Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Das Heim der Diebe und Streuner in Patria (Zutritt nur als Gildenmitglied).

Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Der Schreiber » Samstag 9. Februar 2013, 11:16

Ein schmaler Gang führt von der Tür in eine große runde Halle. Auf diesen Platz findet man immer einen, der zum Tauschhandel bereit ist. Deshalb nennen die Sreuner diesen den Handelsplatz. Von diesem Platz gehen sternförmig weitere Wege weg. Dort sind haubtsächlich die Wohnungen der Sreuner zu finden. Am Rande des Platzes, zwischen zwei Wegen, befindet sich ein Wirtshaus und weitere Räume für die Gemeinschaft.

Ganz am Ende eines Ganges befindet sich eine Tür, die zu den ehemaligen Quartieren des Streunerprinzen Salimones führen.
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Samstag 9. März 2013, 11:39

(Vom Tunnel zum Wald der Lichter kommend)

Der Krieg war nicht spurlos an der Gilde der Streuner vorübergegangen. Asherel hatte nichts anderes erwartet. Trotzdem zeigte sich ein Teil von ihr überrascht. Die Gilde an sich – die Stadt unterhalb der Stadt Patria – war für Asherels unerfahrene Augen in keinem schlechteren Zustand, als sie es vor ihrer Abreise ins Heerlager gewesen war; aber die Menschen waren anders. Sie waren leiser und zurückhaltender als Asherel es von den Streunern gewohnt war. Die Schrecken der vergangenen Monate hatten eine erdrückend bleierne Stimmung zurückgelassen, welche die Lebensgeister der Zurückgebliebenen langsam aber sicher unter sich begraben hatte. Kaum jemand lächelte und wenn doch, so waren es nur die Lippen die wie zu einer ungewohnten Grimasse verzogen wurden.

Menschen die sich glücklich schätzten am Leben zu sein sahen jedenfalls anders aus.

Vermutlich empfand Asherel deshalb dass einige der Blicke, die sie streiften während sie mit schwingenden Röcken und wiegenden Hüften entlang der Pfade schlenderte, durchaus missbilligend waren. Dies mochte aber auch nur daran liegen, dass sie bisher fast ausschließlich Frauen begegnet war. Das ihr eigenes Geschlecht Asherels Ankunft – gleich wann und wo – mit einem gewissen Argwohn betrachtete war für die Tänzerin schon zur Gewohnheit geworden. Die meisten Frauen sahen sie eigentlich nur dann gerne, wenn sie sich von ihr Hilfe erhofften, gleich welcher Art. Asherel zupfte gedankenverloren an den Fransen des dunkelroten Tuches, welches um ihre Schultern lag. Irgendwann im Tunnel hatte sie ihren warmen Umhang in die Beuteltasche auf ihrem Rücken gestopft – der schwere braune Wollstoff lugte noch halb aus ihm heraus.

Wo sollte sie ihre Suche beginnen? In den Gemeinschaftsräumen? Dem Handelsplatz? Oder doch lieber das Wirtshaus aufsuchen in der Hoffnung, ein bekanntes Gesicht in der Taverne zu sehen?

Asherel zog an der langen Schnur ihrer Beuteltasche und brachte diese somit höher auf ihre Schulter. “Taverne oder Handelsplatz,“ fragte sie sich selbst, ohne zu merken dass sie die Worte tatsächlich ausgesprochen hatte.
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ruby » Samstag 9. März 2013, 21:20

Kommend von Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Ruby atmete tief durch. Was sollte dies nun wieder? Damon war ihnen noch einmal hinterher gekommen und forderte sie auf morgen zu ihm zu kommen. Zack, weg war er. Ahavans Worte beruhigten sie auch nicht wirklich. Eine Ausrede? Was wenn sie das nicht tat? Was wenn sie die Höhle des Löwen betrat? War sie Damon ausgeliefert? Aber Ahavan hatte ihre Ausrede auch schon parat. Ruby sah noch einmal kurz zu Damon. Es war wirklich ein Jammer, dass sie nicht so konnte, wie sie wollte. Damon hatte seinen Reiz, vielleicht gerade deshalb, weil er sie in den Wahnsinn trieb. Es könnte ein wirklich interessantes Spiel werden. Nun rutschte Ruby doch ein leiser Seufzer heraus und gerade so bekam sie noch mit, dass sie Ahavan besser zuhören sollte. Ihre Ausrede... ein Ausflug in den Orden? Ruby konnte nicht anders, sie lachte und es vertrieb endgütlig die letzte dunkle Stimmung nach Damons Lied.

"Generalprobe! Oh sehr gut! Dann werde ich mich ja beweisen können, wie praktisch." Ruby nahm all das in dem Moment nicht ernst, sie konnte nicht mehr. Seit sie sich entschieden hatte die beiden Männer anzusprechen, war alles drunter und drüber gegangen und eigentlich wenn man richtig darüber nachdachte war es eine einzige Phrase!
Sie würde das schon irgendwie schaffen und eigentlich war es sogar ihre Rettung, denn sie würde sowieso Tränke oder Kräuter brauchen. Sie konnte nur hoffen, dass die Mutter ihrer Freundin ihr helfen konnte. Ruby wurde ein bisschen zappelig, denn es gab für sie noch viel zu erledigen und sie konnte kaum abwarten endlich anzufangen.

