Supra Silva

Tauche ein in die Welt von Aurorae!

Supra Silva

Beitragvon Der Schreiber » Freitag 25. Januar 2013, 17:40

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Supra Silva wird das Gebirge im Nord-Westen genannt. Es ist teilweise vom ewigen Schnee bedeckt. Doch in den Tälern ist es geschützt und eine übbige Vegetation möglich. Das Klima ist rauh, doch haben hier viele unbekannte Stämme ihr zu Hause, abgeschieden vom Rest Auroraes.

1. Kalimorturm

Ehemals erbaut von Kalimor, der Turm sollte das Tal von Windisch vor Eindringlingen schützen.

2. Tor zum grünen Tal

Alter Turm, der noch auf Königin Lana zurückgeht, er versperrt den Eingang zum Grünen Tal (Grüne Clan - große Gemeinschaft, seit Jahrhunderten dort ansässig).

3. Zauberinnenkreisel

Der Grüne Clan verbannt seit Jahrhunderten die magisch begabten Frauen, die alle zum Zauberinnenkreisel verstoßen werden.

4. Graue Feste

Eine längst verfallene Festungsanlage, in der Xerlim wohnte (Bruder von Farlas).

5. Verlassene Goldmine

421 v.Q.war es die ertragreichste Mine in Aurorae, doch mittlerweile ist wenig von ihr übrig und der Eingang ist verfallen.

6. Kristallhöhlen

Heiligtum der Eiszauberer, die seit fast 100 Jahren nicht mehr existieren und in White Hall ansässig waren. Hier befindet sich die Wohnhöhle einiger Eisdrachen.

7. Singender Schrein

Heiligtum des Grünen Clans. Die erwachsenen Männer (und diese, die welche werden sollen) pilgern jedes Jahr im Frühjahr zu diesem Schrein. Es folgt ein Monat der Zeremonien und Riten und die Jünglinge werden in die Gemeinschaft der Männer aufgenommen. Verfängt sich der Wind in dem Schrein, erklingen Melodien, deshalb der Name.

8. Druidenheiligtum

Opferungstätte für die Alten.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Storm » Montag 4. März 2013, 19:22

Verdammt.

Sie hatte gewusst, dass etwas anders gewesen war. Sie hatte es ganz genau gewusst. Zwar war es mittlerweile über ein Jahr her, seitdem sie die steilen Berggipfel, die das Land Aurorae umgaben wie ein Schutzwall, verlassen hatte, aber sie war damals durch einen Pass gegangen. Einen Pass aus Felswänden, die mit einer dicken Eisschicht überzogen waren. Storm hatte damals noch die schönen Muster bewundert, die das Eis selbst gezeichnet hatte. Dieses Mal war sie definitiv nicht durch diesen Pass gegangen. Dieser war ein langer schmaler Pfad gewesen, fast wie ein Tunnel. Jetzt, auf dem Rückweg, hatte sie eine Reihe kleinerer Pässe und einen schwindelerregenden Gebirgspfad hinter sich gelassen, aber den Pass mit den Eismustern hatte sie definitiv nicht durchquert. Zuerst hatte sie nur gedacht, dass sie vielleicht noch darauf stoßen würde. Als das nicht passiert war, hatte sie vermutet, dass sie ein wenig vom Weg abgekommen war. Aber je weiter sie ins Tal hinabstieg, desto klarer wurde ihr, dass „vom Weg abgekommen“ zwar durchaus der Realität entsprach, dass „ein wenig“ aber getrost durch „extrem“ ersetzt werden konnte. Von White Hall war jedenfalls nichts zu entdecken. Sie war noch nicht mal im Drakan-Gebirge, sondern irgendwo anders. Wo genau galt es noch herauszufinden.

Aiwindë war oben bei der Schneegrenze geblieben. Sie fühlte sich in den niedrigeren Gebirgslagen nicht sonderlich wohl … und Storm sah keinen Grund, ihr ihren Willen nicht zu lassen. Der Drache würde sie schon finden, wenn es sein musste. Zumindest hatte es sich bisher so verhalten. Storm hatte schon einige Male geglaubt, dass Aiwindë sie verlassen hatte, aber immer war sie irgendwann wieder aufgetaucht. Zumal es sich ab jetzt auch schwieriger gestalten würde, mit einem Drachen durch die Gegend zu ziehen. Hier könnte sie auf Siedlungen stoßen … und Siedlungen verhießen nicht immer ein warmes Willkommen, wie sie in Usill schmerzhaft hatte erfahren müssen. Für Storm war es dennoch essentiell, herauszufinden, wo sie sich eigentlich aufhielt. Deshalb musste sie ein Stück weiter talwärts, aus den vertrauten Schneeflächen heraus ins … na ja, Grüne.

Aufmerksam blickte sie sich um, ob es irgendwelche Anhaltspunkte dafür gab, wo sie sich befand. Nachdem sie die Eisflächen des Hochgebirges hinter sich gelassen hatte, wurde die Schneedecke zunehmend dünner, je weiter sie hinabstieg. Immer häufiger gewann die Wiese die Oberhand bis irgendwann gar kein Schnee mehr zu sehen war. Hin und wieder hatten sich sogar schon Blumen durch das Erdreich gekämpft. Links und rechts von ihr schraubten sich ebenfalls Berggipfel in den Himmel, doch diese wichen immer weiter zurück und ließen genug Raum für ein breites grünes Tal. Sogar der eine oder andere Baum war mittlerweile zu sehen. Zuerst hatte Storm vermutet, dass sie vielleicht im Gormata-Gebirge gelandet war, das östlich vom Drakan-Gebirge lag. Aber dazu war es hier zu grün, die Täler zu weitläufig. Storm kramte in ihrer Tasche nach der Aurorae-Karte, die sie aus der patrianischen Bibliothek „geborgt“ hatte. Damals, als sie ihre ehemalige Heimat auf der Suche nach Yazre verlassen hatte. Zu dem Zeitpunkt hatte sie auch noch fest vorgehabt, die Karte nach ihrer Rückkehr wieder zurückzubringen. Hatte sie ahnen können, das ihr Lebensweg eine andere Abzweigung nehmen würde? Nein, ganz sicher nicht! Außerdem war Storm davon überzeugt, dass es in Patria noch genügend andere Landkarten gab. Ein intensives Studium der Zeichnung enthüllte, dass sie sich aller Voraussicht nach im Supra Silva befinden musste. Dieses lag südlich vom Drakan-Gebirge, was das mildere Klima erklärte, und hatte zudem einige weite Täler vorzuweisen.

Storm faltete die Karte wieder zusammen. Damit war sie schon mal einen Schritt weiter. Allerdings konnte auch die Karte ihr nicht verraten, wo GENAU im Supra Silva sie war. Nord-westlich, süd-westlich? Ihr Blick glitt wieder an den Gebirgskuppen entlang. Stumm verharrten diese, steinernen Riesen gleich, die in einen Jahrhunderte dauernden Mittagsschlaf gefallen waren. Von dort würde sie wohl keine Hilfe zu erwarten haben.

Verdammt!
Zuletzt geändert von Storm am Samstag 16. März 2013, 08:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Storm » Freitag 8. März 2013, 06:57

Storm mutmaßte, dass es am Schlausten wäre, wenn sie sich nach Norden wandte. Mit Norden konnte sie definitiv nichts falsch machen. Andererseits … andererseits war sie nun mal hier. Und wenn sich schon so eine Gelegenheit bot, wäre sie sehr dumm, sie sich durch die Lappen gehen zu lassen. Wer wusste schon, wann sie das nächste Mal ins Supra Silva kommen würde? Vielleicht nie! Dann würde sie sich ärgern, weil sie die eine Gelegenheit, sich hier einmal umzusehen, hatte entgehen lassen. Eigentlich hatte sie auf direktem Wege nach White Hall zurückkehren wollen. Eigentlich. Und hätte sie den richtigen Pass genommen, hätte sie das auch getan. Aber nun, da sie vom Weg abgekommen war, konnte sie auch das Beste draus machen. Wer wusste schon, was sie dabei alles herausfinden würde?

Während so also weiter Richtung Osten marschierte, versuchte sie sich ins Gedächtnis zu rufen, was sie eigentlich über das Supra Silva wusste. Viel war es nicht, wie sie zugeben musste. Sie erinnerte sich, dass sie in der Bibliothek White Halls ein Buch über den Eismagierorden gelesen hatte – und dass in dem Zusammenhang ein altes Heiligtum im Supra Silva erwähnt worden war. Allerdings war das Buch nicht mehr das Neuste gewesen und Storm hatte keine Ahnung, ob dieses Heiligtum noch existierte bzw. was für eine Art Heiligtum es überhaupt war. Natürlich war ihr Hiersein eine Gelegenheit, genau das herauszufinden … wenn davon noch etwas übrig war, könnte man versuchen, es wieder zu reaktivieren. Allerdings wollte sie zunächst die Gegend selbst erforschen. Das Heiligtum würde sich, wenn es denn noch da war, vermutlich in den eisigen Höhenlagen befinden. Storm wollte aber erst einmal herausfinden, was die Täler zu bieten hatten. Dazu hatten die Bücher, die sie White Halls Bibliothek gelesen hatte, keine Informationen bereitgehalten. Und in Patria waren ihr nur die allgemeinen Hintergründe zum Supra Silva serviert worden, die mit dem typisch patrianischen Flair gewürzt gewesen waren: Zwei besonders unkultivierte Barbarenclans sollten demnach hier hausen, darüber hinaus gab es eine einst ertragreiche und nun verlassene Goldmine und einen Turm, der nach einem gewissen Kalimor benannt worden war. Wer das war und warum er für besagten Turm als Taufpate hatte herhalten müssen, wusste Storm nicht. Entweder hatten ihre Lehrerinnen darüber kein Wort verloren – oder sie hatte in dem Moment einfach nicht aufgepasst.

Sei es wie es sei … sie würde es schon noch früh genug herausbekommen. Während sie tiefer in das Tal hineinwanderte, bemerkte sie, dass der Baumbestand langsam, aber stetig zunahm. War es anfangs nur die typische Gebirgslandschaft mit dem einen oder anderen Buschwerk gewesen, entwickelte sich die Umgebung von bewachsenen Hängen mit vereinzelten Tannenbäumen zu einem veritablen Wald. Und dieser bestand eben nicht nur aus den für Hochlagen typischen Tannenbäumen, sondern auch – und je weiter östlich sie wanderte, desto häufiger kam das vor – aus Laubbäumen, die Storm eher in niedrigeren Gefilden vermutet hätte. Nach einer Weile blieb die Eismagierin stehen. Einmal, weil ihr die Füße langsam wehtaten, aber auch, weil eine innere Unruhe von ihr Besitz ergriffen hatte. Etwas an dieser Umgebung war komisch, aber sie konnte nicht die Hand darauf legen, was es war. Mit den Fingern strich sie über die Rinde eines Baumes, dessen Wurzeln sich in das Erdreich bohrten. Nicht, dass Storm eine Expertin war, aber eigentlich sollte der Boden für diese Art Baum nicht reichhaltig genug sein. Wie konnten die Wurzeln hier genug Halt finden? Und nicht nur das, wie konnte es sein, dass die Wurzeln fast vollständig in der Erde verschwanden?

Und während sie so dastand und auf den Wind lauschte, der durch die Äste der Bäume pfiff, wurde ihr plötzlich klar, was sie so beunruhigte. Das Pfeifen des Windes und das Knacken der Äste war das einzige Geräusch, das sie hörte. Und das war selbst für diese Jahreszeit ungewöhnlich. Irgendwelche Tiere waren immer unterwegs, irgendein Trapsen, Rascheln oder Keckern war immer zu hören in einem Wald. Nicht so hier. Hier herrschte Totenstille. Storm spürte, wie die Innenseiten ihrer Handflächen sich mit einer kühlen glitzernden Schicht überzogen, ihr Atem wurde ruhig und flach und eine Kälte breitete sich in ihrem Inneren aus, die sich bis auf den Boden zu ihren Füßen übertrug. Grashalme wurden von einer Raureifschicht überzogen und starben ab. Storm bemerkte davon nichts. Sie wartete. Auf was auch immer da kommen möge.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Taira » Freitag 8. März 2013, 22:18

Sie war so viel Fleisch nicht mehr gewöhnt gewesen. Dennoch hatte sie es genossen. Auch wenn ihr die Kräuter gefehlt hatten, die den etwas ranzigen Geschmack des Sakussis schmackhafter gemacht hätten. Dennoch hatte sie alles Fleisch gebraten und Stinkers essbare Überreste sorgsam verstaut. Wer wusste schon, wann ihr mal wieder jemand über den Weg lief, der essbar war? Namenlose jedenfalls schmeckten einfach nur abscheulich. Sie hatte es in der Zeit ihres größten Hungers auch mit ihnen versucht. Nicht zur Nachahmung empfohlen. Sie fragte sich, was wohl mit ihrem Magen passiert wäre, wenn sie das Fleisch bei sich behalten hätte? "Das war jedenfalls nicht gerade meine beste Idee," brummte sie vor sich hin, während sie weiter in das Supra Silva vordrang. Sie achtete nicht auf die Landschaft, nicht mehr als nötig. Denn hier waren die Erinnerungen einfach zu nah, obwohl sie noch nie hier gewesen war. Hier schienen die Schleier dünner, schlüpften immer wieder Fetzen hindurch, die sie malträtieren und piesacken wollten. Sie wieder verrückt machen wollten. Aber nein! Nicht mit ihr. Sie war schon lange aus härterem Holz geschnitzt!

