Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Das Heim der Diebe und Streuner in Patria (Zutritt nur als Gildenmitglied).

Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Montag 25. März 2013, 11:38

Asherel konnte nicht anders: sie lachte. Allein der Gedanke, Damon würde ihr seine ewige Liebe schwören wie der liebestolle Narr, zu dem er sich in seinem kleinen Liedchen gemacht hatte. Eher noch würden die Entweihten darum bitten, von ihrem Schicksal erlöst zu werden. Nein, dieser Gedanke war wirklich zu komisch.

Tatsächlich, dessen war sie sich sehr wohl bewusst, war es aber nicht vollkommen unmöglich, dass der Streunerprinz sich zu so etwas hinreißen lassen würde: Wenn es ihm einen Vorteil verschaffte oder versprach unterhaltsam zu sein gab es fast Nichts, was der Barde nicht tun würde. Asherel war sich sicher das schöne, unaufrichtige Worte in diesem Zusammenhang eher die Regel bildeten statt der Ausnahme. Eine Situation, in der derlei romantische Bekundungen ihr gegenüber diese Kriterien jedoch erfüllte - nun, das stand auf einem anderen Blatt.

Damons Hand war wieder auf ihrem Oberschenkel und Asherel empfand den kurzen Kontakt als beruhigend, auch wenn seine Worte eher den gegenteiligen Effekt auf sie hatten. Selbst im Heerlager hatte sie sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass Damon selbst auf diese Entfernung einen guten Überblick darüber gehabt hatte, wer sich in der Gilde aufhielt oder mindestens wer sich dort aufgehalten hatte. Es war eines seiner kleinen Geheimnisse gewesen welches sie seinerzeit hatte lösen wollen. Sie war sich sicher gewesen, dass Damons trainierter Falke eine Rolle darin spielte, wenn auch nicht die entscheidende. Den Raubvogel als Brieftaube zu benutzen hatte höchstwahrscheinlich keine Schwierigkeit dargestellt; jemanden in der Gilde zu finden, der Damon vertrauenswürdig genug war um dem Prinzen solche Informationen zukommenzulassen hingegen schon.

Das Damon nun selbst in der Gilde war aber über den Verbleib ihrer Mutter nichts wusste hieß, dass sie zur Zeit tatsächlich nicht dort war. Das war nicht weiter überraschend. Es bestand durchaus die Möglichkeit, dass Glessandra schon zu Beginn des Krieges ihr Heil in der Flucht gesucht hatte. Wenn dem so war, hatte sie Asherel möglicherweise eine Nachricht hinterlassen. Es gab noch andere Möglichkeiten, aber über die wollte sie jetzt nicht nachdenken. Stattdessen nahm sie einen kleinen Schluck von ihrem Bier während Damon ihr seinen kleinen verbalen Köder hinwarf.

"Es gäbe da natürlich noch eine andere Möglichkeit", begann Damon, ließ die Worte dann aber schutzlos im Raum stehen. Asherel neigte den Kopf etwas zur Seite um den Barden wissen zu lassen, dass seine Worte nicht ungehört verklungen waren. Dennoch ging sie nicht darauf ein, hakte nicht nach, was wohl ihr einziges Zugeständnis an ihre Müdigkeit war. Sie würde später, wenn sie ein paar Stunden geschlafen hatte ohne mit einem Ohr nach verräterischen Geräuschen zu lauschen, auf diese Worte zurückkommen. Es schien auch Damon kein besonders dringliches Anliegen zu sein, sonst wäre wohl kein so abrupter Themenwechsel auf seine Worte gefolgt. 'Morgen früh', dachte Asherel. 'Morgen früh werden wir darüber reden, was du dir wieder ausgedacht hast, Damon.'

So lachte sie abermals als Damon Bedauern über den Verlust ihres Wagens ausdrückte, dieses Mal war es jedoch eher ein vergnügtes Kichern. Es stimmte, dass sie durchaus eine gewisse (manchmal schalt man sie übertrieben(e)) Besorgnis an den Tag gelegt hatte, wenn es um ihren Wagen ging. Das hatte unter anderem daran gelegen, dass Asherel um ihre Kräuter und die diversen versteckte Fächer und Schubladen (und hier vor allem um deren Inhalt) besorgt gewesen war, was sie aber natürlich niemanden gesagt hatte. Ein geübter Dieb wie der Kasache, eine scharfsinnige Frau wie Riyalia, ein misstrauischer Mann wie Ahavan oder auch nur die Neugier einer jungen Aylifey ganz zu schweigen von einem gelangweilten Streunerprinzen - auch nur einen von ihnen für längere Zeit alleine in ihrem Wagen zu lassen war ein Risiko, welches Asherel nicht hatte eingehen wollen.

Und dann war da ja noch diese alberne Regel Damons gewesen...

"So bin ich armes Ding nun angewiesen auf die Großzügigkeit meines Prinzen und Regenten", spottete sie gutmütig und schlug dabei die Augen in gespielter Demut nieder. "Wie soll ich mich nur erkenntlich zeigen?"
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Tade » Montag 25. März 2013, 21:56

Tade beobachtete das Geschehen schon eine ganze Weile, bekam jedoch von den Gesprächen nur Wortfetzen mit. Es war so wieso nicht seine Art andere zu belauschen. Die meisten Dialoge handelten ohnehin von Dingen, die ihn nicht interessierten. Das schnelle Geld, die Liebe zwischen Mann und Frau, sowohl geistiger als auch körperlicher Natur oder Informationen von den Krieg da draußen. Er konnte zwar durch aus das eine oder andere gebrauchen, zumindest das erste der Auflistung, jedoch war nicht sein gesamtes Trachten danach ausgelegt. Selbst das Spiel, was mittlerweile seine Haupteinnahmequelle war, machte er vor allen weil er es liebte.

Er lachte leise über sich selbst und dachte, 'Du bist nur ein großer Träumer und deswegen liebe ich dich'. Er liebte sich selbst für seine eigene Art. Ohne dabei jedoch in puren Narzissmus zu verfallen. Der junge Mann war mit sich selbst im reinen. Weswegen er auch keine Reue für seine Taten kannte. Auch wenn er gerade einen Familienvater um sein letztes Geld im Spiel gebracht hatte. Zu mal es immer die Entscheidung seines Gegenübers war wie viel er einsetzte und bis wohin er ging.

Als er sich aus seinen eigenen Gedanken gelöst hatte und wieder der Szenerie am Tisch des Streunerprinzen seine volle Aufmerksamkeit schenkte, stellte er überrascht fest das Damon genau in seine Richtung blickte und ihm zuzwinkerte. Tade wurde warm und kalt zu gleich. Seine Nackenhaare stellten sich auf und der bekam eine Gänsehaut. 'Hat er mich tatsächlich wahrgenommen?' fragte er sich. Die Frage war berechtigt. Die Ecke in der er saß war eine der dunkelsten überhaupt und vor allen als auch noch benachbarte Öllampen ihren Dienst versagten, wurde sie immer Dunkler. Entweder der Prinz hatte ein gutes Auge und sein blondes Haar entdeckt oder der trieb gerne solche Scherze.

