'Freundschaft' von Clare

Geschichten aus dem Amazonenwald.

'Freundschaft' von Clare

Beitragvon Der Schreiber » Montag 4. Februar 2013, 15:28

Freundschaft

Die Sonne erschien gerade am Himmel und ließ das Zimmer in sanften Farben erstrahlen. Der Raum war mit einem Bett, das direkt am Fenster stand, ein paar Schränken und einem großen Tisch, den ein paar Blumen deckten, bestückt. Einige Strahlen verirrten sich auf ein Gesicht, welches teilweise unter einer dicken Decke verborgen war. Ein junges Mädchen vielleicht 15 Jahre alt, schlief selig und die Wärme auf ihrem Gesicht ließ ein lächeln erstrahlen. Von draußen waren die ersten Anzeichen eines erwachenden Dorfes zu hören. Frauen die miteinander redeten und lachten, Männer die ihrer täglichen Arbeit nachgingen.

Ein Knarren ließ die Schlafende wach werden und strahlend blaue Augen schauten müde zur Tür, die sich ein Spalt geöffnet hatte. Eine Stupsnase kam hervor, dann ein paar große braune Augen und lange schwarze Haare. Schließlich auch der Rest. Ein kleines zierliches Mädchen, in einem hübschen Rüschenkleid betrat schüchtern doch gleichzeitig eine gewisse Fröhlichkeit ausstrahlend den Raum. In ihren Händen hielt sie eine Tasse mit warmen Tee. Leise stellte das Kind diese auf den Tisch und schaute, die im Bett liegende junge Frau mit einem niedlichen lächeln an. Sofort war die Ältere verzaubert und richtete sich auf. Lächelnd sagte sie:" Du bist aber schon früh wach Sîlvi."

Sîlvina, so der richtige Name des Mädchens lief zum Bett und zog lachend die Decke weg und meinte:" Wir wollten doch heute in den Wald gehen, Clare." Mehr Worte bedurfte es nicht und Clare sprang aus dem Bett, woraufhin die kleinere der beiden, mit einem Quieken, zur Seite sprang. Ungeduldig wartete sie bis ihre Freundin sich gewaschen und angezogen hatte. Als die Haare an die Reihe kamen, lief Sîlvi zu ihr und nahm den Kamm in ihre kleinen Hände. " Lass mich." Mit zarten Bewegung wurde Clares rötliches Haar durchgekämmt. Irgendwann schmiss die Kleine den Kamm zur Seite und zog das Mädchen hinter sich her. Hinaus in die warme Sonne, hinaus zu den Wiesen, deren morgendlicher Duft überwältigend war.

Sîlvi hatte einen kleinen Korb dabei, denn die beiden wollten Früchte sammeln und irgendwo musste die ja aufbewahrt werden. Auch war etwas Essen hatten sie mit, für ein kleines Picknick zur Mittagszeit. Lachend liefen sie den Hügel zum Wald hoch, gefolgt von lächelnden Dorfbewohnern. Jeder wusste, dass die kleine Sîlvina sich freute eine Freundin gefunden zu haben, die mit ihr spielte, lachte und Geschichten erzählte, auch wenn sie nicht in ihrem Alter war. Nach dem das ungleiche Pärchen im Wald verschwunden war, machten sich die Menschen wieder an die Arbeit.

Währendessen liefen Clare und Sîlvina durch den Wald, der einen kühlen Schatten spendete vor der immer wärmer werdenden Sonne. Bald hatten die beiden einen Platz gefunden, an denen ein paar lecker aussehende Waldfrüchten wuchsen. Sofort kniete das neunjährige Mädchen nieder und rupfte diese heraus, Clare hielt indes den Korb. Beide sammelten so viele, wie rein passte, doch irgendwann war das Körbchen voll und es war Zeit für das Picknick.

Mit leuchtenden Augen holte Sîlvie Brot, etwas Käse und Butter sowie Wasser hervor. Clare verteilte die Sachen und sagte dann:" Es ist wirklich sehr nett von deinen Eltern, dass sie mich für eine Weile aufgenommen haben und..." Eigentlich wollte sie noch mehr sagen, doch wurde sie von einem Husten abgehalten. Etwas erstaunt schaute die Zauberin zu dem Kind und fing an zu lachen. Denn Sîlvi hatte sich verschluckt und versuchte nun mit hochrotem Kopf und wildem Handzeichen, darauf aufmerksam zu machen, dass sie Hilfe brauchte. Lachend hob Clare die Hand und schlug kräftig auf den kleinen Rücken. Noch ein Huster und schon flog das Stück Brot im hohen Bogen auf den Waldboden. Verwirrt schaute Sîlvina zu der Stelle an der es gelandet war und dann wieder zu ihrer Freundin und sagte etwas heiser:" Da-Danke."

Nach einer Weile war wieder alles in Ordnung und die 15-Jährige wollte endlich weiter reden, doch da kam ihr schon wieder was dazwischen. Ein kleines Äffchen hatte sich über den Korb mit seinem essbaren Inhalt hergemacht. Böse schimpfend versuchten die beiden das Tier weg zu scheuchen. Aber es lachte sie nur aus und holte gemütliche eine Frucht nach der anderen heraus. Welche dann auch gleich in seinem kleinen Maul landeten. Sîlvina suchte einen Stock und versuchte den Affen so zu vertreiben und wieder ließ er nicht vom Korb ab, nein er streckte ihnen auch noch eine rosige Zunge entgegen. Clare knurrte, riss der Kleinen den Stock aus der Hand und schlug mit voller Wucht auf das kleine Tier ein. Schließlich zog es beleidigt den Kopf ein und verschwand im dichten Blätterwald über ihnen.

Seufzend setzte sich die Zauberin wieder hin, stellte aber vorsichtshalber den Korb neben sich hin, denn über ihnen wurden Affengeräusche hörbar. Es mussten noch mehr von der Sorte da sein, dachte Clare ärgerlich. Jedoch war jetzt erstmal Ruhe und sie konnte weiter reden. Doch wollte das Schicksal wohl nicht, das sie davon erzählte, dass sie bald weiter müsse, denn das kleine Mädchen warf sich in ihre Arme. Sofort war der Korb vergessen nur das Sîlvi zählte jetzt noch. Sanft legte sie ihre Arme um den kleinen Körper und drückte sie an sich. Es würde schwer werden die Kleine zu verlassen, dass war klar, vielleicht sollte sie ja doch noch eine Weile hier bleiben.

" Du darfst noch nicht gehen, bitte, bitte du bist doch meine Freundin.", kam es gedämpft hervor und verwundert schaute das rothaarige Mädchen auf den zierlichen Körper runter. Woher wusste sie das, fragte sich die Zauberin, doch dann erschien ein lächeln auf ihrem Gesicht. " Ich werde immer deine Freundin sein, versprochen.", flüsterte Clare. Ja sie würde noch bleiben und eine gute Freundin für Sîlvina sein. Sie würde weiter mit ihr lachen und Spaß haben, sie würde für eine Weile ihre traurige Vergangenheit vergessen können und einfach nur sie selber sein.

In der Ferne waren quiekende Geräusche zu hören, die die friedliche Stille im Wald störten. Ein Blick reichte aus und die beiden Freunde musste was los war. Die kleinen Äffchen hatten sich den Korb still und leise geschnappt und liefen davon. Eilig sprangen Clare und Sîlvina auf und liefen hinter ihnen her, wüst die possierlichen Tiere beschimpfend. Zurück blieb nur das Essen und die Erinnerung an ein Verspechen.
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