Sie hielt nur kurz an, um einen Schluck Wasser zu trinken und rülpste dann laut. Das Geräusch hallte von den Bergen wieder und fast war es ihr, als hätte sie eine ganze Armee Rülpser produziert. Zum Glück löste sie damit keine Steinlawine aus. Ja, die Menschenfrau war heute wirklich guter Dinge. Es mochte am Fleisch liegen oder aber an der klaren Luft. Vielleicht auch, weil sie ihrem Ziel schon so nah war. Letztendlich war es einerlei. Der Weg schlängelte sich nun in ein Tal herunter, in dem ein paar Nadelbäume standen. Und das erste Mal seit langem hörte die Kriegerin das Zwitschern von Vögeln. Zunächst freute sie sich auch darüber. Nach einer Weile jedoch begannen die Vögel ihr gehörig auf die Nerven zu gehen, mit ihrem Getöse. "Manchmal wünschte ich, ich wäre Waldläuferin geworden," knurrte sie unwirsch. "Dann hätte ich einen Bogen und könnte die dämlichen Viecher abschießen. Das würde wieder ein leckeres Abendessen geben!" Sehnsüchtig sah sie kurz in die Bäume und entdeckte einen Raben. Aus irgendeinem Grund, ärgerte sie dieser Vogel am meisten. Sie hinterfragte ihr Tun nicht, sondern nahm einen auf dem Boden herumliegenden Tannenzapfen in die Hand und wog ihn prüfend. Die Frau kniff die Augen zusammen, holte aus, zielte und warf nach dem Raben.

"Schade das du Flügel hast, du Oberstinker!" brüllte sie dem Tier nach, dass mit einem in ihren Ohren beleidigtem Krächzen davon stob. Von dem Anblick ein wenig befriedigt, stieg sie weiter ins Tal hinab. Hier unten hielten die Vögel die Klappe. Doch es dauerte eine Weile, bis die Kriegerin begriff, warum das so war. Vor allem brauchte es eine unmissverständliche Spur der Verwüstung, die sie nun schon viel zu oft gesehen hatte. Sie wusste, was die achtlos niedergetrampelten Sträucher, die Furchen im Boden und die seltsamen Fußabdrücke zu bedeuten hatten. "Arbeit." Sie tätschelte Rache und Tod beinahe zärtlich, bevor sie sich in geduckter Haltung daran machte der Spur zu folgen. Denn eins wusste sie genau. Der oder die Verursacher dieser unübersehbaren Spur liefen ziemlich zielsicher genau dahin, wo Menschen zu finden waren. Und Menschen suchte sie ja auch. Wenn auch aus anderen Gründen.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Storm » Samstag 9. März 2013, 09:57

Lange brauchte sie nicht zu warten. Irgendwo zwischen den Bäumen ertönte plötzlich ein lautes Krachen – so als ob sich ein massiger Körper rücksichtslos durch das Gehölz schob. Dieser Jemand oder dieses Etwas legte ganz offensichtlich keinen Wert auf Geheimhaltung. Vermutlich, weil es nicht notwendig war. Vermutlich, weil es sich um eine Art von Kreatur handelte, vor der andere davonliefen. Storm hörte nun auch weitere Geräusche, die sich zu dem ersten dazugesellten: lautes Stampfen, unappetitliches Schmatzen, ein seltsames arhythmisches Klicken. Alles in allem ein disharmonisches Crescendo vor dem jeder Mensch mit einem Funken Verstand im Leib eigentlich davonlaufen sollte. Aber ein winziger – möglicherweise leicht selbstmörderisch veranlagter – Teil in Storm wollte auch wissen, was das war …

Das Gras zu ihren Füßen hatte sich mittlerweile weiß gefärbt, stellenweise waren die Halme in einen Kokon aus Eis gewandet. Auch ihre Hände waren von einer dünnen glitzernden Schicht überzogen, sodass sie von weitem wie die Handschuhe eines Gauklers wirkten. Die Luft um Storm herum war schneidend kalt, vereinzelnd segelten Schneeflocken nach unten und verfingen sich in ihrem Haar, das fast selbst die Farbe von Schnee hatte. Ihr Blick war in die Richtung gewandt, aus der die Geräusche kamen. War es nur eine Kreatur? Oder waren es mehrere?

Plötzlich bemerkte Storm am Rande ihres Sichtfeldes eine Bewegung. Ohne sich zu rühren, drehte sie den Kopf um eine minimale Nuance nach rechts. Nur um ihn einen Augenblick später ruckartig in besagte Richtung zu drehen und einen Schritt nach vorn zu machen. Dabei zerbrachen die gefrorenen Gräser knirschend unter ihrer Stiefelsohle. Was sie sah und was sie aus so aus ihrer Contenance gerissen hatte, war Folgendes: Zwischen zwei Büschen schoben sich vier … nun ja, Kürbisse auf zwei winzigen Beinchen hervor. Zumindest sahen sie so aus wie Kürbisse – abgesehen davon, dass sich auf der Oberfläche mehrere kraterähnliche Ausstülpungen befanden, die dem ganzen Gebilde ein irgendwie ungesundes Aussehen verliehen. Hinter den laufenden Kürbissen begann sich das Buschwerk ein weiteres Mal zu regen und lianenähnliche Pflanzenstränge tanzten schlangengleich durch die Lüfte. Eine Weile starrte Storm das seltsame Schauspiel aus kugelrunden Augen an, ehe sich in ihrem Kopf ein Begriff zu formen begann: Pflanzenwesen. Von den Pflanzenwesen hatte sie in Patria genug gehört, immerhin waren in der Vergangenheit ganze Kriege gegen diese Kreaturen der Wälder ausgefochten worden. Und im Kräuterkundeunterricht des Hexenordens hatten Beschreibungen einiger Spezies zum Lehrplan gehört. Deshalb konnte Storm auch sagen, dass es sich bei den Kürbissen um Katapultpflanzen handelte. Und bei dem lianenschwingenden Gestrüpp um eine Unersättliche.

Aber ehe Storm sich ungute Gedanken dazu machen konnte, in was für einer Art Wald sie eigentlich gelanden war und wie sie hier am schnellsten wieder herauskam, brachen zwei abgrundtief hässliche Kreaturen aus dem Unterholz. Die erste sah aus wie ein alptraumhafter Bär … sie hatte auch den Schädel eines Bären, allerdings war dieser bereits halb verwest, hatte nur noch ein Auge und ein deformiertes Maul mit einer Reihe Eisenzähne, die wie Mini-Dolche wirkten. Der Körper war massig und jemand hatte lieblos ein Fell darübergezogen, das allerdings nicht zum Kopf passte. Zumindest hatte Storm noch nie von einem gestreiften Bären gehört, geschweige denn einen gesehen. Die zweite Kreatur ging auf zwei Beinen – beziehungsweise sie versuchte es, denn die Koordination ließ sehr zu wünschen übrig. Sie war es auch, die den Radau verursacht hatte, denn sie riss beim Hin- und Herwanken Gestrüpp und Äste ab und brachte eine dünne Birke in Schieflage. Sie übertönte sogar den nicht gerade grazilen Gang des „Streifen-Bären“. Storm starrte die Kreaturen mit einer Mischung aus purem Entsetzen und angewiderter Faszination an. Was im Namen aller Dämonen war DAS denn? Aber sie kam gar nicht dazu, den Gedanken zu Ende zu denken, denn sie bemerkte sehr schnell, dass die beiden Monstrositäten genau auf sie zukamen. Mit – und das war ebenfalls sehr schnell klar – nicht gerade den besten Absichten.

Storm handelte nun ganz instinktiv. Die Luft um sie herum wurde noch eine Nuance kälter, sodass sogar die Rinde des Baumes neben ihr mit Raureif überzogen wurde, die sich mehr und mehr verdickte und schließlich zu einer Eisschicht wurde. Sie versuchte, eine Verbindung zu Aiwindë herzustellen, wusste aber nicht, ob der Drache in ihrer Nähe war. Verlassen konnte sie sich darauf jedenfalls nicht. Dennoch fühlte sie keine Angst, sondern nur eine wohltuende Kälte, die sich auch in ihrem Inneren auszubreiten begann. Sie hob ihre nun ebenfalls vereisten Hände und leitete die Kälte in den Boden. Das Eis kroch langsam aber unaufhörlich auf die beiden Kreaturen zu – und tötete auf seinem Weg dorthin Gräser, Wurzeln und Blumen. Als der „Streifen-Bär“ seine deformierte Pranke auf das Eis setzte, bohrte sich ein Dorn aus reiner Kälte durch den Boden und sorgte dafür, dass die Kreatur erstmal an Ort und Stelle verharren musste. Weitere Eisdornen schossen nach oben und versenkten sich in dem monsterhaften Körper. Aus der Kehle des „Streifen-Bären“ erklang ein Laut, der so unnatürlich klang, dass es Storm trotz der wohltuenden Nähe des Eises den Hals zuschnürte.

Das zweibeinige Wesen schlug in diesem Moment mit einem lauten Krachen auf dem Boden auf. Die Dornen der Katapultpflanzen hatten sich in seine Beine gebohrt und es jeden Halts beraubt …
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Storm wirkt Eisdornen auf Namenlosen 1
Die Katapultpflanzen greifen Namenlosen 2 an
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Re: Supra Silva

Beitragvon Taira » Samstag 9. März 2013, 11:53

Die Spur führte sie weiter nach Südwesten. Nicht unbedingt ihre Zielrichtung. Doch das war der Kriegerin egal. Sie wolte Blut sehen, kämpfen, ihren beiden Freunden etwas Vergnügen schenken. Dabei war sich durchaus mit einer Ausdauer und einer Geduld gesegnet, die ihr sonst in den meisten Dingen fehlte. Das war etwas, dass sie wirklich konnte. Der Moment, wenn man das Leben eines Anderen auslöschte, in diesem Moment hatte man eine besondere Verbindung zu seinem eigenen Leben. So fand sie jedenfalls. Es hatte nichts damit zu tun, sich mächtiger oder stärker zu fühlen. Man war dem tatsächlichen Sein des Lebens einfach extrem nahe, wenn man sah, wie es aus jemand anderem herausfloss. Sie kicherte unterdrückt, verhielt sich ansonsten aber ungewöhnlich schweigsam. Die Menschenfrau wusste, wie man das jagte, was sie suchte. SIe hatte es sich schon früher zur Aufgabe gemacht und in der Zeit nach der letzten Schlacht zur Perfektion gebracht. Sie hatte keine Lust sich jagen zu lassen, sondern jagte die Jäger nun ihrerseits. Sie hinterfragte ihr Tun nicht. Fragte sich nicht, ob es der letzte Funken in ihr war, der Menschen beschützen wollte oder ob sie einfach Gefallen am Töten gefunden hatte. Sie ließ sich von ihren Stimmungen treiben, lebte im Jetzt. So wollte sie es haben. So einfach war das.

