Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Das Heim der Diebe und Streuner in Patria (Zutritt nur als Gildenmitglied).

Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Donnerstag 7. März 2013, 11:32

Damon lächelte noch immer. Und der Ausdruck seiner Augen wurde mit einem Mal sehr verträumt. So war es immer, wenn er sich seiner einzigen wirklichen Liebe widmen konnte: Die Musik. Vergessen war der Umstand, das Ahavan ihn verärgert hatte. Vergessen war auch, dass Ruby ihn für heute abgewiesen hatte. Auch wenn sie das an diesem Abend noch bitterlich bereuen würde. Das hatte er längst beschlossen. Auf die ein oder andere Weise. Er erlaubte sich noch einen kurzen, beinahe sanften Blick auf sie, bevor er sich über das Instrument beugte. Wie so oft, floss das Lied einfach aus ihm heraus. Er machte sich keine Gedanken, ob er nun die Stimmung kippte, ob es der Gesellschaft angemessen war. Für heute wollte er sich einfach nur dem hingeben, was in seinem sonst so kalten Herzen wohnte.

Es mochte sein, dass das Lied, dass ihm nun entschlüpfte aus der melancholischen Stimmung geboren war, die er tief in sich drin verspürte, seit Riyalia vermisst wurde. Oder weil er im Grunde wusste, dass die Menschen nur noch so wenige waren. Nicht das ihn das persönliche Schicksal Unbekannter wirklich kümmerte. Aber er hatte längst erkannt, dass das Zeitalter der Menschen sich dem Ende neigte, wenn es nicht schon ein Ende gefunden hatte. Und so war es nicht ein fröhliches Lied, dass ihm entschlüpfte.

“Auf einen Baum drei Raben stolz
die waren so schwarz wie Ebenholz
so schwarz wie eben deine Seel
und davon ich euch jetzt erzähl
so schwarz wie eben deine Seel
und davon ich euch jetzt erzähl

der eine sprach Gefährten mein
was soll die nächste Mahlzeit sein
in jenem Grund auf grünem Feld
da liegt in seinem Blut ein Held
in jedem Grund auf grünem Feld
da liegt in seinem Blut ein Held

die Hunde liegen auch nicht fern
sie halten Wacht bei ihrem Herrn
drei Falken kreisen auf dem Plan
kein Vogel wagt es ihm zu nahen
drei Falken kreisen auf den Plan
kein Vogel wagt es ihm zu nahen

da kommt zu ihm ein zartes Reh
ach dass ich meinen liebsten seh
sie hebt sein Haupt von blut so rot
der liebste den sie küsst war tot
sie hebt sein Haupt von Blut so rot
der liebste den sie küsst war tot

ein Rabe spricht doch gebet acht
es folgt ein Morgen auf die Nacht
die Falken sind nicht mehr zu sehen
nun lasst uns fürstlich Speisen gehen
die Falken sind nicht mehr zu sehen
nun lasst uns fürstlich speisen gehen

und auch die Hunde im Verein
die nagen Fleisch ihm vom Gebein
und auch sein treues Mägdlein
schläft schon am Abend nicht allein
und auch sein treues Mägdlein
schläft schon am Abend nicht allein“

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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ahavan n'a Riu » Donnerstag 7. März 2013, 12:06

Ahavan lachte lauthals heraus, als sie so freimütig zugab, von Waffen keine Ahnung zu haben. Und das, wo sie doch hoffte, mit ihm ins Geschäft zu kommen, ein gefährliches Geschäft noch dazu. Entweder war sie dumm, was er nicht so recht glauben mochte oder sie war unverblümt ehrlich. Das wiederum glaubte er aber auch nicht wirklich. Ein Rätsel. Wie interessant. Er war sich auch nicht sicher, ob er ihr die Helfernummer wirklich abkaufen sollte. Immerhin war sie ja jetzt hier, bei den Streunern. Er war schon gespannt darauf, wie sie hierher gekommen war. Oder was sie darüber erzählen würde. Er war Streuner genug, um zu wissen, dass das nicht unbedingt dasselbe sein musste. Sie waren eine geheimniskrämerische Gemeinschaft. Er erwiderte Rubys Blick daher auch sehr ruhig und versuchte die Nuancen in ihrem zu ergründen. War das ein stilles Hilfsgesuch, was sie ihm sandte? Spöttisch hob sich ein Mundwinkel. War ihr der Streunerprinz etwa irgendwie unangenehm? Das konnte man ja fast nicht glauben! Wo Damon doch so schüchtern und zurückhaltend war, dass er den Frauen meist gar nicht auffiel.

Auf ihre nächsten Worte hin, zwinkerte er ihr sogar amüsiert zu. Das war ein weiterer kleiner Seitenhieb gegen Damon gewesen. Da war er sich ziemlich sicher. Ahavan der Asket. Genau. War ja klar, dass Damon so etwas über ihn sagen musste nur weil er nicht jeden Frauenarsch anschmachtete wie seine Hoheit. Das juckte ihn nicht im Geringsten. Er hatte eben einfach nur Geschmack und fiel nicht mit der Tür ins Haus. Möglich, dass er deswegen dem Prinzen bei Eroberungen zahlenmäßig unterlegen war. Aber sicher niemals in der Qualität! Außerdem bestand Ahavans Lebenszweck ja nicht darin, möglichst viele Nachkommen mit verschiedenen Frauen zu zeugen. Er kam prima ohne all das Weibsvolk klar. Na gut. Vielleicht ärgerte es ihn doch ein bisschen, dass Damon so einen Mist erzählte! Aber welcher Mann ärgerte sich nicht, wenn seine Männlichkeit in Frage gestellt wurde.

Seine Gedanken fanden ein jähes Ende, als der Streunerprinz zu singen begann. Ruby war aufgestanden, vermutlich um etwas von ihren Künsten zu zeigen. Das bekam er noch mit. Dann aber war da nur noch die Stimme Damons, der eine traurige, in seinen Augen wenig tanzbare Ballade vortrug. Er wusste ja, dass der Prinz den großen Alleinauftritt liebte, aber … Ahavan hörte auf zu denken. Es war einfach nicht mehr möglich. Fast war ihm, als würde die Situation, die Damon besang, sich direkt hier in der Taverne abspielen. So mächtig war das geistige Bild, dass er mit seinem Lied bei Ahavan heraufbeschwor. Gebannt starrte er den völlig versunkenen Barden an. Seine Kehle war wie zugeschnürt. Und selbst als Damon geendet hatte, brauchte Ahavan eine Weile um sich zu sammeln. Er räusperte sich ein paar Mal, schüttelte sich wie ein nasser Hund und ging erst einmal zur Theke, wo er sich eine doppelte Portion des Kräuterschnapses geben ließ, die der Wirt selbst herstellte. In einem Zug lehrte er das Glas und kehrte zum Tisch zurück. “Vielleicht spielst du jetzt mal was Fröhliches, hm?“ meinte er trocken.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ruby » Freitag 8. März 2013, 09:56

Ruby hatte sich eigentlich auf das Tanzen vorbereitet und blieb dann wie angewurzelt stehen. Es fühlte sich an als würde die Taverne von einem dicken, undurchdringbaren schwarzen Nebel erfüllt. Als würde dieser Nebel alles Lebendige in sich aufzerren. Der Krieg und seine Vernichtung war nie näher gewesen als gerade in diesem Moment in dieser Taverne. Die Ohadus waren bereit sie alle zu blenden, zu benutzen und zu verschlingen. Ruby spürte die absolute Aussichtslosigkeit und die Reise über die Berge war plötzlich unwichtig, denn auch dieses Unterfangen war zum Scheitern verurteilt.
Das Lied endete, aber der Schrecken wollte nicht gehen. Ruby stand immer noch dort, regungslos und starrte auf Damon nieder. Die Worte von Ahavan drangen nur gedämpft an ihr Ohr. Sie war drauf und dran einfach zu gehen. Sie musste hier weg. Sie hatte kein Interesse mehr an einem fröhlichen Lied. Wie sollte sie jetzt noch tanzen können? Warum hatte Damon das getan?

Ganz langsam erwachte Ruby wieder aus diesem Schrecken und je klarer sie wurde, desto wütender wurde sie, aber sie zeigte das natürlich nicht. Sie schnappte sich ihren Krug und trank einige sehr lange Schlücke von dem Bier. Als sie das Bier absetzte und Damon ansah wurde ihr klar, dass es ihm völlig gleichgültig war, jedenfalls wirkte er so. Es schien ihn nicht zu interessieren was er mit seiner Musik anstellte, wahrscheinlich war er einfach einer Laune gefolgt. Ruby ballte vor Zorn kurz die Hände zusammen, schüttelte sich innerlich und klopfte sich den Staub aus der Kleidung, der nicht da war.

"Es ist schon spät geworden! Für mich wird es Zeit zu gehen." Ihr zuvor so freundliche Stimme, hatte etwas eisiges, unabwendbares. "Ahavan ich würde sehr gerne noch mal über das Geschäftliche sprechen. Wo werde ich dich finden? Und Damon, vielen Dank für diese musikalische Darbeitung und das gute Bier."
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ahavan n'a Riu » Freitag 8. März 2013, 22:58

Scheinbar war er nicht der Einzige, den Damons Auftritt ein wenig mitgenommen hatte. Nicht nur hatte sich eine betretene Stille in der Taverne breit gemacht, auch die Rubinfrau war erstarrt. Er nahm nicht an, dass sie getanzt hatte. Er hätte es nicht sagen können, so gefangen war er von dem Szenario gewesen, dass Damon heraufbeschworen hatte. Was ging nur im Kopf des Streunerprinzen vor? Ahavan hatte nicht den Eindruck, dass Damon je etwas wirklich spontan und unüberlegt tat. Warum er jetzt so eine Nummer abgezogen hatte, war ihm ein Rätsel. Andererseits wirklich wundern konnte er sich auch nicht darüber. Wenn man den Prinzen kannte, wusste man eigentlich, dass man stets mit wie auch immer gearteten Überraschungen rechnen musste.

Am liebsten hätte er Ruby nun ebenfalls einen Schluck Kräuterschnaps ausgegeben. Sie sah wirklich so aus, als könnte sie es gebrauchen. Das musste wohl ihre erste Begegnung mit Damon gewesen sein. Wenn er ein anderer Mann gewesen wäre, hätte er wohl jede Menge Mitleid mit ihr. So jedoch, war dies lediglich eine Feststellung. Tatsächlich schienen ihm ihre Bewegungen nun weniger elegant zu sein, eher ein bisschen abgehakt. Er konnte sich natürlich auch irren, aber er hoffte zumindest, dass Damon auch bei ihr zu weit gegangen war. Man wusste ja nie, für was das noch gut sein könnte. Und dann sagte sie endlich wieder etwas.