"Gut, dann treffen wir uns morgen zur 10. Stunden genau hier. Ich freu mich!" Ruby schenkte Ahavan noch ihr attraktivstes Lächeln und wäre - als sie sich umdrehte - fast mit einer Frau zusammen gestoßen. "Pardon!", sagte sie noch und stürmte mit tänzerischem Schritt davon.
Sie atmete erstmal ganz tief durch, verdrehte die Augen und fühlte sich endlich wieder lebendig. Sie konnte nur hoffen, dass Ahavan die Gruppe nicht begleiten würde, denn sonst müsste sie ihn unerträglich lange ertragen. Wie anstrengend das wohl sein musste! Unerträglich lange ertragen! Ruby lachte leise, was für ein Wortspiel.

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Zuletzt geändert von Ruby am Dienstag 26. März 2013, 20:58, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ahavan n'a Riu » Samstag 9. März 2013, 23:58

"Zur 10. Stunde. Warum auch nicht? Ist mir recht." Er deutete sogar noch eine Verbeugung an, trotz ihrer hastigen Flucht und blickte ihr mit einem gewissen Schalk in den Augen nach. Ahavan verschränkte die Hände hinter dem Rücken und sah ihr dabei zu, wie sie sich eilends davonmachte. Das war zugleich ein amüsanter und ein irritierender Anblick. Nun, eigentlich sollte er sich nicht wundern. Damon alleine, war schon eine Nummer für sich. Damon und Ahavan in Kombination, nun ja ... das war so, wie zwei Hunde, die sich um einen Knochen balgten. Das Verhältnis zwischen ihm und dem Prinzen war nicht immer einfach. Und das war beschönigt. Eigentlich war es sogar ziemlich kompliziert. Im Grunde waren sie wohl zu verschieden in entscheidenden Punkten. In anderen dagegen, waren sie sich unsagbar ähnlich. Wäre Damon nicht der Streunerprinz, so hätte Ahavan wohl nicht das geringste mit ihm zu tun. So aber, liefen sie sich von Zeit zu Zeit über den Weg und mussten dann nett zueinander sein. Nach dem heutigen Abend viel es Ahavan jedoch sehr schwer, ihm nicht nachts im Schlaf die Gurgel umzudrehen. Oder ihm einfach ein wenig Balkenblitz in sein Bier zu kippen und vorher alle Aborte zu verrammeln. Der Gedanke gefiel ihm ziemlich gut, erinnerte er ihn doch an eine ähnliche Aktion im Heerlager. Die war sehr lustig gewesen und hatte Ahavan tief befriedigt zurück gelassen. Damals war es um einen Falkenkrieger gegangen.

Doch die Zutaten für die Tränke waren teuer geworden. Dennoch musste er das Monster in sich befriedigen. Das wusste er nur zu genau. Und es würde nicht damit zufrieden sein, wenn er in Damons Räume einbrach und Löcher in die entscheidenden Stellen seiner Kleidung schnitt. Auch wenn es sicher witzig wäre, wenn Damons Hinterbacken bei jeder Hose hervorblitzen würden. Aber das machte nichts. Ahavan war geduldig. Rache war ohnehin etwas, das am besten kalt serviert wurde. Darin hatte er ja bereits Übung. Noch hatte er keinen Plan im Kopf. Aber der würde schon kommen, wenn das an der Zeit war.

Er setzte sich nun ebenfalls in Bewegung. Heute wollte er nichts mehr hören und nichts mehr sehen. Das Zusammentreffen mit Damon und der Rubinfrau hatte sich als anstrengender herausgestellt, als erhofft. Wie immer, wenn er sich mit Damon traf, hatte er anschließend leichte Kopfschmerzen. Ein wenig Schlaf konnte also sicher nicht schaden. Wenn man mal davon absah, dass er noch Kartenmaterial von den Orden durchsehen musste. Einfach für den Fall das Ruby eine ebenso gute Lügnerin war, wie viele andere hier unten. Aber wieso sollte sie das tun? Wenn sie nicht irgendwie nützliche Fähigkeiten hatte, warum sollte sie dann ins Hochrisikogeschäft einsteigen? So blöd war doch keiner!
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Sonntag 10. März 2013, 10:48

Sie musste einen Moment lang in Gedanken versunken gewesen sein. Anders konnte Asherel sich nicht erklären, dass sie die herannahenden Schritte einer anderen Person nicht gehört hatte. Und wirklich leise war die Frau auch nicht gewesen, hatte sie doch ihrem Bekannten etwas zugerufen. Asherel hatte den Klang ihrer schönen Stimme sogar mit einem Ohr mitbekommen, ihn aber nicht mit ihrer aktuellen Situation – gedankenverloren mitten im Weg herumstehend – nicht in Verbindung gebracht. Umso angenehmer war sie überrascht wie leichtfüßig die Fremde mit den leuchtendroten Haaren einen Zusammenstoß vermied. “Pardon,“ sagte sie und noch ehe die schwarzhaarige Antworten konnte, hatte die Frau schon ihren Weg fortgesetzt. Asherel war lange genug Tänzerin um jemanden aus ihrem Metier auf Anhieb zu erkennen. Die fließenden Bewegungen der Davoneilenden waren das Resultat von hartem, jahrelangem Training.

