Pass Emen

Tauche ein in die Welt von Aurorae!

Pass Emen

Beitragvon Der Schreiber » Freitag 25. Januar 2013, 17:35

Bild

Der Pass Emen wurde zu Zeiten des alten Königreiches schwer bewacht, da er den unmittelbaren Eingang nach Aurorae bildet. Heute allerdings ist es eine längst vergessene Strasse, die ins Nirgendwo führt. An seinen Seiten sind heute noch alte Ruinen von Passstationen und Zollhäusern zu finden.

1. Grenzfestung

Die Grenzfestung ist in die Graue Mauer (wie man sie früher nannte) hinein gebaut. Hier nächtigten und trainierten die Grenzwachen. Es war einst eine stolze Feste, die sich sehen lassen konnte. Doch heute sind die Mauern bröckelig und marode.

2. Passstation

Niemand der den Pass Emen betrat kam an der Paßstation vorbei. Fremde mussten sich ausweisen und erklären wohin sie wollten. Führten sie Waren mit sich, schickte man sie gleich weiter zum Zollhaus, dort mussten sie Steuern zahlen.

3. Zollhaus

Im Zollhaus wurden die Waren begutachtet und je nach Wert ein Zoll erhoben. Erst wenn der Zoll geleistet wurde, durften die Händler in die Königsschlucht.

4. Emenfeste

Eine der reichsten Burgen war die Ernenfeste. Durch die hohen Zölle konnte man sich hier Luxus leisten. Auf der Ernenfeste wurden jedes Jahr rauschende Feste abgehalten und die Könige präsentierten sich hier dem Volk. In der Ernenfeste traf man sich auch mit anderen hohen Persönlichkeiten. Sogar noch heute kann man den einstigen Prunk erahnen, wenn man die riesige Feste betritt.

5. Verwunschene Mauer

Im Norden trifft man auf die letzte Mauer, die verwunschene Mauer, dem letzten Bollwerk, das dem Schutz diente.

6. Umschlagplatz

Eigentlich sieht es aus wie ein ganz normales Haus, doch der Schein trügt, denn sein wahres Gesicht präsentiert das Haus in seinem Keller. Denn dort befindet sich der Umschlagplatz der Streuner. Gestohlene Güter werden hier verkauft, gekauft oder weitergeleitet.

7. Sonnentempel

Zu Ehren der Göttin erbaut, als der Pass seine Hochzeiten hatte. Mittlerweile stehen nur noch die Außenmauern und das Blattgold wurde von den Säulen gekratzt.

8. Banditenlager

Hier hat eine Horde Banditen ihr Lager, nicht selten überfallen sie die Streuner, die hier durch ziehen um ihr Diebesgut zu verkaufen.
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Re: Pass Emen

Beitragvon Freismer » Dienstag 29. Januar 2013, 10:09

Das Schlimmste was er im Moment tun konnte, war schlafen. Die Bilder der Schlachten verfolgten ihn. Zimperlich war er ganz bestimmt nicht, er hatte in seinem Leben schon viel gesehen, bei den alten Falken auch sehr viel Blut und auch Ungerechtigkeiten, aber das Gemetzel der vergangenen Monate, einfach unbeschreiblich. Die Ohadus hatten Spaß am töten, sie ließen sich Zeit. Manchmal nahmen sie die schwer Verletzten sogar mit. Freismer hatte schon eine dunkle Vermutung wozu! Die Namenlosen waren hungrig. Es lief ihm kalt den Rücken hinunter. Doch das Schlimmste war, wenn die eigenen Freunde angriffen, weil die Ohadus sie übernommen hatten. Er hatte einige gesehen, die gegen sie kämpften, er selbst hatte versucht sie abzuwehren und wenn möglich zog er sich zurück. Er würde niemals gegen seine Leute die Waffe erheben. Dieser Krieg hatte nichts mit Ehre, Mut und Anstand zu tun. Aber gab es überhaupt einen Krieg, der ehrhaft, mutig oder anständig war? Nein, ganz bestimmt nicht. Jeder Krieg war schmutzig und niederträchtig. In jedem Krieg gab es Verrat und man musste einfach das Leben der Freunde und sein eigenes beschützen. Er konnte nur hoffen, dass er nie nie wieder so etwas miterleben musste. Er wusste nicht wie es weiter gehen sollte. So viele des Konzils waren gestorben und auch zuletzt Symphonie. Viel Hoffnung hatte er nicht! Alles war voller Ohadus. Wahrscheinlich würde es damit enden, dass sie die Menschen, Zwerge und Papilias auslöschten. Ja und der Tag würde kommen, an dem auch er sterben würde.
Ayla. Er hatte sie nicht mehr gesehen. Sie war einfach wie vom Erdboden verschluckt. Bis vor einem Jahr hatte er sich noch gewünscht sie wiederzusehen, doch heute wünschte er nur noch, dass sie friedlich vor dem Krieg gestorben war. Es war sein einziger Trost, dass sie all dieses Elend nicht miterlebt hatte. Sie war so eine zierliche, mitfühlende Frau. Niemals sollte ein solcher Mensch so ein Elend sehen. Seine Brust zog sich zusammen und das machte ihn wütend. Es gab rein gar nichts mehr zu verlieren und doch vermisste er sie, dachte an sie, schöpfte Kraft aus der immer noch vorhandenen Liebe. Doch Kraft für was? Ehrenvoll zu sterben, bis zur letzten Sekunde zu kämpfen? Nun ja, wenn es so sein sollte!