Und wie sie es sagte. Oh, oh. Dieses Eis in der Stimme, das war ihm ein Begriff. So reagierten viele Frauen, wenn sie sauer waren oder sonst wie angefressen. Er lächelte unterdrückt, ohne das einer von beiden es sehen konnte. Konnte es sein, dass seine Hoheit genau diese Reaktion hatte hervorrufen wollen? Aber warum nur? Was hatte er vor? Nun, das lies sich sicher irgendwie herausfinden. Er wandte sich nun Ruby zu, wobei er Damon seinen Rücken präsentieren musste. Kein sonderlich angenehmes Gefühl. Besser er hielt sich kurz. Er berührte Ruby am Arm, einladend, freundlich. "Gute Idee. Ich muss auch weiter. Wir können auf dem Weg noch ein wenig darüber reden. Dann müssen wir Damon auch nicht damit behelligen. Komm." Sein Griff war fest, wenn auch nicht zwingend bedrohlich. Dennoch wurde deutlich, dass er keine Widerrede duldete. "Damon." Er nickte dem Streunerprinzen freundlich zu und bugsierte dann die Rubinfrau Richtung Ausgang. Besser sie machten schnell, dass sie davon kamen. Ahavan war sehr gewillt, die Chance zu nutzen, die sich ihm gerade bot. Sonst musste er nachher noch den ganzen Abend hier mit seiner Hoheit rumhängen. Und darauf hatte er nun wirklich keine Lust!
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ruby » Samstag 9. März 2013, 11:18

Da hatte sich Ruby wohl zu früh gefreut! Den einen war sie los, den anderen dafür noch nicht. Sie hätte Ahavan gar nicht als so anhänglich eingeschätzt. Der Druck seiner Hand war eindeutig und Ruby sperrte sich auch nicht dagegen. Sie nickte Damon noch einmal freundlicher zu und verließ den Tisch. Das war wirklich sehr dumm gelaufen und Ruby ärgerte sich darüber. Nun hatte sie schon die Chance bekommen den Streunerprinzen kennen zu lernen und dann das! Dieser Damon schien aber auch ein wirklich seltsamer Kerl zu sein. Diese unangenehme aufdringliche Art mochte Ruby nicht. Egal, passiert war passiert und nun musste sie sich auf das Kommende konzentrieren, was mit Sicherheit nicht weniger unangenehm wurde. In Sekundenschnelle versuchte Ruby alle Informationen in ihrem Hirn abzurufen, die mit Priesterinnen zu tun hatten. Viel kam dabei nicht heraus, aber es musste erstmal reichen. Nun ärgerte es sie schon, dass sie nie etwas mit Waffen zu tun haben wollte.

"Also was meinst du? Könntest du eine Heilerin auf deiner Reise gebrauchen? Ich meine du kannst Kämpfer mitnehmen, aber wenn du wirklich in eine Schlacht verwickelt wirst, dann nützen dir verletzte Kämpfer auch nichts! Außerdem kann ich die Leute unterhalten, ich kann kochen, ich habe große Ohren - wenn du weißt was ich meine - und ich werde ein wertvolles Mitglied der Gruppe sein!" Ruby lachte. "Gut, Eigenwerbung beendet!" Sie sah mit großen Augen zu Ahavan und fragte sich zum wiederholten Male, ob sie hier auch wirklich das Richtige tat! Sie wusste doch gar nicht was hinter den Bergen lag. Vielleicht ein barbarisches Land ohne Sitten.
Ruby schob den Gedanken zur Seite, denn gerade jetzt gab es Wichtigeres, sie musste Ahavan davon überzeugen, dass er sie unbedingt brauchte.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Samstag 9. März 2013, 12:23

Damons Lächeln wurde breiter als Ahavan erstmal aufstand und sich einen Schnaps holte und auch die rothaarige Schönheit sah etwas derangiert aus. Kurz stellte er sie sich in einem weitaus derangierteren Zustand vor. Mit vom Liebesspiel zerzausten Haaren zum Beispiel. Irgendwann würde er sie schon noch dazu überreden. Ersteinmal aber hatte sie zu schmecken bekommen, was es hieß den Prinzen zu verärgern. Eine feine Warnung, die nicht als solche identifizierbar war, war seine Spezialität. Man könnte meinen, dann wäre die Warnung sinnlos. War sie aber nicht. Denn anschließend ließen die Menschen immer viel mehr Umsicht in seiner Gegenwart walten, um ihn nicht zu verstimmen. Nicht dass er es nötig hatte mit solchen Mittel eine Frau ins Bett zu bekommen. Aber es machte eben von Zeit zu Zeit Spaß, die Leute zu schockieren. Nicht das es wirklich geplant gewesen war. Aber das mussten die beiden ja nicht wissen.

Oh und Ruby war wirklich ein bisschen verärgert. Ihre Stimme war kalt, als sie sich verabschiedete. Aber so ganz kalt, wollte er sie natürlich nicht ziehen lassen. Wieder einmal war es ihm egal, was andere für Pläne hatten. Er war eben durch und durch ein Egoist und er war stolz darauf! Immerhin ließ er Ruby zu Ende sprechen. Das gehörte alles zum Plan, der sich nun in seinem Kopf wie die Fäden eines Spinnennetzes vor ihm ausbreitete. Und wie die Spinne so würde er geduldig darauf warten, dass sie ihm ins Netz ging. Schließlich machte sie ja Geschäfte mit Ahavan und nicht mit ihm. Da galt seine Regel nicht. Er holte die beiden kurz vor der Tavernentür ein und setzte ein sichtlich zerknirschtes Gesicht auf. In einer reuigen Geste senkte er das Haupt vor der schönen Tänzerin und suchte mit den Augen ihren Blick.

“Mir drängt sich der Eindruck auf, ich habe mich mal wieder daneben benommen! Es tut mir leid. Ich bin nur ein Sklave der Musik. Sie kommt manchmal, wenn sie will und nicht, wenn ich es will. Ich würde dich so gerne tanzen sehen. Aber ich sehe ein, dass ich die Stimmung mit meinem Lied verdorben habe. Ich würde mich gerne entsprechend bei dir entschuldigen. Komm Morgen zu mir.“ Es war unmissverständlich, dass er keine Bitte aussprach, die man so einfach ablehnen konnte. Aber in seiner Stimme schwang auch nicht wie vorher der Wunsch zu flirten mit. Wenn überhaupt, war dort nur ein Hauch von Unschuld und Verletzlichkeit zu finden, die ihm gut zu Gesicht stand. Er wartete auch gar nicht erst auf eine Antwort. Er beugte sich über ihre Hand, hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken und kehrte zum Tisch zurück, wo er leise und sehr sanft auf seiner Laute improvisierte.

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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Ahavan n'a Riu » Samstag 9. März 2013, 13:03

Offensichtlich war er noch nicht erlöst. Doch zum Glück widmete sich Damon nun mit voller Aufmerksamkeit der Rubinfrau. Ob sie genauso hart war wie Stein? Sie würde das noch brauchen können, jetzt, wo sie erst einmal das Interesse des Prinzen erregt hatte. Er konnte eine ziemliche Ausdauer an den Tag legen und sehr anstrengend sein, wenn man ihn abwies. Das hatte er ja lange beobachten können. Charmant konnte Ruby jedenfalls sein, wenn sie wollte. Auch wenn sie für seinen Geschmack etwas zu derb war, zu sehr patrianische Verhaltensweisen ihr eigen nannte. Er mochte eben lieber Frauen, die zu ihm aufsahen, die ihn irgendwie brauchten. Scheinbar war es genau das, was Damon nicht mochte. Aber er konnte sich sehr gut vorstellen, mit Ruby Geschäfte zu machen. Wenn nur die Hälfte von dem stimmte, was sie behauptete, dann würde sie sich in der Tat als sehr nützlich erweisen. Ersteinmal aber wollte er herausbekommen, wie gut sie tatsächlich war.

Eine beinahe stoische Ruhe ausstrahlend, wartete er Damons Redeschwall ab und zog Ruby dann an der Hand einfach aus der Taverne. Er hatte wirklich keine Lust mehr auf die Launen des Prinzen. Er hätte sie natürlich einfach ihrem Schicksal überlassen können, aber er wollte schließlich mit ihr ins Geschäft kommen. Nachdem sich die Tür endlich geschlossen hatte, atmete er erst einmal tief durch. Er ließ sich sogar dazu hinreißen zu sagen: “Den wären wir erstmal los.“ Ein spöttisches Lächeln spielte um seinen Mund und er kniff ihr sichtlich amüsiert ein Auge. “Ich an deiner Stelle würde mir eine schlüssige Ausrede einfallen lassen, warum du Morgen keine Zeit für seine Hoheit hast.“

Er strich sich mit einer fahrigen Geste das Haar aus der Stirn und musterte die Tänzerin nachdenklich. Schließlich brummte er etwas und setzte sich endlich in Bewegung. “Ich könnte dir so eine Möglichkeit verschaffen. Wenn du im Priesterorden warst, kennst du dich da doch sicher aus? Eine Heilerin hätte ich sehr gerne dabei, aber ich verlasse mich grundsätzlich nicht auf nur eine Person. Ich würde gerne an die Oberfläche und im Priesterinnen und Hexenorden noch nach ein paar Heiltränken suchen. Die erkennst du doch sicherlich oder? Vielleicht erinnerst du dich ja auch noch an ein paar Verstecke? Ich weiß, in Patria steht nicht mehr viel und es wäre auch gefährlich. Sieh es einfach als Generalprobe, okay“ Er musste ihr ja nicht sagen, dass er jahrelang mit gestohlenen Tränken gehandelt hatte und sich damit bestens auskannte.

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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Sonntag 10. März 2013, 13:10

(Von den Streunerpfaden kommend.)

Hatte sie vorher das Gefühl gehabt die Menschen hätten sich geändert? Die Taverne bewies ihr das genaue Gegenteil. Asherel fühlte, wie das Lächeln auf ihren Lippen breiter wurde. Suchend ließ sie ihren Blick über die Köpfe der Anwesenden schweifen – und blieb an einem Schopf sandfarbenem Haar hängen.