Irgendwo in Asherels Kopf regte sich eine vage Erinnerung an Glessandra und Geschichten von einem rauschenden Fest unter Gleichgesinnten während sie selbst den Tag damit verbracht hatte, Arnikakugeln herzustellen und eine neue Figur einzustudieren. Hatte ihre Mutter damals nicht von einer rothaarigen jungen Tänzerin geschwärmt? Asherel schüttelte den Kopf. Das war jetzt nicht wichtig. Nicht wirklich. Wichtig war, ihre Mutter zu finden und gemeinsam einen sicheren Ort zu finden oder vielleicht sogar Aurorae zu verlassen.

Die Fremde war aus der Richtung der Taverne gekommen und Asherel beschloss, ihren müden Füßen eine kleine Pause zu gönnen. Die Sitzgelegenheiten im Wirtshaus waren wesentlich komfortabler als jene am Handelsplatz. Mit der getroffenen Entscheidung im sprichwörtlichen Gepäck setzte die Tänzerin sich wieder in Bewegung. Dabei bemerkte sie den Mann, der die Pfade entlang der Quartiere entlangschritt, nicht.

(Weiter in der Taverne.)
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ahavan n'a Riu » Freitag 15. März 2013, 19:12

Diesmal beruhigte ihn die Stille allmählich. Irgendwo hinter einer der Wände schnarchte jemand sehr leise und das zauberte erneut das spöttische Lächeln auf Ahavans Gesicht. Wenn es auch blass war, kaum zu sehen und etwas gezwungen wirkte. Manchmal blitzte fahles Licht einer fast erloschenen Öllampe auf und warf ein merkwürdiges Schattenspiel auf sein Gesicht. Immer noch zitterten seine Finger leicht, als er nach dem Süßholzstummel griff und es sich in den anderen Mundwinkel schob. Eine nervöse Geste, mehr nicht. Dennoch sagte sie alles. Die innere Ruhe war vorbei für diese Nacht. Und viele solcher Nächte mochten noch folgen. Schlaflose Nächte. Nächte, in denen er wieder ein Junge war. Mero. Er hatte keinen Einfluss darauf. Er konnte nur dafür sorgen, dass niemand diese Schwäche, dieses Geheimnis erfuhr. Das hatte er jedoch irgendwie vergeigt. Jeder, der das je gewusst hatte, lebte nicht mehr, abgesehen von Megara. Woher also wusste Damon davon? Megara etwa? Megara, seine großmütterliche Freundin, seine Retterin? Nein, das glaubte er nicht. Sie hatte niemals Fragen gestellt. Er hatte das geschätzt, damals. Doch heute fragte er sich, ob es vielleicht besser gewesen wäre, mit ihr darüber zu reden. Ob es ihn dann heute immer noch verfolgte? Entlaufene Sklaven gab es viele in der Gilde. Doch wenige von ihnen hatten den Keller der Hexen von innen gesehen. Wenige Männer hatten ihn überhaupt überlebt. Und er traute den meisten zu wenig, um sich ihnen anzuvertrauen. Dafür war er wohl mittlerweile ohnehin zu alt.

Nein! Schluss damit! Ahavan ließ seine Faust gegen eine Wand krachen. Es war nicht sehr laut, ein eher dumpfes Geräusch, aber es war schmerzhaft genug, dass es die Gedankenkette unterbrach. Das genügte. Die Statur des Streuners straffte sich. Genug von diesem Gefühl des Ausgeliefertseins. Er wollte handeln. Er wusste, was es ausgelöst hatte. Damon. Er musste etwas tun, wollte etwas tun. Doch dafür brauchte er einen klareren Kopf als jetzt. Barfuss nur gehüllt in seinen warmen Mantel schritt er zunächst den Marktplatz ab. Um diese Zeit war es hier unnatürlich still. Ihm fiel auch auf, dass die Decke noch immer dunkel und fest über seine Kopf hing. Sie erinnerten ihn an die Kellergewölbe unterhalb des Hexenordens, wo der Orden einmal seine Folterkammern gehabt hatte . Sklaven, so wie er damals, die von Geburt an Sklaven waren, fügten sich besser und bekamen deshalb weniger Schläge dort unten. Clanler hatten die dortige Behandlung nur sehr selten überlebt, Sie waren wohl auch interessanter für die Hexen gewesen, die oft das Wilde, Ursprüngliche in den Männern erforscht hatten und ihre Magie.

Stopp! Er fing schon wieder an. Er war stehen geblieben, unweigerlich. Und starrte mit brennendem Blick zu dem Gang hinüber, der ihn auf die 3. Ebene der Gilde führen würde, der ihm eine Freiheit von seinem Problem verhieß, wenn er lautlos und unauffällig töten konnte. Aber nein! Noch nicht. Nicht heute … nicht jetzt … Er musste warten … Das Monster musste warten …
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ahavan n'a Riu » Sonntag 24. März 2013, 00:26

