, so dass er nichts mehr sah. Die Beine wurden schwerer und es half alles nichts. Er blieb stehen und lehnte sich erschöpft gegen einen Baum, um sich auszuruhen, als er plötzlich etwas Helles auftauchen sah. Er sah es nicht direkt, nur im Augenwinkel war eine Bewegung auszumachen. Er blickte in die Richtung und sah einen Schopf Haare. Schnell tat er einen Seitenschritt um hinter dem Baum zu verschwinden. Doch die Rucksäcke waren sicherlich zu groß, um auch dahinter Schutz zu bekommen. Er nahm seinen Speer fester in die Hand und atmete ein paar Mal durch. Er hörte nichts, alles war totenstill. Entweder war es ein Mensch oder ein Ohadu. Er hatte die Augen nicht gesehen. Freismer fluchte leise, tat noch mal einen tiefen Atemzug und wagte es dann...

"Zeig dich! Zeig deine Augen! Bist du ein Ohadu oder ein Mensch wie ich?" Nun trat er wieder aus dem Schatten des Baumes hervor und hob seinen Speer zum Wurf. Sein Herz raste. Wäre es ein Ohadu stand ihm ein sehr schwerer Kampf bevor und er hatte bei der Göttin nicht vor zu sterben.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Dienstag 12. Februar 2013, 08:22

Ein leises “Mist“ entwich Kendra als die Geschalt sich schnell hinter einen Baum bewegte. Schnell hatte sie ihren Kopf zurück in die Deckung gezogen. Definitiv menschlich. Aber trugen die geblendeten Rucksäcke? Dann auch noch so grosse? Wohl eher nicht. Aber sie sollte wohl lieber auf der sicheren Seite bleiben. Es konnte genauso gut eine Täuschung sein.
Nun schüttelte Kendra den Kopf über ihren eigenen Gedanken. So ein Blödsinn. Keiner dieser übermütigen, namenlosen Kreaturen würde sich hinter einem Baum verstecken, während er einen Rucksack trug, nur um Kendra in eine Falle zu locken. Aber wie gesagt, lieber auf der sicheren Seite. Auf dem Bauch liegend lauschte die Kriegerin angespannt.
Nicht, dass es ihr irgendwie einen Vorteil gebracht hätte. So geschult, dass sie einen gehenden Menschen im Gras hörte war ihr Gehör bei weitem nicht und die Stimme des Mannes, war laut genug, dass Kendra sie ohnehin gehört hatte. Ohadu? War das der Namen der verfluchten Kreaturen? Musste ja wohl fast, denn er wollte ihren Augen sehen.

Langsam stand die junge Frau auf. Ihre Axt nun fest mit beiden Händen umklammert. Sie wusste nicht was sie mehr zittern liess. Die Hoffnung einen Menschen zu treffen oder die Angst vor dem Kampf mit einem Geblendeten.
Etwas von ihr entfernt sah sie im Zwielicht die Gestalt eines hochgewachsenen Mannes. Sie meinte einen Stab oder einen Speer in seiner Hand zu erkennen, die Haltung war auf jeden Fall jene eines Kriegers.

“Beim Schatten des grossen Bären. Ein Mensch! Du bist tatsächlich ein Mensch!“ Sie konnte die Worte nicht zurückhalten und wohl kamen sie etwas zu laut über ihre Lippen. Niemals hätte sie sie geglaubt sich so sehr über den Anblick eines Menschen zu freuen.
Unvorsichtig in dieser Situation, liess sie ihre Axt sinken. Noch hatte sie seine Augen im Zwielicht nicht gesehen.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Dienstag 12. Februar 2013, 14:27

Er müsste eine gefühlte Ewigkeit warten, bis sich in dem Loch etwas tat. Er war schon drauf und dran gewesen, es einfach zu stürmen. Einzig der Gedanken, dass sie/er/es nicht alleine war, hielt ihn zurück. Als erstes sah er wieder nur zotteliges fast weißes, kurzes Haar. Dahinter lag ein kantiges, jungenhaftes Gesicht. An der Statur und der Stimme erkannte Freismer aber eine Frau. Ihre Augen waren so dunkel, dass er den Ohadu sogleich ausschließen konnte. Aber es waren mit Sicherheit Banditen unterwegs und Freismer hatte eine wertvolle Fracht, die er zwar gerne teilen, aber sich nicht stehlen lassen würde. Kam sie vom Clan des Bären, weil sie ihn erwähnte?