Wenn er ihn tatsächlich mit voller Absicht ihm zugezwinkert hatte, war es der Aufforderung gleich zu setzen das er sich zu ihnen begeben sollte und wenn nicht ein schelmischer Streich. „Tja wer nicht wagt der nicht gewinnt“ sagte er zu sich selbst um seine eigenen Unsicherheit vertreiben. Er stand auf und ging langsam zum Tisch des Prinzen und seiner unbekannten Begleitung. Er strich sich mit der Linken durchs Haar, eine typische Frauengeste um diese wieder zurecht zur rücken und stellte sich an einen freien Stuhl. „Mittlerweile ist es dort hinten doch ein wenig dunkel geworden. Habt ihr etwas dagegen wenn ich mich zu euch ins Licht geselle.“ Die Worte waren klar an Damon gerichtet und mit Licht war war offensichtlich mehr als nur der Schein der Lampen gemeint. Erst jetzt bemerkte Tade das er immer noch die Würfel in der Hand hielt.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Dienstag 26. März 2013, 12:26

Damon war Feuer und Flamme für Asherels Koketterie. Sie war im geistig in diesen Dingen ebenbürtig und er maß sich erstaunlich gerne mit ihr, bei derlei Spielchen. Er musste nicht immer als Sieger hervorgehen, solange wie der andere ebenfalls ihre geistigen Duelle nicht gewann. Im Geiste formte sich bereits eine Antwort auf ihre Frage, provokativ musste sie sein, vielleicht sogar ein bisschen promiskuitiv. Er setzte gerade zu einer Antwort an als er aus den Augenwinkeln sah, dass sich jemand aus den dunklen Schatten der Ecke schälte und sich auf ihn zubewegte. Er unterdrückte ein kindliches Kichern. Dieser Trick klappte aber auch fast jedes Mal! Die Leute in der Gilde waren manchmal so schrecklich durchschaubar, dass es schon langweilig war. Geduldig wartete er ab, bis dieser jemand an ihren Tisch kam, damit dieser jemand gerade noch die Antwort mitbekommen würde, die er für Asherel erdacht hatte. Schließlich liebte Damon Publikum.

"Ah, wie ich sehe hast du mich durchschaut, meine Liebe. Niemals kommt die vermeintliche Großzügigkeit des Prinzen ohne einen Preis."
Er ließ seine Stimme absichtlich anrüchig klingen, verlieh seiner Stimme ein dunkles Timbre, dass er sonst nur für das Schlafzimmer vorbehielt.
"Ich werde mir schon was hübsches für dich ausdenken. Du kannst dich schon mal darauf vorbereiten, dass dies interessante Spiele beinhalten wird. Ich habe da noch so eine Kiste voller Kostümierungen ..."
Er ließ den Satz mal wieder im Nichts verebben. Das war eine recht brauchbare Methode, um die Leute sich selbst ihren Teil denken zu lassen und dann ob ihrer Schlussfolgerungen, ganz verdutzt zu tun. Eines seiner Lieblingsspiele. Dann erst wandte er sich dem Neuankömmling an seinem Tische zu, lauschte der angenehmen Stimme, die, wenn sie in früher Kindheit gut und sorgfältig ausgebildet worden wäre sicher einen ganz passablen Barden aus dem Besitzer gemacht hätte.

Ein wenig ins Grübeln geriet Damon schon bei dem Anblick. War sein Gegenüber nun männlich oder weiblich? Er selbst kannte sich durchaus gut mit der holden Weiblichkeit aus. Deswegen war es ein verwirrendes Gefühl sich nicht sicher zu sein. Entweder ein sehr androgyner Mann oder eben eine Frau. Hmm... wie ... spannend. Ein Rätsel, wie schön!
"Ich könnte niemals verantworten, wenn du dir deine hübschen Augen beim Würfelspiel in solch schlechten Lichtverhältnissen verdirbst."
Damon blickte vielsagend auf die Hand, die ein paar Würfel hielt. Die Hand war auch nicht eindeutig männlich oder weiblich. Und auch die Kleidung verriet nichts. Für seinen Geschmack war sie viel zu weit und sackartig. Es wirkte wie das, was oft junge Mädchen trugen, die zur Frau heranreiften und sich ihrer Kurven noch schämten. Oder wie etwas, dass der große und weit stämmigere Bruder an den kleinen vererbt hatte. Wirklich faszinierend, dieses menschliche Wesen vor ihm. Er hatte es auch noch nie bewusst wahrgenommen. Es war vermutlich noch nicht lange in der Gilde oder hatte sich bisher aus den Ränkeschmieden herausgehalten. Jedenfalls kannte Damon das Gesicht nicht und auch nicht den Namen. Hmm ... der Name, er würde möglicherweise das Geheimnis lüften. Auch auf die Gefahr hin, dass er dann ein wenig enttäuscht sein würde, weil es so einfach zu lösen gewesen wäre, dieses Rätsel.

"Darf ich dir Asherel vorstellen? Eine Tänzerin und eine Spielernatur wie du es bist, wie mir scheint. Und ich bin Damon und lege keinen Wert auf übertriebene Höflichkeiten, sofern du mir deinen Namen verraten willst und den Grund warum du so lange im Halbdunkel gezögert hast, anstatt dich im Lichte meiner Anwesenheit zu sonnen!"
Er zwinkerte dem rätselhaften Menschen gutmütig zu und lachte auf.
" Also wirklich! Ich bin fast enttäuscht. Wo du doch längst auf ein Spielchen hättest herüber kommen können! Ashe, was meinst du? Hast du Lust zu spielen?"
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Dienstag 26. März 2013, 21:30

Irgendwie schaffte sie es, nicht sofort zu lachen und stattdessen ein verschämtes Gesicht zu machen. Ob ihr Mienenspiel den Prinzen wohl erheiterte als er ihr mit seinem vermeintlichen “Preis“ drohte? Asherel zumindest amüsierte sich prächtig, trotz ihrer Müdigkeit. “Eure Hoheit“, hauchte sie mit zittriger Stimme. Fast schon wollten die schwachen, ungeschickten Proteste folgen die das Spielchen noch weiter auf die Spitze treiben würden, da ertönte eine angenehme Stimme nicht allzu weit hinter ihr. Dieses Mal konnte die Tänzerin das Schmunzeln doch nicht mehr unterdrücken.

Damon war eben ein Gaukler vom Scheitel bis zur Sohle, durch Mark und Bein und mit jeder Faser seines Seins. Und Gaukler liebten nun mal ihr Publikum. Sie drehte den Kopf etwas und entdeckte die Gestalt, die gesprochen hatte und vermutlich für das neuerliche Funkeln in den Augen des Barden verantwortlich war. Es war, nach Asherels Schätzung, eine junge Frau von vielleicht 20 Lebensjahren. Sie mochte wohl in etwa so groß sein wie die Tänzerin es selbst war und entweder von knabenhafter Statur oder mit übermäßig weiblichen Rundungen gesegnet. Anders konnte sie sich dieses absurde, weite Gewand nicht erklären. Es war nicht im Geringsten schmeichelhaft, weder in Farbe noch in Schnitt und lud schon fast dazu ein, die Trägerin einfach zu übersehen. Glessandra hätte einiges darüber zu sagen und Asherel verbannte diese Gedanken fürs Erste.

Die Fremde bat darum, sich an ihren Tisch setzen zu dürfen und im ersten Moment war das der schwarzen Amme gar nicht recht. Ihr Lächeln indes zog die Möglichkeit, zu einem Ausdruck der Unwilligkeit zu werden gar nicht erst in Betracht und blieb was es war: heiter, amüsiert und etwas kokett.

Damon hatte ihr ein Nachtlager angeboten – ein Angebot dass sie sich gerade erst durchgerungen hatte anzunehmen. Die Frage war, ob er dieses Angebot auch dann aufrecht halten würde, wenn er entschied, die blonde Nymphe zu verführen. Dass sie an dem Prinzen interessiert war, war für Asherel offensichtlich. Die Worte der Fremden hatten allein ihm gegolten. Die Dunkelhaarige war vermutlich nur unwichtiges Beiwerk oder – schlimmer noch – unliebsame Konkurrentin um die Gunst Damons. Das versprach, ein amüsantes Spielchen zu werden auch wenn Asherel sehr wohl wusste, dass sie einen unfairen Vorteil genoss.

Aber das gehörte nun mal dazu, wenn man Spiele spielte. Und an Spielen schien das Mädchen interessiert zu sein – sie brachte Würfel mit an den Tisch wie Damon scharfsinnig bemerkte. Ihr Lächeln wurde etwas breiter und damit wärmer.