In dieser Nacht hatte Ahavan keinen Schlaf mehr gefunden. Er hatte beim Schein einer Kerze ein paar Karten studiert und sich Gedanken darüber gemacht, wo sich die überlebenden Menschen wohl verstecken mochten. Denn es galt sie zu finden, wenn er Geschäfte machen wollte. Anschließend hatte er noch die Karte des Priesterinnenordens genau studiert. Der Grundriss würde ihm jedenfalls weiterhelfen, sollte die Rubinfrau sich nicht als Expertin für den Orden erweisen. Ahavan war generell gerne doppelt und dreifach abgesichert. Er vertraute nur sich selbst. Dann wurde man nicht andauernd enttäuscht. Mal ganz abgesehen davon, dass er es sich bei so einem riskanten Unterfangen gar nicht erlauben konnte, Fehler zu begehen oder nachlässig zu werden. Patria war auch früher schon kein sicheres Pflaster für einen Mann gewesen. Doch hatte einem früher nur der Frondienst gedroht, drohte einem jetzt nicht nur der Verlust der Würde, sondern auch ein qualvoller und sehr schmerzhafter Tod. Patria wurde immer wieder von Namenlosen und Ohadus durchkämmt. Als würden sie ahnen, dass hier noch Menschen lebten. Oder als würden sie davon ausgehen, dass sich die Menschen an den Orten wieder einfinden würden, wo sie früher einmal gelebt hatten. Doch Ahavan zweifelte daran, dass selbst die Patrianerinnen so blöd waren.

Das Kartenmaterial verstaute er anschließend wieder in einer abschließbaren Truhe unter seinem Bett und begann damit sich anzukleiden. Seine Kleidung war nach den heutigen Maßstäben geradezu luxuriös. Als Händler hatte er Wert auf eine gute Qualität der Kleidung legen müssen. Stickereien aus Silberfäden prangten an den Ärmeln. Die Kleidung war in einem aufwendigen Verfahren gefärbt worden, so dass sie nicht so schnell verblasste. Er war nicht wirklich eitel. Es war einfach Tarnung und Geschäftsgebaren zugleich gewesen. Und so musste er lange suchen, bis er etwas robustes fand, dass dem Anlass angemessen erschien. Eine dunkelbraune Lederhose, sowie ein einfaches ungefärbtes Leinenhemd über das er eine graue, gefütterte Jacke zog, die mit schwarzen Knöpfen vor der Brust zu schließen war. Sie hielt warm und fiel in dem Schutt der Stadt nicht sofort ins Augen. Er nahm auch ein dunkles Tuch mit zu seinen Sachen so wie eine ausgebeulte Ledertasche, die schon wesentlich bessere Tage gesehen hatte. Das Tuch nahm er für Ruby mit, da er sich nicht sicher war, ob sie daran dachte, sich die auffällig roten Haare zu verdecken. Ahavan hoffte zwar sehr, dass sie zur Tageszeit nicht auf Entweihte treffen würden, aber Vorsicht war besser als Nachsicht.

Leise zog er die Tür zu seinem Raum hinter sich ins Schloss und machte sich auf dem Weg zum Treffpunkt. Er war etwas zu früh, aber das konnte ja nicht schaden. An dem verabredeten Ort auf den Wegen der 2. Ebene der Gilde lehnte er sich mit verschränkten Armen lässig gegen eine Wand. Den Fuß stütze er gegen die Wand und wippte sanft hin und her, während er dem Treiben um ihn her zu sah. Früher war einmal mehr los gewesen. Heute war die Gilde um ein paar Mitglieder ärmer. Das bedeutete mehr Platz, war aber auch bezeichnet für die Lage der Menschen im Allgemeinen. Zûl hatte es fast geschafft. Fast hatte er die Menschen von der Welt getilgt. Sogar ein paar ganz zähe Hunde der Gilde, weilten nicht mehr unter den Lebenden. Und von vielen wusste man nichts über ihr Schicksal. Kasache zum Beispiel. Oder Asherel. Und dasselbe traf auch auf Riyalia Arcanus zu. Die Schwester des Prinzen, die ihm in ihrer direkten und sehr unverblümten Art allemal lieber gewesen war, als ihr ständig schauspielernder, ränkeschmiedender Bruder. Hoffentlich kam die Rubinfrau bald, sonst würde er doch noch das ein oder andere Tränchen verdrücken. Spöttisch hob sich sein linker Mundwinkel. Ja genau! Dumm nur, dass er sich das selbst nicht glaubte. Rius Tod war das einzige gewesen, was ihm je wieder so nah gegangen war. Danach hatte er beschlossen, dass ihm die anderen Menschen im Grunde egal waren. Da hatte man einfach weniger Probleme!
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ruby » Montag 25. März 2013, 10:48

Ruby war hundemüde. Sie war es nicht gewohnt so früh aufzustehen und sie ärgerte sich, weil sie den Termin auch noch so früh gewählt hatte. Immer wieder kniff sie die Augen zusammen, um schärfer sehen zu können. Sie musste wach werden, die Aufgabe war schon schwierig genug, aber wenn sie nun noch halb schlief, konnte es nur schief gehen. Als sie um die Ecke kam, sah sie schon Ahavan an der Wand lehnen. Diese Haltung reichte ihr eigentlich schon aus, um wieder umzudrehen, aber sie zwang sich weiter zu gehen. Ein langes Gähnen konnte sie jedoch nicht unterdrücken und schließlich stand sie vor Ahavan.

