Das verwunschene Tal

Tauche ein in die Welt von Aurorae!

Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Freitag 22. Februar 2013, 22:55

Obwohl Freismer eigentlich immer Gentelman war, ließ er sich das Feuerholz abnehmen. Er hatte nämlich so seine Mühe mit den zwei Rucksäcken u. dem Holz. Und schwer war es ja nicht, so dass Kendra es leicht tragen konnte. Es war ein seltsam angenehmes Gefühl nicht mehr alleine zu sein. Freismer war immer schon ein geselliger Typ und das Alleinesein hat ihn schwer belastet. Man musste gar nicht viel reden und das gefiel ihm an Kendra, sie war genau wie er auch eher ruhig. Sie sprachen wenn es angebracht war. Kendra war mindestens genauso aufmerksam wie er selbst, das erleicherte ihn, denn vier Augen sahen mehr als zwei. Es blieb aber weiterhin ruhig. Und ein gutes Nachtlager fanden sie auch, es war aber leider schon zu dunkel, um ein Lagerfeuer zu machen. Er hätte gerne ein paar Steine heiß gemacht, damit Kendra und er ein warmes Nachtlager hatten, aber daraus würde nun nichts werden.

Er war erledigt, der Rücken tat ihm weg, die Beine schmerzen und sein Nacken schien aus Gorsakplatten. Sie hatten sich beide schon hingelegt und Freismer überlegt, ob es sinnvoll wäre Wache zu halten. Bisher hatte er es auch nie, weil er alleine war. War es sinnvoll? Es war ruhig. Freismer seufzte. Er hatte keine große Lust.

"Meinst du wir brauchen eine Nachtwache? Ehrlich gesagt hab ich wenig Lust die halbe Nacht wach zu bleiben.", sagte er offen zu der Kriegerin. Und auch wenn er es zuvor so labidar gesagt hatte, sie mussten sich Gedanken über ein Ziel machen. Sie konnten doch nicht einfach so herumlaufen. Was war das für ein Leben? Er gab sich einen Ruck. "Ach und ich hatte überlegt, ob es möglich wäre das Gebirge zu überqueren. Die Geschichten sagen, dass es dahinter ein anderes Land gibt. Vielleicht finden wir dort eine Zukunft?"
Wenn zwei Falken auf einem Baum sitzen und ein Schwarm Wildenten fliegt vorbei, dann sagt auch nicht ein Falke zum andern: "Schau, da fliegt die Mehrheit, das muss der richtige Weg sein, schließen wir uns an!" Sie werden weiterhin als Falken dem Weg der Falken folgen.

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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Dienstag 26. Februar 2013, 10:12

Der Weg, ohne Ziel, war um einiges leichter nun. Wo ihre Schritte vorher ab und an zögernd gewesen waren, steuerte sie nun einfach voran. Natürlich wusste Kendra noch immer nicht wohin sie eigentlich ging und natürlich, gab es noch immer kein Ziel welches sie wirklich ansteuern konnten, aber das war egal. Allein die Gesellschaft war eine Bereicherung.
Sie hatte gerade das Holz unter die Steine gelegt, damit es bei allfälligem Regen am Morgen noch trocken wäre. Es würde gut tun, sich morgens noch etwas aufwärmen zu können, wenn es nicht mehr ganz so dunkel war, dass sie gleich alle Aufmerksamkeit bei sich hatten. Auf Freismers Frage hin blickte sie auf. Nachtwache. Sie lachte rau und leise auf, verstummte allerdings bei seinen weiteren Worten wieder.
Über das Gebirge? Kendra schaute in die Ferne von der er sprach. Obwohl, so fern war es nun auch nicht mehr.
“Ich weiss nicht.“, gab sie sinnierend zu. Es fühlte sich so falsch an. Als würde sie jemandem oder etwas im Stich lassen und diese Gefühl teilte sie nun auch. “Es ist nicht so als hätten wir hier noch ein zu Hause, aber…“, noch einmal brach sie ab. Kendra war niemals das gefühlsduslige Mädchen gewesen, das all ihre Gedanken teilte und umso schwieriger fiel es ihr nun sich auszudrücken. Die Reise hatte sie mehr verändert als sie zugeben wollte. “… es fühlt sich an als würde man aufgeben. Als würde ich mein zu Hause im Stich lassen. Endgültig. Ich will diesem dreckigen Pack aber meine Heimat nicht einfach so überlassen. Ich will eigentlich keine Zukunft hinter diesen Bergen. Ich will sie hier.“ Erstaunlich wie sehr man sich verändern konnte. Zu einer anderen Zeit in einer anderen Situation wäre sie vielleicht einfach gegangen ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt meinte sie auf einmal eine Verantwortung zu fühlen. Aber vielleicht war es auch einfach ihr sturer Kopf, der nicht zuliess, dass sie einen Kampf aufgab, bevor sie ihn wirklich begonnen hatte.
Sie lehnte sich mit dem Rücken gegen den Stein und sah hinauf in die Sterne.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Mittwoch 27. Februar 2013, 12:34