Freismer hatte es sich in einem alten Banditenlager „gemütlich“ gemacht. Es lag abseits genug, um zu hoffen, dass so bald keine Ohadus kamen. Und er wusste einfach nicht wohin. Er musste sich erst sammeln, bevor er wieder aufbrach.
Symphonie und er hielten es für die einzige Möglichkeit mit den letzten Überlebenden in die Zwergenhöhlen zu gehen, nachdem Zûls Armeen sie eingekesselt hatten. Sie konnten nicht nach Süden und nicht nach Norden, so blieb nur der Osten. Sie waren vielleicht hundert Mann.
Doch die Ohadus wussten von ihnen, sie hetzten sie, wie Wild. Immer mehr starben. Als sie die Zwergenhöhlen endlich erreicht hatten, waren sie nur noch die Hälfte und dann starb die letzte Hoffnung, die Eingänge der Zwergenhöhlen waren verschüttet. Also war Zûl auch schon hier gewesen.
Verzweiflung kam über sie. Frauen brachen weinend zusammen, Männer standen fassungslos dort. Es war ein Moment, in dem die Zeit stehen blieb. Was nun? Was sollte aus ihnen werden? In Symphonies Augen sah er zum ersten Mal seit diesem Krieg keine Hoffnung mehr. Es war dort zu Ende. Und so sollte es auch kommen. Einen Tagesmarsch von den Höhlen entfernt, wurden sie von einer Horde Ohadus und Namenlosen überrascht. Es war ein Gemetzel. Sie waren bereit zu sterben. Die Gegenwehr war eher verhalten.

Er konnte sich nur noch an einen dumpfen Schlag erinnern und dann an die Schmerzen im Kopf, als er erwachte. Er lag mitten im Schlachtfeld unter den Resten von Toten. Der Gestank war so stark, dass er sich übergeben musste. Er musste weg und das tat er auch. Wie in Trance ging er weiter und weiter, einfach irgendwo hin und nun war er hier im Pass Emen, in diesem ehemaligen Lager. Er hatte sich in eine Hütte verkrochen und seine Wunden geleckt.
Der Mensch war seltsam. Der Mensch konnte sich einfach nicht mit dem Schicksal abfinden, er kämpfte selbst dann noch um sein Leben, wenn es keine Zukunft gab. Wirklich äußerst dämlich.
Wenn zwei Falken auf einem Baum sitzen und ein Schwarm Wildenten fliegt vorbei, dann sagt auch nicht ein Falke zum andern: "Schau, da fliegt die Mehrheit, das muss der richtige Weg sein, schließen wir uns an!" Sie werden weiterhin als Falken dem Weg der Falken folgen.

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Re: Pass Emen

Beitragvon Freismer » Freitag 1. Februar 2013, 20:33

Es war Mittag und die Sonne zeigte sich schon wieder. Freismer empfand das Licht als Hohn, als wollte die Göttin sich über ihn lustig machen. Er war verbittert und empfand wohl alles als Hohn. Freismer durchsuchte einen Haufen von Gerümpel, der aussah als wäre er eilig zusammen getragen worden. Vielleicht mussten die Bewohner des Lagers Hals über Kopf flüchten. Er fand in dem Haufen ein wenig Kleidung, die er in seinem Rucksack verschwinden ließ. Einen Topf band er ebenfalls an den Rucksack, sowie einen Trinkschlauch, den er gebrauchen könnte, wenn seiner kaputt ging.