"Bist du allein? Gehe bitte hinter das Loch. Verzeihe bitte meine Vorsicht, aber in diesen Zeiten wird man misstrauisch. Mein Name ist Freismer und ich bin vom Clan der Falken." Er hielt es nicht für nötig zu erwähnen, dass er mal Clanführer war. Ohne einen Clan, war auch er kein Führer! Nein, es war sogar befreiend endlich ein ganz normaler Mann ohne Verantwortung zu sein. Er war Überlebender! Das war Privileg genug.

Freismer ging langsam auf die junge Frau zu, während er sprach. Er senkte den Speer, so dass sie sich nicht mehr bedroht fühlen musste, aber seine Muskelanspannung blieb. Der Krieg hatte ihn verändert, auch seine Art zu kämpfen. Wenn er intensiv darüber nachdachte, wurde ihm schlecht. Er würde nicht mal mehr mit der Wimper zucken, wenn er einen Menschen tötete, der ihn angriff... egal ob Mann oder Frau.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Dienstag 12. Februar 2013, 14:45

Unweigerlich zuckte Kendra bei der harten Stimme zusammen. Sie hatte tatsächlich etwas Freundlicheres erwartet. Freude einen anderen Menschen zu sehen, so wie es ihr ging. Oder einfach nur Erleichterung. Aber das einzige was sie aus der Haltung ausmachen konnte, war anhaltendes Misstrauen, welches er zwar erklärte, Kendra aber dennoch negativ entgegenschlug.

Was wollte sie schon tun? Sie war eine Frau und allein an seiner Statur meinte sie ihre eigene Unterlegenheit zu erkennen. Wollte er sie nun etwa ausrauben? Nein kaum, seine Worte zeigten andere Absichten auch wenn es seine Stimme irgendwie nicht tat. Aber Kendra war niemals ein grosser Menschenversteher gewesen. So entliess sie ein leises Schnauben um ihre Enttäuschung kund zu machen und ging um das niedere Loch herum.
Dort drehte sie sich zurück zu Freismer und sah ihn herausfordernd an. Vielleicht konnte er ihren Blick nicht sehen, aber selbst ihre Haltung sprach Bände.

“Zufrieden? Ich bin Kendra,“ – nicht vom Clan des Bären. Wenn es überhaupt noch einen gab. – “und ich bin allein., gab sie trotzig zur Antwort. Entgegen ihrer Haltung legte sie als Zeichen ihrer guten Absichten ihre Waffe ab. Gegen einen Speer konnte sie mit ihrer Axt sowieso nicht viel ausrichten. Da würde sie mehr Aussicht auf Erfolg haben, wen sie freie Hände hatte. Nicht das sie sich irgendeine Chance ausmalte, sollte er sie wirklich angreifen.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Dienstag 12. Februar 2013, 16:58

Dieser Kendra passte es ganz offensichtlich nicht, dass er sie wie eine Schwerverbrecherin behandelte. Einen kurzen Moment lang tat sie ihm auch leid, aber sofort hatte wieder die Vernunft Oberhand. Sie legte sogar ihre Waffen ab, was natürlich ein sehr großer Vertrauensbeweis war. Ihr Tonfall wirkte... gereizt und ein bisschen störrisch. Freismer überblickte nun, dass sie allein war und entspannte sich. Er zog den Speer wieder an sich heran und stützte sich darauf.
Nun galt seine ganze Aufmerksam der jungen Frau und er grinste sogar ein bisschen. Das Bild von Ayla tauchte vor seinen Augen auf. Sie hatte ihm beim ersten Treffen vors Schienbein getreten, weil sie dachte er wäre ein Drache. Also eigentlich war er es schon fast gewöhnt so von Frauen empfangen zu werden.