Es war ungewöhnlich, den Streunerprinzen alleine anzutreffen, war er doch ständig in Begleitung seiner Schwester Riyalia. Das hieß nicht, dass die Geschwister nur miteinander sein konnten. In ihrer Zeit im Heerlager hatte Asherel das ein oder andere Mal das Vergnügen gehabt, mit den Geschwistern einzeln zu arbeiten. Unvergessen war der Abend, an dem eine Amazone – Asherel nannte sie auch heute noch nur das „Sakussigesicht“, obwohl sie ihren Namen mittlerweile kannte und auch so schnell nicht mehr vergessen würde – ihr die Aufwartung gemacht hatte und sich auf ihren blonden Sklaven berief, der ihr von Asherels angeblicher Neigung erzählt hatte. Die Rache folgte natürlich auf dem Fuße: wenn sie schon die Herrin eines Sklaven war, so nutzte sie dies auch weidlich aus. Zumindest wenn die Patrianerinnen in Hörweite waren oder Asherel ihre Tänze übte und dafür Damons musikalische Untermalung einforderte. Und obwohl das Flötenspiel Aylifeys vollkommen ausreichend gewesen wäre, hatte die dunkelhaarige Tänzerin die Laute des Streunerprinzen mehr genossen. Und wenn es nur eine Möglichkeit war, ihn daran zu erinnern wie albern sein Grundsatz doch war - schließlich wusste Asherel geschäftliches und privates sehr wohl zu trennen.

Aber natürlich war das vor der eigentlichen Schlacht gewesen.

Den Kopf über die Saiten seiner Laute gebeugt schien der Streunerprinz nun in seiner ganz eigenen Welt zu sein. Die Töne, die er seinem Instrument entlockte, waren leise und sanft, aber darum nicht weniger schön. Asherel machte keinen Hehl daraus, dass sie ihn um dieses Talent beneidete. Es war ihr nie vergönnt gewesen, ein Instrument zu erlernen und ihr „Sangeskünste“ waren kaum für die Unterhaltung anderer ausreichend. Sie hatte zwar den Rhythmus im Blut aber sie war nun einmal eine Tänzerin und keine Musikerin. Wenn die Musik aufspielte war sie nie in der Lage gewesen, still sitzen zu bleiben. Sie musste sich bewegen, drehen, wiegen, tanzen. Alles an ihr warf sich in den Tanz wie in eine wilde Liebesnacht, immer und immer wieder. Es gab kein Halten wenn Asherel tanzte, keine Zurückhaltung. Musik war dazu da um zu Tanzen und wer nicht mit ganzem Herzen, ganzem Körper und ganzer Seele tanzte, der tanzte nicht sondern bewegte sich nur im Takt.

Die Klänge, die Damon Arcanus nun fabrizierte lockten niemanden zum Tanzen oder Singen. Der Grund hierfür war zum einen die mangelnde Lautstärke und zum anderen… Asherel konnte es sich nicht recht erklären. Fast schien es, als ob die anderen Gäste den Prinzen isolierten. Nein, das war nicht richtig. Damon saß alleine und die anderen Gäste hielten zu ihm Abstand wie man zu einer wilden Bestie Abstand hielt. Es war Ehrfurcht, mit besonderer Betonung auf „Furcht“.

Ihre Füße indes trugen sie wie selbstverständlich zum Tisch des Streunerprinzen und wie selbstverständlich ließ sie ihre Finger kurz über seine Schulter tanzen. Es war eine flüchtige Berührung die von einer gewissen Vertrautheit zeugte, auch wenn diese nunmehr Vergangenheit war. Asherel und Damon waren keine Geschäftspartner mehr und hier mussten sie auch niemanden davon überzeugen, Herrin und Sklave zu sein. Das verspielte Lächeln auf ihren Lippen war in ihrer Stimme nicht zu überhören und der Schalk blitzte in ihren dunklen Augen auf.

“Darf eine gewöhnliche Streunerin wie ich es wagen, mich an dem Tisch des edlen Streunerprinzen niederzulassen?“
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Montag 11. März 2013, 11:15

Damon vertiefte sich bald wieder in das Lautenspiel und vergaß Ruby und Ahavan für einen Augenblick. Da war nur er und die Musik, die ihn sanft tröstete. Ihm war egal, dass die anderen in der Taverne ihn mieden, dass er die Stimmung der meisten zum Negativen gewendet hatte. Denn wenn er sich im Grunde schlecht fühlte, konnten es die anderen ruhig auch. Melancholie überschwemmte ihn wie eine Welle, schnürte ihm den Hals zu, als er an Riyalia dachte, die ihm vermutlich schon längst eine verpasst hätte. Jaja, seine Schwester war die einzige, die fähig war, ihn aus seinen Launen herauszuholen und zu erden. Jetzt wo sie fehlte, fehlte auch das letzte Band, was ihn weniger schwierig gemacht hatte. Er vergaß den Ort an dem er sich befand, hörte nicht das leise Reden und auch nicht das Öffnen und schließen der Tür. Dies war einer der Momente, in dem man sich nicht mal an ihn hätte anschleichen müssen, wenn man ihm ans Leder wollte. Einer der Augenblicke, wo Riyalia ihm stets den Rücken gedeckt hatte.

Er seufzte auf, als sanfte Fingerkuppen über seine Schulter strichen und griff nach der Hand, noch bevor er wusste, zu wem sie gehörte und hauchte einen Kuss darauf. Dass es eine Frauenhand war, konnte er schließlich sehen. Für einen Moment schloss er sogar die Augen. War es Ruby, die doch zu ihm zurückgekommen war? Aber nein, diese Stimme hätte er unter Zehntausend Frauen wiedererkannt. Vorsichtig, legte er die Laute auf einen Stuhl gegenüber. Dann erhob er sich und wirbelte herum, dass seine Gewänder flogen, wie bei einer theatralischen Vorführung. Fest umfing er Ashe und hob sie dabei ein Stück vom Boden. Seine Arme hielten sie fest, aber nicht aufdringlich, auch wenn er sein Gesicht kurz in ihrem Haar vergrub. Wenn sie lebte, dann lebte vielleicht auch Riya. Hoffnungsvoll linste er über Ashes Schulter zur Tavernentür. Aber sie blieb geschlossen.

"Ich hatte befürchtet du wärst gestorben, Ashe." Und das wäre wirklich ein Jammer gewesen, wo sie so hervorragend Spielchen mit ihm spielen konnte. Mal ganz abgesehen davon, dass sie natürlich eine Frau war, noch dazu eine, die er noch nicht genossen hatte. Aber er hatte ihren Humor sehr zu schätzen gelernt und in gewisser Weise vertraute er ihr. Zumindest soweit er gucken konnte. Das alleine kam schon einem Ritterschlag gleich. Langsam wurde ihm bewusst, dass er sie noch immer hielt. Beinahe verlegen ließ er von ihr ab und deutete auf einen Platz. "Du bist niemals nur eine gewöhnliche Streunerin gewesen, Ashe." Seine Stimme fehlte der Charme, dafür war sie voller ehrlicher Wärme. Fast, aber nur fast, hätte er sie gefragt, ob sie etwas über den Verbleib seiner Schwester wusste. Aber diese Schwäche ihr gegenüber zu zeigen ... nein, so verzweifelt war er nun wirklich noch nicht. Stattdessen sagte er etwas anderes. “Los erzähl, wie ist es dir ergangen?“
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Montag 11. März 2013, 21:34

Sie hatte nicht mit der Hand gerechnet, die ihre Finger umfasste und zu seinen Lippen führte, obwohl ein Handkuss etwas für Damon sehr typisches war. Trotzdem schien es ihr fast so als hätte er jemand anderes erwartet, vielleicht sogar jemand bestimmtes. Und warum auch nicht? Schließlich war er der Streunerprinz und wenn es einen Mann in der Gilde gab, der zu jeder Zeit (fast) jede Streunerin haben konnte, so war es der blonde Barde. Die Tatsache, dass ein himmelweiter Unterschied zwischen Damons Aussehen und beispielsweise dem der grotesken Namenlosen bestand, trug sicher seinen Teil dazu bei. Oder wie Glessandra zu sagen pflegte: "Der schönste aller Kelche ist zugleich auch der am Meisten begehrteste." In Damons Fall traf dies jedenfalls ganz ohne Frage zu.

Der Gedanke wich einem anderen, wesentlich Ungewöhnlicherem kaum das ihre Frage verhallt war: Damon legte seine Laute mit der ihm üblichen Sorgfalt zur Seite und fuhr plötzlich zu ihr herum. Es war eine ebenso theatralische wie ungewohnte Geste an deren Ende sie sich in seinen Armen wiederfand. Und die Überraschung darüber raubte jeglichen Gedanken die sie gehabt haben mochte die nötige Klarheit. Zu viele Dinge verlangten stattdessen ihre Aufmerksamkeit. Wie die Tatsache, dass ihre Füße gerade nicht den Boden berührten (worüber ihre Sohlen seltsamerweise nicht sonderlich glücklich waren) oder dass Damons Gesicht verdächtig nah an ihrem Nacken war. Er hielt sie fest - das heißt, er hatte nicht einfach die Arme um ihren Körper gelegt; vielmehr konnte sie die Anspannung der Muskeln in seinen Armen spüren. Sogar sehr deutlich und das, das war zwar nicht unangenehm aber dennoch nicht ganz unproblematisch. Die Umarmung fühlte sich fast so an, als meine er es ernst. Als ob er zumindest ein Stück weit - ehrlich und wahrhaftig - erleichtert war, sie zu sehen, dies wiederum eine interessante Wendung denn ihre Beziehung zueinander war nie so eng oder tief gewesen.

Da gab es, zumindest von Asherels Seite, eine gewisse freundschaftliche Verbundenheit die auf der Tatsache beruhte, dass der Streunerprinz eine Spielernatur war, genau wie sie selbst, und dem Umstand das Gleich und Gleich sich auch unter Streunern gerne gesellt. Sie teilten sich zwar nicht den gleichen Hang zum Schabernack, aber einen Hang dazu teilten sie sich allemal. Damals, als sie es sich noch zum erklärten Ziel gemacht hatte, Damon von der Bürde des Prinzentums zu erlösen (natürlich auf die clevere Art, die einen wirklich talentierten Barden nicht zwangsläufig das Leben kosten würde) hatte sie außerdem seinen Scharfsinn respektiert und bewundert. Damon verstand es meisterlich, Haken zu schlagen und Intrigen zu weben, dass einem schwindelig davon wurde. Sie war froh gewesen, eine Möglichkeit zu haben den Barden aus nächster Nähe zu beobachten - auch wenn es ihm wohl oder übel die gleiche Gelegenheit betreffend ihrer selbst verschaffte. Immerhin bekam sie dadurch eine grobe Ahnung, was sie zu erwarten hatte. Damon war ganz gewiss alles, nur kein leichter Gegner und vielleicht war das der Grund, warum da kein "echtes" Vertrauen zwischen ihnen war wie zwischen Damon und seiner Schwester oder Asherel und ihrer Mutter. Ihr Vertrauen reichte gerade mal so weit, wie man den anderen im Auge hatte und selbst dann war ein gesundes Misstrauen angebracht. Schließlich waren sie in erster Linie Streuner und auch wenn ihre "Gesetze" wesentlich flexibler waren als die anderer Gemeinschaften, änderte das Nichts daran, das Vertrauen in ihren Kreisen nun mal ein kostbares und rares Gut war - eines, welches Damon und sie nur bedingt miteinander geteilt hatten. Halt genau so weit, wie ihre geschäftlichen Beziehungen es nötig gemacht hatten.