Die ganze darauffolgende Nacht schlief er nicht und fand genügend Zeit zum Nachdenken. Er war noch nicht bereit aufzugeben. Vielleicht lag ein Sinn in seinem Überleben. Er verstand zwar nicht die Wege der Göttin, die Symphonie sterben ließ und ihn leben, aber das musste er auch nicht. Er musste einfach wieder lernen in sie Vertrauen zu haben. Bestimmt gab es nicht mehr viele, die zur Göttin beteten und es war einsam für sie geworden. So wie er aus den Gebeten Kraft schöpfte, so würde auch sie aus seinen Gebeten die Energie empfangen, die sie bitter nötig hatte. So kam es also, dass er betend den Morgen begrüßte. Er beobachtete wie die Sonne die Gipfel des Gormata Gebirges streiften und genau in diesem Moment kam ihm die Idee!

Eigentlich waren es nur alte Geschichten, die die alten Männer und Frauen an den Feuern erzählt hatten, aber wer wusste schon wie viel Wahrheit darin steckte. In der Sage um die ersten Menschen in Aurorae hieß es, dass diese über das Gebirge gekommen waren. Sie fanden einen Weg hinab und gründeten hier neue Familien. Angeblich sollen es Gesetzlose gewesen sein, die geflohnen waren. Natürlich wurde diese Sage groß ausgeschmückt, mit großen Drachen und noch größeren Helden. Aber Freismer ging es im Moment nur um eins: Wenn man hinein kam, dann kam man auch heraus. In seiner jetzigen Lage war dies der einzige Ausweg dieser Hölle zu entkommen.
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Re: Pass Emen

Beitragvon Foxane » Sonntag 3. Februar 2013, 17:00

(...vom Wald der Stimmen kommend)

Das Summen war Foxane schon lange vergangen. Die Reparaturen konnten sie nur kurzweilig erfreuen. Allerdings hatte sie mit den verstärkten Mokkasins ins Volle getroffen. Sie hielten dem strammen Marsch stand und waren furzbequem.

Doch die verdrängte Vergangenheit schlug ihr hart als brutale Gegenwart ins Gesicht. Sie erreichte die Grenzfestung des Passes und fand nur noch Mauerbruchteile vor. Das Schlimmste aber waren die vielen menschlichen Knochenreste und jede Menge Gerümpel, darunter noch viele brauchbare Waffenteile. Diese würde sie später genauer betrachten.
Sie suchte sich ein noch stabiles Mauerdreieck aus, so dass es von hinten Schutz bot.

Traurig polterte sie: "Was waren das für Zeiten, als es noch eine Vor- und Nachhut gab." Jetzt musste sie alles aufeinmal sein. Anstrengend. Oh ja und das noch zu Fuß. Niemand lobte sie und auch ihre Schwester schien die Wolke gewechselt zu haben. Diese Ruhe wirkte lähmend auf sie. Aber wie auf Kommando knurrte ihr Magen. Ein Bottich mit frischen Regenwasser, den sie neben sich fand, sollte genügen. Als sie ihr Spiegelbild im Wasser erblickte, schreckte sie zurück. Schmutzig und dünn war sie. Igitt.

Nach einer kurzen Rast wollte sie sich um etwas Essbares kümmern. Ein Vollbad mit viel Öl wäre eine Wonne. Mit der Hand am Schwert und dem Giftpfeil im Armreif nickte sie ein.
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Re: Pass Emen

Beitragvon Freismer » Sonntag 3. Februar 2013, 19:24

Der Tag war noch jung, als Freismer sich entschied Richtung Gebirge zu gehen. Mit ganz viel Glück würde er vielleicht einen Aufstieg in die Felswände finden und sogar einen Übergang. Es tat einfach gut ein Ziel zu haben und ob es nun zum Erfolg führte oder nicht, war zweitrangig.
Freismer musste nicht viel zusammen packen, das Meiste lag schon in seinem Rucksack. Er traute sich nicht den Trinkschlauch am Brunnen des Lagers aufzufüllen. Er traute den Schergen von Zûl auch zu, dass sie die Brunnen vergifteten. Nein, da wartete er lieber, bis er einen Wasserlauf fand.