“Setz dich zu uns, Nymphchen,“ lud sie die Fremde ein und deutete auf einen der freien Stühle. “Keine falsche Scheu, die Stühle beißen nicht.“

Auf Damons Frage hin schob sich die rechte Braue der Tänzerin nach oben, fast so als wolle sie ihn fragen ob er wirklich glaubte sie würde ein Spiel auslassen. Stattdessen sagte sie: “Mein Lieber, glaubst du denn wirklich, du könntest den Tisch mit deinen Kleidern am Leib verlassen wenn du mit mir würfelst?“

Eine freche Herausforderung, das wusste sie. Aber zwei Spielchen auf einmal – wie sollte sie da widerstehen?
Zuletzt geändert von Asherel am Mittwoch 27. März 2013, 10:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Tade » Dienstag 26. März 2013, 23:37

Tade überraschten die Worte des Streunerprinzen, die er an seine Begleitung gerichtet hatte. Auch wenn es eher auf belustigender Weise war. Doch das Einzige was ihn dabei verriet, war ein kleines Zucken an der linken Augenbraue und ein frei interpretierbares Lächeln. Er hatte so viele Geschichten über die Frauenabenteuer von Damon gehört, das es ihn nicht schockte, wenn er so offensiv damit umging. Er schien jemand zu sein, der aus seiner Machtposition viel herauszog und sich der gleichen deswegen nicht genierte. Der junge Mann verübelte es ihn deswegen nicht einmal, denn er würde in seiner Position nicht anders agieren, auch wenn die Ziele seiner Lust anderer Natur wären.

Er lächelte freundlich und offenherzig, so wie er es immer tat. Doch es war eine übliche Maskerade, die nicht wirklich seine richtigen Gefühle preisgaben. So etwas geschah nur sehr selten und schon als Sklave hatte er lernen müssen, dass es besser war keine vom Gegenüber ungewollten Gefühle zu zeigen. Besonders als er als Erzeugersklave hatte arbeiten müssen. Er wusste nicht mehr wie häufig er mit Frauen geschlafen hatte und wie viele Kinder in Patria seine gewesen waren. Immer gegen seine eigene Natur und nur mit reiner Willenskraft hatte er seinen Mann gestanden.

Die Fragen des Prinzen zu beantworten fiel ihm gekonnt einfach und er antwortet mit sanften und gespielt vorwurfsvollen Tonfall. „ Hätte Wirt die Lampen in der Ecke nicht ausgehen lassen, wäre sie sicherlich nicht so dunkel geworden und es ließ sich dort immer noch gut spielen. Zumal, der Stuhl war eingesessen und diese nehme es einen manchmal sehr krumm, wenn man sie ohne weiteres verlässt.“ Somit hatte er sehr schmeichelhaft für sich selbst umschrieben, dass er Bequemlichkeit zu schätzen wusste und keine hasst an den Tag legen wollte. „Schön dich kennen zu lernen Asherel.“

Tade ließ sich sanft auf den Stuhl gleiten und sprach weiter. „ Mein Name ist Tade.“ Der Name war in Patria mittlerweile nur noch bei Frauen gebräuchlich und die meisten realisiert erst wenn sie ihn als Mann erkannt hatten, das dieser Name früher auch nicht so selten für Jungen zu finden war. Auch wenn er meist als Abkürzung von Tademian verwendet wurde. Der ehemaligen Sklaven machte es jedoch nichts aus als Frau gesehen zu werden. Er war dadurch freier und ein Kuss eines anderen Mannes, der ihm gefiel, zu erhaschen, war ein lohnenswerter Nebeneffekt.

Die drei Würfel aus er Hand landeten klangvoll auf den Tisch und weitere drei gesellten sich dazu. Tade zog die Ärmel hoch bis zu den Schultern. Ein bekanntes Zeichen unter Streunern, das man nichts weiteres in den Ärmeln stecken hatte und nicht gedachte falsch zu spielen. Seine dünnen Arme und die sanfte, wenn auch etwas blasse Haut waren das, was man eher bei jungen Mädchen erwartete. „Zehntausend?“ Stellte er die Frage nach dem Spiel. Es war ein bekanntes Würfelspiel, das immer halb durch Glück und halb durch Verstand gewonnen wurde und Tade kannte alle Situationen des Spiels.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Mittwoch 27. März 2013, 12:13

Damon grinste breit und schenkte Asherel ein so sonniges Lächeln, dass sie aufpassen musste, sich nicht daran zu verbrennen. Offensichtlich hatte er großen Spaß an ihrem Geplänkel. Er streckte seine Hand vor und kniff ihr dann in die Wange, etwas dass er eigentlich nie tat. Außer wenn Riyalia ihn aufs Äußerste amüsiert hatte. Es war eine absolut geschwisterliche Geste, die ihm einfach so herausgerutscht war, spontan wie er manchmal war. Es überraschte ihn selbst, fühlte sich aber nicht verkehrt an. “Du bist nicht nur eine grandiose Tänzerin, sondern auch eine hervorragende Schauspielerin, meine Liebe. Man könnte glatt meinen, ich wäre wirklich so ein ungehobelter Erpresser und würde nie etwas aus reiner Nächstenliebe tun.“ Er gab sich übertrieben empört, zog die Augenbrauen grimmig zusammen, bevor er erneut in Gelächter ausbrach.

Und dann war da ja noch das Rätsel. Er wandte sich dem blonden Etwas zu, wobei Etwas schon ein ziemlich unhöflicher Gedanke war. Etwas klang so abfällig, so wenig treffend! Denn das Wesen war durchaus nicht hässlich und hatte seinen Reiz. Schon von daher hoffte Damon einfach, dass es sich um eine Frau handelte. Er war nicht übertrieben eifersüchtig, wenn er mal einen gutaussehenden Mann sah und hatte auch kein übertriebenes Schamgefühl, dieses dann lauthals kundzutun. Aber Männer sollten nicht so aussehen, nicht so weiblich eben. Und der Gedanke mit zwei Frauen den Abend ausklingen zu lassen … na welcher Mann würde da nicht schwach werden und sich allerlei interessante … Begebenheiten ausdenken? Seine Augenbrauen wanderten indes immer weiter in die Höhe, als Asherel das Wesen Nymphchen nannte. Er lächelte versonnen. Eine Nymphe … oja. Diese Vorstellung gefiel ihm.

“Nymphe? Also das hast du sehr gut erkannt, meine Liebe. Geheimnisumwittert wie ein Fabelwesen, fremdartig, doch mit unübersehbarer Anziehungskraft. Ein wirklich passender Spitzname und viel treffender als Tade.“ Er musterte Tade nachdenklich. “Was für ein ziemlich gewöhnlicher patrianischer Frauenname! Er wird dir in keinem Fall gerecht, kleine Nymphe. Was hat sich deine Mutter nur dabei gedacht?“ In dem Augenblick, in dem Tade ihren Namen genannt hatte, war Damon enttäuscht und erfreut zugleich. Enttäuscht, weil das Geheimnis nun scheinbar schon gelüftet war, erfreut, weil er es offenbar mit einer weiteren jungen Frau zu tun hatte. “Was den Wirt betrifft. Vielleicht habe ich ihn ja dafür bezahlt, damit du uns ein wenig Gesellschaft leistest?“ Er kniff der jungen Dame munter ein Auge, die sich nun anschickte, aus dem Würfelspiel ernst zu machen.