Höchstens noch so weit das sie keine Bedenken hatte, ihn mit ihrem (leeren) Becher alleine zu lassen.
Ganz bestimmt nicht soweit, dass sie ihn für längere Zeit alleine in ihrem Wohnwagen gelassen hätte. Schon allein nicht wegen der Kräuter, die nach einem ausgeklügelten System von der Wagendecke baumelten oder der vielen Geheimfächer, die bitte schön auch geheim bleiben sollten.

Das war der Grund, warum seine spontane Umarmung sie so überraschte; nicht etwa die Tatsache, dass es seit Wochen der erste physische Kontakt zu einem anderen Menschen war. Oder dass sie, aller Lebensfreude zum Trotz, ihre Reisegefährten vermisst hatte.

Sie ertappte sich selbst bei dem Wunsch nach einem spontanen halbherzigen, aufkeimenden Protest als er sie schließlich losließ, der aber nicht kam. Das war vielleicht auch besser so. Das Letzte, was Asherel gebrauchen konnte waren prinzipiell und generell Gerüchte, die ihre Person betrafen.

Stattdessen ließ sie sich auf dem Stuhl neben seinem nieder. Das Lächeln auf ihren Lippen war eine Spur weit melancholisch als sie auf seine Frage zu antworten begann.

“Ich… ich denke ich hatte Glück. Großes Glück,“ begann sie und brach ab. Ein kurzes Schaudern lief ihr über den Rücken.

“Großes Glück,“ wiederholte sie und ohne es zu merken legte sie die Hand auf die Wurfmesser, die unter ihrem Rock verbogen waren.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Mittwoch 13. März 2013, 14:26

Immer noch war sein Blick voller Wärme. Damon hatte sich Asherel interessiert zugeneigt und hing beinahe an ihren Lippen, wie ein Kind an denen eines Erzählers. Das sie nur so wenig sagte, störte ihn nicht. Denn er verstand es auch darin zu lesen, was sie nicht sagte. Zumindest glaubte er das. Seine Hand glitt zu ihrer Hand, die nicht auf ihrem Schenkel ruhte. Nicht das er nicht gerne, die auf ihrem Schenkel genommen hätte. Doch damit hätte er wohl zu leicht ein falsches Signal mit gesandt. Für den Augenblick wollte er sich nicht mit ihr in eindeutigen Zweideutigkeiten verstricken. Er wollte es einfach nur genießen, dass sie hier war, bei ihm. Als eine der wenigen holden Damen, mit denen er Geschäfte gepflegt hatte, war sie nun zur Gilde - zu ihm - zurückgekehrt. Und so verschränkte er seine Finger mit ihren, wie er es sonst nur mit Riyalia getan hatte. Wenn keiner hinsah, verstand sich. Es war mehr als eine freundschaftliche Geste gemeint. Es war jedoch auch möglich, dass diese Geste leicht überinterpretiert werden konnte. Er für seinen Teil jedoch war in allen Belangen ein körperliches und sinnliches Wesen, für den solche Gesten ganz natürlich sein konnten, wenn er sie nicht für seine Zwecke nutzen wollte

"In der Tat. Das hattest du. Mehr als so manch anderer, will ich meinen. Du hast keine Gliedmaßen oder Augen eingebüßt und die Menschen im Raum drehen sich immer noch nach dir um, wenn du herein kommst. Ich wage sogar zu behaupten, du bist schöner denn je! Nur ich habe mich mal wieder wie ein unhöflicher Tor meiner Laute anstatt der Tür zugewandt, und deinen Auftritt verschlafen. Ach unsere Beziehung ist ein Sumpf voll verstrichener Chancen meinerseits." Er zwinkerte ihr zu. "Ich finde wir sollten unser Wiedersehen gebührend feiern." Er schob ihr Ahavans unangetasteten Bierkrug hin. Den von Ruby ließ er mal lieber, wo er war. "Echtes Amazonenbier. Eine Rarität in diesen Zeiten. Ich erinnere mich, du hattest ja eine besondere Beziehung zu den Amazonen." Er grinste breit und prostete ihr zu. "Als hätte ich es es geahnt, dass du kommst, nicht wahr?"

Absichtlich trug er etwas dick auf. Wie immer eigentlich. Und wohlweislich enthielt er sich jeden Kommentars darüber, dass er eben noch Gesellschaft an seinem Tisch gehabt hatte. Schon gar nicht wollte er erwähnen, dass Ahavan hier gewesen war. Denn Asherel und der ehemalige Giftmischer kannten sich und frönten einer gemeinsamen Freizeitbeschäftigung und Leidenschaft. Heute jedoch wollte er sie ganz für sich. Eine Frau ganz für Damon alleine, die es bisher noch immer verstanden hatte seine Laune beträchtlich zu heben und ihn auf intellektuelle wie zwischenmenschliche Weise herauszufordern. Genau das, was er brauchte, damit er aufhörte sich über Riyalia den Kopf zu zerbrechen und jedes Mal, wenn jemand an seine Tür klopfte, darauf zu hoffen, dass es seine kleine Schwester war.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Mittwoch 13. März 2013, 20:41

Und gerade so als hätte sie ihm alles erzählt – die Dinge, von denen sie für sich selbst beschlossen hatte, dass sie in der Vergangenheit besser aufgehoben waren als in der Gegenwart – schienen ihre spärlichen Worte Damons Neugier vollends zu befriedigen. Fast so, als hätte er in ihrer gemeinsamen Zeit im Heerlager gelernt, die Dinge, die sie nicht sagte, ebenso zu hören wie die, die sie tatsächlich aussprach. Der Gedanke, für irgendjemanden wie ein offenes Buch zu sein, missfiel Asherel.

Vielleicht reichte Damon aber auch einfach der Umstand, dass seine Hand die ihre umfasste – für die anderen Gäste der Taverne nur dann gut sichtbar, wenn sie sich auf alle Viere niederließen, unter den Tisch krabbelten den Barde und Tänzerin sich teilten und Asherels Rock oder Damons farbenfrohes Gewand zur Seite schoben, selbstverständlich ohne dabei erwischt zu werden oder anderweitig Aufmerksamkeit zu erregen – und sie es zuließ. Ihrem Gesicht sah man weder die Überraschung über diese forsche Geste an, noch ob sie diesen ungewohnten Kontakt nun willkommen hieß oder nicht: Asherel war eine Spielerin und als solche war die oberste Maxime, sich nie etwas anmerken zu lassen, was ihre wahren Gedanken verriet.

Das machte ihr Lächeln nicht weniger aufrecht, die Frau gleichwohl vorsichtiger. Was bloß mochte hinter dieser plötzlichen „Zutraulichkeit“ des blonden Streuners stecken? Aber so gern sie diesem Mysterium auf den Grund gegangen wäre, dies war eine Frage die sie zu einem späteren Zeitpunkt, alleine und für sich, erörtern würde müssen.

Ein leichtes Schmunzeln huschte über ihr Gesicht als Damons Zustimmung den üblichen Süßholzraspeleien wich. Seine Neigung zu überschwänglichen Komplimenten jedweder Art war ungebrochen und nach wie vor machte sich Asherel einen Spaß daraus so zu tun, als hätte sie seinen Lobpreis nicht gehört.

“Gibt es eine Schönheit die es mit der wahren Liebe eines Gauklers aufnehmen kann?“ fragte sie stattdessen.

“Wenn ich tanze, gibt es für mich nichts anderes als den Tanz, den Rhythmus und meinen Herzschlag. Gleich, wer dort vor mir steht. Geht es dir mit der Musik nicht auch so?“

Auch in dieser Hinsicht fand Asherel, dass sie sich ähnelten: Beide lebten sie für und durch ihre Kunst. Andere Menschen, denen es an einer vergleichbaren Passion mangelte, konnten dies nur schwer nachvollziehen oder verstehen. Es war wieder nicht exakt das Gleiche, aber nah genug beieinander um es zu verstehen. Keine Mann würde Asherels Herz je so erobern wie der Tanz es schon in frühen Kindertagen beinahe mühelos getan hatte und sie vermutete, dass außer seiner Schwester, keine Frau es je schaffen würde sich eine Stellung im Herzen des Barden zu erkämpfen, die seiner Liebe zur Musik auch nur ansatzweise ebenbürtig sein würde.

Erst als er ihr den Bierkrug hinschob, fast randvoll mit Bier welches vor nicht allzu langer Zeit gezapft worden war, hob Asherel eine Braue. Sie hatte angenommen, die zwei Krüge waren von wem auch immer zurückgelassen worden, der vor dem Streunerprinzen an dem Tisch gesessen hatte. Manchmal ließ der Wirt sich eben Zeit, die leeren Behältnisse wieder einzusammeln; das was keine Seltenheit. Wenn man noch dazu bedachte, was für eine Stimmung in der Taverne geherrscht hatte, als sie sie betrat, war es um so nachvollziehbarer.

Nun drängte sich ihr aber langsam der Verdacht auf, dass Damon Gäste unterhalten hatte. Entweder waren diese ziemlich abrupt aufgebrochen oder der Prinz hatte sie davon gejagt. Konnte sie dem Getränk, welches eigentlich nicht für sie bestimmt gewesen war und wer weiß wie lange (mehr oder weniger) unbeaufsichtigt hier gestanden hatte, wirklich trauen?

Sie entschied, das Spielchen mitzuspielen. “Das müsstest du besser wissen als ich. Schließlich hast du mir diese Verehrerin eingebrockt, Sklave“, stichelte sie sanft und ihr Ton war amüsiert, gerade so als würden sie einen Witz, dessen Ausmaß nur sie zwei wirklich verstanden, miteinander teilen.