Die Landschaft veränderte sich nun merklich. Sie fragte sich nicht, woher die vielen Bäume kamen, die sie an den Wald der Lichter erinnerten. Ihr war es egal, dass diese Bäume für gewöhnlich hier nicht wachsen und gedeihen konnten. Sie hatte schon so viele ungewöhnliche und eigentlich unmögliche Dinge gesehen, dass sie nicht mehr viel wundern konnte, selbst wenn sie dazu Lust gehabt hätte. Sie nahm vor allen Dingen wahr, dass es leichter wurde, der Spur der Verwüstung zu folgen, da die Wesen, die sie verfolgte einfach über alles trampelten, was ihnen in den Weg kam. Sie hoffte jedenfalls es wäre mehr als einer. Sogar ein paar der dünneren, jüngeren Bäume hatten sie entwurzelt. Die Frau spukte bei diesem Anblick aus. "Keinen Respekt, diese Viecher. Wirklich keinen Respekt." Sie schüttelte tadelnd den Kopf und wog Rache beinahe bedächtig in der Hand. Jap! Es würde wehtun, bevor sie ihnen Tod schenkte! Sie war sich zwar nicht sicher, ob die Wesen Schmerz empfanden, aber jedenfalls brüllten sie an den richtigen Stellen hübsch auf.

Ebenjenes Brüllen vernahm sie nun in der Ferne. Die Wesen griffen an. Diese Geräusche, die die Kreaturen machten, kannte sie so gut, dass sie sie fast wie eine Fremdsprache verstehen konnte. Und Namenlose griffen bevorzugt Menschen an. Kurz überlegte sie, ob sie abwarten sollte, bis sie fertig waren. Aber aus zwei Gründen entschied sie sich dagegen. Zum einen könnten der oder die Menschen, wehrhaft genug sein, dass sie nichts mehr von all dem Spaß abbekam, zum anderen war es durchaus möglich, dass diese Menschen ihr helfen konnten, den genauen Ort zu finden, an dem sie noch was zu erledigen hatte. Auch wenn das bedeutete, mit ihnen reden zu müssen. Sie fand Menschen in der Regel sehr anstrengend. Ständig stellten sie blöde Fragen. Es gab natürlich rühmliche Ausnahmen, wie sie selbst. Aber die waren wohl äußerst selten.

Die Menschenfrau preschte nun geradezu durchs Unterholz. Ihr fiel nicht auf, dass es kälter wurde, so sehr war sie beseelt von dem Wunsch ein bisschen Spaß mit Namenlosen zu haben. Auch die andere Frau und die Pflanzenwesen nahm sie nicht sofort wahr. Sie sah als erstes zwei recht groteske Kreaturen. Doch grotesk waren sie ja immer. Was sie aber schlittern und schließlich zum Halten brachte, war etwas anderes. Einer der Namenlosen hatte sich anscheinend selbst in einem Gebilde aus Eiszapfen aufgespießt, das dumme Vieh! Und der andere ... der andere... Da wurde sie den Pflanzenwesen gewahr. "Spielverderber," knurrte sie, als sie sah, dass sie den anderen Namenlosen bereits gefällt hatten. "So macht das Ganze aber wirklich keinen Spaß!" Was sollte sie noch tun? Hingehen und den Viechern den Gnadenstoß geben? Ne danke. So hatte sie sich das wirklich nicht vorgestellt. Sie blickte sich hoffnungsvoll suchend um. Vielleicht war ja noch einer für sie übrig? Dabei erst entdeckte sie zum ersten Mal die Frau. Unnatürlich farblos war diese. Aber eine Entweihte war sie wohl nicht, wenn man das dunkle Blau ihrer Augen bedachte. Hmm... blaue Augen ... da klingelte etwas verdächtig in ihrem Inneren. Sie beschloss, sie hasste die Augen der Frau, genauso wie das hellblonde fast weiße Haar. Kurz glitt ihr Blick über deren Statur und die gute Kleidung. Leider ein paar Nummern zu klein und zu lang. Naja, konnte man nichts machen. Als zweites fiel ihr das Eis um die Frau auf und sie begriff. "Ganz toll. Wenn du fertig bist mit den Namenlosen zu spielen, kannst du ihnen auch den Rest geben." Sie klang tatsächlich ziemlich beleidigt.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Drakan » Dienstag 12. März 2013, 16:28

Wenn er morgens erwachte, hörte er manchmal noch das helle unbeschwerte Lachen seiner Freunde. Er sah sie, wie sie über den Blütenzauber zur Wiese der Lichter flogen. Ihre Flügel glänzten in einhundert Farben. Das Singen der Vögel war zu hören und das Wasser plätscherte still dahin. Er öffnete die Augen nicht gleich und bewahrte sich dieses Gefühl für einen kurzen Augenblick. Es war nicht alles verloren. Als der Krieg vorbei war, flog er auf direktem Weg zum Feental zurück und er fand dort alles wie früher vor, nur mit weniger Papilias und Blüten. Die ersten Wochen pflegte er ausschließlich sein Drakanblümchen. Es schmerzte ihn wie heruntergekommen sie war.
Aber all das Licht, das Leben und die Fröhlichkeit des Tals waren befleckt. Es fühlte sich an als wäre die Dunkelheit des Gottes über die unsichtbaren Mauern ins Innere geschwappt und hätte auf allem die Verderbnis hinterlassen. Der Gedanke, dass seine Blume sterben würde, erfüllte Drakan mit einer so großen Traurigkeit, dass sein Herz zu zerspringen drohte. Er würde einfach alles versuchen müssen, um das zu verhindern. Und aus diesem Grund hatte er das schützende Feental wieder verlassen und war auf dem Weg ins Verbotene Tal. Das Tal war die Heimat des Drakanblümchens. In seinem Samensäckchen hatte er genau 32 Samen. Er würde also die nächsten Wochen damit verbringen geeignete Plätze für diese Samen zu suchen. Das war für einen Papilia eine große Aufgabe und er wusste von der Verantwortung, die er trug. Cendaria ließ ihn nur ungern gehen, aber sie wusste ja selbst was auf dem Spiel stand.

Drakan hatte den Weg über Supra Silva gewählt, einfach aus dem Grunde weil er hoffte, dass es hier keine Diener Zûls gab. Bisher war es auch ruhig geblieben, aber irgendetwas stimmte nicht. Es war wie der Hauch von Magie in der Luft, es erzeugte ein Kribbeln in Drakans Nacken. Früher hatte er so etwas nie bemerkt, aber seit dem Krieg war Magie selten und aus irgendeinem Grund hatte Drakan eine Antenne dafür. Plötzlich wurde es kalt und da hörte er es auch schon. Er kannte die Geräusche nur zu gut. Das Kribbeln wuchs sich zu einem kalten Schauer aus und Drakan steuerte darauf zu. Plötzlich sah er genau unter sich einen Menschen laufen. Sie lief wie eine Verrückte, als würde sie flüchten, aber hinter ihr war keiner, da kam er ja her!
Und dann waren sie beide, er und diese Frau, an dem Schauplatz. Drakan war weit über ihren Köpfen und überblickte die Situation von dort sofort. Der Kampf war vorbei und genau dort stand die Frau, die das Kribbeln verursacht hatte. Das Eis hatte eine verheerende Schneise geschlagen, was Drakan alleine schon beim Anblick weh tat. Aber warum Eis? Drakan hatte schon viele Hexen kennengelernt, aber keine von ihnen zauberte Eis. Drakan ließ sich auf einem nahen Baum nieder. Vielleicht würde er mehr erfahren, für die Verwüstung konnte er sie danach immer noch zur Rechenschaft ziehen!
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Re: Supra Silva

Beitragvon Storm » Dienstag 12. März 2013, 18:35

Wieder geschahen mehrere Dinge gleichzeitig. Einmal war das zweibeinige Monster offenbar sehr ungehalten über die Behandlung, die die Katapultpflanzen ihm hatten zuteil werden lassen. Sehr ungehalten! Auch wenn die Dornen-Akupunktur eigentlich ziemlich wehtun müsste, schien etwas mit seinem Schmerzempfinden nicht zu stimmen. Zumindest robbte es scheinbar unbeeindruckt – das unbrauchbare Bein hinter sich herziehend – in einer erstaunlichen Geschwindigkeit zu seinen Angreifern hinüber und zermatschte zwei Katapultpflanzen mit seinen krallenbewährten Pranken. Genau im selben Moment – oder vielleicht sogar eine Nuance früher – ertönte eine Stimme: „Spielverderber! So macht das Ganze aber wirklich keinen Spaß!“ Storms Blick wanderte von dem Pflanzenwesenmassaker zu der Sprecherin. Eine Frau mit rotem zerzaustem Haar stand schräg hinter dem Streifen-Bären und starrte sie an. Sie sah ziemlich heruntergekommen aus – wie jemand, der lange durch die Wildnis geirrt ist, ohne wirklich Teil von ihr zu sein wie man es den Druiden nachsagte. Die beiden Schwerter in ihren Händen sahen allerdings noch funktionstüchtig aus.

Bei ihren darauffolgenden Worten hob Storm eine Augenbraue. Die Frau hatte den unter Amazonen gar nicht mal seltenen, derben Humor, der sich besonders gern in martialischen Kampfszenen Bahn brach. Zumindest hoffte sie, dass es Humor war. Alles andere wäre äußerst … dubios. „Du kannst ja mitspielen … es ist noch genug für alle da! Keine Ahnung, was das für Viecher sind, aber sie scheinen äußerst widerstandsfähig zu sein.“ Erst dann fiel Storm auf, dass die Frau den Kreaturen eine Bezeichnung gegeben hatte: Namenlose. Die Eismagierin starrte den Streifen-Bären an, der auf äußerst unappetitliche Weise seinen Fuß von dem Eisdorn befreit hatte und nun auf sie zu gekrochen kam. Beziehungsweise, Teile von ihm kamen auf sie zu gekrochen. Storm verzog angewidert das Gesicht, womit sie nur teilweise ihr Entsetzen verbergen konnte. Namenlose?!? Die hirnlosen Golems des dunklen Magiers, denen man noch nicht mal einen Namen gegeben hatte? Storm hätte hier mit allem Möglichen gerechnet: wilde Tiere, Barbaren, meinetwegen auch Pflanzenwesen, Drachen oder seltsame Amazonen. Aber Namenlose?

Weil sie keinen gesteigerten Wert darauf legte, herauszufinden, was die Kreatur mit ihr machen würde, wenn sie einmal herangerobbt war, pfefferte sie ihr einen Eisstrahl ins Gesicht. Und leitete damit ihr endgültiges Ende ein. Der andere Namenlose hatte mittlerweile die dritte Katapultpflanze zu Mus verarbeitet und kroch auf die Unersättliche zu. Von der vierten Katapultpflanze war nichts zu sehen … was bedeutete, dass sie entweder in Deckung gegangen oder ebenfalls tot war – oder ihr Heil in der Flucht gesucht hatte. Zumindest waren die Katapultpflanzen nicht kampflos untergegangen, denn überall im Körper des Namenlosen steckten Dornen. Fast wie beim einem Igel. Unter anderen Umständen hätte sie sich über die Bezeichnungen „der Streifen-Bär“ und „der Igel“ amüsiert, aber der Gedanke, es mit leibhaftigen Namenlosen zu tun zu haben, verpasste ihrem Humor doch einen gewaltigen Dämpfer.

Sie stemmte die Hände in die Hüften, wobei die Eisschicht auf ihrer Haut protestierend knackte und kleine Eissplitter nach unten rieselten. „Na, mach doch endlich was!“ wandte sie sich an die Rothaarige und wies mit dem Kinn auf den noch lebenden Namenlosen. „Vielleicht gibt es ja noch mehr von denen hier … oder von jenen, die sie anführen.“ Rogon hatte ihr mal erzählt, dass Ohadus Namenlosenarmeen anführten. Weil die Namenlosen allein zu geistlos und stumpfsinnig waren, um etwas von Belang zu erreichen. Und sie hatte, bevor sie White Hall verlassen hatte, auch mitbekommen, dass Zûl wieder stärker wurde, dass er möglicherweise eine Gefahr für Brando-Rân werden könnte. Allerdings befand sich White Hall in einer so abgelegenen Ecke Auroraes, dass Neuigkeiten sie allenfalls verspätet erreicht hatten. Und was passiert war, nachdem sie über das große Gebirge gewandert war, wusste sie schon mal gar nicht. Sollte Zûl tatsächlich so weit an Boden gewonnen haben, dass sich seine Kreaturen schon hier herumtrieben?
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Storm wirkt Eisstrahl auf Namenlosen 1
Zuletzt geändert von Storm am Samstag 16. März 2013, 08:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Taira » Dienstag 12. März 2013, 21:07

Die Kriegerin runzelte die Stirn. Sie zweifelte doch sehr daran, dass genug für alle da war. Mit zwei Namenlosen konnte eine Person sicher problemlos fertig werden. Vor allem, wenn man magisch hochbegabt war. Sie hatte jedenfalls noch nie so ein Eisgebilde gesehen. Nicht mal bei Clare. Wütend begann sie zu summen und sich die Ohren zuzuhalten, bis sie den Namen wieder irgendwo in den Tiefen ihres Verstandes gut verstaut hatte. "Namen sind doch scheiße," murmelte sie ungehalten vor sich hin und musterte die farblose Frau ein weiteres Mal sehr aufdringlich, bevor sie begriff, was die Frau noch gesagt hatte. Manchmal kamen die Worte bei ihr verspätet an. Das hatte damit zu tun, dass die meisten Menschen eh nur blödes Zeug von sich gaben und sie deshalb nur mit halbem Ohr zuhörte. Jetzt aber war sie hellwach. “In welcher Höhle hast du denn gelebt?“ Es war wohl eher eine rhetorische Frage, die der Menschenfrau einfach so heraus rutschte und sie erwartete keine wirkliche Antwort von der Blassen. Dennoch war sie durchaus berechtigt. Man musste schon grenzdebil sein oder ein Mensch der Winterschlaf hielt wie einige Tiere, um nicht mitbekommen zu haben, was Namenlose waren. Allerdings … möglich wäre es natürlich, dass dies einfach bedeutete, dass sie bis jetzt noch nicht weit in das Supra Silva vorgedrungen waren. Das wiederum wäre ihrer Sache sehr dienlich. Wenn die Frau also nicht wusste, was diese Viecher waren, dann wusste sie womöglich auch nicht so richtig wie man sich ihrer entledigte.