Freismer antwortete nicht gleich. Er fand es faszinierend wie sehr die junge Kriegerin an ihrer Heimat hing. Noch ein bisschen mehr von diesem Schlag und man könnte das Land zurück erobern. Einfach die Seiten umdrehen. Vielleicht hatte die Kriegerin gerade etwas gesagt, dass viel mehr bedeute, als ihr klar war. "Eine Zukunft hier. Ja, du hast recht! Aber alleine schaffen wir das nicht und somit haben wir schon unser Ziel. Es muss noch mehr Überlebende geben, wir müssen sie finden Kendra!"

Freismer war plötzlich so aufgewühlt, dass er am liebsten sofort wieder aufgebrochen wäre, um ja keine Zeit zu verschwenden. Im Kopf ging er schon mal den Weg durch, den sie nehmen mussten. Er kannte sich zum Glück sehr gut in Aurorae aus. Den Norden kannte er von seinen vielen Wanderschaften mit dem Clan und den mittleren und südlichen Teil von den Karten.

"Mein Vorschlag wäre, dass wir von hier aus nach Südwesten gehen, dann müssen wir ins Verbotene Tal kommen. Dort lebte früher ein Clan der Hirsche und im Berg der Schreine gab es eine Brüderschaft. Vielleicht gibt es Überlebende!" In der Mitte Auroraes bräuchten sie bestimmt nicht suchen, der war von den Anhängern Zûls sicherlich noch überrannt.
Freismer war aufgeregt und das erste Mal sein Symphonies Tod spürte er begründete Hoffnung. "Möge die Göttin über uns wachen!"
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Donnerstag 28. Februar 2013, 08:10

Ihre Worte bewegten etwas? Kendra konnte kaum glauben, dass Freismer ihr nicht nur zustimmte, sondern gerade durch ihre Worte Mut zu fassen schien und Kampfgeist. Der Gedanke entlockte ihr ein amüsiertes Lachen. Erst eher ein Kichern, dann ein leises Lachen, dann nur noch ein Grinsen. Es war hoffnungsvoll. Nicht das erste und nicht das letzte Mal war der Gedanke: Ich bin nicht allein. Gerade die Worte einer früher ungehörten Kriegerin, bewegte etwas in einem gestandenen Mann und das machte Kendra Mut.
“Und der grosse Bär möge uns leiten.“, fügte sie ganz im Sinne ihres alten Clans mit an. Das einzige was jetzt noch fehlte war ein Becher mit Wein oder Bier drin um Freismer zuzuprosten, aber dieser Gedanke hielt sich nur für einen Moment.
Stattdessen steckte sie sich und gähnte herzhaft. Sie waren doch ein gutes Stück gegangen und Kendra hatte im Gegensatz zu Freismer nur wenig getragen.
“Klingt so als würdest du das Gebiet hier gut kennen und nach einem guten Plan. Mein Vorschlag wäre, dass wir damit bis morgen warten. Wenn es dort Clansbrüder gibt, dann sind sie auch morgen noch da. Und du stolperst nicht voller Vorfreude und Übereifer in die nächsten geblendeten hinein.“, gab sie schmunzelnd zurück. Woher sollte sie auch wissen, dass sie einem ehemaligen Clanführer gegenüber sass, der kaum aus Übermut sich selbst oder sonst jemanden in Gefahr bringen würde.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Donnerstag 28. Februar 2013, 12:17