“Damon“, sagte sie dann und ihre Stimme klang nicht ganz so ernsthaft, wie sie es wollte. “Habe ich deine Geschäfte gestört?“
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Freitag 15. März 2013, 19:58

"Ja, meine Liebe, Wer könnte das wohl? Ich gestehe ich habe gerade aus einem solchen Grund eine wirklich interessante Dame verscheucht. Meine Liebe zur Musik war stärker als das Interesse an ihr. Meine Musik nimmt den größten Teil meines Herzens ein, aber ich muss sagen, dein Wesen, deine Liebreiz, er führt mich doch so manches Mal in Versuchung, meine Liebe zur Musik einfach zu vergessen." Er lachte leise und sanft, während er ihr ein bisschen provokativ über den Handrücken strich. Sie beide wussten, es war eine Lüge. Sie beide wussten, dass sie nur spielten. Er fragte sich, wie weit sie gehen würde, wann sie ihm in ihrer unnachahmlichen Art und Weise in die Schranken weisen würde.

Himmel sie war eine wirklich interessante Frau, noch dazu eine, die er zu respektieren gelernt hatte. Nun ja, es war zwar nicht so, dass er die holde Weiblichkeit im Grunde nicht respektierte. Aber oft waren sie nur flüchtige Vergnügungen für ihn, Wesen die erobert werden mussten, Wesen, deren bloßes Sein spannend war, ihn anspornte. Wenigen von ihnen war jedoch vergönnt, dass er sie nicht irgendwann auf die ein oder andere Art und Weise betrog. Das war seine Spielernatur. Er log dabei nicht wirklich absichtlich. Es kam einfach ganz automatisch, wenn es für ihn von Vorteil war. Er empfand das durchaus als Gabe. Er lächelte warm und zwinkerte Asherel vergnügt zu, als sie ihn Sklave nannte. Nur sie und Riyalia durften dies ungeschoren und ohne dass er sich davon beleidigt fühlte.

"Ich weiß nicht wovon du redest, meine Liebe. Das musst du geträumt haben. Aber es war unserem Geschäft in der Taverne doch durchaus zuträglich nicht wahr? Nicht nur diese Amazone hat dich geliebt, möchte ich meinen. Wenn du tanzt bekommst du ja um dich herum nichts mit. Aber ich durfte oft genug dabei zusehen, wie ihnen beinahe die Köpfe von den Schultern gekracht sind, bei dem Versuch jede deiner Bewegungen mitzuverfolgen. Man muss nicht mit viel Fantasie gesegnet sein, um zu wissen, was genau sie sich vorgestellt haben." Mit seiner freien Hand strich er spielerisch über den Bauch seiner Laute und zupfte an einer der Seiten. "Bist du heute erst angekommen? Oder erlaubt es dein Erschöpfungszustand, wenn wir ein wenig unserer wahren Liebe frönen?" Wobei Damon noch eine zweite Leidenschaft neben der Musik hatte. Die Frauen eben. Aber nicht eine im bestimmten. Auf Dauer waren sie viel zu anstrengend in ihren freiheitsraubenden Bemühungen. Nein! Das war nichts für ihn. Er war frei wie ein Vogel und wollte dies auch nicht ändern. Denn es gefiel ihm einfach zu gut, dieses Leben, diese Abwechslung. Sein Blick bekam etwas herausforderndes. "Oder bist du dafür zu müde? Wo hast du überhaupt Quartier bezogen? Doch nicht etwa draußen im Wald in deinem Wagen? Das ist schon lange nicht mehr sicher. Möchtest du dich nicht als meinen persönlichen Gast betrachten? Um der alten Zeiten willen? Damon der Barde und Asherel die Tänzerin oder meinetwegen auch Asherel die Herrin und Damon der Sklave." Er lachte erfreut auf, von einem Geistesblitz erfasst. "Zu letzterem fallen mir gerade die passenden Zeilen ein. Wirt! Ein Stück Pergament und eine Feder bitte!" Unruhig wie ein kleines Kind hibbelte er nun auf seinem Stuhl, ängstlich wie eine Mutterhenne, dass das schlüpfende Küken sterben könne, bevor es sich aus dem Ei befreit hatte ...
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Freitag 15. März 2013, 21:38

“Ja, meine Liebe, wer könnte das wohl?“ erwiderte Damon und erzählte ihr von seinem – nun, Missgeschick wollte nicht so recht passen und Asherel konnte nicht behaupten, dass die Entscheidung der Fremden zu gehen sie sonderlich traurig machte. Eher war dieser Umstand ihr Glück: wenigstens wusste sie nun, dass einer ihrer ehemaligen Reisegefährten lebte. Dieses Wissen wäre ihr nicht vergönnt gewesen, wenn die Fremde sich von Damon bereitwillig hätte verführen lassen.

Noch während Damons Finger über ihren Handrücken glitten, lehnte die Tänzerin sich vor und schenkte ihm ein verheißungsvolles Lächeln. Er wollte spielen? Nur zu! Dieses Vergnügen gönnte sie sich, auch auf die Gefahr hin, dass man ihr am nächsten Morgen nachsagen würde ihr Herz an den Barden verloren zu haben. Was wussten die anderen denn schon? Und so waren ihre Worte auch leiser und rauchiger, als sie auf seine schönen – wenn auch unwahren – Schmeicheleien antwortete.

“So wie deine Laute mich so manches Mal rasend vor Eifersucht machte. Liegt sie doch ständig statt meiner in deinen Armen.“

Nur um gleich darauf angesichts seiner weiteren Ausführungen unschuldig-mädchenhaft zu Kichern und ihn aus dunklen Augen anzublinzeln als wäre sie sich keiner Schuld bewusst.

“Unterstellst du mir etwa, ich hätte mein Publikum mit ungebührlichen Tänzen zu bezirzen versucht?“ fragte sie mit gespielter Entrüstung, nahm dabei aber durchaus zur Kenntnis, dass Damon ihre letzte Frage vollkommen ignoriert hatte und das Gespräch stattdessen geschickt in eine andere Richtung gelenkt hatte. Oh, er war ein schlaues Bürschchen!

Wie immer hatte er Geheimnisse und etwas in Asherel spitzte die Ohren und begann Pläne zu machen, wie sie Damon diese wohl am besten entlocken könnte. Um ihre Charade aufrechtzuerhalten warf sie seiner freien Hand, die kurz über den Bauch seiner Laute strich, einen scharfen, eifersüchtigen Blick zu. Nur seine Fragen über ihre Ankunft und Pläne für die Nacht vermochten es, das fröhliche Funkeln in ihren Augen etwas zu dämmen – wenn auch nur so lange wie Damon brauchte um nach Pergament und Stift zu verlangen.

Der Barde rutschte ungeduldig auf seinem Stuhl, angespannt und aufgeregt vor neuen Ideen. Ein Gefühl, dass die Tänzerin nur zu gut kannte – wenn es ihr dann auch selten nach Schreibzeug verlangte. Trotzdem drehte sie sich zu dem Wirt und machte ein paar ermunternde Gesten. “He, Wirt, beeil dich! Siehst du nicht, dass mein Prinz voll Tatendrang ist?“

Schmunzelnd ließ sie ihren Blick dann wieder auf dem Barden ruhen. Warum sich über das früher und später Gedanken machen? Für Asherel gab es schon lange keine bessere Zeit mehr als das Jetzt.

Und genau jetzt wollte sie wissen, was für Zeilen und Töne in Damons Kopf herumspukten.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Dienstag 19. März 2013, 20:13

Damon hörte Asherel nur mit halbem Ohr zu. Unhöflich? Sehr wahrscheinlich. Aber dafür hatte er gerade keinen Sinn. Normalerweise hätte er die Steilvorlage, die sie ihm gab nicht ignoriert, sondern sich wie sein verstorbener Falke auf seine Beute gestürzt. Am Rande seines Verstandes spielte er kurz mit dem Gedanken, Asherel genauso zärtlich vor allen Leuten in die Arme zu nehmen, wie er es angeblich mit seiner Laute tat. Er hätte sich dabei über sie gebeugt und ihr den Rücken soweit durchgebogen, dass sie sich unweigerlich in seine Arme hätte begeben müssen, Halt an ihm suchen müssen. Doch für derlei Provokationen hatte er im Augenblick keine Zeit. Er riss dem Wirt das Stück abgegriffene Pergament aus der Hand und schrieb schwungvoll darauf herum. Das ein oder andere Mal strich er ganze Passagen durch, um dann zwischen die durchgestrichenen Balken eng etwas Neues zu schreiben. Bald kamen auch Töne und die Tonart dazu. Seine Finger hatten längst das dunkelblau der Tinte angenommen. Auch sein Gesicht und sein sonst so tadelloses blondes Haar zeigten Spuren von Tinte, weil er einfach nicht darauf achtete was an seinen Händen klebte und sich immer wieder mit ihnen nachdenklich durch das Gesicht wischte. Lange Zeit sagte er nichts. Dann, mit einer plötzlichen Bewegung fuhr er zu Asherel herum und schob ihr das Pergament hin.

Kindliche Freude und eine ganze Menge Schalk war in den Augen des Prinzen zu lesen. Er beugte sich zu ihr vor und strich ihr das Haar von den Ohren weg. Dann wisperte er ihr etwas ins Ohr, dass so überraschend kam, wie seine Stimmungen wechselten: "Mir ist nicht entgangen, dass du mir noch nicht geantwortet hast, wo du heute Nacht schläfst. Ich bin dafür, dass du mir zur Strafe einen deiner ungebührlichen Tänze zeigst. In meinem Quartier versteht sich, wo du auch nächtigen wirst, wenn du keine bessere Alternative vorweisen kannst. Und jetzt lies." Es machte Damon großen Spaß, dieses Spiel mit dem Feuer. Aber er war kein Narr, auch wenn er sich gerne närrisch gab. So hielt er diesmal jegliche Anzüglichkeit aus seiner Stimme heraus, sondern ließ seine Worte wie eine Mischung aus Feststellung und Befehl klingen. So wie er auch mit jedem anderen ohne Hintergedanken gesprochen hätte. Ob er welche hatte? Nun, dass wusste er selbst noch nicht. Deswegen kamen seine Angriffe meist ja auch immer so überraschend.

Sollte Asherel ihren Blick endlich auf das Pergament werfen, so würde sie dort mehr oder weniger leserlich Folgendes lesen:
Ein junger Barde liebte einst Patrias Töchterlein
die einzig wahre Liebe das musste sie sein.
Ihr Antlitz so schön, ihre Züge so fein
Er beschloss: Die muss ich freien!
So schlich er nachts zum Amazonenhaus
und sang Liebeslieder aus voller Kehle heraus

Das Töchterlein langweilte sich sehr.
„Gibt es denn keine richtigen Männer mehr?
Du Armer Wicht, was willst du im Orden?
Soll ich dich vielleicht gleich ermorden?“
Der Barde aber spielte tapfer einfach weiter
Bis die Sonne am Horizont lächelte heiter.