Hm … sie könnte zusehen wie sich die Frau schlug und falls sie den Kampf nicht überlebte, ihr Proviant an sich nehmen und wenn sie wider erwarten doch überlebte, dann könnte sie sie nach dem Weg fragen. Allerdings hatte die Sache einen Haken. Die meisten Menschen reagierten sehr zickig, wenn man einfach nur zusah und halfen einem dann auch nicht. Sie brummte abermals unwirsch, während sie die Blasse immer noch anstarrte, scheinbar ohne darauf zu achten, was die Namenlosen so taten. Zwei waren in ihren Augen einfach keine echte Bedrohung, sondern nur ein kleiner Zeitvertreib, eine Übung. Das fanden die meisten wohl nicht unbedingt eine realistische Einschätzung. Das änderte aber nichts daran, dass es sich so für die Menschenfrau anfühlte. Wenn sie der Frau dagegen half, würde sie vermutlich anschließend viel redseliger sein. Bis sie an diesen Punkt ihrer Überlegungen angekommen war, hatte sich die Blasse bereits wieder begonnen zu kämpfen und war dabei, dem bärigen Namenlosen das Lebenslicht auszulöschen. Sie würde sich also beeilen müssen. Aus dem Mund der Eisfrau drangen wider Geräusche. Diesmal etwas ungehaltener, nahm sie an. Also schön ...

Sie zuckte mit den Schultern, fast gelangweilt und schlenderte auf den Namenlosen zu, der gerade dabei war, die Pflanzenwesen zu vernichten. Nur die Unersättlich stand noch. Auch nicht unbedingt eine von ihren besten Freunden. Aber sie hatte sich in letzter Zeit ja daran gewöhnt, mit ungeliebten Kreaturen Seite an Seite zu kämpfen. Patria! Ekelhaft. Sie spukte im hohen Bogen aus und traf den Namenlosen. Den kümmerte das natürlich nicht. Ein Mensch hätte jetzt wohl angewidert aufgeschrien und rumgezetert. Zum Glück war er keiner. Bei diesem Gedanken sprang sie das Vieh von hinten an und zog ihm Rache einmal quer über den Rücken. Seltsames Sekret und gammeliges was auch immer quoll aus der Wunde heraus und verdreckte sie. “Schon wieder. Da hat sich das Waschen aber gelohnt!“ brummte sie zynisch, während der Namenlose von seinem Versuch eines Angriffs auf die Unersättliche abließ und sich mit einem lauten Geräusch zu ihr herum zu drehen versuchte. Es war so eine Mischung aus Stöhnen, Jammern und Brüllen, die ihr sagte, dass er nicht gerade amüsiert war. Aber langweiligerweise war er ja nicht mehr wirklich so gut zu Fuß. Sie duckte sich unter einem der Schläge weg und hieb anschließend mit Rache nach dem Arm um ihm eine weitere Wunde beizubringen. Sie liebte das Geräusch, dass er daraufhin machte. Es verleitete sie sogar zu einem leichten Lächeln. Sie lief um ihn herum, so dass er sich abermals zu drehen versuchte. Da Namenlose nicht sonderlich helle waren, sondern von der Gier nach menschlichem Fleisch getrieben wurden, ging ihm zu spät auf, dass er sich ziemlich ungünstig verdrehte. Diesen Moment der Erkenntnis, schenkte die Kriegerin ihm noch. Dann rammte sie ihm Rache in die Brust. Natürlich genügte das nicht, um dem Namenlosen wirklich tödlich zu verwunden. Da sie nie gleich waren, konnte man sich nie sicher sein, wo man ihnen eine tödliche Wunde beibringen konnte. Sie hatte jedoch die Erfahrung gemacht, dass ein Namenloser ohne Kopf in der Regel nicht mehr aufstand. Nun war es Zeit für Tod. Sie vollführte eine Drehung, die sie irgendwann man irgendwo gelernt hatte und hieb mit Hilfe des Schwungs den Körperteil ab, der nach Kopf aussah. Dieser landete direkt zu den Wurzeln der Unersättlichen. “Lass es dir ruhig schmecken!“ rief sie dem Pflanzenwesen zu. Sie wischte sich aus einer dummen Angewohnheit heraus durch das Gesicht und verteilte etwas von dem klumpigen Blut das an ihren Händen klebte auf selbiges, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. Aber selbst wenn, gekümmert hätte es sie nicht wirklich. In gemütlichem Tempo bewegte sie sich auf die Blasse zu, die mittlerweile auch ihr Tagewerk vollbracht zu haben schien und blieb in einigem Abstand zu ihr stehen und starrte sie wortlos an. Immerhin versuchte sie so etwas wie ein Lächeln. Konnte ja nicht schaden. Es mochte ein seltsamer Anblick sein, eine etwas besudelte Rothaarige mit einem Grimasse, die wie festgefroren aussah und an die Persiflage eines Lächelns erinnerte.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Drakan » Freitag 15. März 2013, 09:09

Drakan hatte sich getäuscht, der Kampf war noch gar nicht zu Ende gewesen, aber nun stieg auch die zweite Frau in den Kampf ein und erledigte den Rest und die andere warf noch einen Eisstachel. Drakans Stirn legte sich in Falten. Zu gerne hätte er gewusst, warum sie so etwas konnte, aber Drakan war im Zwiespalt. Auf der einen Seite seine große Neugier, auf der anderen seine Pflicht die Samen auszubringen. Er hatte nicht mehr sehr viel Zeit. Schon bald würde es im Tal warm werden, die Sonne würde an Kraft gewinnen und genau dies war der rechte Moment seine Samen zu sähen, damit die Pflanzen kräftig wurden.
Die eine Frau, die aussah wie eine Kriegerin, war komisch. Es machte den Eindruck, dass sie gern kämpfte und tötete. Drakan hatte die Menschen noch nie verstanden! In seinen Augen waren die meisten böse, weshalb er auch niemals von den Guten oder Bösen sprach. Die beiden Gruppen, die miteinander kämpften, verfolgten einfach nur unterschiedliche Ziele. Beide Seiten waren so unvorstellbar grausam. Die Menschen taten oft so als wären sie die Opfer dieses Krieges, aber das waren sie nicht! Es war die Natur, die wirklich litt und überhaupt nichts dafür konnte.

Drakan spürte wie die Wut in seinem Inneren immer größer wurde und er musste sich schließlich Luft machen!
“Arogant seid ihr Menschen, nichts weiter! Für euch gibt’s immer nur Ich Ich Ich. Nie denkt ihr an andere. Mit Lust tötet ihr und ihr habt Spaß daran die Natur zu verwüsten. Ich meine schau was du angestellt hast. Eine Schneise der Verwüstung und nun sag mir doch mal ehrlich, ob du auch nur einen Gedanken daran verloren hast? Ach du musst nicht antworten…. Und kannst du mir erklären wie ich das jetzt in Ordnung bringen soll?“ Drakan war nun genau zu der Stelle geflogen wo das Eis die ganze Grasnarbe aufgebrochen hatte. Er war des Pflanzenwachstums nicht mächtig. Er fühlte sich so hilflos, was seine Wut noch mehr steigerte. “Ihr habt so viel kaputt gemacht!“ Er war einfach ohnmächtig gegenüber diesem Krieg. “Ihr unterstützt diese Namenlosen noch mit eurem Tun!“
Um das zu verdeutlichen zog Drakan seinen Zauberstab heraus, wedelte damit herum und plötzlich schien sich die Erde zu bewegen. Nach und nach formten sich die braunen Klumpen zu Armen, Köpfen und schließlich war klar, dass Namenlose aus der braunen Erde entstanden, Blut tropfte von ihrer erdigen Haut und bildete kleine Pfützen zu ihren Füßen. Manchmal musste man zu dramatischen Mitteln greifen, um den Menschen klar zu machen, was sie taten.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Storm » Sonntag 17. März 2013, 21:32

Diese Frau war eindeutig … komisch. Selbst für eine Amazone. Storm hatte viele Amazonen kennengelernt – und an speziellen Exemplaren hatte es gerade in diesem Orden nicht gemangelt. Wobei die Amazonen da mit Sicherheit anderer Meinung wären und selbiges eher über die Hexen gesagt hätten. Worin Storm ihnen zugestimmt hätte – sie hatte immerhin einige Jahre in diesem Orden verbracht und konnte mit Sicherheit sagen, dass gerade die Hexen sich durch … na ja, wenn man es freundlich formulieren wollte, könnte man wohl sagen, exzentrisches Verhalten auszeichneten. Egal, diese Frau hier war jedenfalls nicht auf diese Art speziell. Sie wirkte so als … habe sie die falschen Dämpfe in einem Alchemie-Labor eingeatmet, als habe sie einen kräftigen Schlag auf den Schädel bekommen, als wäre sie die kleine Schwester von Humarta … kurz, sie wirkte leicht durchgeknallt. Zumindest fand Storm es komisch, wenn jemand sich als Reaktion auf ihre Worte die Ohren zuhielt, anfing, vor sich hinzusummen und irgendwas vor sich hinbrummelte, dass so ähnlich klang wie „Namen sind scheiße.“. Hatte sie etwas von Namen gesagt? Nein. Befand sich die Frau gedanklich vielleicht in einer anderen Sphäre? Möglicherweise.

Da sie damit beschäftigt war, den Geisteszustand der Frau zu analysieren, bekam sie erst verspätet mit, was diese als nächstes von sich gab. Höhle? Sie? Hatte die Frau in letzter Zeit mal in den Spiegel geschaut? Wer von ihnen sah wohl eher aus wie ein Höhlenmensch? Gut, auch an Storms Garderobe mochte die Reise nicht spurlos vorübergegangen sein und allgemein war sie schon besser gepflegt daher gekommen, aber sie sah zumindest nicht so aus, als … na ja, sie sah zumindest noch gepflegter aus als diese Amazone! So. Storm verzichtete allerdings auf eine Antwort – erstens schien die Rothaarige ohnehin keine zu erwarten und zweitens wurde sie vom Streifen-Bären abgelenkt, dessen sie sich erst einmal entledigen musste. Nachdem dies geschehen war, bequemte sich Feuerlocke endlich mal, in den Kampf einzugreifen und sich des zweiten Namenlosen anzunehmen. Sie tat das auf eine Art und Weise, die Storm so bei kämpfenden Amazonen auch noch nie gesehen hatte. Sie wirkte irgendwie … routiniert, ja fast schon gelangweilt. So als würde sie am laufenden Band Namenlose töten. Danach kam sie zurück und starrte Storm an. Storm starrte zurück, obwohl sie das ganze Verhalten der Rothaarigen mehr als beunruhigend fand. Auch das Lächeln – wenn man es denn so nennen wollte – wirkte unecht. Es sah eher aus wie der verzerrte Schatten, der dunkle Bruder eines von Herzen kommenden Lächeln. Storm beschloss, dass ihr das Starren besser gefallen hatte.