Ungewöhnlich gut gelaunt schulterte Freismer den Rucksack. Er fühlte sich ausgeruht und stark. Den Speer trug er in der rechten Hand und benutzte ihn als Wanderstock. Um all die Menschen zu ehren, die er in seinem Leben kennengelernt hatte, dachte er voller Liebe an sie. Am längsten dachte er an Estemar, den alten Kauz. Er hatte ihn das letzte Mal im Heerlager gesehen. Mit einem flotten Spruch auf den Lippen, hatte er ihn in den Krieg geschickt: "Trau dich ja nicht heim zu kommen, wenn nicht jeder im Heer deinen Namen voller Bewunderung ausspricht!" Sie hatten gelacht und sich herzlich umarmt. Er war immer der wichtigste Mensch in seinem Leben gewesen, wie ein Vater.
Es tat Freismer gut in der Erinnerung zu schwelgen, in den schönen Momenten, den Übungskämpfen mit seinen Freunden, bei einem ordentlichen Bier am Lagerfeuer im Sommer. Das Leben hatte ihm viele wertvolle Augenblicke geschenkt und dafür dankte er der Göttin.
______________

Weiter im Verwunschenen Tal
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Re: Pass Emen

Beitragvon Foxane » Montag 4. Februar 2013, 15:19

Foxane schlief doch fest ein. Als sie erwachte, musste sie sich erst orientieren. Nachdem sie ihre Wasserflasche gefüllt hatte, reichte das Wasser im Bottich für eine Katzenwäsche. Dann wühlte sie die Habseeligkeiten, die die Flüchtenden oder Toten zurückgelassen hatten, durch. Etwas Essbares, wenn auch im getrockneten Zustand, fand sie immerhin.

Die Waffenteile, die verstreut um das ehemalige Eingangstor lagen, waren zwar sehr verlockend. Mit der entsprechenden Reparatur könnte man daraus wieder voll funktionsfähige Waffen herstellen. Sie machte sich die Mühe, die Waffen auf einen Haufen zu werfen und mit einer Plane abzudecken. Mitnehmen konnte sie nichts. Hatte sie doch mit ihren eigenen Waffen mehr als genug zu tragen. Dazu kam noch das Gewicht des Bogens ihrer Schwester. Die Schwielen an den Schultern und um den Nacken wurden immer tiefer.
Warum ist mir auf der ganzen Reise kein Gorsak begegnet?, motzte sie. "Ha, weil diese schlau sind", raunte eine Stimme. Sie würde eh den Pass südlich verlassen und wenn sie sich richtig erinnerte, könnte in einem Waldabschnitt das Glück in Form von Gorsaks auf sie warten.

Aber wer konnte in dieser Zeit noch auf etwas Vertrautes oder gar Glück hoffen? Ein kleines Stoßgebet an die Göttin konnte nicht schaden. So zog sie schwer tragend an den Waffen aber etwas erleichtert im Geiste Richtung Süden.


(weiter Latan Pass)
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Re: Pass Emen

Beitragvon Taira » Donnerstag 7. März 2013, 13:56

Zwei Tage trieb sie sich bereits im Pass herum. Und sie hielt nicht das Geringste davon, sich dort einzuquartieren, wo einmal Menschen gelebt hatten. Die Diener Zûls waren nicht blöd. Das hatte ihre Kriegsführung mehr als bewiesen. Sie hatten die Menschen studiert, sie infiltriert und so war ihnen sicher auch nicht verborgen geblieben, dass Menschen instinktiv dort Schutz suchten, wo schon einmal Menschen gelebt hatten. Dort würden sie auf sie warten. Aber den Gefallen wollte sie ihnen nicht tun. Noch nicht. Und so hatte sie die Zollstation hinter sich gelassen und auch die noch immer beeindruckende Emenfeste. Sie war einem kleinen Bachlauf gefolgt, der abseits des eigentlichen Passes bis in eine Höhle führte. Damit war die Höhle feucht und kalt, aber sie gab ihr doch genug Schutz, dass sie sich endlich wieder waschen konnte. Es war kaum mehr als ein Rinnsal was an der hinteren Wand der Höhle heraus floss, aber es genügte ihr. Sie entledigte sich ihrer unzähligen Kleidungsschichten, warf den blutbesudelten Harnisch beinahe achtlos zur Seite, bis sie völlig nackt in der Kälte stand. Ein heimlicher Beobachter hätte dennoch nicht viel mehr gesehen, als verkrustetes Blut und Dreck. Ihre Hautfarbe war sicher nicht diese bräunlich dreckige. Sie kramte in einer der beiden Umhängetaschen, die sie bei sich trug und beförderte eine Kostbarkeit heraus. Echte Seife! Sie schnüffelte wie ein Hund an ihr, labte sich an ihrem Duft und verdrängte die Erinnerung daran wer ihr diese Seife gekauft hatte und wo.