Freismer lachte kurz auf. Kendra war witzig! Glaubte sie wirklich er würde bei dieser Dunkelheit mit seinen beiden riesigen Rucksäcken los marschieren? Vielleicht wusste die junge Kriegern nicht von den Vorzügen der Ohadus, dass diese bei Dunkelheit fast noch besser sehen konnten, als am Tage. Sie nannte sie auch Geblendete, sicherlich wegen ihrer weißen Augen. Erst beim weiteren Nachdenken wurde Freismer klar, dass er hier zwar eine Frau bei sich hatte, aber das sie eigentlich nichts wusste vom Leben und nun wurde ihm auch klar, wie hart der Clan zu ihr gewesen war. Wie hatten sie dieses junge Ding einfach so verstoßen können? Ihm war so etwas unbegreiflich. Ja, es machte ihn wütend. Und sie sprach noch von Clanbrüdern... so als wäre es etwas, auf das man stolz sein konnte. Bewunderswert. Vielleicht das Einzige, das sie am Leben gehalten hatte.

"Keine Angst, ich laufe nicht in mein Verderben und Kenra, eins noch. Ich möchte, dass du weißt, dass nicht jeder Clan so wie die Bären ist! Bei uns wäre so etwas niemals vorgekommen, dass man jemanden verbannt hätte, schon gar nicht eine junge Frau. Ich kann das einfach nicht verstehen. Was auch immer noch passiert, so etwas wird dir nie wieder widerfahren! Hast du gehört?!"
Freismer wollte, dass sie das wusste. Sie konnte sich sicher fühlen. Sie hatte schon genug durchgemacht. Er würde sich um sie kümmern! "Schlaf gut, kleine Kriegerin!", fügte er noch grinsend hinzu und drehte sich auf die Seite, um seinen Rücken zu entlasten.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Donnerstag 28. Februar 2013, 12:42

Noch immer ein Grinsen auf den Lippen nickte Kendra. Dann war ja gut. Nicht nur wegen dem Übermut und der Gefahr daraus, auch weil sie redlich wenig Lust hatte jetzt nochmals aufzustehen und weiter zu gehen. Egal was das Ende des Wegs versprach. Was er jedoch weiter sagte brachte sie erst zum Nachdenken und als er sich umdreht um zu schlafen schüttelte sie mit einem schweren Seufzen den Kopf. Freismer hatte leicht reden, er wusste ja nicht was geschehen war.
Kendra hatte lange Zeit um über ihr Verhalten nach zu denken und irgendwann, zwischen Sehnsucht nach ihrem zu Hause und dem Kampf des baren Überlebens, hatte sie für sich entschieden, dass die Bären recht gehandelt hatten.
“Die Bären sind ein guter Clan… gewesen. Sie hatten lange Geduld mit mir. Aber nachdem ich das Leben meines Bruders riskiert hatte, hat es nicht mehr viel gebraucht. Es wäre auch nicht für immer gewesen. Nur bis ich gelernt hatte. Ich bin nur niemals mehr dazu gekommen zurück zu kehren.“
Ihre Erklärung war leise und in Gedanken verloren. Wie oft hatte sie darüber nachgedacht. Selbst für einen Menschen wie Kendra, die oft nur im Moment lebte, war es unweigerlich, dass sie sich über diese Dinge Gedanken machte und Schlüsse zog. Sie wusste auch nicht wie und ob sie sich wieder in einer Gesellschaft einfügen konnte. Fast ein Jahr auf sich allein gestellt ohne Regeln und grosse Kontakte, hätte sie das auch niemals auf die Probe stellen können. Daher konnte sie nicht sagen ob sie wirklich das gelernt hatte, was der Clan von ihr verlangt hatte.
Nur mit Freismer gerade war es sehr einfach. Aber eine feste Gesellschaft, mit Sitten und Vorschriften an die man sich halten musste? Das war eine andere Frage.
Schliesslich legte sie sich ebenfalls hin und beobachtete die Sterne, während sie darauf wartete, dass der Schlaf sie übermannte.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Freitag 1. März 2013, 14:42