Ihm war auch Asherels Kommentar nicht entgangen und er betrachtete sie ungewöhnlich nachdenklich und vielsagend, bevor er sich wieder Tade zuwandte. “Wenn wir um unsere Kleidung spielen wollen, so sollten wir das lieber in meinem Quartier machen und nicht hier in der Taverne. Das würde zu viel Gerede und Neid führen.“ Damon klang todernst und sachlich, während er die beiden abwechselnd ansah und für eine Weile auf eine Antwort wartete. “Ansonsten würde ich vorschlagen spielen wie um Gefälligkeiten. Gold und Geld hat an Macht verloren. Gefälligkeiten dagegen nicht. Mir schwebt da schon etwas vor … Meine Räumlichkeiten müssten dringend mal gereinigt werden.“ Ein unverschämtes Glitzern stahl sich nun in seine Augen als er sich dichter über den Tisch und ihnen zuneigte. In beinahe verschwörerischen Tonfall fuhr er fort. “Ich bin dafür, dass die anderen beiden Mitspieler entscheiden müssen, was der andere an Gefälligkeit schuldet, sollte er verlieren. Was meint ihr, meine Damen? Klingt das fair?“
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Mittwoch 27. März 2013, 21:25

Das breite Grinsen auf Damons Gesicht spiegelte sich auf dem der Tänzerin wieder. Wieder hatten sie ihr kleines Spielchen gespielt und waren mit einem nicht ganz klaren “unentschieden“ als Ergebnis auseinander gegangen. Das Spiel würde ein anderes Mal weitergehen; schon war sie dabei sich mental auf den Neuankömmling einzustellen, da spürte sie Damons Finger in ihrem Gesicht. Für einen Moment war sie verwirrt, sogar so sehr, dass ihr Lächeln einem überraschten Ausdruck wich den man verpasste, wenn man im falschen Moment blinzelte. Was war nur wieder in den Prinzen gefahren? Ein unangenehmes Gefühl machte sich in Asherels Magengrube breit. Sorge. Etwas stimmte nicht, aber nun da sie die blonde Nymphe an ihrem Tisch akzeptiert hatten, war die Chance vertan. Heute Abend würde sie Damon nicht mehr zur Rede stellen können. Fast schon wünschte sie sich, sie hätte sich die Mühe gemacht, den Prinzen zu Verführen. So manches Geheimnis war ihr unter dem Deckmäntelchen des Bettgeflüsters anvertraut worden. Vielleicht wäre auch Damon dann redseliger.

Sie beschloss, sich diese Option für die nahe Zukunft offen zu halten. Nun aber glitt das Mädchen auf einen der Stühle und stellte sich als Tade vor. Ein gebräuchlicher Mädchenname in Patria; innerlich verzog Asherel das Gesicht. Eine Patrianerin – wie wundervoll.

“Schön, auch deine Bekanntschaft zu machen, Tade“, erwiderte sie den Gruß der Nymphe. Diese ließ den drei Würfeln aus ihrer Hand noch drei weitere folgen, die vermutlich aus einer Tasche dieses unmöglich weiten Kleides hervorgeholt worden waren. Sie schlug Zehntausend vor.

Asherel lauschte Damons Worten mit nur einem Ohr, die Würfel interessierten sie viel mehr. Mit einer geübten Handbewegung sammelte sie die sechs Würfel ein und ließ sie locker in ihrer geschlossen Hand gegeneinander Klackern. Es war schon ein Reflex, gerade wenn man schon so lange spielte wie sie: Würfel einsammeln und damit spielen, wie man es gar nicht erwarten könne, sein Geld zu verlieren. Dass sie so auf recht unauffällige Art und Weise prüfen konnte, ob die Würfel gezinkt waren, fiel den Wenigsten dabei auf.

Asherel misstraute fremden Würfeln schon aus Prinzip, aber diese hier schienen alle in etwa das gleiche Gewicht zu haben. Wenn Tade eine Falschspielerin war, dann war sie schlau genug gezinkte Würfel nicht mit “echten“ Würfeln zu mischen. Asherel öffnete ihre Hand um die Würfel näher zu betrachten. Sie hatte gelernt dass es viele Methoden gab, selbst einen geübten Spieler hinters Licht zu führen. Ein paar davon hatte sie selbst schon erfolgreich angewandt. Aber auch optisch schienen sich die einzelnen Würfel auf den ersten Blick nicht wirklich voneinander zu unterscheiden. Sie würde Tades Würfeln vorerst vertrauen.

Dann aber beugte Damon sich vor und die Tänzerin konnte sich ein kleines, feines Grinsen nicht verkneifen. Sie hatte gescherzt, als sie Damon damit gedroht hatte ihm seine Kleider abzunehmen, aber offensichtlich schien die Idee Anklang gefunden zu haben. Nun aber schlug der Prinz vor sich in seine Gemächer zurückzuziehen oder – statt der Kleider – eine Gefälligkeit zu setzen.

‘Naja,‘ dachte Asherel. ‘Der Umhang ist ja schon ziemlich verwaschen und Tades Sackleinen brauche ich auch nicht wirklich. Andererseits, was nützt mir eine Gefälligkeit von dem Nymphchen? Mal sehen…‘

“Du Spielverderber. Wo ist das Vernügen darin, das beste Hemd zu verspielen wenn man es nicht gerade trägt? Hast du eine Taverne etwa noch nie...?“ fragte sie Damon mit gespielter Entrüstung und hochgezogener Braue ohne sich dabei die Mühe zu machen, das übermütige Funkeln in ihren Augen zu verbergen. Mit einer leichten Kopfbewegung warf die Tänzerin ihre schwarzen Locken nach hinten und rang sich ein theatralisches Seufzen ab. “Fein, ich will mal nicht so sein. Lass uns um eine Gefälligkeit spielen. Was sagst du, Tade? Ist das ein angemessener Ersatz für die Kleider des Prinzen?“ fragte sie keck und zwinkerte der Blonden zu.

Es war ja doch alles nur Spaß.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Tade » Freitag 29. März 2013, 18:53

Die Worte des Streunerprinzen schmeichelten Tade, auch wenn er wusste das sie in der Annahme geschahen er sei eine Frau. Dies geschah in letzter Zeit häufiger und selbst Asherel ging offensichtlich davon aus. Es amüsierte ihn und er lächelte. Für die beiden anderen dürfte es so gewirkt haben, als ob das junge Ding über die Worte des Streunerprinzen freute. Er errötete sogar leicht, was nur durch seine blasse Haut so deutlich zum tragen kam. Seine Haut war zwar sehr bleich wirkte dabei jedoch nicht ungesund, weil er sie stets gut pflegte obwohl sie ein bisschen mehr Farbe durchaus vertragen konnte. Aber den Streuneruntergrund zu verlassen um sich die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen, wäre in der derzeitigen Lage sicherlich nicht sehr dem eigenen Fortbestehen zuträglich.

Als Asherel ihn Nymphe nannte musste er kichern wie ein junges Mädchen. Tade hatte schon vieles über sich gehört aber so etwas war ihm neu. Er bemerkte das die Streunerin, ohne es abwarten zu können, nach den Würfeln griff. Der junge Man beobachtete sie dabei aus den Augenwinkeln und erkannte die Züge einer erfahrenen Spielerin. Ja, prüfe ruhig ob sie gezinkt sind, dachte er, aber sie sind so normal wie der Holzstuhl auf dem ich sitze. Tade war einiges aber ganz sicher nicht verrückt. Hier in der Taverne zwischen geübten Spielern die zum Teil Meuchelmördern waren und anderen Falschspielern, die die Gezinkte erkennen konnten, würde er niemals mit gezinkten Würfeln auftauchen.

Dann kam der Einsatz für das Spiel zur Sprache und Tade stutzte kurz. Es war nur innerlich und für die anderen nicht erkennbar aber er Spürte wie sich sein Magen zusammen krampfte. Er fuhr sich mit dem Finger über den Nasenrücken um besser nachdenken zu könne. Eine Angewohnheit, die er nie wirklich hatte ablegen können. Die wenigsten fanden daran etwas Anstößiges, meist fand man es niedlich. Das ist ein hoher Einsatz, ging es ihm durch den Kopf, Und für dich ein sehr hohes Risiko – wenn du auffliegst. Er stockte kurz. Aber die Aussicht ein Gefallen bei Damon gut zu haben kann dir in der heutigen Zeit einmal den Hals retten. Was Asherel zu bieten hatte, wusste er nicht und es spielte in seinen Überlegungen keine Rolle. Am Ende gewann die Lust am Spiel mit dem Risiko.

