Tunnel von Megaras Keller zum Wald der Lichter

Das Heim der Diebe und Streuner in Patria (Zutritt nur als Gildenmitglied).

Tunnel von Megaras Keller zum Wald der Lichter

Beitragvon Der Schreiber » Samstag 9. Februar 2013, 11:16

Gut versteckt im Wald der Lichter führt ein langer unterirdischer Gang in Megaras Keller. Der Eingang von diesem Gang ist gut Versteckt in einem uralten hohlen Baum.

Dieser natürliche Weg wurde wohl von einem Erdwurm gegraben. Später wurde er von den Streunern mit vielen Holzbalken abgestützt. Viele Wurzeln haben sich im laufe der Jahre durch die Erde gegraben und geben dem ganzen die Stabilität. Hin und wieder werden diese beseitigt. Es hängen einige Laternen an beiden Seiten des Tunnels.
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Re: Tunnel von Megaras Keller zum Wald der Lichter

Beitragvon Asherel » Samstag 9. März 2013, 08:54

Es war keine Heimkehr im eigentlichen Sinne. Dieser Gedanke war Asherel gekommen als sie tiefer und tiefer in den Geheimgang vorgedrungen war. Das verhasste Patria und die „ehrwürdige“ Streunergilde: Keines von beidem war je wirklich ihre Heimat gewesen, gleichwohl die Gilde ihr immer ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelt hatte wie sie es davor nur von ihrem Clan (lang, lang war’s her) und Glessandras Gauklertruppe gekannt hatte. Die Wahrheit war, dass Asherel überall auf der Welt zu Hause sein konnte, überall auf der Welt zu Hause war so lange…

Vor ihr erstreckten sich die vertrauten Gänge der Streunergilde. Asherel sog genüsslich den Duft der feuchten Erde um sich herum ein. Wenn ihre Mutter am Leben war, so würde sie hier in der Gilde und nirgends anders sein. Dies traf auch auf ihre ehemaligen Geschäftspartner und Reisegefährten zu. Ehemalig weil man sich bei der Flucht aus dem Heerlager aus den Augen verloren hatte: Ahavan, Riyalia, Kasache, Aylifey und natürlich der Streunerprinz, Damon. Sie waren geflohen als die wogende Schlacht in ein blindes, verzweifeltes Sterben umgeschwungen war. Wer kämpfte tat dies in vielen Fällen nur noch um jenen, die flohen, das Leben zu ermöglichen, wohlwissend, dass das eigene verwirkt war.

Asherel fand, dass sie großes Glück gehabt hatte. Sie war mit mehr als nur dem nackten Leben davon gekommen. Es war ihr gelungen, einige wenige und darum umso kostbarere Habseligkeiten zu retten. Dafür hatte sie ihren geliebten Wohnwagen und die zwei treuen Gorsaks, die ihn zogen, während der Flucht aufgeben müssen. Alleine war sie durch den Wald der Lichter gestreift, aber dieses Mal wollte kein warm flackerndes Licht erscheinen um sie in sichere Gefilde zu führen wie damals, als die Patrianerinnen ihre Eltern getötet hatten und sie ein ungestümes Mädchen von kaum 12 Jahren gewesen war. Sie war tatsächlich auf sich alleine gestellt, aber dies war, im Großen und Ganzen, auch für Asherel nichts Neues oder Ungewöhnliches.

Und auch wenn der hohle Baum, der das eine Ende des unterirdischen Tunnelsystems darstellte, mit dem man in die Welt der Streuner vordrang, nicht der übliche Weg war, über den Asherel die Gilde betrat, so hatte sie ihn doch mühelos gefunden. Jetzt war sie hier – in dem schummerigen und mit Wurzeln durchzogenem Tunnel der den Wald der Lichter mit der Gilde verband. Ihr Weg war noch lang, ihre Füße müde und trotzdem waren ein Lächeln auf ihren Lippen und ein Funkeln in ihren Augen.

Es gibt Menschen, die verzweifeln an den Schrecken, die die Welt auf sie loslässt. Am Leben zu sein wird ihnen eine Last, eine Bürde der zu entledigen sie sich nicht getrauen. Asherel war nicht so ein Mensch. Als Kind schon hatte das Leben sie sehr eindringlich gelehrt, wie vergänglich es war, wie zerbrechlich das Glück. Beides war nicht beständig, nicht für die Ewigkeit gedacht. Dieses Wissen und Verständnis hatte jeden erlebten Augenblick nur noch wertvoller für Asherel gemacht. Die Tatsache, dass sie den Krieg überlebt hatte änderte an dieser Einstellung nichts. Vielmehr festigte es sie nur noch weiter.

Das Leben war ein Geschenk, ein Wunder, ein Schatz - und Asherel genoss es in vollen Zügen. Natürlich war es schwer, die Steine zu genießen, die durch die Sohlen ihrer Stiefel ihre Füße piesackten. Aber schlussendlich waren diese Steine und das Ungemach, welches ihre Fußsohlen erdulden mussten, eine Mahnung. Schließlich lebte sie und dies war keine Selbstverständlichkeit – niemand wusste das besser als eine Frau, die überlebt hatte, das heißt niemand außer vielleicht einer schwarzen Amme. Asherel war beides.

‘Wie lange,‘ fragte sie sich im Stillen, ‘wird dieser Ort wohl noch sicher sein?‘

Noch hatten die Ohadus und die Namenlosen den Geheimgang nicht entdeckt – sonst hätte sie ihn nicht so ohne weiteres betreten können, dessen war Asherel sich sicher. Das mochte wohl daran liegen, dass er von außen immer noch wie ein hohler Baum aussah und nicht wie ein von Menschenhand gefertigtes Versteck. Die Tatsache, dass er dieses auch nicht war spielte wohl ebenfalls eine nicht gerade unwichtige Rolle. Der Tunnel war schließlich Teil eines verlassenen Erdwurmbaus.