"Es tut mir wirklich leid. Ich habe in den letzten Wochen einfach zu viel gesehen und erlebt. Ich bin vorsichtig geworden. Wir haben doch nichts anderes mehr als unser Leben oder?", bevor sie antworten konnte, fuhr er fort, "Woher kommst du?", aber im gleichen Augenblick winkte er ab, ließ die Rucksäcke zu Boden sinken und fragte stattdessen: "So viele Fragen, aber viel wichtiger ist, hast du Hunger?"
Freismer zog ein Stück Trockenfleisch heraus und reichte es der Kriegerin. Das war das Wertvollste was er mit ihr teilen konnte und sie war der erste Mensch, den er seit den Zwergenhöhlen sah.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Donnerstag 14. Februar 2013, 13:31

Der Clanmensch betrachtete sie argwöhnisch, zumindest meinte Kendra das aus seiner Körperhaltung zu erkennen. Aber schliesslich zog er den Speer etwas zurück und gab ihr damit etwas Luft. Also hatte er eingesehen, dass sie keine Gefahr war. Automatisch stellte sich ein Grinsen auf ihren Lippen ein, was im Zwielicht vor allem zur Folge hatte, dass man ihre Zähne aufblitzen sah.
Dann entschuldigte sich der gute auch noch bei ihr. So war das doch schon viel besser! Nur seine Worte sassen tiefer als ihr lieb war. Das Grinsen verblasste für einen Moment. Nein, sonst hatte sie wirklich nichts mehr. Aber vielleicht war es darum, dass sie sich so ohne Kampf zum Erkennen gegeben hatte. Weil, was lohnte das Leben, wenn man nichts mehr hatte ausser dem Leben?
Die Frage war weit zu philosophisch für Kendras Kopf und so stürzten sich ihre Gedanken fast augenblicklich auf das nächste was Freismer erwähnte. Hunger. Ihr Magen knurrte nur schon beim Gedanken daran und gross wurden ihre Augen beim Anblick des Stückes Fleisch, das Freismer ihr reichte.
“Bei der Göttin, Fleisch!“, rutschte es ihr heraus und sie in Erinnerung an ihren alten Clan schloss Kendra den Mund und sah zu Freismer auf um zu schauen ob ihn ihre Ausdrücke störten. Oder vielleicht eher die Lautstärke?
Lange hielt sie das Schweigen aber nicht aus. Stattdessen fuhr sie mit ihren Erkenntnissen über erstaunliche Dinge fort.
“Wie bist du an Trockenfleisch gekommen?“, dabei liess sie es sich nicht nehmen ein Stück davon mit ihren Zähnen abzureissen. Die Zeit, den Ort und genug Salz um selbst Trockenfleisch zu machen, würde dieser Freismer ja kaum immer selbst dabei haben. Sie hatte ganz vergessen, dass er ihr ja noch Fragen gestellt hatte.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Donnerstag 14. Februar 2013, 15:44

Sie war sichtlich erstaunt über das Fleisch. Kein Wunder! Freismer setzte sich auf einen Baumstumpf und lockerte seine verspannten Muskeln. Es war eine Freunde sie beim Essen zu beobachten. Er grinste und zog sich selbst ein kleines Stück heraus und begann davon zu essen.
Er suchte nach Narben an ihrem Körper, fand aber keine Nennenswerten. Oberflächlich betrachtet sah sie nicht wie eine Überlebende der Schlacht aus. Aber sie trug Waffen. Sein Blick huschte über die Axt, aber auch die hatte keine großen Kerben und sah noch recht unbenutzt aus.