„Liebend gern“ sagte Tade mit überspitzten Ton „auch wenn ich nicht weiß, was ich armseliger Tropf euch zu bieten hab was ihr als Gefälligkeit einfordern könnt.“ Er fuhr sich mit der Hand durch den Nacken um eine Verkrampfung, die sich dort währenden des anstrengenden Nachdenkens gebildet hatte zu lösen. Dabei massierte sich Tade selbst mit dem Daumen kurz zwischen den Schulterblättern. Es hattet durchaus Vorteile, wenn man wusste wie man schmerzende Stellen und Verkrampfungen massieren musste damit sie sich lösten. So etwas konnte Ablenkend während des Spiels wirken und 'die Nymphe' war sich sicher das eine Ablenkung hier ihre Niederlage bedeutete. „Wollen wir anfangen?“

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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Sonntag 31. März 2013, 12:45

Damon lachte. Er konnte nicht anders. Ohnehin lachte er ja sehr gerne und eigentlich immer, wenn sich ein entsprechender Anlass bot. Er beugte sich zu Ashe vor. "Nein, ich habe noch nie eine Taverne nackt verlassen. Allerdings war ich durchaus schon mal aus anderen Gründen nackt in einer Taverne, sofern die Vorratskammer noch zur Taverne zählt." Oh ja, das war eine nette Erinnerung. Aus der Zeit als Patria über ihnen noch eine blühende Stadt gewesen war und die männlichen Streuner sich nur in den Schatten bewegen konnten oder sich als Sklaven tarnen mussten. Diese Tarnung als Sklave war es gewesen, die ihm eine äußerst nette Unterhaltung mit einer jungen Patrianerin in der Vorratskammer der Taverne beschert hatte. Bei der Göttin! Wie alt war er da gewesen? Blutjung in jedem Fall. Es war vor dem Versterben seines Vaters gewesen, bevor er mit Riyalia und seiner Mutter als Gaukler die Länder außerhalb Auroraes bereist hatte. So lange her, dass er sich weder an den Namen noch an das Gesicht des Mädchens erinnern konnte. Das wiederum war jedoch nicht außergewöhnlich. Meist blieben ihm die Situationen mehr im Gedächtnis als die Frauen, wenn er sie einmal erobert hatte.

Die Damen zeigten sich für seinen Vorschlag offen. Noch wussten sie nicht, was ihnen blühte, sollte eine von ihnen verlieren. Vielleicht wusste er es selbst noch nicht genau. Er dachte jedenfalls nicht weiter darüber nach. Auch nicht darüber, dass er möglicherweise ihnen eine Gefälligkeit schulden würde. Den Spaß wäre das allemal wert und bei Würfelspielen war er kein schlechter Verlierer. Bei anderen Dingen, zog er es vor, so lange zu spielen, bis er gewann. Tade sagte etwas, dass ihn überraschte. Sie sollte nichts zu bieten haben? Das wagte Damon doch sehr stark zu bezweifeln. Jeder hatte doch ein Talent. Und wenn nicht, so konnte er sie immer noch als Laufbursche missbrauchen oder sie dazu zwingen etwas hübscheres und schmeichelhafteres anzuziehen. Er grinste. Er würde definitiv eine Gefälligkeit für sie finden.

"Liebes Nymphchen. So stelle dein Licht doch nicht so unter den Scheffel. Du bist weder armselig noch ein Tropf. Und ich bin zudem äußerst kreativ. Mach dir also keine Sorgen. Solltest du es sein, die verliert, so wird mir sicher etwas für dich einfallen." Oh ja, Damon hatte viel Spaß. Er bereute nicht im geringsten, dass er heute Abend in die Taverne gekommen war. Für den Augenblick war der düstere Nebel um ihn her verschwunden. "Da Ashe die Würfel hat, würde ich vorschlagen, sie beginnt einfach." Damon nickte ihr aufmunternd zu, stand auf und entledigte sich seines bunten Mantels. Darunter kam ein schlichtes weißes Hemd zum Vorschein und eine bequeme braune Lederhose. Er legte den Mantel über seine Stuhllehne und krempelte sich die Ärmel hoch. Auch er kannte den Kodex unter Spielern. Er strich gedankenverloren über seine Laute. Aus den Augenwinkeln beobachtete er jedoch genau eine jede Reaktion seiner beiden Gegenüber. Immerhin spielte er mit Streunern. Bei ihnen konnte man nie wissen, ob sie trotz allem nicht doch auf die ein oder andere Weise falsch spielten. Nicht das er das schlimm gefunden hätte. Es war nur eine weitere Herausforderung, wenn es so war.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Sonntag 31. März 2013, 16:31

Tade entblößte ihre Unterarme in einer allseits bekannten Geste. Unter ihres Gleichen gab es wenig Zeremoniell, aber jeder Streuner tat gut daran das wenige was es gab, zu beachten. Dazu gehörte der visuelle Beweis, dass man nicht gedachte falsch zu spielen genauso wie das Vorkosten von angebotenen Speisen oder Getränken um zu beweisen, dass sie nicht vergiftet waren. Oder die Tatsache dass ein gegebenes Wort eine Schuld darstellte, die nicht ohne weiteres zurückgenommen werden konnte.

Die Tänzerin hatte keinen Zweifel daran, dass Damon, so er denn gewann, eine geschuldete Gefälligkeit nicht für Frivolitäten wie sein persönliches Vergnügen verschwenden würde. Dafür war er sich seiner Position und den Wert des Einsatzes, den er schließlich selbst vorgeschlagen hatte, viel zu sehr bewusst. Tade versuchte, den Wert ihres eigenen Einsatzes herunterzuspielen – als ob der Umstand, dass man selbst nicht wusste, was andere von einem wollen könnten den Einsatz nichtig machen könnte – und Asherel schüttelte den Kopf. Damon mahnte sie schelmisch ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen während er sich erhob um sich seines Umhanges zu entledigen. Auch er rollte seine Ärmel hoch um jedweden Betrügereien “abzuschwören“.

Asherel neigte ihren Kopf leicht als Damon vorschlug sie solle beginnen, wo sie schon die Würfel in ihrer Hand hatte.

Mit einer fließenden Bewegung schob sie den schwarzen Stoff ihrer Bluse hoch in bis zu den Ellenbogen, gleichwohl ihre rechte Hand die Würfel noch immer umklammert hielt. Sie hielt beide Arme für einen kurzen Moment erhoben in einer stummen Einladung an ihre Spielgefährten ihre blassen Arme zu inspizieren. Dort, wo früher eine Vielzahl von Armreifen effektvoll das Licht reflektiert und die Zierlichkeit ihrer Hände betont hatten, waren nun alte, fast verheilte Abschürfungen und Schnittwunden zu sehen. Zwischen ihnen saßen blasse Narben die schon Jahre alt sein mussten und die Göttin wusste woher stammten.

Die Würfel klackerten über die Tischplatte, blieben jedoch in ihrer Mitte liegen. Die Hälfte der Würfel zeigte jeweils drei Augen; die andere Hälfte jeweils vier. “Siebenhundert,“ stellte sie fest und machte eine knappe, einladende Geste in Richtung Tade.

Es war ein mittelmäßiger Wurf nach Asherels Erfahrung. Aber für ihre Zwecke reichte er vollkommen aus. Während sie die Gesichter ihrer Mitspieler unauffällig studierte um ihre Reaktionen abzuwägen kam ihr der Gedanke, dass es vielleicht nicht besonders klug gewesen war auf Damons Vorschlag einzugehen. Sie war müde und erschöpfte von der langen Reise, den Dingen die ihr wiederfahren waren und denen, denen sie hatte entgehen können.

Die Dunkelhaarige nahm einen letzten Schluck von ihrem Bier. ‘Dieses Spiel wird nicht durch Glück allein gewonnen,‘ mahnte sie sich selbst.