"Morgen!", das brachte sie heraus und sie sah ihn an. Er trug eine Lederhose und ein Hemd mit einer Jacke drüber. Die Kleidung sah einfach und schlicht aus, aber Ruby war sich ziemlich sicher, dass Ahavan sie genau ausgewählt hatte. Er schien nicht der Typ Mann zu sein, der etwas dem Zufall überließ!
Sie selbst hingegen hatte sich nicht allzu viele Gedanken gemacht, wie ihr jetzt auffiel. Sie hatte einfach nach dem gegriffen, was in der Nähe lag. Sie trug einen hellbraunen Rock, der besonders schön beim Tanzen aussah, dazu ein Oberteil, dass ihre weiblichen Reize betonte und einen hellbraunen dicken Umhang. Ihre Haare hatte sie in der Eile einfach noch oben gebunden und mit einem schwarzen Band fixiert und eine Tasche hing über ihrer Schulter für die Kräuter, die sie sammeln musste. Das Einzige, was wohl ihrem Vorhaben angemessen erschien, waren die Schuhe. Es waren feste dicke Lederschuhe mit Fellumrandung. Naja wenigstens würde sie an den Füßen nicht frieren!

Ruby hatte sich vor ihrem Gehen noch einmal die Karte vom Orden genau eingeprägt, aber davon war nicht mehr viel in ihrem Kopf vorhanden, wie sie nun feststellte. Aber sie vertraute auf das Glück, es würde ihr bestimmt wieder einfallen, wenn sie erstmal im Orden drin waren.
"Und bist du zu jeder Schandtat bereit?", fragte Ruby lächelnd, um die Stimmung ein bisschen aufzulockern, vor allem ihre eigene.
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ahavan n'a Riu » Montag 25. März 2013, 11:34

Ahavan sah sie schon aus einiger Entfernung zu ihm kommen und musterte sie heimlich. Ihre Aufmachung war … interessant. Sie sah eher aus, als würde sie eine Vorstellung ihres tänzerischen Könnens geben wollen. Möglich war natürlich, dass sie einfach keine andere Kleidung hatte. Immerhin hatte sie keine auffälligen Farben gewählt. Er ging jedenfalls davon aus, dass sie sich bei der Auswahl ihrer Kleidung etwas gedacht hatte. Der Umhang war warm, auch wenn ein Mantel vermutlich weniger hinderlich sein würde. Aber das würde sie schon noch lernen. Und das Schuhwerk sah recht robust aus. Eine Hose wäre vermutlich besser gewesen als dieser Rock, aber er würde schon gehen. Das rote Haar aber, würde sie verdecken müssen. Er wollte jedoch nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Alles in allem erschien sie ihm ja recht gut vorbereitet und das ließ ihn hoffen, dass sie die Sache ernst genug nahm. So wollte er sie auch nicht gleich zu Beginn ihres Unterfangens kränken, in dem er sie auf diesen Fehler hinwies. Er begrüßte sie mit einem spöttischen Lächeln und stieß sich von der Wand ab. Sie gähnte und er musste sich sehr große Mühe geben, es ihr nicht gleich zu tun. Seine Nacht war sehr kurz gewesen, doch nicht so kurz, dass es seine Aufmerksamkeit beeinträchtigen würde. Denn das konnte ihrer beider Tod bedeuten.

“Guten Morgen, Ruby. Schandtaten sind genau das was ich im Sinn habe!“ Er zwinkerte und musterte ihre Erscheinung abermals, suchte nach einer Waffe oder noch besser zwei. Er sah nichts Sichtbares. Das war nicht weiter ungewöhnlich. In ihren Kreisen gab es viele Leute, die wie er seine Waffen nicht offen zur Schau trugen. Dennoch musste er sie fragen, um einschätzen zu können, wann sie sich besser schleunigst zurückzogen. “Verfügst du über irgendwelche Waffen? Ich meine außer den Offensichtlichen?“ Seine Augen glitzerten in gutmütigem Spott, während sie kurz über ihren Körper wanderten. Heute hatte er eindeutig beschlossen etwas freundlicher zu sein. Das lag vor allem an dem Umstand, dass Damon nicht dabei war und seine Laune in dem Bruchteil eines Augenblickes in den Keller schießen lassen konnte. Schon ärgerlich, dass seine Hoheit so viel Einfluss auf das Gemüt eines einfachen, ehrbaren Mannes wie ihn ausüben konnte! Er grinste.

“Und dann würde ich gerne noch wissen, wie schnell und ausdauernd du laufen kannst, falls wir auf Namenlose oder Kobolde oder so stoßen. Das sollte in jedem Fall unsere erste Option sein. Also das Weglaufen, meine ich. Oder kannst du dich gut Verstecken oder tarnen? Ich nehme mal an das haben sie dir in der Priesterschule nicht beigebracht, oder?“ Nein, Ruby sah in ihrer Aufmachung überhaupt nicht wie eine Priesterin aus. Höchstens wie eine Priesterin einer archaischen Liebesgottheit. Genau! Und ihr Tanz wäre dann so was wie ein sinnliches Ritual. Wirklich schade, dass Damon gestern die Stimmung so verdorben hatte. Ahavan nahm aufgrund ihrer sportlichen Statur an, dass sie sehr gut und auch hübsch tanzen konnte. Das hätte er zu gerne gesehen. Schließlich war er auch nur ein Mann. Allerdings einer, der sich bestens unter Kontrolle hatte ... haben musste, damit das Biest in ihm nicht alles zunichte machte, was er sich so mühsam über die Jahre aufgebaut hatte.
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ruby » Montag 25. März 2013, 21:14

Kaum das sie angekommen war, überhäufte er sie wieder mit Fragen! Was für ein Perfektionist. Er war anstrengend! Ruby ließ sich aber nichts anmerken und lächelte weiter. Er hatte ja nicht nur negative Seiten, sondern er konnte auch äußerst charmant sein und er hatte diese ungewisse Aura, die ihn so unwiderstehlich interessant machte. Rubys Grinsen wurde bei seinen Worten breiter und sie drehte sich um die eigene Achse, dass der Rock sich zur Seite entfaltete und der Umhang tat es ihm gleich. Man konnte ihre Beine bis zu den Knien sehen und Ruby lachte. Wenn sie tanzte oder auch nur ein paar Schritte machte, war sie in ihrem Element und es fühlte sich einfach gut an.