Ein der Laternen vor ihr erlosch plötzlich und tauchte einen Teil des Tunnels in Halbdunkel. Die langen Schatten direkt vor ihr ließen die restlichen Laternen wie ordentlich aufgereihte Sterne am Nachthimmel wirken. Asherel lächelte. Sie war am Leben und sie genoss es.

(Fortsetzung auf den Streunerpfaden.)
Whoever said happines comes with sunshine, has never danced in the rain!
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Re: Tunnel von Megaras Keller zum Wald der Lichter

Beitragvon Ahavan n'a Riu » Dienstag 19. März 2013, 22:46

Durch die Tunnel rannte er geradezu, bis seine Stirn vor Schweiß glänzte. Die körperliche Aktivität tat gut, vertrieb den Rest der Müdigkeit, die absolut klares Denken verhindern wollte und Sorte zudem dafür, dass er sich schnell in Richtung des hohle Baumes bewegte. Kurz davor verharrte er und lauschte angestrengt. Schlimm genug, dass er hier halbnackt Nachts herumlief, weil er schlecht träumte. Nicht entschuldbar wäre jedoch, wenn er durch Unaufmerksamkeit oder Panik die Schergen Zûls auf ihr Versteck aufmerksam machte. Er wusste, im Grunde war es eine dämliche Idee ausgerechnet Nachts frische Luft schnappen zu wollen. Aber er wusste auch, dass er gerade Nachts diese Beklemmungen hatte. Unter der Erde. Ihn schüttelte es bei dem Gedanken daran, was alles unter der Erde passieren konnte und trat dann in den Baum hinein und öffnete den Tunnel nach draußen.

Die Nacht war kalt und sternenklar. Sie wirkte wie viele Nächte. Auch wenn die Tiere des Waldes nun genauso schweigsam waren, wie die Menschen, die sich vor den Blicken der Entweihten und Namenlosen zu verbergen suchten. Oh. Und Ahavan hatte natürlich nicht die Kobolde vergessen. Lästige kleine Biester, die alleine kaum eine Gefahr darstellten, aber in Rotten fast nicht zu besiegen waren. Auf seiner Flucht hatte er Einauge durch sie fallen sehen. Ein würdiger Tod für diesen unangenehmen Falkenkrieger, wie er fand. Dennoch hatte ihn der Anblick, seines zerfetzten Körpers ebenso wenig losgelassen wie der Tod so vieler anderer. Und das obwohl er schon eine ganze Menge Grausamkeiten gesehen hatte. In den Kellern der Hexen (was ihn in regelmäßigen Abständen wieder verfolgte) und auch … anderswo. Manchmal war auch er es gewesen, der den Tod gebracht hatte. Aber er hatte doch stets die Gnade besessen schnell und lautlos zu töten. Zumindest, wenn er nicht auf persönlichem Rachefeldzug war. Ach, was machte er sich eigentlich vor? War er nicht eben so ein Monster wie sie? Er diente allerdings nur sich selbst und er hatte auch vor, dass das so blieb.

Ahavan nahm tiefe Atemzüge. Die Luft im Wald der Lichter roch nicht länger nach Blut und Tod. Die Kreaturen Zûls hatten so ziemlich alles vernichtet, was hier einmal gelebt hatte. Auch die Tiere des Waldes waren stellenweise betroffen gewesen, so dass die Nahrungsbeschaffung für die Gilde für eine Weile sehr erschwert worden war. Nachdem sich die Kämpfe jedoch an andere Orte verlagert hatten, waren die Tiere des Waldes nach und nach zurückgekehrt. Aber sie hatten gelernt. Sie hatten gelernt, sich wie die Streuner in den Schatten aufzuhalten und sich bei Gefahr unsichtbar zu machen. Ahavan wusste, dies würde die Fähigkeit sein, die den Fortbestand der Menschen von Aurorae sichern würde. Im Untergrund würden sie überleben und zu neuer Stärker heranwachsen. Zûl konnte unmöglich alle von ihnen erwischen. Irgendwo da draußen, gab es Menschen wie ihn, wie die Gilde, die sich vor den Blicken des dunklen Magiers verbargen. Und dann, wenn er sie vergessen hatte, würden sie zuschlagen. Ebenso schmerzhaft wie er, aber mit der Effektivität eines Auftragsmörders. Lautlos, bis es zu spät war. Dieser Gedanke beruhigte ihn, besänftigte das Tier in ihm, das noch immer unterschwellig dazu auf rief, Damon den Hals um zu drehen. Doch das ging nicht. Sie brauchten ihn. Er war der einzige, der die Gilde zusammenhalten konnten. Fiel er, fielen auch sie. Doch Ahavan hatte vor zu überleben.

Er seufzte tief, als er diese Erkenntnis endlich wieder die Oberhand gewinnen lies. Es war nicht die Ideallösung. Aber musste fürs erste reichen. Und er? Er würde die Menschen suchen gehen, die noch lebten. Aus seinen eigenen nur ihm bekannten Gründen. Und wenn er dabei noch etwas verdiente. Umso besser. Noch ein paar Atemzüge mehr an der frischen Luft und er hatte sich genug Klarheit verschafft und Kraft geholt, um den Rest der Nacht in der Streunergilde durchzustehen. Er konnte sogar wieder mit einem spöttischen Lächeln auf den Lippen an die Rubinfrau denken, die er in ein paar Stunden schon treffen würde.

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