Stattdessen beförderte sie ein Stück Stoff zu Tage, der wohl einmal ein Umhang gewesen war, weich war er und erstaunlich sauber, wenn man den sonstigen Zustand der Kriegerin bedachte. Fast liebevoll strich sie nun darüber und legte es dann zur Seite um ein raueres Stück Stoff hervorzukramen, dass sie um die Seife wickelte. Sie benässte ihren Körper und seifte sich gründlich ein. Das Rinnsal des Bächleins färbte sich bald zu einem indifferenten Grau-Braun. Zum Schluss waren ihre Haare dran. Sie musste sie insgesamt 4 Mal waschen und unter den kalten Wasserstrahl halten, bis sich alle Überreste der vergangenen Schlachten herausgewachsen hatten. Sorgfältig wusch sie nun das grobe Stoffstück aus und legte es mit der Seife auf einen trockenen Fleck in der Höhle, bevor sie sich in das andere Stück Stoff einwickelte. Sie schnüffelte versuchsweise daran und seufzte. Es roch immer noch nach ihm. Wenn auch nur noch sehr dezent. Vielleicht war es auch nur Einbildung. Aber es half für den Moment, sich sicher zu fühlen. Auch wenn es eine trügerische Sicherheit war. Sie kämmte sich die Haare und fluchte wie ein Waschweib, weil sie so verknotet waren. Gefühlte Stunden dauerte es, bis sie entwirrt hatte. Anschließend reinigte sie die Lederharnisch mit einem weiteren Tuch. Er sah nun nicht mehr so besudelt aus, wenn das auch an dem Umstand nichts änderte, dass er seine besten Tage längst hinter sich hatte.

Erst dann ließ sie den Stoff fallen und suchte ihren Körper nach noch nicht verheilten Blessuren ab. Unterhalb des verfärbten und vernarbten Fleisches ihrer Schulter befand sich eine weitere Narbe, die nie von einer Geweihten behandelt worden war. Dementsprechend unschön sah sie aus. Ein paar Kratzer, ein paar Schürfwunden. Die Bauchverletzung hatte sich nach der letzten Schlacht nicht als so schlimm herausgestellt. Auch wenn sie dort ebenfalls nun vernarbt war. Oberhalb ihrer linken Brust, dort kurz unterhalb des Knochens, befand sich eine Narbe ganz anderer Art. Unter all dem Dreck war sie für eine Weile verborgen gewesen. Jetzt fiel der Blick der Frau brennend darauf. Eine Tätowierung. Ein Blätterkranz aus dem Katzenaugen hervor stierten. Darunter eine Art in sich verschlungener Knoten. Für eine Weile verharrte sie reglos, starrte das Ding an, als könne ihr Blick alleine dafür sorgen, dass sich das Kunstwerk, auf das sie einst sehr stolz gewesen war, in Luft auflöste. Blitzartig schoss sie schließlich empor und zog sich die weniger muffigen Sachen über. Die anderen ließ sie einfach liegen. Sie stopfte all ihre Habseligkeiten in ihre Taschen und den Rucksack zurück, zog sich den Harnisch über und umwickelte sich mit einer warmen braunen Decke, die sie mit einer Spange so befestigte, dass sie vor dem kalten Wind schützte. Nichts mehr war zu sehe, von ihrer Vergangenheit. Erleichtert atmete sie auf, schulterte ihr Gepäck und verließ die Höhle wieder. Auf einer Wurzel kauend, um den schlimmsten Hunger zu stillen, machte sie sich wieder auf den Weg. Sie hielt erst wieder an, als sie die Mauer erblickte die den Übergang zum Verbotenen Pass bildete. Jetzt müsste sie nur noch eine Lücke zum Hindurchschlüpfen finden.
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weiter Verbotener Pass
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Re: Pass Emen

Beitragvon Omando » Sonntag 17. März 2013, 20:38

Die Tage vergingen und blieben recht ereignislos. Die Einsamkeit nagte an Omandos Gefühlswelt. Immer öfters motzte Ton herum und beschwerte sich über dieses und jenes. Bass, also er selbst konnte da wenigstens behaupten, dass er guter Laune war. Er erreichte den Norden des Passes und beschloss an der alten Grenzmauer zu übernachten. Nach seinem kleinen Baum-Malier zog er das Schlafen auf dem Boden vor. Allerdings nur teilweise. Denn wenn er nachts wach wurde, trieb es ihn doch in die Äste. Ton meinte, dass er ein Schisser war. Pah, das mache ich nur um DICH zu schützen, konterte er im reinsten Bariton.