"Ich hatte Glück! Ich habs in einem zerstörten Clanlager gefunden. Die Namenlosen und Ohadus scheinen nicht sehr viel von Essen zu halten. Sie lassen alles liegen, was unser Glück ist.
Aber nun erzähle doch mal wie du hierher kommst und warum du alleine bist. Hast du im großen Heer gekämpft?"


Das salzige Fleisch machte ihn durstig und er nahm einen kleinen Schluck aus seinem Wasserschlauch. Während er auf eine Antwort wartete, massierte er sich seine harten Waden.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Freitag 15. Februar 2013, 10:22

Erst nach dem Freismer sich gesetzt hatte wurde Kendra sich bewusst, dass sie immer noch dumm in der Gegend rumstand. Sie suchte sich allerdings keinen hübschen Baumstumpf um sich zu setzten, sondern liess sich mehr oder weniger dort nieder, wo sie war. Dabei nahm sie auch ihre Axt wieder auf und legte sie neben sich um sie im Notfall griff bereit zu haben.
Sie bemerkte nicht einmal seine musternden Blicke. Zu sehr war sie mit dem salzigen Fleisch beschäftigt, wobei sie das Gefühl hatte seit Jahren nichts mehr rechtes gegessen zu haben.
Kendra nickte bei seiner Aussage. Sie war nicht umhin gekommen ihn anzusehen, als Freismer wieder angefangen hatte zu sprechen. So etwas in der Art war ich auch schon aufgefallen. Zwar hatte sie niemals zerstörte Clanslager gefunden, aber wohl schon überfallene Lagerstätten. Meistens hatte sie dabei aber nicht viel mehr gefunden, als ein paar alte Äpfel und mit etwas Glück ein trockenes Brot.
Auf seine Aufforderung hin schluckte sie ein grosse Stück Fleisch herunter und begann zu erzählen.

“Nein. Von der Schlacht habe ich erste erfahren als sie bereits vorbei war. Ich war bereits zuvor alleine Unterwegs. Ich bin als Mitglied vom Clan des Bären gross geworden.“, sie zeigte das Tattoo auf ihrem Arm. Früher hatte es sie beschämt über den Clan zu reden, doch je länger sie durch die Zerstörung gewandert war, desto mehr war es vor allem Leid das sie Empfand. Denn wahrscheinlich gab es keinen Clan des Bären mehr. “Man hab mich vor einem Jahr verstossen. Ich war trotzig und habe mich nicht an die Regel gehalten.“, gab sie ohne umschweifen zu. “Daher hab ich nur die Folgen des Krieges mitbekommen und ich schätze es hat mein Leben gerettet.“ Diese Folgen kannten sie ja alle.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Freitag 15. Februar 2013, 14:45

"Die Bären, ah!", nuschelte Freismer während er ihr zuhörte und weiter aß. Die Tatze auf ihrem Arm war ihm bisher noch nicht aufgefallen. Erst jetzt betrachtete er die Tätowierung. Sie war in braun gehalten, ein untrügerisches Zeichen dafür, dass sie eine Kriegerin sein musste. Der Künstler schien sehr viel Wert auf Details zu legen, er hatte ordentlich gearbeitet!
Freismers Stand als Clanführer verlangte natürlich auch, dass er alles über die anderen Clans wusste, so kannte er auch die Bären sehr gut. Er nickte mitleidig, als er Kendras Geschichte hörte.