Die Stille, die sich zwischen ihnen auszubreiten drohte, hätte nicht zu der angenehmen Sorte gehört, die zwischen zwei Freunden besteht, wenn sie gemeinsam den Sonnenuntergang betrachten. Nein, es wäre jene unangenehme Art von Stille gewesen, die man mit dem Messer in Scheiben hätte schneiden können. Und die Storm garantiert nicht länger als fünf Augenblicke ertragen hätte. Aber dazu kam es nicht, denn plötzlich ertönte eine sehr helle Stimme, die von nirgendwo zu kommen schien. Es dauerte jedenfalls eine Weile, ehe Storm die winzige Gestalt erspähte, die über der Eisschneise flog. Sie kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder. Aber das Wesen war immer noch da. Es war höchstens fingerlang und seinem Rücken entsprangen Schmetterlingsflügel. Es war allerdings kein Schmetterling, sondern ein menschenähnlicher Winzling … obwohl es mit den knallroten Haaren und der grünlich-braunen Haut auch wieder fremdartig aussah. Fasziniert näherte sich Storm dem Wesen, das eine Schimpftirade losließ. Sie schwankte zwischen dem Wunsch, sich zu entschuldigen, dem Impuls, sich zu rechtfertigen und das kleine Ding einfach nur entzückt anzustarren. Das Wesen weckte Erinnerungen an eine Zeit, als ihre Mutter ihr vor dem Einschlafen Geschichten erzählt hatte. Geschichten von kleinen Feen, die zaubern konnten und den Menschen Wünsche erfüllten. Papilias.

Allerdings wurde der Zauber der Vergangenheit schnell wieder zerstört. Vor der Eismagierin verformte sich die Erde zu hässlichen, bluttriefenden Kreaturen und ließ sie unwillkürlich zwei Schritte zurückweichen. Sie begriff zwar, dass die Papilia etwas gezaubert haben musste – zumindest ließen ihre Worte und der kleine Stecken in ihrer Hand darauf schließen – aber trotzdem war Storm sich nicht sicher, was als nächstes passieren würde. Sie hob ihre Hände in einer abwehrenden Geste: „Jetzt mach mal halblang … wenn du dich mal genauer umschaust, wirst du feststellen, dass die Namenlosen für den Großteil der Zerstörung hier verantwortlich sind. Du kannst es uns kaum zum Vorwurf machen, dass wir uns wehren.“ Storm stellte fest, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie auf das Feenwesen reagieren sollte. Sie kannte Papilias nur aus Gute-Nacht-Geschichten.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Taira » Dienstag 19. März 2013, 21:01

Die Menschenfrau ließ die Luft mit einem lauten Geräusch aus ihren Lungen entweichen. Es war mehr ein erleichtertes Seufzen als ein Stöhnen, als ihr bewusst wurde, dass diese Frau zumindest in einer Hinsicht ganz vernünftig zu sein schien. Sie redete nicht viel, sondern starrte nur zurück. Mit Glotzen konnte sie recht gut umgehen. Wenn es etwas zu viel werden würde, konnte sie der Eisprinzessin ja immer noch eine reinhauen. Spätestens dann verstand schließlich jeder, dass das bisherige Verhalten unerwünscht war. Dadurch das die Weißblonde vor ihr jedoch so schweigsam war, tat sich für die Kriegerin eine andere Schwierigkeit auf. Diese nannte sich Konversation. Im tiefsten Winkel, in einer hinterletzten Ecke ihres Verstandes, wusste sie theoretisch wie man das machte. Sie war sich nicht sicher, ob sie jemals sonderlich gut in so was gewesen war. Jetzt allerdings fiel es ihr ziemlich schwer. Was sagte man denn so zu einer Fremden? Sie grübelte kurz, deutlich sichtbar an ihrer gerunzelten Stirn und dem angestrengten Gesicht und entschied sich dann schließlich für diese Variante: "Schön für dich, dass du bisher nicht von den Entweihten oder Namenlosen zerfleischt worden bist, heh?" Ihr kam das jedenfalls wie das moderne Pendant zur Frage nach dem Wetter vor. Schließlich waren die Kreaturen Zûls nun die vorherrschenden Mächte und diese reagierten, nun ja, doch recht unfreundlich auf die Menschen. Zumindest empfand sie den Versuch alle Menschen auf möglichst brachiale Art und Weise zu töten, durchaus nicht als Versuch Freundschaft zu schließen.

In diesem Moment musste sie sich beide Hände vor dem Mund halten, um das Kichern zu unterdrücken, dass sich ihrer bemächtigen wollte. Vor ihrem geistigen Auge sah sie sich wie sie mit einer Horde Namenloser nach einem Kampf Umarmungen austauschte. Das Bild war so selten lächerlich, dass es sie über Gebühr amüsierte und sie deshalb auch nicht sofort das Gezeter eines hellen Stimmchens mitbekam. Sie war ohnehin nicht mehr so auf das gesprochene Wort trainiert. Trainiert war sie auf die Kreaturen der Finsternis, die ihr und allem anderen, was die Göttin je angebetet hatte, nach dem Leben trachteten. Deshalb war es nahezu ein Automatismus, ein Reflex sich auf die Kreaturen zu stürzen, die sich aus dem Boden erhoben. Erst verspätet wurde ihr klar, dass da etwas nicht ins Bild passte. Zum einen, erwuchsen die Namenlosen nicht einfach aus dem Boden. Das hätte sie bei den unzähligen Schlachten gesehen. Zum anderen war da immer noch dieses Hintergrundgezeter, was nicht zu der Eisfrau passen wollte. Die zarte Klarheit dieser Stimme erinnerte sie nicht an einen Menschen, sondern an ein kleines, sehr zartes blondes Wesen voller kindlichem Übermut und Naivität. Sie trat wütend gegen einen Stein, bevor der Name des Wesens, aus dem dafür vorgesehen Gefängnis in ihrem Verstand entschlüpfen konnte, Der Schmerz in ihrem großen Zeh half ihr, die Erinnerung zu verdrängen.

Die Menschenfrau kniff die Augen zusammen. Wo war der kleine Scheißer? Sie musste nicht lange suchen, denn die Blasse diskutierte bereits mit ihm. Die Kriegerin ging gemessenen Schrittes in ihre Richtung zurück und ignorierte die Illusion. Sie tat sogar so, als wäre sie gar nicht darauf hereingefallen. "Besser fürs Ego," brummte sie. Dann spuckte sie aus. In hohem Bogen und haarscharf an dem Papilia vorbei. "Hat die Cendaria keine Manieren beigebracht, du Spinner? Natur kann man wiederherstellen. Leben nicht. Also stell dich nicht an und erledige deine Arbeit, anstelle hier dumm rumzuzaubern. Wofür hat dich die liebe Göttin denn sonst erschaffen?" Die Stimme der Menschenfrau triefte nur so vor Spott und bei der Erwähnung der Göttin sogar vor Abscheu. So ein verfluchter kleiner Papilia! Kam daher und zwang sie sich daran zu erinnern, dass sie den Namen der Feenkönigin kannte. Und die dämliche Göttin hatte sie auch erwähnt. "Daran bist nur du schuld," brummte sie ärgerlich und starrte den grünhäutigen Papilia an. "Was ist überhaupt mit dir los? Schimmelst du oder warum hast du so eine grüne Hautfarbe?" Das hatte sie an einem Papilia noch nie gesehen. Das wäre sicher etwas, an dass sie sich erinnert hätte. Ganz freiwillig.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Drakan » Donnerstag 21. März 2013, 17:02

Drakan ärgerte sich, schon als er den Mund öffnete und zu reden begonnen hatte, war ihm eins ganz klar: Diese Menschen würden nichts begreifen. Und so schüttelte er nur den Kopf, sah von einem zum anderen und schüttelte den Kopf noch energischer. Menschen lebten zu kurz! Das war es und daran konnte man nichts ändern. Sie lebten mit ihrem beschränkten Horizont und niemand konnte das ändern. Im Heerlager war er noch neugierig, die Menschen waren für ihn neu gewesen und er fand alles sehr aufregend. So hatte er stundenlang mit ihnen diskutiert, jeden Abend frustrierter, bis er es schließlich aufgegeben hatte.

Drakan zuckte nur die Schultern. Die Illusion verschwand und zurück blieb die offene Erde. Ihm hing der Duft der feuchten, kalten Erde in der Nase und er schloß kurz die Augen. Er überlegte einen kurzen Moment ob die Erde einen Samen wert wäre, verwarf den Gedanken schnell wieder. Hier hatte etwas sein Leben verloren und das war kein guter Ort für seinen Samen. Nein!

"Immer sind die anderen schuld. Natürlich! Wehren könnt ihr euch so viel wie ihr wollt, doch im Einklang mit der Natur. Nur weil ihr euch bekriegt, müsst ihr doch nicht permant die Natur verletzen. Ach was rede ich überhaupt mit euch, ihr seid doch genauso verblendet wie diese Untoten.
Und dann wandte sich Drakan an die andere Frau mit den roten Haaren, mit der hatte er noch eine Rechnung offen, so wie sie mit ihm gesprochen hatte. Seine Augen verengten sich und er fuchtelte mit dem Zauberstab herum, den er immer noch in der Hand hielt. "Und du... bist ja noch dümmer als die andere da! Was ja fast unmöglich scheint. Natur ist wieder herstellbar? Da hast du wohl im Unterricht für fleissige sterbliche Mädchen gefehlt was? Es ist dein Glück, dass ich im Moment in Eile bin und keine Zeit für solche Dummheiten habe. Aber eins sag ich dir, erwähnte Cendarias Namen nicht so unbedacht, du hast ja keine Ahnung von wem du da sprichst!"

Am liebsten hätte er die Kriegerin mit seinen kleinen Waffen an den Händen verletzt, aber er besann sich noch eines Besseren. Ihm war noch bewusst auf wessen Seite er im Krieg gestanden hatte. "Bete zu deiner Göttin, dass wir uns nicht wieder sehen!", zischte er ihr noch entgegen und blickte zu der anderen. "Bringt das wieder in Ordnung!", sagte er noch, zeigte auf die Furche in der Erde und schon erhob er sich weiter in die Lüfte und setzte seinen Weg fort, wenn auch nicht ganz so gut gelaunt. Verzweiflung oder Wut, Drakan konnte sich noch nicht entscheiden.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Storm » Sonntag 24. März 2013, 20:58

Storm kam sich vor, als habe sie ein Märchenbuch aufgeklappt – voller freudiger Erwartung auf die phantasievollen Geschichten, die sie in Welten entführten, in denen sie durch goldene samtweiche Gräser waten oder auf dem Rücken eines Riesenadlers vor die Tore eines schwebenden Schlosses gebracht werden konnte. In denen sie mit Feen oder Einhörnern sprechen konnte. Und dann machte die Fee den Mund auf – und heraus kam nur Gezeter. Es war, als habe sie ein Märchenbuch aufgeklappt – voller freudiger Erwartung auf phantasievolle Geschichten. Nur um dann festzustellen, dass jemand sämtliche Seiten herausgerissen hatte. Der Glanz aus ihren Augen verschwand und wich einer gewissen Nüchternheit, während sie zuhörte, wie der Papilia – denn es schien sich um ein männliches Exemplar zu handeln – seine Schimpftirade nun gegen die Amazone richtete. Selbst die Tatsache, dass die Namenlosen, die sich aus dem Erdreich gewühlt hatten, einfach in Luft auflösten, registrierte sie nur, ohne sich darüber Gedanken zu machen. Sah sie für den Papilia aus wie ein Druide? Wie sollte sie etwas im Einklang mit der Natur tun, wenn ihre Magie nur einen Teil des Lebenszykluses verkörperte? Wobei Lebenszyklus noch nicht einmal das richtige Wort dafür war … das Eis stand für den Winter, die Zeit, wenn die Natur sich zur Ruhe bettete. Für viele war es gleichbedeutend mit dem Tod, auch wenn Storm das nicht so sah. Sie hätte versuchen können, dem Papilia zu erklären, was sie war, aber sie unterließ es. Er wollte ihre Antwort scheinbar sowieso nicht hören, so wie er davonrauschte. Er warf ihnen Egoismus vor, um sich dann in seiner eigenen Selbstgerechtigkeit zu suhlen. Nein, manche Märchenbücher blieben besser zugeklappt!