Tade: 800 Punkte
Damon: 900 Punkte
Asherel: 0+700 = 700 Punkte
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Tade » Donnerstag 4. April 2013, 02:45

Asherel fing also an und würfelte nicht einmal schlecht für den ersten Wurf. Drei Dreier und drei Vierer konnte sie verbuchen und auf einen Schlag siebenhundert Punkte gut schreiben. Doch was darauf folgte konnte von Tade, den geübten Spieler, nicht unkommentiert bleiben. Denn anstatt weiter zu spielen weil alle Würfel verbraucht wurden, schrieb sie die Punkte. Ein amüsiertes und nicht gänzlich Häme freies Lachen erfüllte die Taverne. „Wenn du uns Gefälligkeiten schenken willst, brauchen wir nicht darum zu spielen.“ scherzte der junge Mann und griff freudig nach den Würfeln. So konnte das Ganze gerne weitergehen und wenn Damon es den Beispiel der Schwarzen Amme gleich tat, würde er dies sicherlich nicht ablehnen.

Man konnte an den Augen des jungen Mannes ablesen das er ein geübter Spieler war. Und wenn auch die Mimik und Worte locker waren, verriet die Konzentration die seinen Blick beherrschte klares Kalkül und den entschlossenen Willen den Sieg nachhause zu fahren. Die Würfel donnerten immer und immer wieder auf den Tisch, Punkte wurden geschrieben, verhalten geflucht und gelacht.Da Spiel wog hin und her und die meiste Zeit führte Tade mit knappen Vorsprung auf einen seiner Mitspieler. Damon hatte zuerst ein paar schwache Runden und holte jedoch zwischen den Runden sieben und zehn kräftig auf. Es lief alles auf ein Kopf-an-Kopfrennen zwischen dem Streunerprinzen und dem ehemaligen Sklaven hinaus.

Tade beobachtete die anderen genau. Er war durchaus immer noch in Gefahr dieses Spiel zu verlieren und dies war wirklich nichts was er begehrte. Es war nie gut einen Streuner, egal ob Prinz oder nicht, einen Gefallen zu schulden. Die meisten derartige Gefallen waren entweder gefährlich oder dreckig, in der Mehrheitlich sogar beides. Der junge Mann schmiss die Würfel zur elften Runde und die Augen auf den Kuben zeigten ihm eine kleine Katastrophe an. Nicht ein einziger Punkt den er hätte schreiben können. Eine totale Nullrunde zu einen Zeitpunkt wo es das Spiel zu entscheiden galt. Tade biss sich auf die Unterlippe und wartete auf den Nächsten Zug seiner Mitspieler.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Montag 8. April 2013, 19:09

Auch wenn es häufig wirken mochte, dass Damon seiner Umwelt gegenüber nicht sehr aufmerksam war, so war dies meist doch Fassade. So auch jetzt. Er ließ sich in keiner Weise anmerken, dass ihm Asherels Arme aufgefallen waren, das Fehlen ihres Schmuckes und die … nun ja, andere Männer als er, würden es wohl als Schönheitsmakel bezeichnen. Er jedoch fand jede Neuerung eher interessant. Diese Neuerung jedenfalls, verbarg eine Geschichte in sich, die er nur zu gerne erzählt bekommen hätte. Die Zeit dafür würde kommen, entschied er, als Asherel ihren ersten Wurf tat. Sie legte gut vor. 700 Punkte. Doch entweder gehörte sie zu der übervorsichtigen Sorte (und als solche hatte er sie bisher nicht kennengelernt) oder sie war müder als es den Anschein hatte. Denn sie hörte einfach auf und schrieb sich die Punkte. Er enthielt sich jedoch, ganz anders als Tade, der Frotzelei, die ihm auf der Zunge lag. Um sich auch noch das breite Grinsen zu versagen oder das beinahe mitleidvolle Tätscheln ihres Kopfes, dafür hätte er schon Sorius selbst sein müssen oder Auror. Beiden sollte ja der Legende nach die Sonne aus dem A ...llerwertesten geschienen haben.

Doch für derlei Gedanken war kein Platz, da nun das Nympchen zeigte, was sie konnte. Und ja, sie konnte spielen. Sehr zu seinem Vergnügen. Fachmännisch war ihr Umgang mit den Würfeln und sie hatte ein gutes Gefühl dafür, wann man Risiken einging und wann nicht. Dies beschloss er im Gedächtnis zu behalten. Jede kleinste Information konnte sich als nützlich erweisen. Er nahm die Würfel an sich und legte gut vor. Jedenfalls würfelte er mehr Punkte als die anderen beiden. Dafür legte er jedoch anschließend eine Nullrunde hin. Diese sollte jedoch die einzige des Prinzen bleiben. Wie im echten Leben, so ging er auch beim Würfeln nachsichtig und planvoll zu Werke. Er ließ sich nicht zu Risiken hinreißen, ergriff aber die Chancen, die sich ihm boten. Und letztendlich war das Glück ihm hold. Asherel war längst weit abgeschlagen. Das Nympchen dagegen hielt sich wacker. Und Damon nahm schon an, dass er wohl gegen dieses Spielertalent verlieren würde. In der 13. Runde erlangte Tade 9450 Punkte. Es war wahrscheinlich, dass sie in der nächsten Runde das Spiel gewinnen würde. Damon fehlte ebenfalls nicht mehr viel zum Sieg. 850 Punkte um genau zu sein. Doch diese in einem Wurf zu erlangen, war nicht zwingend gegeben.

Allerdings, das Glück wurde ihm ein weiteres Mal geschenkt. Nicht nur, dass er mit zwei hübschen Exemplaren der weiblichen Gattung an einem Tische sitzen durfte, nein, nun schuldeten sie ihm auch noch eine Gefälligkeit. Er lehnte sich sehr zufrieden drein blickend zurück und verschränkte die Arme lässig hinter seinem Kopf, um die beiden aus amüsiert glitzernden Augen zu mustern. Er nahm sich Zeit dafür. Die eine, wohl gerundet und ihre weiblichen Vorzüge präsentierend, die andere unter der weiten Kleidung eher flachbrüstig und auf eine reizvolle Weise burschikos. Ach! Wie schade, dass er seine Gefälligkeiten nicht dafür einsetzen konnte, dass sie beide den Abend mit ihm in seinen Räumlichkeiten auf sportliche Weise ausklingen ließen. Sie waren so wunderbar gegensätzlich, was die Sache nur noch viel reizvoller gestaltet hätte. Dafür waren Gefälligkeiten zum einen zu kostbar. Nicht, dass ihn das wirklich abschrecken würde, wenn es darauf ankam. Aber die Leute würden nachher noch über ihn reden. Geschichten erzählen, dass es einer Wette bedurfte, damit er Frauen ins Bett bekam. Oh nein! Ein Mann wie er, musste schließlich auf seinen Ruf achten. “Nun, meine Damen“,sagte er gedehnt und blickte von der einen zur anderen. “Was nur soll ich euch als Gefälligkeit abknöpfen, hm?“ Er rieb sich scheinbar gedankenverloren das Kinn. Dann setzte er sich ruckartig wieder anständig an den Tisch. “Ach nein. Liebes Nympchen, so beginne du doch mit deiner Forderung an Asherel. Die Dame zuerst, nicht wahr?“ Er maß Tade mit einem bedeutungsschweren Blick und kicherte sodann leise in sich hinein.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Dienstag 9. April 2013, 20:19

Das Spiel entwickelte sich rasant wie es bei Zehntausend oft der Fall war. Aber schon bald bereute sie, sich überhaupt darauf eingelassen zu haben. Eine Gefälligkeit! War sie denn des Wahnsinns fette Beute? Sie war müde und erschöpft. Sie war in keiner Verfassung, weder körperlich noch geistig, um um eine solche Kostbarkeit zu spielen! Sie hätte sich nicht davon abbringen lassen sollen, etwas Harmloses, wie Damons Kleider, einzusetzen!