Freismer schlief über den Gedanken ein, dass es immer wieder seltsam war, dass die Menschen ihre Peiniger in Schutz nahmen. Er hatte das schon in anderen Situationen erlebt, früher im Clan sogar sehr häufig. Es gab immer Gründe und Rechtfertigungen, warum die Opfer meinte es verdient zu haben so behandelt zu werden. Er hatte hier eine andere Meinung, erklärte sich Kendra aber nicht mehr, sondern ließ es auf sich beruhen. Sie würde sowieso kein Einsehen haben.

Er schlief sehr schnell ein und wachte beim ersten Licht entspannt und ausgeschlafen auf. Kendra schlief noch. Er stand sehr leise auf, holte das Holz, prüfte die Windrichtung und legte das Feuer so an, dass der Rauch Kendra nicht störte. Während das Holz von den Flammen langsam zu Holzkohle wurde, holte Freismer seine Erdkugeln und legte sie unter das glühende Holz. Nun ein bisschen warten und dann gab es ein wirklich leckeres Frühstück, freute er sich.

Als Kendra sich langsam regte, konnte er nicht mehr an sich halten und sagte gut gelaunt: "Einen wunderschönen guten Morgen! Frühstück ist fertig." Mit einem Stock holzte er die Erdkugeln hervor und ließ sie noch liegen, damit sie auskühlten. Gleich war es endlich soweit, sie konnten los!
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Kendra » Montag 4. März 2013, 09:22

Frühstück? Kendra schnüffelte. Erdkugeln? Ihr Rücken war wohlig warm und das bestimmt nicht von der Nacht. Einen Moment später hatte sie die Augen offen und hatte sich aufgesetzt. In der Nähe brannte ein Feuer, so gelegt, dass der Rauch nicht gegen sie zog und Kendra erkannte die Erdkugeln in der Glut. Allein der Gedanke liess ihr das Wasser im Mund zusammen laufen und ihre Augen leuchteten vor Vorfreude. Der Himmel war bereits dämmrig trotz der Jahreszeit und das Feuer knisterte angenehm.
Das erste Mal seit lange fühlte sie sich eher wie bei einem Jagt Ausflug als auf einer Reise ins Nirgendwo. Und sie hatten ja jetzt auch ein Ziel.
Kendra erwiderte ein fröhliches, “Morgen.“ und erhob sich um ihre Gelenke in die Luft zu recken und sich einmal durchzustrecken.

“Ich weiss nicht wie lange es her ist, dass ich ein ‚Frühstück‘ gehabt habe.“, ihr breites Grinsen sollte Dankbarkeit ausdrücken und sie setzte sich neben Freismer, fast wie ein kleines Kind darauf wartend, dass Freismer ihr die Erlaubnis gab sich eine Erdkugel zu krallen und zu essen. Dass ihr helles Haar vom Schlaf weiter zerzaust war, unterstrich den Ausdruck noch.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Freismer » Montag 4. März 2013, 16:23