„So habe ich mir Papilias nicht vorgestellt …“ sagte sie zu der Rothaarigen. In ihrer Stimme schwangen mehrere Nuancen mit, die von Enttäuschung und Ärger bis hin zu versuchter Sachlichkeit reichten. Sie klang so wie jemand, der emotional von etwas getroffen worden ist und nun versucht, harmlose Konversation zu betreiben, um die Gefühle wieder in den Griff zu kriegen. Im Grunde ärgerte sich Storm über sich selbst. Sie war nicht wie das Eis, das sie eigentlich verkörpern sollte. Sie war nicht kühl, unbewegt und erhaben. Sie ließ sich davon aus den Bahn werfen, wenn die Realität ein Märchen in unzählige Scherben zerschmetterte. Nein, um eine richtige Eismagierin zu werden, musste sie wohl noch einiges lernen. Die Magie war nicht das Problem, die Verbindung zu ihrem Drachen auch nicht … und sie spürte auch eine tiefe Faszination für das Eis, die mittlerweile ihre Zuneigung zu ihrem einstigen Lieblingselement Luft übertraf. Aber sie WAR kein Eis. Und sie war sich auch nicht sicher, ob sie es je sein würde – oder überhaupt sein musste. Im Prinzip war das einer der Gründe, warum sie zurückgekehrt war: um ihrer Selbst und ihrer Funktion als Eismagierin sicherer zu werden.

Storm schob den Gedanken erst einmal zur Seite und wandte sich wieder der Rothaarigen zu. „Oder kennst du den?“ Mit einem Kopfnicken wies sie in die Richtung, in der der Papilia verschwunden war. Die Art und der Tonfall, in der die Amazone mit dem kleinen Feenwesen gesprochen hatte, schienen darauf hinzudeuten. Es klang fast so, als hätten die beiden noch eine Rechnung offen gehabt. „Und wer ist diese Cendaria, von der ihr gesprochen habt?“ Irgendwas an dem Namen klang vertraut, aber Storm konnte ihn nicht zuordnen. War das eine Feengöttin? Aber nein, soweit Storm wusste, waren die Papilias Geschöpfe der Göttin der Reinheit … was sie zu etwas anderem brachte, das ihr jetzt erst richtig bewusst wurde. Sowohl Feuerlocke als auch der grünhäutige Papilia hatten nicht sonderlich respektvoll über die Göttin gesprochen. Zwar musste das nicht zwangsläufig etwas zu bedeuten haben, aber es war doch ein interessanter Aspekt, den sie im Hinterkopf behalten sollte. „Nun ja, ich bin jedenfalls kein Druide, der hier Blumen sprießen lassen kann ...“ Vorsichtshalber blickte sie sich um, ob vielleicht hinter einem der immer noch deplatziert wirkenden Bäume ein ebensolcher Druide hervorlugte. Was nicht der Fall war, stattdessen sah Storm wie die Unersättliche mit ihren Tentakeln an dem Namenlosen herumtastete. Die Eismagierin verzog das Gesicht. Sie wollte doch nicht etwa …? Schnell wandte Storm der Blick ab und schaute wieder zu der Amazone. „Was meintest du eigentlich damit – dass ich noch nicht von Namenlosen zerfleischt worden bin? Das sind die ersten Namenlosen, die ich zu Gesicht bekommen habe … und ich hoffe, auch die letzten.“
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Re: Supra Silva

Beitragvon Taira » Montag 25. März 2013, 01:07

Die Menschenfrau schürzte die Lippen und war sehr versucht, dem Schimmelpapilia noch die ein oder andere Nettigkeit hinterher zu rufen. Angefangen davon, dass er offensichtlich keine Ahnung hatte, mit wem er sprach bis hin zu verbalen Entgleisungen, die wohl jedes Gassenkind hätten erröten lassen. Sie ließ es jedoch auch zweierlei Gründen bleiben. Zum einen, war ihr das dämliche Kerlchen ziemlich egal. Man stritt nur mit jemandem, der einem etwas bedeutete. Es wäre also verschossenes Pulver. Ein anderer Grund war der, dass der gemeine Grünling (bei dem Vergleich musste sie wieder kichern), ihr eigentlich in die Hände gespielt hatte. Das Eis war sozusagen gebrochen. Die Eisprinzessin machte den Mund auf und redete mit ihr, als würde sie sie kennen. Unter anderen Umständen wäre ihr das ziemlich auf die Nerven gegangen. Aber die Weißhaarige hatte eine angenehme unaufdringliche Stimme voller Empörung und dazu war sie offensichtlich in der Lage, Konversation zu betreiben. Etwas, dass sie selbst längst abgelegt hatte und zu einem Problem wurde. Zumindest jetzt in dieser Situation, wo sie darauf hoffte, Hilfe von der anderen zu bekommen. Sie war jedoch auf der Hut. Menschen wurden zu Problemen, vor allem dann, wenn sie anhänglich zu werden begannen. Ausnahmsweise kramte sie in ihrem Gedächtnis nach der genauen Bezeichnung für diese Anhänglichkeit. Ja genau. Freundschaft. Igitt!

Die Rothaarige verschränkte lässig die Arme vor der Brust und sah zum ersten Mal weniger verrückt aus, auch wenn sie Storm immer noch intensiv und beinahe aufdringlich betrachtete. Sie hörte jedoch sorgsam zu, unterbrach die Eisprinzessin nicht, sondern hörte sich ihre Worte zu Ende an, sog die Empörung und Enttäuschung darin auf, wie einen Geschmack in ihrem Mund und analysierte ihn. Das dauerte eine Weile. Es kam der Frau eine Ewigkeit vor, als sie das letzte Mal versucht hatte, einen anderen Menschen zu verstehen. Sie bemühte sich sogar darum, die Eisfrau nicht rundheraus auszulachen für die Mischung der Gefühle, die aus ihr sprachen. So als wäre sie entsetzt das es unhöfliche Papilia gab. “Meine Güte, hast du Probleme,“ rutschte es ihr dann jedoch trotzdem heraus. Die Worte waren nicht in einem auffällig unhöflichen oder genervten Ton gesprochen. Es war vielmehr eine Feststellung. Wie konnte jemand über so einen Blödmann nachdenken, wenn es doch viel schlimmere Probleme gab? Die Antwort folgte auf dem Fuße. Sie kannte keine Namenlosen? Fast war die Frau versucht, ihre Frage mit der Höhle zu wiederholen. Aber sie riss sich doch am Riemen. Schließlich wollte sie die Frau nicht verschrecken. Sie war möglicherweise nützlich.

Als die Eisprinzessin mit ihren Worten geendet hatte, schloss die Rothaarige kurz die Augen, um sich Gedanken über die Priorität der Antworten zu machen. Da sie sich jedoch sicher war, dass ihre Prioritäten sicher andere wären als die der Eisprinzessin, entschied sie sich schließlich dafür wieder die Augen zu öffnen und sie an zu schauen. “Also … Papilias sind so verschieden wie die Blumen, aus denen sie geboren werden. Früher einmal waren die meisten sehr freundlich. Aber in letzter Zeit sind sie wohl ziemlich aufgeschreckt, weil die Welt nicht mehr die ist, die sie kennen. Das verändert eben“ Und sie wusste das wohl am besten. Sie griff sich einen der Wasserschläuche um ihre raue Kehle zu befeuchten. Sie war es nicht mehr gewohnt viel an einem Stück zu reden. Außer mit sich selbst. Doch dann knurrte sie die Worte meist nur. Jetzt war von Knurren keine Spur und das Sprechen mit normaler Stimme, mit allen nötigen Auf's und Ab's in der Tonlage, fand sie seltsam anstrengend. “Und nein, den da kenne ich nicht. Ist mir noch nie begegnet. Hab noch nie einen schimmeligen Papilia gesehen. Normalerweise sehen die gesünder aus als der. Vielleicht ist er krank oder irre oder so. Cendaria ist ihre Königin. Deswegen hat er sich wohl auch so aufgeblasen, als ich ihren Namen erwähnt hab.“ Sie hüstelte und musste dann in ein künstliches Husten ausbrechen, damit die Erinnerungen an die Feenkönigin nicht die Oberhand gewinnen konnten. Sie wollte nicht wissen, dass sie ihr bereits zwei Mal begegnet war. Verdammt!

Ärger glomm in ihren Augen auf. Und sie hätte am liebsten was kaputt gemacht, um ihn wieder loszuwerden. Es würde aber wohl ziemlich dämlich aussehen, wenn sie jetzt noch auf einen der Namenlosen eindrosch. Ihr war durchaus klar, dass das nicht gerade vertrauenerweckend wirken würde. “Reiß dich zusammen,“ murmelte sie kaum hörbar vor sich hin und fuhr dann fort als sei nichts gewesen. “Das du kein Druide bist, ist offensichtlich. Denn du bist ja weiblich. Außerdem ist das seine Arbeit, nicht unsere.“ Sie deutete mit dem Daumen in die Richtung in die der Grünling verschwunden war.“Die pflanzen andauernd was und lassen es wachsen. Er ist vermutlich noch jung und hat keine Ahnung, dass wir so was nicht können. Oder er ist dumm.“ Sie zuckte mit den Achseln und versuchte sich wieder an einem Lächeln. Diesmal gelang es ihr etwas besser, auch wenn es ihr selbst seltsam fremd in ihrem Gesicht schien. Vermutlich hatte sie das auch vorher noch nie viel gemacht.

“Was die Namenlosen angeht, so bin ich versucht, dich nochmal zu fragen, aus was für einer Höhle du kommst, dass du nichts von ihnen mitbekommen hast. Aber vermutlich wäre das nicht sehr nett, oder? Also für den Fall, dass du irgendwo ein paar Jahre meditiert hast oder so, hab ja gehört ihr Zauberinnen macht das so, dann hast du wohl einen ganzen Krieg verschlafen. Die Menschheit gibt es nicht mehr. Zûl hat uns fast alle ausgerottet. Du solltest also besser schnell lernen, wie du dich gegen seine Kreaturen behauptest. Magisch hochbegabt zu sein, ist schon mal ein guter Anfang. Die Entweihten reagieren darauf jedenfalls besser als auf Schwerter oder einfache Waffen. Ist ein ziemlich ekelhafter Anblick, wenn dein Schwert in dem Bauch eines solchen Ohadus stecken bleibt und das Fleisch einfach drum rum wächst, kann ich dir sagen. Und dann zieht er es sich einfach wieder raus und macht weiter. Magie dagegen, die mögen sie nicht besonders. Deine Überlebenschancen stehen also alles in allem nicht schlecht, sofern du wachsam bleibst und alles. Meistens riecht und hört man die Namenlosen ja schon zig Fuß gegen den Wind. Ohadus dagegen, wenn du einen siehst, ist es meist schon zu spät für dich. Sie schneiden dir Körperteile ab, die du nicht so dringend zum Leben brauchst. Oder quälen dich damit, dass sie vor deinen Augen zerstören, was dir lieb und teuer ist. Danach nehmen sie sich erst dich vor, bereiten die Schmerzen, die du dir besser nicht ausmalst. Und am Ende töten sie dich erst, wenn du darum flehst und winselst und sie ihren Spaß mit dir gehabt haben. Oder noch schlimmer, sie rammen die den Schlangendolch in die Brust und du wirst genauso untot und seelenlos wie sie, dem Willen eines Größenwahnsinnigen unterworfen. Heutzutage tauchen sie meistens in größeren Grüppchen und in Begleitung von Namenlosen oder Kobolden auf. Wir machen also besser, dass wir hier weg kommen. Die Viecher sind so dumm, dass sie von einem Ohadu gelenkt werden müssen. Wenn diese beiden da nicht gerade seinem Einfluss entkommen sind, werden wir in Kürze ein weiteres unangenehmes Problem haben.“

Ups. Jetzt wo sie erstmal damit angefangen hatte, konnte sie scheinbar nicht wieder mit dem Quatschen aufhören. Wie erbärmlich! Sichtlich verlegen, wandte sie sich von der Eisprinzessin ab und blickte in die Ferne. Überall Berge und wo Berge waren, gab es sicher auch Höhlen. “Vielleicht sollten wir uns eine Höhle oder so suchen, als Unterschlupf für die Nacht. Möglichst mit einem Eingang den man verbarrikadieren kann und der nur einen schmalen Zugang hat. Das steigert unsere Überlebenschancen, weil die Namenlosen sich öfter selbst zerfleischen bei dem Versuch zu erst bei ihrer Beute zu sein und bei einem schmalen Durchgang kommen sie nur nacheinander durch. Was meinst du, he? Wir sollten auf jeden Fall was finden, bevor die Sonne untergegangen ist. Denn dann wird es erst so richtig gefährlich.“ Der Menschenfrau ging nicht im geringsten auf, dass sie der Eisprinzessin möglicherweise gerade den Schock ihres Lebens verpasste. Sie war gedanklich schon dabei, nach so einer Höhle zu suchen und sich für eine halbwegs sichere Nacht dort einzurichten. Nicht das sie vorhatte viel zu schlafen, mit einer Unbekannten im Schlepptau.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Drakan » Montag 25. März 2013, 16:39

Drakan flog wie ein Verrückter, als wäre ein Ohadu hinter ihm her und auf einmal spürte er die Erschöpfung, das Ergebnis seiner Unachtsamkeit. Er ärgerte sich! Über sich selbst, über die beiden Frauen, vor allem die Rothaarige und er ärgerte sich über diese Welt. Wütend ließ er sich auf einen Ast nieder und ärgerte sich auch über die harte Baumrinde unter seinen Füßen. Mit einem sehr lauten Seufzer ließ er sich auf seinen Hintern fallen und war noch erschöpfter. Sich zu ärgern strengte sehr an, das hatte er in den letzten Monaten gelernt, wo er doch dauernd verärgert war. Nichts schien mehr richtig zu sein, in Harmonie mit der Göttin und der Natur. Oh ja, über die Göttin ärgerte er sich auch! Wie hatte sie all das zulassen können? Sie hatten auf die Göttin vertraut und sie war nicht gekommen...