"Die Bären waren immer schon ein eigenes Volk und zäh wie der Nebel im Sumpf! Regel brechen gehört nicht zu den Dingen, die sie gern verzeihen. Es muss für dich hart gewesen sein ganz alleine in dieser Welt zurecht zu kommen, vor allem in diesen Zeiten. Du hast meinen Respekt!
Die Bären haben sich nicht an diesem Krieg beteiligt. Bidrim hielt es für angebrachter seinen Clan zu verteidigen und weiterhin in den Sümpfen zu bleiben. Hätte er gewusst was auf ihn zukommt, hätte er sicherlich anders entschieden. Ich nehme an der Clan war eines der ersten Opfer dieses Krieges. Es tut mir leid, dass ich dir das so offen erzähle, aber du solltest die Wahrheit wissen. Hattest du noch Familie im Clan?"


Freismer blickte sie an und versuchte heraus zu finden, ob er zu ehrlich war. Er wollte die Frau nicht verletzten, aber er wollte sie auch informieren. Sicherlich hatte sie überhaupt keine Ahnung von den Geschehnissen und wenn er von sich ausging, hätte er es unbedingt wissen wollen.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Freitag 15. Februar 2013, 15:09

Kendra hatte bei seinen Ausführungen aufgehört zu essen. Dinge über den Clan zu hören waren nicht einfach. Es hinterliess ein seltsames ziehen in ihrem Innern. Natürlich, sie hatte immer damit gerechnet, dass es den Clan nicht mehr gab, dass sie alle… nicht mehr das waren. Nun hatte sie Gewissheit. Nur ein Narr würde noch Hoffnung hegen, dass jemand überlebt haben könnte.
In einer Art stummer Trauer, legte sie eine Hand auf die Tätowierung an ihrem Arm und gedachte ein letztes Mal ihrem Clan. Ihrer Familie. Sie war kein Mensch grosser Trauer. Sie heulte nicht und wenn sie etwas zum Ausdruck brachte war es Wut. Eine Wut die sich jetzt nicht zeigte. Zu lange hatte sie sich diese Gedanken gemacht. Eher verspürte sie Dankbarkeit für Freismer. Es war gut von ihm ihr die direkte Wahrheit zu sagen. Sie war selbst ein direkter Mensch.

“Danke.“, gab sie etwas tonlos zurück. Vor sich selbst hätte sie wohl mehr Respekt, wenn sie mit ihrem Clan gestorben wäre. Aber das waren nun nur noch leere Worte und daher sprach sie diese auch nicht aus.
“Was wäre wenn…“, meinte sie leicht mürrisch, weniger an Freismer gerichtet, als dass der alte Groll gegen die Worte noch nicht ganz abgelegt waren. Schliesslich fügte sie etwas offener und an Freismer gerichtet an: “Das kann er mir nicht mehr beantworten. Der grosse Bär habe ihn in Ehren.“ Sie mochte es nicht über Zukunft oder Vergangenheit zu sinnieren und sie mochte es nicht, dass die Situation sie dazu zwang. Dennoch beantwortete sie die Frage nach ihrer Familie ruhig.
“Ja, ich hatte noch Familie dort. Ein Bruder, eine Schwester und meine Mutter.“, der Gedanke an sie war bitter. Hatten sie Kendra verurteilt? Hatte sie die junge Kriegerin verflucht, dass sie den Verstoss provoziert hatte? Hatten sie Kendra verflucht, dass sie nicht mit ihnen dort gewesen war um das Lager zu verteidigen? Was wäre wenn…
Sie schüttelte grimmig den Kopf und biss wieder ein Stück vom Fleisch ab.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Freitag 15. Februar 2013, 20:42

Es nahm Kendra sichtlich mit, aber sie hielt sich sehr tapfer. Ganz egal was für eine Vergangenheit sie alle hatten, die Verbundenheit zum Clan würde man mit ins Grab nehmen. Ohne ihn, wären sie heute nichts. Bei den Falken hatte er es zu Anfang nie leicht, ja er hat gelitten, aber alle Erlebnisse haben ihn zu dem gemacht was er heute war. Er würde keine Minuten davon missen wollen. Alles hatte einen Sinn.
"Ganz bestimmt hat die Göttin mit dir andere Sachen im Sinn, deshalb musste einfach alles so kommen. Deine Familie wird gewusst haben, dass es dich nicht trifft, ich glaube das war ein Trost." Er sah das mürrische Gesicht der Kriegerin und konnte es ihr nicht verdenken. Oft gingen ihm Sachen durch den Kopf, die er Ayla noch gerne gesagt hätte, aber sie war einfach verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Mehr als einmal war ihm der Gedanken gekommen, dass sie ihn einfach verlassen hatte.