"Kannst du eine Waffe entdecken?", fragte sie Ahavan, während sie sich immer noch drehte. Dann wurde sie langsamer und kam mit dem Gesicht vor ihm zum Stillstand. Sie schüttelte den Kopf. "Ich meinte das ehrlich, als ich sagte, dass ich von Waffen überhaupt keine Ahnung habe. In diesen Zeiten sicherlich nicht normal, aber ich habe andere Qualitäten. Ich bin schnell, sehr schnell sogar und ich kann sehr lange laufen." Sie grinste Ahavan frech an und versuchte abzuschätzen wie es um seine Kondition stand. "Außerdem weiß ich Verstecke für mich zu nutzen. Sollten wir fliehen müssen, dann brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Ich bin wie eine Katze!" Sie schnurrte die letzten Worte, dann wurde sie wieder ernst und winkte ab. "In der Priesterinnenschule haben sie uns überhaupt nichts Nützliches beigebracht, außer zur Göttin zu beten und ihre Kräfte zu nutzen. Aber nun bin ich ja hier und du kannst mir doch ganz bestimmt ein paar gute Kniffe zeigen." Männer mochten es, wenn man sie brauchte oder ihnen wenigstens das Gefühl gab. Ahavan war da sicherlich nicht anders! "Und wie wollen wir rein gehen? Durch den Wald der Lichter oder gleich mitten rein in Patria? Ich hab gehört, dass da oben noch einiges leben soll, was uns nicht so mag!"
Ruby hatte keine Angst. Sie hatte in ihrem Leben noch nie wirklich um ihr Leben fürchten müssen. Auch im Krieg war sie nie in Gefahr gewesen. Natürlich machte ihr der Verlust vieler Freunde zu schaffen und sie hasste es, dass nicht genug zu essen da war und alle anderen Unannehmlichkeiten. Sie war also voller Vorfreude.
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ahavan n'a Riu » Dienstag 26. März 2013, 11:43

Ahavan verstand ihre aufreizende fließende Drehung durchaus als Einladung etwas intensiver hin zu schauen, was er auch tat. Er musste seine Meinung von gestern etwas revidieren. Sie war zwar muskulös, aber nicht auf diese amazonische Weise. Sie war zwar nicht so kurvig und weich, wie er es bevorzugte, aber doch irgendwie weiblich. Vor allem, wenn sie sich so tänzerisch bewegte wie gerade. Er musterte ihr vorwitzig hervorlugendes Bein und grinste. Man, da hatte sich der Trottel Damon wirklich um eine Vorstellung gebracht! Und das wo er doch angeblich so ein Frauenheld war. Er nahm an, die Kleine würde dem ein oder anderen Mann sicher feuchte Träume bescheren, wenn sie tanzte. Als sie auch noch keck fragte, ob er eine Waffe entdecken könnte, verzog sich sein Mund zu einem breiten Lächeln, dass er nur sehr wenigen schenkte. Er mochte freche Menschen. Vor allem, wenn sie auf so unaufdringliche unpersönliche Weise frech waren. Pluspunkt zu ihren Gunsten.

Er zog das dunkle Tuch aus seiner Jackentasche, während sie sich munter um Kopf und Kragen redete und zur Krönung auch noch schnurrte. Er reichte es ihr mit provokativ hochgezogenen Augenbrauen. "Hier, du Kätzchen. Damit die bösen Wölfe da draußen, dein Fell nicht bemerken, bevor wir zuschlagen." Dann lachte er auf, als er ihre nächsten Worte vernahm. "So? Warst du dann also eine brave und sittsame Betschwester, hm? Das 'Hm' zog er absichtlich in die Länge. "Das wäre sicher mal was neues hier in der Gilde. Von unartigen Mädchen haben wir hier ja wahrlich mehr als genug. Und ich könnte sicher jemanden brauchen, bei dem ich beichten kann und der für mein Seelenheil zur Göttin betet."

