Maryenhain [Wald der Lichter]

Tauche ein in die Welt von Aurorae!

Maryenhain [Wald der Lichter]

Beitragvon Der Schreiber » Samstag 9. Februar 2013, 10:42

Wichtige Information: Maryenhain wurde von den Namenlosen verwüstet und es ist nicht mehr viel davon übrig.

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Äußere Stadt

1. Haus der Schutzbefohlenen
2. Krankenstation
3. Tempel der Göttin
4. Tempel der Elemente
5. Tempel des Waldes
6. Taverne
7. Tempel der Macht
8. Marktplatz und Händler
9. Wachtürme
10. Stadttor
11. Eingang zu d. Katakomben
12. Schmiede des Goron

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Innere Stadt
1. Ebene


1. Fluss des Lebens & Rundgänge
2. Symphonies Gemächer
3. Dalias Gemächer
4. Räume zur Entspannung
5. Heiße Quellen
6. Goldmine
7. Brunnen & Holzraum
8. Trainingsräume der Kriegerinnen
9. Vorratsraum
10. Gefängnis

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2. Ebene

11. Kräuterraum
12. Wohnräume der Zauberinnen
13. Gemeinschaftsraum d. Zauberinnen
14. Wohnräume der Annuyiaeé
15. Versammlungshalle
16. Bibliothek
17. Studierzimmer
18. Schule
19. Wohnräume der Geweihten
20. Gemeinschaftsraum d. Geweihten

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3. Ebene

21. Eingang
22. leer
23. Wohnräume d. Verborgenen
24. leer
25. leer
26. Gemeinschaftsraum
27. Ordensspeisung
28. Wachraum
29. Wohnräume der Krieger/innen

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4. Ebene

steht komplett leer
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Re: Maryenhain [Wald der Lichter]

Beitragvon Kyra » Montag 18. März 2013, 20:37

Klick klick. Die Holzperle hüpfte über den Stein. Klick. Klick klick. Klick. Es war ein schöne Perle: dunkelrot bemalt und mit einem Muster versehen. Vermutlich hatte sie mal einem Kleidungsstück als Zierde gedient. Klick. Die Perle rollte aus. Wusch! Und wurde von einem Flammenstrahl verschlungen. Kyra sah dabei zu, wie das Holz sich in Asche verwandelte. Ein wenig tat es ihr leid um die Perle. Um die einfache Schönheit, die sie repräsentiert hatte. Um die Stunden, die ihr Erschaffer damit zugebracht hatte, sie zu dem zu machen, was sie ist … war. Andererseits war ihr Schicksal irgendwie sinnbildlich für das Schicksal dieses Landes. Schutt und Asche. Aurorae war nichts weiter als Schutt und Asche.

Kyra stand auf. Und legte den Kopf schief um zu lauschen. Das war eine Vorsichtsmaßnahme, die sie sich antrainiert hatte, denn zumindest die Namenlosen und die Kobolde waren nicht für ihre Subtilität bekannt. Meist hörte man sie lange bevor man sie zu Gesicht bekam. Und auch die Ohadus waren mittlerweile weit weniger vorsichtig. Sie hatten es einfach nicht mehr nötig, vorsichtig zu sein. Immerhin waren sie nun die Herrscher dieses Landes. Nachdem alles still blieb, bewegte sich Kyra in Richtung Wasserlauf. Auf dem Weg blickte sie immer wieder nach oben und suchte die Rundgänge ab. Sie wusste, dass dort niemand war, aber es war ein weiterer Reflex, den sie sich nicht abgewöhnen konnte. Besser einmal zu viel gucken als einmal zu wenig.

Am Bach angekommen, kniete sie sich hin und ließ das kühle Nass in ihre zur Schüssel geformten Hände laufen. In kleinen Schlucken trank sie, holte sich noch eine zweite Ration und füllte dann ihre Trinkflasche auf, die sich immer noch in ihrem Besitz befand. Danach befüllte sie eine Schüssel, die sie aus einem der Wohntrakte oben geholt hatte. Sie könnte sich auch hier am Fluss waschen, aber dazu war sie dann doch zu paranoid. Zwar im Moment niemand hier, aber das hieß noch lange nicht, dass das so bleiben musste. Maryenhain war immerhin mal eine Hauptsiedlung der Menschen gewesen – und die Vermutung lag nahe, dass die Ohadus immer mal wieder vorbeikommen und prüfen würden, ob noch jemand hier war. Oder wieder. Kyra hatte bisher einfach Glück gehabt, dass ihr Aufenthalt bisher unbemerkt geblieben war. Sie würde allerdings nicht mehr lange bleiben können. Sie musste fort.