Alleine wegen dem Glänzen in ihren Augen war das Frühstück seinen Aufwand wert. Es war ein tolles Gefühl, wenn man jemandem eine Freude machen konnte. Zu sehen, dass es etwas bedeutete. Wie lange war es her, dass er das letzte Mal so etwas spüren durfte? Freismer wusste es nicht, umso wertvoller war der Moment. Er reichte ihr eine Erdkugel und wünschte guten Appetit. Dann nahm er sich selbst eine, setzte sich, lehnte sich zurück und genoß den Geschmack. Das Feuer vertrieb die letzte Kälte der Nacht und auch der Tag schien gut zu werden. Alles war einfach zu perfekt und Freismer hatte einen kurzen Moment Angst sich in etwas zu verrennen. Auf der anderen Seite, was sollte es! Wenn Zûls Schergen auftauchten, dann taten sie es eben. Sie würden früher oder später sowieso wieder da sein. Solange er diese Tatsache nicht aus den Augen verlor, war alles gut und er hatte doch den Entschluss gefasst Zûl zu bekämpfen. Er tat also etwas, er war nicht mehr auf der Flucht!

Ja, dieser Gedanke gab Kraft und nach einer weiteren Erdkugel für beide, löschte er das Feuer und vergrub die Glut, damit keiner auf sie aufmerksam wurde. Mit einem lauten Ächzen waren die beiden Rucksäcke wieder geschultert und mit einem Blick zu Kendra, die ebenfalls bereit war, ging es wieder weiter.
Nun war es nur noch ein Katzensprung bis zum Verbotenem Tal und dem Clan der Hirsche. Freismer hatte nie die Gelegenheit gehabt sie kennenzulernen, aber es hieß sie hätten Fell wie Tiere. Er war schon sehr gespannt... vorausgesetzt sie hatten überlebt, aber darüber mochte er jetzt nicht nachdenken.

"Pass auf, ich kenne da etwas... mal sehen ob ihr das im Süden auch kennt:

Ob Sonnenschein oder Regen
ob Flüche oder reiner Segen

ob tiefste Nacht oder am Tage
schön zu hören ist sie, diese Sage
Es lebte einst ein Falkenkind
es flog um die Wette mit dem Wind

doch der wollte sich nicht lumpen lassen
und bekam das Vöglein an den Federn zu fassen
Brutal riß der Wind sie aus
und brachte so den Sieg nach Haus

Der junge Falke stürtze zur Erde
in die Mitte einer großen Schafherde
Ihre weiche Wolle bremste den Sturz
und der Vogel spürte den Schmerz nur kurz
Doch am verletzen Stolz litt er noch lang

Übers ganze Land vernahm man seinen Rachgesang’
Er forderte seine Federn zurück
Jedes einzelne goldene Stück

Doch der Wind hatte sie vertragen
keiner konnte dem Falken sagen
wo seine goldenen Federn lagen
Aber der kleine Falke war schlau

kannte er doch den Wind genau
und so suchte er an den entlegensten Orten
versuchte es mit Drohungen und bösen Worten

Die erste Feder lag am Meeresgrund
bewacht von einem dicken Seehund
Doch als der Falke seine Geschichte erzählte
der Seehund die Befehlsverweigerung wählte
und die Feder dem Besitzer wieder gab
der damit um die zweite Feder warb
Und auch diese gewann er zurück
nun fehlte ihm nur noch ein Stück

Dies hatte der Wind selbst verschluckt
und damit über die Lande gezuckt
Doch der Falke ließ sich nicht verschüchtern
und fragte den Wind ganz nüchtern
ob er auch ohne Falkenfeder gewinnen könne

Das ließ der Wind nicht auf sich sitzen
die Zunge des Falken hatte ihre Spitzen
tief in des Windes Herz gebohrt

und darin herumrumourt
Derart aufgebracht
verlor der Wind die entscheidende Schlacht
und nun hatte unser Held wieder sein prächtiges Federkleid
und der Wind ist verstummt vor lauter Neid."