Er trat ein wenig dichter an sie heran, wartete geduldig, bis sie sich das Tuch endlich um ihren Kopf band und somit das verräterische Rot verdeckte. Sie wollte etwas von ihm lernen? Er schmunzelte. Na wenn das mal kein Süßholzraspeln war, dann fraß er nen Besen. Aber es tat trotzdem gut, zu hören, dass sie was von ihm lernen wollte. Das musste er ihr ja nur nicht gleich auf die Nase binden. "Was könnte ich dir schon beibringen, Kätzchen? Du bewegst dich viel graziler als ich. Ich bin eher der Mann fürs Grobe, weißt du? Du dagegen, bist eher ein Feingeist." Aus seinem Tonfall wurde nicht klar, ob er sie nun verspottete oder nicht. "Vielleicht solltest du mal bei seiner Hoheit anfragen. Der bringt dir sicher das ein oder andere neue bei. Bei mir wirst du nur lernen, wie man wegläuft und dabei das ein oder andere mitgehen lässt. Schnell rein und schnell wieder raus. Das ist meine Devise." Damit beantwortete er im Grunde schon die Frage, nach dem Weg, den sie gehen würden. Den kürzesten. Auch der Wald der Lichter war nicht mehr sicher. Wozu also das Risiko auf sich nehmen, einen längeren Weg zu nehmen? Sie würden eben sehr vorsichtig vorgehen müssen, wenn sie den Tunnel direkt nach Patria nahmen. Aber das würden sie ohnehin sein müssen. Das ganze Unterfangen konnte sich nur zu schnell als Himmelfahrtskommando erweisen. Ahavan hatte aber keine Lust schon den Löffel abzugeben, dewegen hatte er ja auch sorgfältig geplant und war auf so gut wie alles vorbereitet.
"Wir nehmen den Weg durch den Keller. Falls wir Namenlosen oder Ohadus begegnen, ziehen wir uns Richtung Wald der Lichter zurück und versuchen sie dort abzuhängen, damit wir den Standort der Gilde nicht verraten," sagte er entschieden und bewegte sich auch sogleich in diese Richtung davon, blieb aber noch mal stehen und hielt sie am Arm zurück. Er beugte sich etwas zu ihr vor und flüsterte in ihr Ohr. "Besser wir halten uns mit Gesprächen ab jetzt zurück, bis wir wissen, dass die Luft rein ist. Ich werde vorgehen. Es sei denn du möchtest, Kätzchen?"

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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Sonntag 28. April 2013, 08:42

(Kommend von der Streunertaverne.)

Erst als sie die Taverne schon verlassen hatte und die nunmehr stillen und leeren Pfade der Gilde entlang gewandert war, wurde Asherel ihres Fehlers gewahr. Sie war geneigt, ihre Nachlässigkeit wieder auf ihre Müdigkeit zu schieben. Die Tatsache, dass Damon ihr eine sichere - nun gut, "sichere" - Schlafstatt angeboten hatte mochte auch einiges damit zu tun haben, dass sie so unachtsam war. Frustriert und ein bißchen hilflos sah Asherel sich um.

Sie hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wo Damon und Riyalia sich häuslich niedergelassen hatten.

Teilten sie sich das Quartier welches ehemals Salimones gehört hatte und wenn ja, wo war dieses? Der verstorbene Streunerprinz war ein Geheimniskrämer gewesen, so viel wusste Asherel auch wenn sie selbst ihn selten zu Gesicht bekommen hatte. Früher waren Glessandra und sie ja schließlich auch selten in der Gilde anzutreffen gewesen, was wenig Gelegenheit schuf den Prinzen kennenzulernen.

Vielleicht aber mied Damon die Gemächer Salimones die durch Learos Schattenhand und seine Schläger nach dem Verschwinden der Ashra in Beschlag genommen worden waren. Zumindest als sie die Gilde in Richtung Heerlager verlassen hatten, hatte Asherel Gerüchte gehört, die Gemächer des ehemaligen Streunerprinzen wären unbewohnbar.

Sie wusste es nicht. Und es gab auch niemanden den sie - genau jetzt wo sie orientierungslos und schwankend vor Müdigkeit war - danach hätte fragen können. Wäre sie wacher gewesen, Asherel wäre vielleicht noch die eine oder andere Idee gekommen um sich ein Schlaflager zu beschaffen. So wie die Dinge aber lagen zog sie unwillig den braunen Wollmantel aus ihrem Beutel und hüllte sich in den warmen Stoff ein. Erschöpft lehnte sie sich an die Wand in ihrem Rücken, glitt daran nieder bis sie schließlich auf dem kühlen Steinboden saß.

Es spielte keine Rolle, ob sie ein Bett hatte oder nicht; wichtig war nur, dass die Gilde sicher war. Das war ihr letzter Gedanke bevor sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.
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Re: Streunerpfade, Wege der Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Freitag 10. Mai 2013, 08:04

kommend von der Taverne

Damon war ein wenig enttäuscht, dass das Nymphchen nun auch schlapp machte. Er hätte die Zeit ohne Asherel gerne genutzt, um die junge Frau noch etwas besser kennen zu lernen. Mehr über sie zu erfahren, als sie bisher preis zu geben bereit war. Dennoch respektierte er natürlich, dass die junge Frau sich zurückzog. Galant lächelte er ihr zu und ergriff ihre Hand um einen Kuss darauf zu hauchen. “Nun, wenn dein Herz nicht bei einer Sache ist, hat das in der Tat keinen Sinn. Dann geh du nur schlafen. Aber ich bin sehr froh, dass wir uns bald schon wieder über den Weg laufen.“ Er zwinkerte dem Nymphchen zu und sein Lächeln wurde das eines kleinen Jungen. Das beherrschte Damon gut, wenn er denn wollte. Als das Nymphchen ihn dann auch noch auf die Wange küsste, war der Tag des Barden gerettet. Sie suchte Körperkontakt. In Gedanken spielte er schon alle möglichen weiterführenden Szenarien durch, da war sie auch schon aus der Taverne verschwunden. Leise seufzend erhob er sich und zahlte die Zeche, bevor er sich auf den Weg nach Hause machte.