Die Zauberin spürte, wie sich ein Knoten in ihrem Magen bildete. Sie wollte nicht fort. Abgesehen davon, dass sie nicht wusste, wohin, war Maryenhain immer noch ihre Heimat. Auch wenn es nach der sinnlosen Zerstörung durch Zûls Armee noch nicht mal mehr ein Schatten seiner selbst war, war es doch etwas Vertrautes. Eigentlich das einzige Vertraute, das ihr noch geblieben war. Kyra tauchte ihre Hände in die Waschschüssel und spritzte sich einen Schwall Wasser ins Gesicht. Leider brachte der unsanfte Kontakt mit dem kühlen Nass nicht das gewünschte Ergebnis. Der Knoten in ihrem Magen blieb ebenso wie das unangenehme Pochen in ihrem Hinterkopf, das sich oft einstellte, wenn sie über Themen nachdachte, an die sie eigentlich nicht denken wollte. Sie zwang sich, ruhig und mechanisch die Bewegungen auszuführen, die notwendig waren, um sich ihrer Kleider zu entledigen, sich zu waschen und wieder anzuziehen. Das Alltägliche der Aktion wirkte seltsam deplatziert, aber auch beruhigend. Das Pochen im Hinterkopf ließ langsam nach und der Knoten im Magen begann sich ansatzweise aufzulösen. Doch ganz verschwand er nicht … und auch ihre Hände waren eiskalt. Und das hatte nichts mit der Kälte des Wassers zu tun.
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Re: Maryenhain [Wald der Lichter]

Beitragvon Kyra » Montag 18. März 2013, 20:43

Die Tage vergingen. Sie reihten sich aneinander wie Perlen an einer Schnur. Allerdings war es keine sonderlich schöne Perlenkette, die dabei herauskam. Denn die Tage waren trist und grau. So wie Kyras ganzes Leben. Eigentlich war es kein Leben, was sie zurzeit führte, es war eher ein simples Existieren. Sie konzentrierte sich lediglich auf die alltäglichen Dinge, die sie tun musste, um weiter zu existieren. Sie schlief. Sie trank Wasser aus dem Flusslauf. Sie wusch sich. Sie aß Dinge aus der kleinen Vorratskammer, die sie sich angelegt hatte. Sie streifte durch die Geisterstadt, die einmal die Katakomben und Maryenhain gewesen waren, immer auf der Suche nach Nahrung oder anderen Dingen, die ihr das Dasein erleichtern würden. Sie wurde sogar fündig, denn glücklicherweise interessierten sich Ohadus nicht für Nahrung. Ebenso wenig wie die Namenlosen. Die fraßen nur Beute … was zwangsläufig etwas sein musste, das vor ihnen davonlief. Nur die Kobolde hatten ein wenig geplündert, aber wie in vielen Dingen, die sie taten, waren sie auch hier nicht sehr ausdauernd. Die neuen selbsternannten Herrscher hatten zwar Freude daran gehabt, möglichst viel kaputt zu machen, aber irgendwann war es ihnen wohl langweilig geworden, weil sich Häuser, Möbel, Gebrauchsgegenstände und Lebensmittel sich nicht wehrten. Weil sie nicht weinten, nicht um Gnade flehten, sich nicht vor Schmerzen auf dem Boden wanden.

Aber Kyra wusste auch, dass sie nur noch Reste gefunden hatte. Irgendwann würde alles zur Neige gehen. Vor allem würde sie irgendwann Gesellschaft bekommen – und das voraussichtlich nicht von jemandem, den sie zu sehen wünschte. Einige Male hatte sie schon darüber nachgedacht, es einfach drauf ankommen zu lassen. Hierzubleiben, bis sie gefunden wurde. Ihr Wille, weiterzumachen, war sehr schwach. Jemina war tot. Viele ihrer Ordensschwestern und Lehrmeisterinnen waren tot. Ihr Vater war … tot. Und alle anderen, die sie kannte und die ihr etwas bedeuteten, vermutlich auch. Zumindest wusste sie nicht, wo sie waren. Sie wusste noch nicht einmal, wo sie hingegangen sein könnten. Also wusste sie auch nicht, wo sie nach ihnen suchen sollte, um herauszufinden, ob sie noch lebten oder nicht. Sie wusste eigentlich gar nichts mehr. Die Einsamkeit, die das Gewicht eines tonnenschweren Gebirges hatte, drohte ihr Herz zu erdrücken. Der Gedanke, sich einfach hinzusetzen und auf das Ende zu warten, hatte durchaus etwas Verlockendes … ebenso, wie das Ende in ihrer Heimatstadt zu finden.

Was sie letztendlich daran hinderte, einfach aufzugeben und schicksalsergeben auf die Zerstörer Auroraes zu warten, war neben der minimalen Hoffnung, dass zum Beispiel ihre Schwester Ilana noch leben könnte, die Angst, verwandelt zu werden. Es gab schlimmere Dinge als den Tod. Dies war ihr Antrieb, ihre Tasche zu packen: Mit Vorräten, Ess-Utensilien, Kräutern und Salben, einem mit schönen Zeichnungen versehenen Märchen- und Legendenbuch, aus dem sie Ilana immer vorgelesen hatte, einer Schlafrolle, einer Lampe, einem Messer, einer Landeskarte, Federn und Tinte, Pergament, ihrem Wasserschlauch und Ersatzkleidung. Und einer zerbrochenen Puppe, die Ilana gehört hatte. Die sie aus dem Haus ihrer Familie geholt hatte … damals, als sie nach der Zerstörung Maryenhains das erste und einzige Mal dorthin gegangen war. Kyra unterdrückte die Erinnerung daran, ehe sich die Bilder und die damit verknüpften Emotionen an die Oberfläche ihres Bewusstseins drängen konnten. Stattdessen drehte sie dem kleinen Fluss, der ihr in den letzten Tagen ein treuer Begleiter gewesen war, einfach den Rücken zu. Sie verabschiedete sich nicht, sie schaute auch nicht zurück.

Sie drehte sich einfach um und ging.
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