Freismer hatte sichtlich Spaß daran die Strophen zu erzählen. Es war eine halbe Ewigkeit her, dass er es das letzte Mal erzählte.
______________

Gedicht von Azreal

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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Omando » Freitag 22. März 2013, 20:21

Mitten in der Nacht erreichte Omando laufender Weise das Tal. Der Mond schien hell, die Luft war klar. Sein Magen zwang ihn zu pausieren. Da er ein ihm unbekanntes Geräusch vernahm, kletterte er schnell auf den nächsten Baum. Es war ein alter und mit vielen Ästen bestückter Baum. In sicherer Höhe wählte er eine recht stabile Astgabelung, die er noch mit anderen biegsamen Zweigen und Pflanzenschlingen verstärkte. Mit dem Oberkörper am Baumstamm lehnend konnte er bequem die Beine ausstrecken.

So lässt es sich doch leben. Gut, dass der Wasserschlauch fast voll war. Nichts in der Welt würde seine müden Glieder jetzt nach unten kriegen. Er hatte es mit der Rennerei ein bisschen übertrieben, denn seine Beinmuskeln zuckten und brannten leicht. Siehe es als Training, tönte Ton. Klar doch.
Mögen seine Muskeln müde sein. Sein Kopf aber war voller Adrenalin. Er träumte wach von einer, nein der Frau. Meiner Frau. Sie soll ein kurvenreiches Vollweib sein und..... Hüstelnd mischte sich Ton ein: Du meinst wohl eher ein schüchtern und gar bescheidenes Mädchen. Du Frischling, du Grünschnabel hast noch nie eine Frau umarmt.
Boah, der nun wieder. Gut, mag sein, dass ich noch nie eine geküsst oder berührt habe. Wenn die Richtige vor mir steht, dann sag ich dir, dass ich das dann weiß und dann geht der Pfeil aber ab.
Verschieß die Pfeile lieber auf der Jagd und mach mal langsam. Die Frauen sind eh bei der Göttin, ganz da oben.
Nun, ich bin schon auf halbem Weg dorthin. Siehe dir diesen gewaltig hohen Baum an.

Omando träumte nun wirklich. Sein Atem ging ruhig. Damit ihm ein weiterer Sturz erspart blieb, hatte er sich mit einer Liane am Stamm gesichert.
Bäume, Pflanzen und Getier.
Solang sie da sind, bleib ich hier.
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Re: Das verwunschene Tal

Beitragvon Omando » Sonntag 24. März 2013, 16:59

Omando erwachte und fühlte sich so ausgeschlafen wie schon lange nicht mehr. Er schaute umher und war beeindruckt von diesem Stück Wald. Alle Knospen schienen kurz vor dem Aufbrechen zu stehen und das hell zarte Grün schimmerte verführerisch in der Morgensonne. Wenn er wüsste, dass es hier Menschen gab, ja er würde verweilen und bleiben. Aber wie so oft in letzter Zeit, fühlte er sich als der einzige Mensch weit und breit. Das Wild wollte oder konnte auch nicht zurückfinden, wenn es überhaupt noch welches gab.
Wenn nicht hier, dann eben woanders, tönte Ton. Ha, du nun wieder. Hast ja recht. Wir ziehen weiter. Irgendwo muss es doch Leben geben.

Er band sich frei und kletterte hinunter. Nach einer kleinen Stärkung rannte er los. Omando fing an zu dichten, frei nach Schnauze, so wie es ihm auf der Zunge lag:

Über Stock und Stein,
ja das ist gar fein,
hier und da ein schönes Bild,
doch in Sicht ist gar kein Wild.

Mehr ist nicht drin? Sehr schwach, frotzelte Ton. Warts nur ab und Omando dichtete weiter:

Bald wird kommen das Ersehnte,
wie Om euch schon so oft erzählte.
Kommen wird ein Mädchen, eine Frau oder mehr,
wollt ihr's wissen, bleibt hier und schaut her.

= weiter 'Das verbotene Tal'
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