Das Brot füllte ihren Magen und zusammen mit dem Bier, dem verdammten Amazonenbier, hatte es sie entspannt, noch müder und darum unachtsam gemacht. Wie töricht war sie doch! Nicht nur, dass sie nach einem passablen ersten Wurf weitere Würfe verschenkte, nein, sie hatte noch nicht einmal Glück! Das Spiel lief ganz und gar nicht zu ihren Gunsten und Asherel konnte nur sich selbst die Schuld dafür geben. Zu allem Überfluss reihte sich auch noch Nullrunde an Nullrunde.

Schon in der zehnten Runde wusste sie es mit absoluter Sicherheit: Das Spiel war verloren und somit war sie in der Schuld ihrer beiden Mitspieler. Dabei war es für sie vollkommen unerheblich wer von beiden nun schlussendlich gewann, denn es änderte an der Situation der Tänzerin wenig. Hoffentlich würden sie beide etwas wählen, was Asherel nicht zu lange an die Gilde binden würde. Zum Monat der Gebete wollte sie wieder auf Reisen sein, den Weg aus diesem verfluchten Land suchen welches von den Schatten überrannt worden war.

Und dann klackerten die Würfel ein letztes Mal über den Tisch und Asherel blinzelte müde das Ergebnis an. Sie war sich nicht sicher ob sie sich freuen sollte, dass Tade den Sieg nicht davongetragen hatte (weil sie ihr den Sieg nach ihrer hämischen Stichelei zu Anfang schlichtweg nicht gönnte) oder ob sie sich sorgen sollte, dass Damon ihn errungen hatte. Ein Knoten formte sich in ihrer Magengrube, die sich auf einmal unangenehm schwer von Brot, Käse, Bier und Sorge anfühlte. Wie zu erwarten überließ Damon es Tade, ihre Forderung als erstes zu stellen und Asherel fluchte innerlich.

Natürlich würde der Streunerprinz seinen Sieg entsprechend inszenieren. Ihr einziger Trost war, das Damon eine vage Ahnung von ihren Fähigkeiten hatte wohingegen Tade sie vermutlich für eine hoffnungslos miserable Spielerin hielt, die kaum andere Fähigkeiten hatte. Dass sie von Asherels Tätigkeit als schwarzer Amme gehört hatte, hielt die Tänzerin für zweifelhaft, denn niemand außer Glessandra oder Asherels ehemaligen Reisegefährten hatte Tade davon berichten können. Damon hatte sie erst heute Abend kennengelernt, weshalb sie vermutete dass Riyalia sie auch nicht kannte (und überhaupt – wo oder besser mit wem trieb die Schwester des Streunerprinzen sich herum dass sie immer noch nicht an die Seite ihres Bruders zurückgekehrt war?). Den Verbleib von Ahavan, Kasache und Aylifey kannte Asherel nicht also stand zu befürchten, dass sie verschollen waren und Cinja, die Narbige, welche sich an dem Tisch mit den zwei grobschlächtigen Kerlen vermutlich zu Tode langweilte, war bei ihrem letzten Zusammentreffen scheinbar nicht gut auf Asherel zu sprechen und würde ihre Künste darum vermutlich nicht einer Streunerin in Umständen anpreisen.

“Nun,“ fragte Asherel mit von Müdigkeit schwerer Stimme. “Was soll ich für dich tun, Tade?“

Besser, sie brachte es schnell hinter sich. Und morgen früh, ja. Morgen früh, irgendwas, aber erst morgen früh.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Tade » Mittwoch 10. April 2013, 01:21

Tade fluchte aufs schlimmst innerlich als Damon den Sieg davon trug und er sich mit dem nutzlosen zweiten Platz sich begnügen musste. Was wollte er schon von der Frau, zumal er nicht einmal einen Überblick über ihre Stellung in der Gilde oder ihrer Fähigkeiten hatte. Gefälligkeiten waren etwas kostbares. Aber wenn man sie nicht gewinnbringend einsetzen konnte waren sie sinnfrei. Er überlegte schon ob er sie einfach verfallen lies aber das war fast einer Beleidigung gleich zu setzen und wenn die Dame sich auf die 'Schattenküste', also Giftmischen, Meucheln oder Foltern , verstand wollte er lieber keine neue Feindin in ihr wiederfinden. Er rieb sich mit den Zeigefinger über den Nasenrücken weil er angestrengt nachdachte. Doch ihm wollte beim besten willen nicht einfallen was er von ihr verlangen sollte. Er schaute sie angestrengt an.

Dann kam ihm ein Einfall. Sein Blick wanderte zum Streunerprinz und er schenke ihm ein warmes Lächeln. „Ich bezweifle das ich einen Nutzen aus ihren Diensten ziehen kann. Was würde eure Hoheit zahlen, wenn ich sie machen lasse, was er wünscht.“ Tade bezweifelte das ihn der Streunerprinz seine eigene Gefälligkeit im Austausch dafür anbot, dafür waren diese zu wertvoll aber wenn er selbst einen ordentlichen monetären Wert aus der Sache ziehen konnte, hatte es sich vielleicht sogar für ihn gelohnt. Asherel konnte sich auch freikaufen, vorausgesetzt sie verfügte über irgendwelche Mittel oder Tauschgüter die ihn interessierten. Aber sie wirkte nicht so.

Tade faltete die Hände und blickte Damon erwartungsvoll an. Es wart Zeit zum Handeln. Der ehemalige Sklave bezweifelte das der Prinz sich die Gelegenheit eine Gefälligkeit für ihn günstig zu erwerben verstreichen ließ. Auf der einen Seite kam sich Tade wie eine Sklavenhändler vor aber auf der anderen Seite war in der heutigen Zeit nichts was von Wert war zu verachten, schließlich galt es immer noch sich selbst am Leben zu halten.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Damon » Donnerstag 11. April 2013, 13:38

"Hah! Du kennst Ashe einfach nicht, sonst würdest du das nicht sagen. Sie kann viele Dinge!" Er lächelte, auch wenn er ein wenig enttäuscht war, dass Tade offenbar nicht zu den fantasievollen Frauen gehörte. Aber ach was! Das war etwas, das würde sie schon noch lernen. Und wenn Damon es ihr selbst beibrachte. Genau! Diesmal war das Lächeln echt. Es wurde sogar breiter. "Hmm, wer könnte so ein Angebot ausschlagen? Allerdings, entlasse ich dich nicht aus deiner Gefälligkeit. Ich würde dir dafür aber eine kleine Gefälligkeit von mir anbieten. Etwas nicht allzu großes, versteht sich." Er tippte nachdenklich mit seinem Zeigefinger auf sein Kinn. Er hatte da schon eine Idee, war sich aber nicht sicher, ob er das Interesse der hübschen jungen Frau damit erregen konnte. Dennoch, warum eigentlich nicht?

Seine Augen leuchteten auf und er beugte sich etwas weiter zu den beiden Frauen hin. "Ich würde dir dafür Gesangsstunden geben. Deine Stimme ist wirklich ausbildungswürdig, wie ich finde. Kein Sopran, eher ein Alt, aber mit der richtigen Ausbildung, würdest du damit schon etwas anfangen können. Geschäftlich, versteht sich. Was meinst du? Ich finde es schadet jedenfalls nicht, ein zweites Standbein zu haben." Damon war kein Narr. Tade bot ihm Asherel auf einem Silbertablett an. Dass die Streunerin ihn nicht nur einen, sondern gleich zwei Gefallen schulden würde, diese Aussicht war sehr verlockend. Vor allem, weil er im Gegensatz zum Nympchen schon sehr genau wusste, wie er Verwendung für sie finden würde. Wäre er eine Katze, hätte er jetzt wohl wohlig geschnurrt. Er sah jedenfalls aus, als habe er gerade heimlich an der Milch genascht. Das Nympchen wusste es noch nicht, aber sie hatte ihm im Grunde mehr als einen Gefallen getan. Selbst, wenn sie den Gesang ablehnen würde, so würde Damon doch eine Möglichkeit finden durch seine Gefälligkeit, mehr Zeit mit ihr zu verbringen. Im Grunde war er also der doppelt und dreifache Sieger.