Omando fand eine kleine Einbuchtung in der Mauer. Dort stand früher vielleicht eine Steinfigur oder es diente als Wachbucht. 10 Fuß oberhalb war eine runde Öffnung, also ein Guckloch. Ein gutes Nachtlager für einen Waldläufer. Sein Abendmahl zelebrierte er immer. Für ihn die wichtigste Mahlzeit. Sie konnte ja die letzte sein. Langsam breitete er das kleine Leinentuch aus. Darauf legte er eine halbe Hand getrockneter Blütenbeeren der Bärentraube. Sauer macht lustig. Hörst du Ton, du trüber Muffelkopf? Daneben drapierte er ein paar getrocknete Fische. Zu Tisch und Mahlzeit! Nach der Völlerei und einem netten Verdauungspallaber schlief Omando schnell ein.

Einmal wurde er wach als der leichte Regen in seinen Nacken tropfte. Das zweitemal fiel weniger sanft aus. Ein brutaler Schlag gegen seinen Kopf ließ ihn hochschnellen. AU! Ein Sprung und er stand mit dem Dolch in der Hand da. Hellwach und kampfbereit. Eigentlich hatte er einen Gegner erwartet. Aber wo war dieser? Während er rief: He du Biest. Wer ist hier der Schisser? Mit einem Griff war sein Bogen mit Pfeil bespannt. Schrei nicht so, mahnte ihn Ton. Omando war etwas irritiert. Keiner dieser Kreaturen war ängstlich veranlagt. Eine Weile verharrte er stehend und lauschte. Nichts geschah. Er rieb sich am Kopf und sein Blick fiel auf sein Nachtlager. Da lag neben der Kopfstelle ein Stein, wo vorher keiner war. Er hob ihn auf. Hatte er nicht höchstpersönlich alle Steine entfernt? Ja. Wer wirft hier mit Steinen? Die Frage wurde prompt beantwortet. Ein weiterer Stein traf Omando im Genick. Er schaffte es gerade noch nach oben zu schauen und sackte dann zusammen.
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Re: Pass Emen

Beitragvon Omando » Donnerstag 21. März 2013, 20:22

Langsam kam er wieder zu sich und hörte im wahrsten Sinne die Vögel zwitschern. Verdammt laut diese kleine Flatterer, grummelte er. Dumm nur, dass es hier keine Vögel gab. Er rieb sich die Stelle im Genick und stöhnte. Er fühlte warmes Blut, also hatte er eine Platzwunde. Er wühlte ein Stück Leinen aus der Tasche, zerriss es bis er die Länge hatte, die er brauchte. Als er die Enden um seinen Hals verknotete, scherzte er, dass es nun Mode war ein Halstuch zu tragen. Bevor er wieder nach oben schaute, trat er ein paar Schritte zurück. Er sah, dass das Guckloch mit losen Steinen kämpfte. Der Wind hatte zugenommen oder besser gesagt, stürmte es gewaltig. Er befand sich zwar auf der Windschattenseite aber durch das Loch pfiff es gewaltig. Womit habe ich das verdient? Seit Tagen passierte ihm mehr als sonst in einem ganzen Monat. Soll ich's dir wirklich sagen? raunte Ton verdächtig süßlich. Nein! Oh du kleiner Pechvogel ziehst eben das Unglück magisch an. Ruhe. Ich bin nicht KLEIN!

Omando stopfte seine Sachen in den Rucksack und lief los. Beim Laufen musste er nicht denken und Ton hielt dann auch die Klappe. Allerdings schwindelte ihn noch ein wenig. Er wechselte in den langsamsten Dauerlauf. Er war ein harter Bursche. Ein kleiner Schlag wirft ihn doch nicht um. Da war er Spektakuläreres gewohnt. Die Kämpfe mit den Namenlosen. Die Narben trägt er heute noch und manche für immer. Er beschloss so lange zu laufen, bis es zu dunkel wurde. Wenn die Wolken abziehen und der Mond herauskommt, dann kann man auch die Nacht durch laufen. Jedenfalls verzogen sich die Wolken in seinem Kopf und die gute Laune kehrte zurück. Fast geräuschlos lief er in den weichen Wildlederschuhen. Als passionierter Jäger musste man das können.

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