Eine neue Tradition war in dieser Nacht geboren
Bald schon klingelten allen Amazonen die Ohren.
Jede Nacht kam er und sang für sie
obwohl seine Liebste nur Gift und Galle spie.
Sie versuchten ihn zu jagen und zu fangen
Oh der arme Tor musste um sein Leben bangen.

Schnell war er jedoch, zumindest schneller als sie
Getrieben von einer inneren Stimme: „Los flieh!“
Entnervt wurde die Liebste bald zur Kriegsherrin zitiert.
Weil sie ein freier Mann ganz unverschämt hofiert.
„Lös das Problem, sonst werden wir handeln.
Und deine gute Reputation in Schande verwandeln.“

Patrias Töchterlein überlegte lang und hitzig,
fand sie doch das alles ganz und gar nicht witzig.
Eine rettende Idee formte sich nur langsam heran.
Als er das nächste Mal spielte, zwinkerte sie ihn verliebt an.
Der Barde wähnte sich schon an seiner Träume Ziel
doch die amazonische Hexe spielte ein falsches Spiel.

„Freien will ich dich, wie es die Tradition fordert.
Doch das geht nur, wenn man dich zum Sklaven beordert.“
So ließ der Dummkopf sich glücklich in Ketten legen
Und das nur der einfältigen Liebe wegen.
Bald schon aber verkaufte sie ihn an Asherel weiter.
Die Tänzerin fand das Ganze auch ziemlich heiter

Zum Tavernensklaven im Heerlager beförderte sie ihn
Der Dummkopf war damit ganz glücklich, wie es schien.
Singend und spielend bediente er alle großen Krieger
Doch waren die Amazonen jetzt wirklich die Sieger?
Nein, das waren sie jetzt und auch früher nich'
denn dieser dumme Barde, der war nämlich ich.

Und der, der den Streunerprinzen und Asherel kennt
weiß mit Sicherheit, dass ihr euch in einem Irrtum verrennt.
Wenn ihr glaubt, man kann uns zur Sklaverei bringen
Dann seid ihr dümmer, als den Barden, den wir besingen
Asherel und Damon auch wenn ihr's nicht glaubt.
Hatten einen Plan, den ihr Hohlköpfe nicht durchschaut.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Mittwoch 20. März 2013, 14:40

Sie hatte schon gesehen wie Männer sich auf einen Becher Wein oder einen Humpen Bier stürzten, als hätten sie tagelang den schrecklichsten Durst gelitten. Es war nach Asherels Erfahrung auch keine Besonderheit, wenn sich jemand mit einem solchen überschwänglichen Enthusiasmus auf ein Stück Fleisch oder mangels dessen eine trockene Kruste Brot stürzte. Den Abort lassen wir hier außen vor, denn auch wenn er mit einiger gewissen Dringlichkeit und Erleichterung verbunden sein konnte, so fehlte ihm doch der Aspekt der Leidenschaft, wie man ihn bei Wein, Bier, Fleisch und Brot bewundern konnte. Ja, selbst ein williger Frauenkörper konnte auf so manches Mannsbild eine ähnliche Wirkung haben und damit war Asherel wohl am besten vertraut, quasi schon persönlich bekannt.

Dass ein Mann sich auf ein Stück Pergament, einen Federkiel und ein Fässchen Tinte stürzte als würde er ohne diese elendig Zugrunde gehen sah sie nun hingegen zum ersten Mal. Damons plötzliche Schreibwut grenzte schon fast an Manie: dass Feder und Papier unter seinem brennenden Blick nicht Feuer fingen war ein kleines Wunder.

Jedes Talent, jede Gabe, jede Leidenschaft, hatte ihren Preis, das wusste Asherel nur zu gut. Dieser Preis mochte bei den meisten Personen in Form des Fehlens anderer wünschenswerter Fähigkeiten entrichtet werden, die teuersten unter ihnen aber waren jene Talente, denen man sich selbst dann nicht entziehen konnte, wenn man es wollte. War dies der Preis den Damon für seine Gabe zahlte?

Während Damons Finger die tinteblutende Feder in die Schlacht gegen die Flüchtigkeit seiner Inspiration führte, ein Gemetzel welches durchaus erfolgreich zu sein schien gleichwohl es nicht spurenlos an dem Barden vorbei ging, nahm Asherel endlich einen ersten Schluck von ihrem Bier. Der Streunerprinz war gänzlich in sein kreatives Schaffen vertieft und würdigte die Welt jenseits seines Pergaments keines Blickes, obwohl seine dunkelhaarige Gefährtin sicher war, dass er wenigstens mit einem Auge oder einem Ohr seiner Umgebung gewahr war. Damon wusste schließlich nur allzu gut wie wichtig Wachsamkeit für das Übelerben eines Streunerprinzen war.

Aus Gewohnheit ließ die Tänzerin ihre Blicke schweifen, erkannte das eine oder andere Gesicht (der fehlende Zahn half) und offerierte einen stummen Gruß, aber ihre eigenen Gedanken waren ganz woanders. Damon hatte eine durchaus berechtigte Frage gestellt als er nach ihrem Nachtquartier fragte. Dass sie erst an diesem Abend wieder angekommen war und ihre ersten Schritte sie nach ihrem Beinahezusammenstoß in den Pfaden der Gilde direkt in die Taverne geführte hatte, wusste er ja nicht. Und dass ihr Wagen und die zwei Gorsaks vermutlich schon lange nicht mehr existierten konnte er ebenfalls nicht ahnen. Sie würde sich wohl oder übel um ein Quartier bemühen müssen, auch wenn der Platz in der Gilde begrenzt war. Es war gewiss kein Problem für eine Nacht jemanden zu finden, der gewillt war das Bett mit Asherel zu teilen (gleich auf welche Art). Die Tänzerin zweifelte auch nicht daran, dass ihr dieses "Kunststück" mehr als nur eine Nacht lang - nämlich so lange wie es ihr beliebte - gelingen würde. Ein festes Quartier in der Gilde war schließlich das Letzte, was sie wollte.

Aber ein Lager auf dem sie sich zur Ruhe betten konnte - eines das nicht aus kalter Erde und Stein bestand, mit ihrem Arm als einzigem Kissen und dem Umhang als Decke - übte schon einen gewissen Reiz auf sie aus, selbst wenn es ein Lager war, dass Damon ihr anbot. Das Problem war nur - -

Asherel blinzelte. Ihre Augen hatten die Tischplatte angestarrt ohne diese wirklich zu sehen. Das wurde ihr nur darum bewusst, weil das schmutzige Holz plötzlich von dem Pergament verdeckt wurde. Damon hatte es geschafft: siegreich hatte er seine Vision niedergerungen und auf dem Pergament eingefangen. Euphorisch schon fast wie ein kleiner Junge der seinem Drachen nachjagte erschien er ihr. Die Stimmung des Prinzen hatte sich sichtbar gehoben und mit ihm, so würde die Tänzerin später feststellen, hatte sich auch die Stimmung in der Taverne an sich gewandelt. Vorerst sah sie sich aber mit einer anderen Herausforderung konfrontiert. Mit Tinte beschmierte Fingerspitzen fuhren durch ihr Haar und fast schon wollte sie zurückweichen als Damons Atem über ihre Haut strich. Die Geste mochte für Außenstehende von einer gewissen Intimität zeugen, aber die Worte des Prinzen waren es nicht. Und es war der Prinz der gerade zu ihr sprach und nicht Damon, denn seine Worte ließen keinen Zweifel daran, dass eine Entscheidung gefällt worden war - ob es ihr gefiel oder nicht - an der sie nicht würde rütteln können. Schon allein deshalb, weil sie tatsächlich noch keine Alternative hatte...

Ihr Blick fiel wieder auf das Pergament. Es war nicht so, dass Asherel nicht lesen konnte, denn ihre Mutter hatte es ihr einst beigebracht. Was damals in den Augen des Clans eine Absonderlichkeit war - schon allein wegen Asherels jungen Jahren - war für die ehemalige Patrianerin eine Selbstverständlichkeit gewesen. Es war nur so, dass auch als Kind ihr Herz schon immer dem Tanz gehört hatte. Ja, sie hatte gelernt aber ihre Fähigkeiten waren begrenzt und hatten ihre Mutter natürlich bei Weitem nicht zufriedengestellt. Nachdem Asherel als Glessandras Tochter eine neue Familie in den Streunern und Gauklern gefunden hatte, waren diese Fähigkeiten natürlich nicht weiter vertieft worden. Schlussendlich konnte Asherel lesen und schreiben - ersteres vor allem, wenn eine Schrift sauber und leserlich war und letzteres, wenn sie Zeit hatte.

Leserlich hingegen... nun, dieses Wort beschrieb das Pergament, welches vor ihr lag nur dann, wenn man ironisch sein wollte. Zwischen mehr oder weniger säuberlich gezogenen Linien saßen kleine Punkte und Kleckse (vermutlich Noten oder unbeabsichtigte Tintenspritzer). Sie waren zwischen Blöcke von Text gequetscht. Der Text indes war hier durchgestrichen, dort auf die Größe einer Ameise geschrumpft, kurz: der Zustand des Pergamentes gepaart mit dem Zustand ihrer Lesefähigkeit würden es Asherel nicht gerade leicht machen das Geschriebene zu entziffern. Ein kurzes Schmunzeln in Richtung des Barden, der offensichtlich zufrieden mit seinem Werk war, dann unternahm sie den durchaus wackeren Versuch seine Dichtung zu lesen. Hier und dort zuckten ihre Mundwinkel aufwärts, als ob es ihr gerade noch gelang, ein Grinsen zu unterdrücken. Aber an manchen Stellen - sie hatten schon abenteuerlich ausgesehen als Damon sie zu Papier brachte, durchstrich, wieder niederschrieb, Ergänzungen machte, Streichungen, mehr Ergänzungen - runzelte sie die Stirn und ihre Augen mussten den Linien der einzelnen Lettern mehr als einmal und mit großer Aufmerksamkeit folgen alleine schon um diese zu entziffern (war das ihr Name der da stand?). Schließlich musste sie aber doch die metaphorischen Waffen strecken.