Asherel die Arme würde sicher ungeduldig vor der Tür zu seinem Versteck auf ihn warten. Völlig erschöpft. Er lachte leise in sich hinein. Vielleicht hätte er ihr vorab erklären sollen, wo sie hin musste und was es zu beachten galt. Manchmal hatte er wirklich eine gemeine Ader. Er gluckste vergnügt. Er testete eben gerne seine Grenzen. Und er testete besonders gerne Asherels Grenzen. Wann würde sie ausflippen und ihn anschreien? Vermutlich nie. Er war sich seiner Stellung in der Gilde bewusst und auch, dass Asherel in der Regel nur kalt wurde, wenn sie sauer war. Kalt auf eine zuckersüße Weise, die ihn an sich selbst erinnerte. Jetzt, wo er an der Macht war, konnte er auch schon mal deutlicher zeigen, was er von der ein oder anderen Sache hielt. Aber in der Gilde war dies stets mit einer gewissen Gefahr verbunden. Vor allem, wenn man dem Prinzen gegenüber zeigte, was man von ihm hielt. Also nahm er an, Asherel würde es ihn auf diese zuckersüße, kalte Weise spüren lassen, die einem unbedarften Beobachter nicht den mindesten Hinweis auf ihren Ärger gab. Er gluckste wieder. Das Feuer in ihren Augen wäre es allemal wert.

Seine Gedanken in diese Richtung fanden ein jähes Ende, als er sie an eine Wand gelehnt fand. Sie hatte sich wie ein Obdachloser in eine Decke eingehüllt und schlief. Was war das komische flatternde Gefühl in seinem Herzen, dass sich langsam bis in seinen Bauch ausbreitete? Verwundert über diese seltsame Gefühlsregung starrte er eine Weile auf Asherel herab und sah ihr beim Schlafen zu. Er kniete sich vor sie und musterte sie mit schief gelegtem Kopf. Dann traf ihn die Erkenntnis wie der Hammerschlag eines wütenden Zwerges. Reue! Bei der Göttin oder wem auch immer, er wusste wirklich nicht, wann er das letzte Mal so etwas nutzloses empfunden hatte! Dennoch ließ er sich nun, da die Reue schon mal da war, von dem Gefühl leiten. Er schulterte seine Laute, schob dann den einen Arm unter ihre Beine und den anderen schlang er um ihren Rücken. Sanft hob er sie hoch. Sie war noch nie eine schwere Frau gewesen, aber das Gewicht erschreckte ihn nun doch uns erzählte eine ganz eigene Geschichte, was sie durchgemacht haben mochte. Ob seine Schwester auch so zurückkehrte? Oder schlimmer? Oder nie? Seine Arme drückten unweigerlich etwas fester zu, fast beschützend. Auch wenn dieser Schutzgedanke nicht in erster Linie Asherel galt, sondern eher Riyalia, die schon so lange verschwunden war. Er weigerte sich, sie für tot zu halten. So einfach war das.

An der verborgenen Tür zur dritten Ebene angekommen, betätigte er den Mechanismus, der diese öffnete und begab sich in den dunklen Tunnel, der noch tiefer in das Erdreich führte. Hinter sich verriegelte er die Tür, so das nichts und niemand hereinkommen wollte. Die Sicherheit der Ebene war der einer von zwei Gründen, warum er nun hier unten lebte. Der andere war, dass Riyalia niemals hier gelebt hatte und die Erinnerungen an sie, ihn nicht so sehr jagten wie in seinem alten Quartier. Ein paar der Fallen waren wieder aktiv. Ein geübter Mann aus der Gilde hatte sie wieder instandgesetzt und leider bei einem unvorsichtigen Ausflug an die Oberfläche sein Leben verloren. Damon war mit diesem Ausgang ganz zufrieden. Denn so war er der einzige, der die Funktionsweisen der Fallen kannte, der sie ein und auszuschalten wusste. Vielleicht würde er Asherel in diese Geheimnisse noch einweihen. Vielleicht aber auch nicht. Das würde sie abhängiger von ihm machen. Er war kein Dummkopf. Er wusste, dass man ihr im Grunde nicht vertrauen konnte. Ja, vielleicht war so eine weitere Sicherheitsleine gar nicht verkehrt. Er würde das entscheiden, sobald er wusste, wie sie auf die Gefallen reagierte, die er sich für sie ausgesucht hatte. Unten in seinem Versteck angekommen, trat er durch den Vorhang und legte die schlafende Asherel auf eines der beiden Betten, das nun hier unten stand und deckte sie zu. Kurz war er versucht, sie zu entkleiden, aber so ein Ehrenmann war er nicht, dass er die Finger dann wirklich hätte still halten können. Er blickte noch einmal auf ihr schlafendes Antlitz hinab und strich ihr sanft ihre Haare aus der Stirn. Dann gab er sich einen Ruck, zog sich Stiefel und Straßenkleidung aus und schlüpfte in das andere Bett. Allerdings nicht, ohne auf den Dolch unter seinem Kopfkissen zu verzichten. Bei Streunern konnte man schließlich nie wissen.

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