Er versuchte sich abzulenken und blickte sich um, ob vielleicht hier irgendwo ein geeigneter Platz für seinen Samen wäre. Er wollte nicht an die Göttin denken und an den Verlust. Die Gegend war zu unwirtschaftlich, auch kein sehr guter Platz zum Rasten. So dumm diese Menschen auch waren, er hatte einige von ihnen wirklich lieb gewonnen, in der Zeit im Heerlager. Sie stolperten durch ihr Leben und dachten nicht sehr viel über das Morgen nach. Er beneidete sie ein bisschen dafür. Nein, er musste nun weiter fliegen und durfte sich nicht in Erinnerungen verstricken! So toll waren sie auch nicht.

Drakan stand auf und schüttelte seine Flügel aus. Es raschelte leise und ihm gefiel das Geräusch so gut, dass er es wieder tat. Die Zeit heilt alle Wunden, Drakan! Das hatte Cendaria zu ihm gesagt und er war wirklich schon gespannt, ob es so war. Würde er wieder lachen können, wie vor dem Krieg? Späße machen? Gefallen an unwichtigen Dingen finden, so wie das Geräusch des Flügelschlagens? "Vielleicht!", murmelte er leise und hüpfte in den Abgrund, um dann die Flügel auszubreiten und seinen Körper mit einem harten Ruck abzufangen. Bald würde es dunkel werden und dann könnte er die Lichter tanzen lassen.

"Vielleicht!"
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Re: Supra Silva

Beitragvon Storm » Dienstag 26. März 2013, 23:09

Bei dem ersten Satz der Rothaarigen wanderte Storms Augenbraue wieder ein Stück nach oben. Ja, sie hatte in der Tat Probleme! Angefangen mit der Tatsache, dass sie sich irgendwo in einer Art verzauberten Wald befand, in dem Namenlose und Pflanzenwesen herumstreiften bis hin zu ihrer Sorge um Aiwindë und … ja, und zu den Gedanken, die sie bisher lieber verdrängt hatte. Nämlich, wie sie in White Hall empfangen werden würde, wenn sie wieder dort auftauchte. Die zahlreichen Szenarien, die ihre Phantasie in ihrem Kopf entstehen lassen könnte, hatte sie bisher bewusst nicht durchgespielt. Zurückzukommen – diese Situation war neu für sie. Alle anderen Orte, denen sie bisher den Rücken gekehrt hatte, hatte sie endgültig verlassen. Den Hof ihrer Mutter, Patria … Ob gezwungenermaßen oder freiwillig, sie hatte immer gewusst, dass es ein Abschied für immer war. Sie war ein Mensch, der stets den Blick nach vorn richtete, neugierig auf das, was ihr als nächstes über den Weg laufen würde. Sie war niemand, der zurückschaute. Und genau das machte ihr jetzt zu schaffen. Sie kam – spätestens wenn sie wieder in White Hall war – nicht mehr drum herum, sich dem zu stellen, was gewesen war. Und es gab durchaus Personen in White Hall, deren Meinung ihr wichtig war, vor deren Reaktion sie sich fürchtete.

Dennoch unterließ sie es, dies Feuerlocke unter die Nase zu reiben. Sie konnte das alles schließlich nicht wissen, und vermutlich musste es in ihren Augen lächerlich erscheinen, wenn Storm sich enttäuscht über den Charakter eines Papilia zeigte, wenn doch Namenlose das Supra Silva unsicher machten. Tatsächlich wurde die Rothaarige anschließend ein bisschen zugänglicher und begann über die Feenwesen zu sprechen. Ihre Stimme klang rau wie bei jemandem, der lange mit niemandem mehr gesprochen hat. Und zum ersten Mal war Storm sich nicht mehr sicher, ob die Frau vor ihr tatsächlich eine Amazone war. Amazonen waren in den seltensten Fällen allein unterwegs. Im Gegensatz zu den Hexen, die durchaus individualistische Tendenzen aufwiesen, schätzen Amazonen die Gesellschaft ihrer Ordensschwestern und wurden von der Kriegsherrin auch meist in Trupps losgeschickt. Was eine einzelne Amazone so weit weg von Patria tun sollte, war eine Frage, auf die Storm auf die Schnelle keine zufriedenstellende Antwort fand. Und nur, weil die Rothaarige offensichtlich eine weibliche Kämpferin war, hieß das noch lange nicht, dass sie auch eine Amazone sein musste. In White Hall gab es auch sowohl männliche als auch weibliche Gardisten. Und in anderen Teilen Auroraes ebenfalls – bei den Verborgenen zum Beispiel, auch wenn Storm über diese nicht allzu viel wusste.

Jedenfalls wusste Feuerlocke erstaunlich viel über Papilias. Mehr als jeder andere, dem sie bisher begegnet war. Mit der Ausnahme vielleicht von Rogon, aber ehrlich gesagt war Storm nie auf die Idee gekommen, ihm Fragen zu Papilias zu stellen. Als die Rothaarige erklärte, wer Cendaria war, fielen bei Storm einige Puzzleteile an ihren Platz. Ach ja … die Feenkönigin! Sie wusste nicht mehr, in welchem Zusammenhang, aber der Name war auf jeden Fall schon mal gefallen. Bei der Formulierung „schimmliger Papilia“ musste Storm kurz grinsen. Als schimmlig hätte sie das rothaarige Geschöpf jetzt nicht unbedingt bezeichnet. Eher hatte sie angenommen, dass Papilias vielleicht unterschiedliche Hautfarben hatten – es waren ja Wesen, die eng mit der Pflanzenwelt verbunden waren, also war es auch nicht weiter verwunderlich, wenn jemand dabei war, der grünhäutig war. Da Feuerlocke aber so viel über Papilias zu wissen schien, war sich Storm nicht sicher, ob das „schimmlig“ nun abfällig gemeint war oder ob diese Hautfarbe tatsächlich so außergewöhnlich war. Gerne hätte sie das gefragt, ebenso wie ihr zahlreiche weitere Fragen auf der Zunge lagen. Warum weißt du so viel über Papilias? Woher kennst du Papilias? Was meintest du mit: Ihre Welt ist nicht mehr die, die sie kennen? Aber sie stellte keine einzige von ihnen, denn die Rothaarige bekam plötzlich einen Hustenanfall und redete dann weiter. Erst mit sich selbst – allerdings verstand Storm nicht, was sie sagte – und dann wieder mit ihr.

Sie hob kurz die Schultern. „Vielleicht ist er jung. Vielleicht kennt er auch keine Menschen und weiß nichts über deren Magie …“ mutmaßte sie. „Was natürlich kein Grund ist, sich so aufzuführen.“ Ein weiteres Schulterzucken folgte. „Wenn er ein bisschen länger gewartet hätte, hätte ich ihm erklärt, dass man mit Eis keine Blumen zum Leben erwecken kann …“ Allerdings kam Storm nicht dazu, das Thema weiter zu erörtern, denn Feuerlocke hub nun in sehr ausführlicher Weise an, ihre Frage zu den Namenlosen zu beantworten. Der Anfang entlockte Storm noch ein leichtes Lächeln, weil sie nun endlich den Kommentar mit der Höhle einordnen konnte, aber alles was darauf folgte, ließ ihre Augen größer und größer werden. Ihre Gesichtszüge hingegen erstarrten zu regungslosen Maske, während sie nichts weiter tun konnte, als die Kämpferin stumm anzustarren. Einen ganzen Krieg verschlafen … Die Menschheit gibt es nicht mehr … Zûl hat uns fast alle ausgerottet … Ist ein ziemlich ekelhafter Anblick, wenn dein Schwert im Bauch eines solchen Ohadus stecken bleibt … sie rammen dir den Schlangendolch in die Brust und du wirst genauso untot und seelenlos wie sie … Die Sätze rasten durch Storms Verstand und dieser versuchte, nach ihnen zu greifen, ihnen einen Sinn abzugewinnen. Vergeblich. Die ohnehin schon blasse Storm wurde noch eine Nuance bleicher und glich damit beinahe einem Gespenst. Ihre Lippen waren – im Gegensatz zu sonst – ebenfalls farblos und ihre Augen drückten aufrichtiges pures Entsetzen aus. Hätte Storm zum dem Typ Frau gehört, der in Ohnmacht fiel, wäre jetzt wohl der richtige Zeitpunkt dafür gewesen. Aber sie war es nicht, also ballte sie stattdessen ihre Hände zu Fäusten, damit der Schmerz, den ihre Fingernägel verursachten, sie wieder zur Besinnung brachte.

Sie hatte wohl mitbekommen, dass die Frau schon wieder bei einem anderen Thema war, aber sie war nicht bereit, sich jetzt damit auseinanderzusetzen. „Wa…was …?“ Ihre Stimme klang fast brüchig und unsicherer als ihr selbst lieb war. „Was soll … das heißen …“ Neuer Versuch: „Was soll das heißen, Zûl hat uns alle ausgerottet? … Wie … ist das möglich? Und was heißt überhaupt ALLE? Überall? Im ganzen Land? Woher weißt du das? Ich meine, wirklich ALLE??“ Storm musste an White Hall denken. An Rogon. Rogon musste so etwas doch gewusst haben? Zumindest geahnt haben, irgendwie gespürt. Oder? „Auch die entlegensten Winkel? Wie kann das sein, ich war doch gerade mal ein paar Monde weg!“ Wieviel Zeit genau vergangen war, wusste sie nicht. Aber bestimmt nicht mehr als ein Jahr!

Storm starrte die Rothaarige fassungslos an.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Taira » Mittwoch 27. März 2013, 13:07

Die Menschenfrau verschränkte die Arme vor der Brust und wartete. Im Warten war sie manchmal gut und an anderen Tagen war sie ziemlich ungeduldig. Heute war es wohl eine Mischung aus beidem. Sie fragte sich, ob die Eisprinzessin etwas langsam im Kopf war, weil sie so seltsame Halbsätze von sich gab. Noch dazu zu einer Sache, die die Kriegerin in ihrem Kopf längst abgehakt hatte. Zu dem Papilia war ja alles gesagt worden, was es dazu zu sagen gab. Es brachte nichts, sich den Kopf über den Spinner zu zerbrechen. Warum die Eisprinzessin es doch tat? Sie hatte nicht die geringste Ahnung! Es war doch total egal, warum er war wie er war. Er war ein nerviges kleines Ekelpaket und fertig. “Es hätte nichts gebracht mit ihm zu reden. Sie verstehen im Grunde nicht wie wir Menschen ticken, ebenso wenig wie wir kapieren, wie sie ticken. In der einen Minute sind sie nett, in der nächsten nerven sie. Ende der Geschichte.“ Sie verdeutlichte ihre Meinung, in dem sie wieder ausspuckte und einen starren Blick aufsetzte.

Noch während sie das sagte, passierte etwas merkwürdiges mit der Weißhaarigen. Ihre Augen wurden beinahe so groß wie die von Fischen, wenn man sie zu schnell aus tiefen Wassern hochzog. Sie bekam richtige Glupschaugen. Der Rest von ihr erstarrte wie eine Statue. Die Kriegerin kratzte sich am Kopf und wunderte sich darüber, was das wohl zu bedeuten hatte. War der vielleicht kalt? Besonders viel hatte sie ja nicht an. Oder hatte sie sich verschluckt? Oder dachten die Leute aus ihrer Höhle, das wäre höflich? Es verwirrte die Menschenfrau. Sie war nicht mehr besonders gut darin, die Mimik anderer zu deuten. Vor allem so komische. Oh Himmel! Jetzt wurde sie ja noch weißer als ohnehin schon. Ein Wunder, dass das überhaupt ging! Die Kriegerin trat nervös von einem Fuß auf den anderen. Hatte sie vielleicht eine ansteckende Krankheit oder irgendeinen Anfall oder so? Sie sah gedanklich schon ihre Felle davon schwimmen. So viel also zum Thema Hilfe! Na das war ja eine Zeitverschwendung gewesen, wenn das Töten der Namenlosen jedoch immerhin ganz nett gewesen war.