"Ich fürchte, mein Lieber, ab hier wirst du mir vorlesen müssen", sagte sie schließlich und deutete auf die Mitte des fünften Verses. In ihrer Stimme lag ein Anflug gespielten Bedauerns. Es war ja immerhin kein Geheimnis, dass Damon ein fähiger Barde war und vermutlich selbst dann ein Publikum unterhalten konnte, wenn er ihnen ausführlich darüber berichtete, wie das Gras wuchs. Somit dürfte auch verständlich sein, dass sie lieber seiner Stimme lauschte als still für sich zu lesen. Vor allem, wenn es ihr wie in diesem Fall so schwer fiel.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Donnerstag 21. März 2013, 21:15

Damon gönnte sich den Luxus und versank in Asherels Anblick, jetzt, wo er seiner Kreativität Raum gegeben hatte. Aufmerksam aber nicht aufdringlich sog er alles in sich auf, was ihrer sorgsam gepflegten geheimniskrämerischen Aura entschlüpfte. Er nahm das geradezu niedliche Stirnrunzeln wahr, als sie sich auf sein Gekrakel konzentrieren musste. Seine Vorstellungskraft reichte natürlich dafür aus, um sich Gedanken darüber zu machen, bei welchen Dingen sie wohl noch so konzentriert wäre. Jedoch, je länger er sie betrachtete, desto mehr fragte er sich, ob sie überhaupt noch auf diese Weise reizvoll für ihn war. Sie war natürlich eine Rose im Feld voller Stachelbeersträucher. Daran bestand kein Zweifel. Er war ein Kenner und Genießer der weiblichen Anatomie und konnte deshalb mit Bestimmtheit und voller Inbrunst behaupten, dass sie sehr reizvoll war. Jedoch, je mehr er darüber nachsann, wie es wäre mit ihr ein wenig auf den Laken zu spielen, desto abwegiger erschien ihm der Gedanke. Das Bild war ungefähr genauso erotisch, wie sich mit einem schwitzenden, haarigen Dieb in den Laken zu wälzen. Nein danke. Er wusste natürlich, dass der Vergleich hinkte. Aber dennoch war da was, eine gewisse ...Vertrautheit die den Prinzen abstieß. Das wiederum mochte nur eine seiner Launen sein. Man würde sehen.

Ihm war nicht entgangen, dass sie noch immer nicht auf die Sache mit der Übernachtungsmöglichkeit eingegangen war und das machte ihn argwöhnisch. Asherel war schon immer eine Frau mit vielen Geheimnissen gewesen. Aber das sie so gar nichts sagte? Das mochte wohl kaum an ihrer eher schlechten Lesefähigkeit oder an seiner Sauklaue liegen. Nein. Da war etwas anderes im Busch. Jetzt, wo er sich erstmal ein paar Dinge von der Seele geschrieben hatte, war er wesentlich aufmerksamer. Er betrachtete sie genau, nahm war, dass sie immer noch kurvig, aber nun dünner, ausgezehrter war. Dem hatte er zuvor nicht viel Bedeutung beigemessen. Nun winkte er den Wirt heran und bestellte ungefragt für sie und ihn etwas zu essen. Er nahm ihr das Pergament ab und schlang einen Arm lässig um ihre Hüften und rückte näher an sie heran. Mit melodischer Stimme, die er sonst fürs Schlafzimmer schüchterne Jungfern reserviert hatte, las er ihr die gewünschten Abschnitte vor und grinste so glücklich wie ein Junge, dem man im Süßigkeitenladen freie Auswahl von allem, was er haben wollte gewährt hatte. Und Asherel konnte sich glücklich schätzen. Kaum jemand wurde je so beinhae löblich in seinen Liedern erwähnt. Ob sie sich dessen bewusst war?

Er spielte mit ihren Haaren und war versucht, sie sich auf den Schoß zu setzen, einfach nur, um seine vorherigen Überlegungen zu überprüfen und hoffentlich ad absurdum zu führen. Aber er wollte den Bogen nicht wieder wie bei Ruby überspannen. So ließ er sie schließlich widerstrebend los, in dem Moment in dem der Wirt die Schinken und Käsebrote brachte. Das Brot war frisch und fingerdick geschnitten, der Schinken saftig und der Käse würzig. Dennoch verharrte sein Blick selten nachdenklich auf der dunkelhaarigen Streunerin. Sie hatte Geheimnisse. Das war an sich nichts besonderes. Jeder in der Gilde hatte Geheimnisse. Damon sorgte jedoch dafür, dass sie zumindest vor ihm nicht lange geheim blieben. Das besondere an ihrem Geheimnis also war, dass er es noch nicht gelüftet hatte.Doch er würde schon noch dahinter kommen. Er blickte ihr unverwandt in die Augen. Selbst dann als er von seinem Brot abbiss. Es dauerte lange, bis er etwas sagte. Und als er etwas sagte, war das nicht vielmehr als ein kryptisches, wenn auch entspanntes: "Und sonst?
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Freitag 22. März 2013, 16:52

Damon war nicht gekränkt, dass sie seinen Text nicht zu lesen vermochte. Sie hatte so eine vage Befürchtung gehabt denn wenn auch schon Jahre her, so erinnerte sie sich doch noch gut an das manchmal verärgerte, manchmal enttäuschte Gesicht ihrer leiblichen Mutter wenn es ihr nicht gelungen war, einen Text zu entziffern. Stattdessen las er ihr bereitwillig vor. Asherel maß weder dem Arm, der sich um ihre Hüften legte, noch dem Umstand, dass Damon mit seinem Stuhl näher an den ihren heranrückte, besondere Bedeutung bei. Der Barde war noch nie vorhersehbar gewesen und war manchmal sogar launischer als jedes Frauenzimmer. Gerade jetzt schien er Nähe zu suchen und anders als vorher, wo seine Berührungen, sein ganzes Wesen, leicht provokant gewesen waren, empfand die Tänzerin diese neuerliche Nähe wie eine fast schon freundschaftliche Umarmung.

Die langen Finger die mit ihren pechschwarzen Locken spielten waren darum umso ärgerlicher. Entweder hatte jemand – nur eine Person kam hierfür in Frage und der Gedanke daran ließ die Hoffnung in Asherels Herzen auflodern, hell und grell wie eine silberne Flamme – Damon verraten, wie sehr sie es mochte wenn man mit ihren Haaren spielte oder – und dies war traurigerweise wesentlich wahrscheinlicher – sie hatte tatsächlich zu viel Zeit in der Gegenwart des Streunerprinzen verbracht und er hatte gelernt sie wie das vielzitierte Buch zu lesen. Die Berührungen waren leicht, unaufdringlich und nebensächlich im wahrsten Sinne des Wortes. Asherel spürte die Anspannung der vergangenen Tage von sich abbröckeln wie maroder Mörtel, der sie lediglich notdürftig zusammengehalten hatte. Die Spannung wich einer flüchtigen Entspannung und diese wurde zu einer schweren Müdigkeit, die langsam aber beständig in die Knochen der Tänzerin sickert.

Göttin, sie war so schrecklich müde.

“Ich glaube ich habe dich noch nie etwas vortragen hören, in dem du nicht alles und jeden verspottet und bis auf’s Mark bloßgestellt hast, Damon,“ sagte sie schließlich als er geendet hatte. Ihr Lächeln war einem leicht schiefen Grinsen gewichen das wegen ihrer halbgeschlossenen Augen sogar etwas verträumt wirken mochte.

Aber dann auf einmal waren die Hand und der warme Arm, an dem sie ordnungsgemäß hing, weg und ein gänzlich anderer Arm – haarig und verschwitzt – huschte durch ihr halbiertes Blickfeld. Die Überraschung darüber ließ sie die Augen wieder aufschlagen und Asherel sah auf das Holzbrett hinab, welches nun zwischen ihr und Damon auf dem Tisch hockte. Brot, Käse und Schinken. Wie lange war es her, dass sie frisches Brot gehabt hatte? Und woher kam diese unerwartete Köstlichkeit?

Damon griff wie selbstverständlich zu. Asherel war versucht es ihm gleich zu tun. Sie schob ihre Hand in Richtung des Brettes, wenn auch etwas zögerlicher.

Unter den Streunern gab es kein Gesetz, welches das Schnorren verbat. Nichtsdestotrotz waren Schnorrer nicht gerne gesehen und ihr selbst waren sie zutiefst zuwider. Wer seinen Teil nicht beitragen konnte, der hatte auch keinen Lohn verdient. Nie wäre es ihr in den Sinn gekommen, sich einfach so zu Damons Mahl einzuladen ebenso wie sie ihn nie um einen Schlafplatz gebeten hätte. Nicht, ohne dass ein Austausch stattgefunden hätte, gleich wie geartet, so dass sie beide einen Gewinn hätten.

Darum suchten und fanden ihre Augen die seinen, als suche sie eine Bestätigung dafür, dass dies tatsächlich eine Einladung war - wäre es keine, er hätte das Brett duch sicher näher an sich heran gezogen - der sie bedenkenlos Folge leisten konnte und sie ihm nicht sein Abendessen dreist unter seiner Nase stahl. Und erst da wurde ihr bewusst, dass da dieser Blick war. Ein Blick, von dem sie befürchtete, dass er ihn selbst dann nicht von ihr abwenden würde wenn die mysteriöse Fremde, welche ihn abgewiesen hatte, in diesem Moment zurückkehren und um Vergebung bitten würde.

Sie war müde und erst jetzt, wo die Brote vor ihr saßen, bemerkte sie auch wie hungrig sie eigentlich war.

Trotzdem zog Asherel ihre Hand langsam zurück und streckte ihre Beine unter dem Tisch aus. Dann winkelte sie sie so dicht wie es Tisch, Stuhl und die anatomischen Gegebenheiten ihres Körpers erlaubten an ihren Oberkörper an. Dass ihre Füße dabei nur mit den Fersen auf der Sitzfläche des Stuhles auflagen und die Tischplatte gegen ihre Schienbeine drückte war ihr vollkommen egal.

“Und sonst?“ fragte Damon schließlich.

Die Tänzerin rutschte kurz hin und her, als suche sie eine bequeme Stellung. Dann begann sie, gerade so leise, dass Damon sie gut hören würde können aber neugierige Ohren, die nicht an ihrem Tisch saßen, nicht, auf seine Frage zu antworten.

"Ich sagte schon... ich hatte Glück. Aber auf Glück kann man sich in diesen Zeiten nicht verlassen, Damon."

Nein, Glück war unbeständig. Streuner, nein, Spieler wie sie wussten das sehr gut.

"Ich bin zurückgekommen, um meine Mutter zu finden. Sie hat... wir haben beide Freunde außerhalb von Aurorae. Holth, Shimari, Goroth, Sutari oder Merdos. Mir ist egal wohin der Weg uns führt, Hauptsache fort von hier. Vielleicht auch alles nacheinander."