"Aber mal etwas ganz anders. Wohin gehst du? Hast du ein bestimmtes Ziel? Ich nämlich nicht." Er sagte nicht, dass er die Felswände absuchen wollte, um einen Weg hinaus zu finden. Jetzt wo er dieser Kriegerin gegenüber saß, fand er die Idee selbst lächerlich! Und das konnte er ja auch noch nebenbei machen, ohne das andere über ihn lachten. Mal sehen wie sie antwortete, ob sie erkennen ließ, dass sie auch gemeinsam weiter gehen würde. Er wollte sich nicht aufdrängen.
Wenn zwei Falken auf einem Baum sitzen und ein Schwarm Wildenten fliegt vorbei, dann sagt auch nicht ein Falke zum andern: "Schau, da fliegt die Mehrheit, das muss der richtige Weg sein, schließen wir uns an!" Sie werden weiterhin als Falken dem Weg der Falken folgen.

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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Mittwoch 20. Februar 2013, 17:39

Freismers Worte waren aufmunternd. So sehr Kendra früher solche Phrasen missbilligt hatte, so sehr war es nun Balsam für ihre Seele. Der Glaube daran, dass sie noch eine Aufgabe in dieser Welt hatte. Dass sie nicht einfach überlebt hatte um den Hohn der Geschichte zu stellen. Auch, dass Rani, Raena und Taem vielleicht auf ihre Überleben gehofft hatten und es ihr damit vielleicht für einmal gelungen war, die in sie gestellten Erwartungen nicht zu enttäuschen war ein gutes Gefühl.
Ein leichtes, etwas schiefes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen.
“Netter Gedanke.“, erwiderte sie nun und biss ein weiteres Stück von ihrem Fleisch ab. Das Salz war wie Gold auf ihrer Zunge, schon ewig hatte sie nichts mehr gekostet, dass so herrlich geschmeckt hatte.

Zu seinen Worten wurde ihr schiefes Lächeln zu einem Grinsen und sie schüttelte den Kopf.
“Mehr als, dass ich von da komme,“, sie zeigte in die Richtung aus der sie kam, “und dass ich nach da gegangen bin, weiss ich selbst nicht. Geschweige denn, wohin mein Weg mich geführt hat an erster Stelle. Es ist nicht so, als gäbe es irgendwo noch ein zu Hause, wo man hin könnte. Oder?“
Sie zuckte mit den Schultern und biss nochmals ab. Es war doch so. Alles was Kendra als Ziel hatte, war ihr eigenes Überleben.
Willst du die Göttin amüsieren? Erzähl ihr von deinen Plänen.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Mittwoch 20. Februar 2013, 21:08

Ihm ging sein eigener Gedanke nicht aus dem Kopf. Er zog seine Kreise, ganz so als hätte er diesen Gedanken heute das erste Mal gehabt. Das war aber nicht so! Tage, Wochen und Monate geisterte dieser Gedanken in seinem Kopf herum und er verlor nicht seinen Schrecken.
Hatte sie ihn verlassen?
Alles sprach dafür. Menschen verschwanden nicht einfach so, es gab immer einen Grund dafür! Und dabei hatte sie immer so verliebt getan. Je länger er diesen Gedanken mit sich trug, desto mehr machte er ihn wütend. Alles hätte er für diese Frau getan, alles!