Dann fing die Eisprinzessin an zu stammeln wie eine Irre. Hm, da war wohl mehr als ein Schräubchen im Oberstübchen locker, vermutete die Kriegerin. Die Fragen ergaben für sie wenig Sinn. Man, das wusste doch wirklich jeder, was passiert war! Und sie hatte es doch auch nochmal gesagt. Und dann dieses : Alle?! Die Frau verdrehte die Augen und griff ungeduldig nach der Hand der Eisprinzessin. Deren Haut war wesentlich weicher als ihre, kühl und weich wie Seide. “Quatsch. Nicht alle. Wie du siehst, leben du und ich zumindest noch. Und ich will, dass das auch so bleibt. Komm jetzt. Wir müssen hier weg!“ Mehr oder weniger gegen den Willen der Eisprinzessin wurde diese einfach hinter der Kriegerin hergezogen, bis sie sich von den Namenlosen, von dem Hain entfernt hatten. Hinter einem großen Fels, der sie beide von einer Seite verdeckte, blieb die Rothaarige schließlich stehen. Verspätet hatten sich andere Worte der Eisprinzessin durch ihren Verstand gewunden und waren endlich da angekommen, wo sie ihr auffielen “Was heißt das, du warst weg? Sag jetzt nicht du warst wirklich über ein Jahr meditieren und hast nicht mitgekriegt, was hier draußen vor sich gegangen ist?“ Erstaunt und verwundert zugleich, sah sie die Eisprinzessin an und ließ deren Hand endlich wieder los. “Okay, nochmal langsam. Sie kamen von Süden und haben Patria und Maryenhain überrannt, ebenso wie das Heerlager. Alles südlich von hier wird von ihnen beherrscht. Hab gehört, ein paar von uns haben es geschafft und sind Richtung Norden und Westen geflohen. Bis jetzt sieht die Gegend hier auch noch nicht so überrannt aus wie der Rest vom Land. Kann also sein, dass du nicht die einzige Überlebende hier in dem Gebiet bist.“ Das wollte die Kriegerin auch schwer hoffen. Schließlich suchte sie ja nach einer bestimmten Gruppe Menschen für die das Supra Silva ein Zuhause war. Sie würgte unterdrückt, als sich eine Ahnung dessen, warum sie hier war, sich gewalttätig ihrer bemächtigte. Es dröhnte gewaltigt in ihrem Kopf, so als wolle er zerbersten. Mit schmerzverzerrten Gesicht fuhren ihre Hände an die Seiten ihres Kopfes. Verdammt! Sie hatte noch nicht vor, sich daran zu erinnern. Dieses Tor würde zum Zûl noch eins geschlossen bleiben, bis es nicht anders ging! Sie wimmerte leise und eine einzelne Träne stahl sich aus ihren Augen, kullerte an ihrer Wange herab und fiel auf das frostige Gras.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Storm » Freitag 29. März 2013, 17:08

Storm stand dermaßen unter Schock, dass sie sich nicht wehrte, als die Rothaarige ihre Hand ergriff und sie hinter sich herzog. Mechanisch setzte sie einen Fuß vor den anderen, ohne wirklich wahrzunehmen, wohin sie lief. Ihr Verstand war immer noch damit beschäftigt, das zu verarbeiten, was die Kriegerin ihr erzählt hatte. Sie konnte es einfach nicht fassen – die Welt war auf den Kopf gestellt worden und sie hatte nichts davon mitbekommen! Wie war das möglich? Gut, sie war nicht in Aurorae gewesen, aber … sie hätte es doch irgendwie … spüren müssen! Oder zumindest etwas davon hören. Andererseits – so erstaunlich war es nun auch wieder nicht, dass nichts von den Ereignissen an ihre Ohren gedrungen war. In Usill wusste niemand etwas über Aurorae. Zumindest nichts, was irgendwie Hand und Fuß hätte. Zwar kannten alle den Krater, der sich in der Mitte des Landes befand, aber die Leute, mit denen sie gesprochen hatte, glaubten entweder, dass dieser die Brutstätte der Eisdrachen war oder dass dort allgemein etwas Böses lauerte, das man besser in Ruhe ließ. Ein humorloses Lächeln huschte über Storms Gesicht … es war irgendwie ironisch, dass die Gruselgeschichten aus Usill nun zur Realität geworden sein sollten!

Erst als Feuerlocke sie ansprach, bemerkte Storm, dass sie stehengeblieben waren. Sie waren nicht mehr in dem Zauberwald, sondern standen neben einem Felsblock, der die Sicht auf die Bäume verdeckte. Storm war nicht undankbar darum. Dieser Waldwuchs war ihr nicht geheuer gewesen – schon gar nicht um diese Jahreszeit und mitten im Gebirge. Sie zwang sich, ihre Aufmerksamkeit auf ihr rothaariges Gegenüber zu richten. Es brachte nichts, sich mit Kleinigkeiten ablenken zu wollen oder sich Horrorszenarien auszumalen, was wohl mit den Bewohnern White Halls oder ihren Freunden und Bekannten aus Patria passiert war. Ersteres war nur eine Vermeidungstaktik, die zu nichts führte, und letzteres brachte sie keinen Schritt weiter, sondern würde sie in sinnloser Panik erstarren lassen. Und damit würde sie niemandem helfen können. Feuerlocke hatte gesagt, dass einige überlebt hatten. Vielleicht waren auch Leute darunter, die sie kannte. Rogon hatte den Vorteil, seinen ehemaligen Meister zu kennen. Er wusste doch bestimmt, wie er sich gegen ihn zur Wehr setzen konnte! Und die Patrianerinnen hatten schon so viele Kriege ausgefochten … irgendwie … Nein, nicht drüber nachdenken! Das brachte sie einfach nicht weiter.

Zu Feuerlocke sagte sie: „Ich habe nicht meditiert. Ich hatte das Land verlassen … ich wollte sehen, was jenseits des großen Gebirges ist. Und in Usill – so heißt das Land auf der anderen Seite – kannten alle nur Schauermärchen über 'den Krater', wie sie Aurorae immer genannt haben. Keiner hätte mir sagen können, was hier passiert ist ...“ Storm war klar, dass die Kriegerin ihre beste Option war, etwas über die Ereignisse herauszufinden, die sich in ihrer Abwesenheit zugetragen hatten. „Diese beiden Namenlosen sind die ersten, denen ich bisher begegnet bin. Auf dem Weg von den Bergspitzen bis hierhin habe ich keine anderen Kreaturen Zûls zu Gesicht bekommen …“ machte sie sich deshalb daran, ihre bisherigen Beobachtungen nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland zu teilen. Die Rothaarige schien einen guten Überblick zu haben, ihren bisherigen Worten und auch der Art und Weise, wie sie mit den Namenlosen umgesprungen war, nach zu urteilen, hatte sie in den Schlachten mitgekämpft. „Vielleicht sollten wir versuchen, noch andere Menschen zu fin...“ Der Satz blieb ihr im Hals stecken, als sie sah, dass Feuerlocke sich an den Kopf griff und anfing, wimmernde Geräusche von sich zu geben. Eine einzelne Träne löste sich aus ihrem Augenwinkel und lief die Wange hinab gen Boden. Storm starrte sie an. Es begann ihr zu dämmern, dass dieses erratische, seltsame Verhalten der Kriegerin nicht – oder zumindest nicht exklusiv – in ihrer Persönlichkeit zu suchen war. Wenn sie tatsächlich in diesem Krieg mitgefochten hatte, mochte sie Dinge zu Gesicht bekommen haben, die Storm sich noch nicht mal im Traum vorstellen konnte.

„Ich weiß nicht, wie es in den anderen Teilen des Landes aussieht, aber hier wirkt alles noch relativ unberührt. Und der Papilia … zwar weiß ich nicht so viel über Papilias wie du, aber sie scheinen mir das genaue Gegenteil von Zûls Geschöpfen zu sein. Möglicherweise bedeutet seine Anwesenheit, dass das Supra Silva noch nicht dominiert wird.“ Storm hatte nicht die geringste Ahnung, ob ihre Worte irgendein Fünkchen Wahrheit enthielten. Aber sie wollte Feuerlocke aufheitern, ihr ein bisschen Mut zusprechen. Zwar war sie selbst immer noch geschockt von den Neuigkeiten, aber sie konnte sich nur ansatzweise ausmalen, wie es sein musste, das alles am eigenen Leib miterlebt zu haben. Storm klopfte mit der flachen Hand auf ihre Tasche. „Ich habe eine Karte von Aurorae. Vielleicht hilft die uns weiter.“ Anschließend griff sie vorsichtig nach der Hand der Kriegerin und begann nun ihrerseits, diese hinter sich herzuziehen. „Du wolltest eine Höhle suchen bevor es dunkel wird. Wenn wir wieder ein Stück nach Westen gehen, sollten wir etwas finden, dort ist es gebirgiger. Jedenfalls ist die Wahrscheinlichkeit, dort eine Höhle zu finden, höher als in dem Zauberwald da vorne.“ Mit der anderen Hand wies sie grob in Richtung des unnatürlichen Baumwuchses.
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Re: Supra Silva

Beitragvon Drakan » Freitag 29. März 2013, 19:27

Es dauerte nicht mehr lange und Drakan musste für diesen Tag aufgeben. Er musste sich einfach ausruhen. Es war unvernüftig von ihm gewesen so schnell und voller Wut zu fliegen, dadurch hatte er keine Strecke gut gemacht! Aber so schlimm war es nicht, schon bald würde sich der Tag dem Ende zuneigen. Die Sonne stand schon sehr tief und würde bald hinter den Zähnen - wie Drakan das Gebirge gern nannte - verschwinden. Mit sehnsüchtiges Blick sah er zur Sonne, während er ein wenig von dem Nektar aß, den er als Proviant dabei hatte. Bald würde es hoffentlich neuen Nektar geben, wenn sie diesen kleinen Kriegszug gewannen. Er schüttelte den Kopf. Wie weit war es gekommen, dass er schon so dachte? Nektar und Krieg. Das war nicht richtig. Nicht alles in seinem Leben war Krieg! Nicht jede Tat stand mit dem Krieg in Verbindung. Das Setzen der Samen, hatte überhaupt nichts mit Krieg zu tun. Es war ein Zeichen des Lebens, des Wachstums und der Zukunft. Er musste sich nach vorne orientieren. So lag die Sache!

Ein Gedanken kam ihm in den Kopf wie eine leichte Feder, die langsam auf die Erde fiel. Ihm war, als könnte er sie vor sich sehen. Ganz langsam, ohne Geräusch, hin- und herwippend... Ihm war so schwer ums Herz und er wusste nicht, ob er es schaffte! Seit dem Krieg hatte er kein Licht mehr tanzen sehen. Doch vielleicht war es genau das, was sie alle nun brauchten, ein bisschen Normalität. Und wer sollte damit beginnen, wenn nicht man selbst?

Drakan verstaute seinen Nektar sorgfältig, stand auf und spreizte die Flügel. Er wärmte sich auf, denn es war anstrengend und er war schon sehr erschöpft. Er dehnte die Beine, schwang die Arme, rollte den Kopf auf dem Hals und drehte sich in der Hüfte. Dann kamen die Flügel an die Reihe. Er putze sie und bewegte sie in alle Richtungen. Nun war er soweit. Die Sonne wurde gerade von den Zähnen verschluckt und es wurde dunkel.

Ein einzelnes kleines Licht erschien zwischen den Bäumen und eine glockenhelle Stimme klang durch den Wald:

"Nimm mich, du Gütige,
still an dein Herz!
Kühle, du Mächtige,
sanft meinen Schmerz!
Sieh nur, ich trage
so müde mein Los —
gib mir die Ruhe
in deinem Schoß!
Mutter Natur,
erbarme dich mein,
wiege zum ewigen
Schlummer mich ein!"


____________________________
Gedicht von Mathilde von Bayern
____________________________
Weiter im Verbotenen Tal
Zuletzt geändert von Drakan am Sonntag 7. April 2013, 19:43, insgesamt 1-mal geändert.
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