Sie machte eine kleine Pause, strich sich unwillig eine Locke aus dem Gesicht und schenkte ihm dann ein Lächeln, das etwas wacher war als vorher.

"Ich habe keinen Wagen mehr. Und auch kein Lager für die Nacht. Ich bin eben erst angekommen." Eine vage Geste, flatterhaft und nebensächlich. Als wäre all das nebensächlich und unwichtig. Das "Ich habe nichts im Austausch für deine Hilfe" hing irgendwo zwischen den Zeilen aber nicht wie etwas, was schamhaft zurückgehalten wurde sondern wie etwas, dass schon wegen seiner offensichtlichen Offensichtlichkeit nicht wirklich erwähnenswert war.

Erst jetzt griff sie nach einem Brot und begann, es fast schon andächtig zu verspeisen. So wie Damon zuvor, suchte auch Asherel den Blickkontakt zu ihrem Gegenüber während sie diesen kleinen Luxus der aus einer Scheibe Brot und einem Stück Käse bestand, sichtlich genoß.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Tade » Sonntag 24. März 2013, 20:23

Tade saß gelangweilt in der Ecke der Taverne an einen Tisch und ließ geschickt drei Würfel in einer Hand kreisen. Der letzte, der mit ihm spielen wollte war bereits vor mehr als einer Stunde gegangen. Nachdem er feststellte das er heute kein Glück hatte. Dabei hatte der junge Mann nicht einmal die gezinkten Würfel verwendet, diese waren ohne hin in seinen Quartier und er setzte sie sowieso hier nur sehr selten ein, wenn er sicher war keinen Streuner gegenüber zu sitzen. Es war äußerst unklug es sich mit denen zu verscherzen, die die fiesen Tricks der Branche kannten. Er war einfach ein geschickter Spieler, er schaffte es mit seinen Charme und geschickter Wortwahl seine Mitspieler, wenn sie ungeübt waren, so zu manipulieren, das sie übermütig wurden. Er kontrollierte das Spiel und lenkte es in die Bahnen, die er wollte. Die Geschickte des Spiel zu meistern und in der Mimik des Mitspielers zu lesen war eine Kunst für sich. Der Wirt ließ ihn gewähren, denn er selbst bestellte immer gut, gab Trinkgeld und bewegte seine Mitspieler dazu es ihm gleich zu tun.

Es kam ihn zugute das viele ihn erst einmal für eine junge Frau hielten, man traute ihnen einfach im Spiel zu wenig zu. Seine Kleidung verriet ihn nicht. Sie war weit und weibliche Rundungen, hätte er den welche gehabt, wären darin Verborgen geblieben. Wenn Männer glaubten darin welche erkannt zu haben waren sie ihrer eigenen Fantasie entsprungen. Was nicht schlecht war, denn die Fantasie könnte schönere Bilder im Kopf entstehen lassen als die Wirklichkeit preisgab. Sein schönen weiches Gesicht und seine mittellangen blonden Haare ließen jeden das finden was er gerade suchte, ein jungen Mann oder eine junge Frau und seine Stimme verriet nichts.

Seine Geschäfte liefen jedoch in letzter Zeit sehr mäßig. Es war schwer an Geld zu kommen, wenn nur wenig davon im Umlauf war und die Preise für das was man brauchte, auf Grund der Knappheit, immer mehr steigen. Er wusste nicht wie viele es waren, die ihr letztes Geld im Spiel mit ihm verprassten und es war ihm gleichgültig.Vor allem die Verzweifelten suchten noch das Spiel, doch das nahm ihn den Spaß an der Sache, auch wenn es ihn nicht davon abhielt es durch zu ziehen. Wobei es bei diesen armseligen Gestalten meist so wie so nur wenig zu holen gab.

Tade war eigentlich schon kurz davor zu gehen als der Streunerprinz das Wirtshaus betrat und es versprach interessant zu werden. So entschied er sich zu blieben. Zumal Damon ihn optisch ansprach. Er würde ungeachtet bleiben, wenn der Wirt sich nicht anschickte die Öllampe in seiner Ecke erneut zu entflammen. Worauf der junge Mann jedoch keinen Wert legte, die Dunkelheit war sein Freund. Er lächelte.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Montag 25. März 2013, 02:08

"Das liegt nur daran, dass du noch nie in meinem Schlafzimmer warst und ich dir somit keine Sonette schreiben konnte, in denen ich dir meine ewige Liebe mit allerlei blumigen Metaphern verdeutliche." Er lachte auf und der Schalk saß ihm so offensichtlich im Nacken, dass er versucht war sich umzudrehen. Tatsächlich tat er das sogar. Sein Blick glitt über die spärlich gefüllte Taverne, blieb an der ein oder anderen dunklen Ecke hängen und er fragte sich, wer von ihnen wohl selbst unter den Streunern noch die Dunkelheit vorziehen mochte. Versuchsweise zwinkerte er in Richtung einer besonders dunklen Ecke. Und sei es auch nur, um jemandem, falls jemand dort saß, einen Augenblick unangenehmen Ertapptseins zu verschaffen, der doch kein Ertapptsein war. Doch die Liebhaber der Dunkelheit blieben ja dort, weil sie das Entdecktwerden fürchteten. So jedenfalls seine Theorie. Er selbst mochte das Licht, wollte leuchten. Denn er wusste, wenn er nur genügend leuchtete, würde er seine Umgebung umso deutlicher und auf sehr vielschichtige Weise blenden. Das tat er ja immer. Manchmal so gut, dass er sich selbst blendete. So beschloss er auch einfach nicht zu sehen, dass ihm der Gedanke nicht gefiel, dass Asherel das Land verlassen wollte, wo er es doch nicht konnte.

Damon seufzte auf. Es war ein undefinierbarer Seufzer, aus dem nicht klar wurde, was er von dem Ganzen Gerede ums Weggehen hielt. Oder dem Umstand, dass sie ihre Mutter suchte. Er legte nur sacht eine Hand auf ihren Oberschenkel und drückte zu. Es war als freundschaftliche Geste, ohne Hintergedanken gemeint, auch wenn er kurz mit dem Gedanken spielte, die Hand etwas höher rutschen zu lassen, um zu sehen, wie sie reagierte und um zu sehen, ob ihm ihre Reaktion gefallen würde. Doch augenscheinlich war er heute nicht mehr in Stimmung für eine Bettgeschichte. Jedenfalls nicht mit Asherel. Also wem wollte er dann etwas vormachen? Sich selbst? Das war wirklich albern. Außerdem sah sie so erschöpft und zugleich selig aus, als sie an dem Brot herumkaute, dass er fast so etwas wie Gewissensbisse bekam, ihre Situation für seine Zwecke auszunutzen. Aber hey! Er war ein Streuner und hatte kein Gewissen. Es war so seltsam und abwegig dieser Gedanke, dass er schmunzeln musste, bevor er zu einer sehr sanften und vorsichtigen Antwort ansetzte. "Ich habe Glessandra schon sehr lange nicht mehr gesehen, Asherel. Ich weiß nicht, ob sie überhaupt in der Gilde ist." Er nahm dabei an, dass sie wusste, dass er immer sehr genau wusste, wer zugegen war und wer nicht. Damon brauchte diese Informationen zum einen für seine Geschäfte, zum anderen für seine eigene Sicherheit. Es gab immer Neider und Feinde in den eigenen Reihen. Und man lernte die Namen und Gewohnheiten dieser Menschen besser sehr früh kennen.

"Was das weggehen betrifft, so kann ich dir versichern, dass die Gilde fürs erster sicher ist. Nach oben hin, sind die Wände gut gedämmt, so gut, dass all die Jahre nicht mal die Patrianerinnen uns gefunden haben. Und das obwohl sie bereits eine Ahnung von der Existenz einer solchen Gilde hatten. Und es werden neue Fluchttunnel gegraben werden. Das ist zumindest eines meiner vielen Projekte." Er lächelte sie vielsagend an. "Die Diener Zûls mögen andere Sinne ihr eigen nennen. Doch wir sind Streuner. Und Streuner sind niemals leichtfertig, wenn es um die Sicherheit ihrer Geschäfte geht. Du kannst also guten Gewissens hierbleiben und warten, bis Glessandra eintrifft oder ein Lebenszeichen von ihr. Wenn du dich unter der Erde unwohl fühlst, so finden wir sicher die ein oder andere Beschäftigung für dich." Er hob vielsagend die Augenbrauen und musterte sie einmal mehr. Wenn es ihr mit Glessandra ähnlich erging so wie ihm mit Riyalia, würde sie doch sicher an einem Ort bleiben wollen, wo sie sich mit Sicherheit wieder treffen würden, wenn der andere nicht doch in den Kriegswirren sein Leben verloren hatte. Damon jedoch hatte keine andere Wahl. Er hatte Verantwortung, die er nicht gewillt war an andere abzugeben. Asherel könnte auch anderen Orts auf ihre Mutter warten, wenn sie einen vertrauenswürdigen Mittelsmann hätte. Und sie würde dann gewissermaßen in seiner Schuld stehen. Er wog das Für und wieder selten nachdenklich ab, bevor er zu einem gut betonten, gefährlichen Halbsatz ansetzte: "Es gäbe da natürlich noch eine andere Möglichkeit ..."

Dann wechselte er so abrupt das Thema, dass es ihn beinahe selbst überraschte. "Das mit deinem Wagen tut mir wirklich sehr leid. Ich weiß wie viel er dir bedeutet hat, sonst hätte ich mal darin schlafen dürfen." Er lachte scheinbar unbekümmert auf. "Ich muss natürlich zugeben, dass mir das in die Hände spielt. Du und ich, ganz allein auf der dritten Ebene ..." Es war durchaus nicht klar zu erkennen, ob er nur scherzte oder ob in seinen Worten ein wahrer Kern steckte. "Aber ich verspreche dir, ich werde dich schlafen lassen. Hinterher." Ach er war ein Dummkopf, ein Thor, der stetig nach dem Weiberrocke jagte, selbst dann, wenn ihm nicht danach war. Heute Abend jedoch war es nur Tarnung. Für mögliche Zuhörer, aber auch für Asherel. Niemand sollte wissen, wie viel ihm das bedeutete, heute Abend dort unten nicht alleine sein zu müssen. Es drückte jedes Mal seine Stimmung. Doch oben in dem Quartier das Riyalia und er bewohnt hatten, weil die dritte Ebene von Learos nahezu unbewohnbar gemacht worden war, konnte er einfach nicht mehr schlafen, ohne sich tausend deprimierenden Gedanken hinzugeben, was alles mit seiner süßen kleinen Schwester passiert sein könnte.
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