Von da kommen und nach da gehen. Ja, das entsprach auch seinem Weg in dieser Welt und auch dem Weg seines Inneren. Nichts war schlimmer als ziellos zu sein! Als Clanführer hatte man immer zu tun, es gab Dinge zu regeln, Sachen zu besorgen, Diplomatie spielen lassen und und. Jetzt saß er hier und ihm war alles genommen worden. Die Frau, die er liebte hatte ihn verlassen und der Clan, sein Lebensinhalt, war ausgerottet.
Freismer biss fest die Zähne zusammen und steckte den Rest von seinem Trockenfleisch in die Tasche. Ihm war der Appetit vergangen.

"Dorthin?", er zeigte in die Richtung wohin Kendra gehen wollte, "Sieht toll dort aus! Wenn du nichts dagegen hast, begleite ich dich. Vielleicht ist das Leben danach in Gesellschaft erträglicher." Er grinste Kendra freundschaftlich an und atmete tief durch. Er würde nie nach vorne blicken können, wenn er immer und immer wieder in der Vergangenheit hing. "Wir haben noch Zeit. Lass uns noch ein bisschen gehen, solange es hell ist."
Mit einem lauten Ächtzer wuchtete er sich wieder die Rucksäcke auf die Schultern und lief los. Anfangs gingen sie schweigend nebeneinander her. Freismer sammelte nebenbei Holz. Solange es noch nicht ganz dunkel war, könnte sie bei dem Wind vielleicht ein Feuer riskieren und ein paar Erdkugeln garen.
Wenn zwei Falken auf einem Baum sitzen und ein Schwarm Wildenten fliegt vorbei, dann sagt auch nicht ein Falke zum andern: "Schau, da fliegt die Mehrheit, das muss der richtige Weg sein, schließen wir uns an!" Sie werden weiterhin als Falken dem Weg der Falken folgen.

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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Donnerstag 21. Februar 2013, 14:38

Freismer wollte sie Begleiten und Kendra nickte. Eine Zeitlang hatte sie sich vor Gesellschaft gescheut. Es hiess doch nur, dass man wieder jemanden hatte, den man verlieren konnte. Doch das Problem war, wenn man niemanden hatte, den man verlieren konnte, so hatte man auch niemanden für den man Kämpfen konnte.
So nahm sie seine Gesellschaft nur zu gerne und mit einem schiefen Grinsen an. Wenn sie ehrlich war, so sah er erfahrener aus als sie und vielleicht konnte sie von dem Mann auch noch etwas lernen und wenn nicht, so war sie nun nicht mehr allein und das war gut so.
Sie verschlang den letzten Rest von dem Stück Fleisch, das sie von Freismer bekommen hatte, stand auf und steckte ihre Axt zurück in die Halterung.
Er hatte natürlich Recht. Es war besser sich zu bewegen und wo immer „dorthin“ war, sie würden eher dort ankommen. Der etwas wirre Gedanke entlockte ihr ein weiteres schiefes Grinsen. Freismer hatte ihrem Tag gerade etwas Licht zurück gebracht und es war angenehm. Viel zu lange war sie allein gewesen.

Auf dem Weg half sie ihm beim Holzsammeln und bot an, das ganze Holz zu tragen. Seine Tasche sah schwer aus und Kendra hatte nicht mehr dabei als ihre Axt und die Kleider die sie am Leib trug. Da konnte sie wohl noch einige Scheit Holz tragen, statt sich wie eine Prinzessin aufzuführen und alles den Mann lassen machen.
Mit den Abend zog auch die Dunkelheit wieder vollkommen herein. Der Himmel war überzogen mit den tausenden Sternen und Kendra kam nicht umhin nach den Sternen zu suchen, welche ihre Mutter ihr damals gezeigt hatte.
Sie erreichten schliesslich eine Stelle, die durch einige Felsen vom Wind geschützt war und ihnen ein gutes Lager bieten konnte.
Willst du die Göttin amüsieren? Erzähl ihr von deinen Plänen.
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