Nun wandte er sich Ashe zu. Sie sah müde aus. Selbst ihre Stimme wirkte abgekämpft. Armes Ding. Aber er hatte kein Mitleid mit ihr, wenn es um das Verlieren ging. Sie hätte das Spielchen ja auch ablehnen können, oder nicht? "Ich sehe ein, dass du müde bist, meine Liebe. Man hört es deutlich. Wenn du willst, geh schon einmal vor. Die Gefälligkeit kann ich auch Morgen früh einfordern, wenn du ausgeschlafen bist. Ansonsten sag ich dir die erste, sobald das Nymphchen und ich uns auf einen Preis geeinigt haben." Er strich Asherel freundlich aber nicht aufdringlich über die Wange, was ungewöhnlich war. Denn eigentlich war er ja immer aufdringlich. "Du hattest sicher eine anstrengende Zeit hinter dir. Wie wir alle." Seine Stimme nahm eine dunkle Färbung an, rutschte eine Oktave tiefer, fast so als zögen Gewitterwolken herauf. Doch das Gewitter währte nur ein paar Augenblicke. Schon stahl sich wieder das sonnige Lächeln auf sein Gesicht, als er die beiden Damen interessiert ansah und darauf wartete, was sie nun sagen würden.
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Asherel » Donnerstag 11. April 2013, 19:34

Asherel hielt sich selbst für eine gute Verliererin. Zumindest suchte sie die Schuld für ein verlorenes Spiel nicht bei den anderen (es sei denn sie wusste, dass jemand falsch spielte was nicht das Gleiche war wie ein zweiter, geschickterer Falschspieler am Tisch), beharrte nicht auf eine Revanche und erging sich auch sonst nicht in Wehklagen und Gejammer. Trotzdem hätte sie Tade den bleichen, schlanken Schwanenhals am liebsten umgedreht.

“Ich bezweifle das ich einen Nutzen aus ihren Diensten ziehen kann. Was würde eure Hoheit zahlen, wenn ich sie machen lasse, was er wünscht?“

Hatte sie gerade richtig gehört? Waren ihre Fähigkeiten wirklich als nutzlos abgekanzelt worden? Asherel schloss für einen kurzen Moment die Augen um ihren Ärger über die Worte des Nymphchens nicht offen zur Schau zu stellen. Es mochte auf ihre Tischnachbarn wie ein weiterer Beweis für ihre Müdigkeit wirken denn ein kleines Gähnen kämpfte sich mühsam den Weg frei als ihre Lider sich schlossen.

Tade versuchte tatsächlich, eine Gefälligkeit auf so banale weise an Damon zu verschachern, vermutlich in der irrigen Hoffnung er würde ihr dafür ihre eigene Schuld erlassen. Wollte sie sich damit die Gunst des Streunerprinzen auf Asherels Kosten erkaufen? Und das schlimme daran war, dass Damon offensichtlich darauf einging – zumindest den Teil in dem es darum ging, gleich zwei Gefälligkeiten von Asherel einfordern zu können. Müde hin, müde her – die Tänzerin wusste, dass dies nichts Gutes für sie bedeuten würde denn Damons Worte waren einerseits schmeichelhaft, ließen andererseits aber Schlimmes ahnen. Sie lauschte dem Austausch nur halb – der Barde bot Gesangsstunden im Austausch für ihre Schuld. Es war kein schlechtes Angebot (wenn auch unter dem Wert einer Gefälligkeit, fand Asherel, vor allem einer Gefälligkeit die sie erbringen würde) und wenn Tade schlau war, griff sie mit beiden Händen zu: Gesangsstunden bedeuteten, dass sie die Möglichkeit haben würde viel Zeit mit Damon zu verbringen. Natürlich hatte das auch Nachteile und sie fragte sich, wie Riyalia wohl reagieren würde wenn sie das zierliche blonde Nymphchen in ihren Gemächern antreffen würde.

“Ich sehe ein, dass du müde bist, meine Liebe,“ sagte Damon. Verwirrt schlug Asherel die Augen auf nur um dann festzustellen, dass die Worte an sie gerichtet waren. Sie nickte – was sollte sie auch leugnen – und machte keinen Hehl aus ihrer Überraschung über sein Angebot. Er bot ihr an, sich zur Ruhe zu betten. Nein, das war nicht richtig: er bot ihr an, sich alleine und unbeaufsichtigt in seinen Gemächern zur Ruhe zu betten. War das ein Test? Ein Vertrauensbeweis? Sie war sich nicht sicher, konnte die Gedanken schon nicht mehr klar fassen. Ein leises Seufzen entfuhr ihr und sie nickte abermals, noch ehe sie bewusst entschieden hatte sich zurückzuziehen.

“Es wird wohl das Beste sein. Nehmt es mir bitte nicht übel,“ erwiderte Asherel sanft. Ihre Mundwinkel zuckten leicht als sie ihren Spielgefährten scherzhaft mit erhobenem Zeigefinger drohte. “Das nächste Mal werdet ihr nicht so leichtes Spiel mit mir haben,“ mahnte sie und rückte ihren Stuhl zurück. “Tade,“ offerierte sie dem Nymphchen mit einer knappen Geste zum Abschied. “Damon.“

Sie griff nach der Schnur ihrer Beuteltasche, aus welcher der grobe braune Stoff ihres Wollmantels halb hervorquoll, und schwang sie sich auf den Rücken. Sie nickte noch einmal in die Runde, ließ ihre Fingerspitzen wie bei ihrer Ankunft spielerisch über Damons Schulter tanzen als sie an ihm vorbei ging und verließ die Taverne.

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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Tade » Sonntag 28. April 2013, 15:06

Tade lächelte innerlich als der Streunerprinz auf sein Angebot einging. Ihm war von Anfang an schon klar gewesen, das sein Angebot nicht dazu führen würde, das er aus seiner Schuld entlassen wird. Doch dies war nicht wichtig. Er hatte zwar die ein oder andere Information über Asherels Fähigkeiten gehabt, mehr durchs Hörensagen in der Taverne als dadurch das er sich aktiv nach soetwas erkundigt hätte aber er konnte tatsächlich nichts mit ihren Fähigkeiten anfangen. Es mochte vielleicht ein Tausch unter Wert sein jedoch für den ehemaligen Sklaven war dies immer noch besser als mit einer Gefälligkeit herumzualbern, die ihm effektiv keinen Mehrwert brachte. Selbst die kleine Gefälligkeit des Streunerprinzen würde ihm für das was er benötigte besser dienen als alles andere.

Damons Angebot ihm Gesangsstunden zu geben brachte den Blondschopf zum lächeln, auch wenn er tatsächlich darüber nachdachte diese anzunehmen schüttelte er fast schon reflexartig den Kopf. „Danke, aber nein Danke. Selbst wenn ich vielleicht ein Talent dafür haben sollte wäre dies vergebens. Ich interessiere mich nicht für singen oder tanzen und bin realistisch genug zu sehen, das bei diesen musischen Künsten das Herz mit einspielen muss um die Zuschauer innerlich zu berühren.“ Tade merkte das er auf Grund der für ihn bereits fortgeschrittenen Stunde kaum mehr klar denken konnte. Er war nun fast schon neunzehn Stunden auf den Beinen. Ein deutliches Anzeichen dafür war, das seine Worte poetischer klangen als sonst. „Mir fällt dazu etwas anderes ein. Dazu jedoch an anderer Stelle.“ Er streckte sich auf seinen Stuhl und gähnte ohne sich die Mühe zu machen seine Müdigkeit zu verbergen „Mir steckt ein langer Tag in den Knochen und mir gelüstet es vor allen nach eins – Schlaf. So vergebt mir bitte eure Hoheit das ich euch nicht weiter Gesellschaft leisten werde.“

Mit einen gekonnten Griff verschwanden die Würfel klimpernd in der Geldbörse des Spielers und Tade stand auf. „Es wird sicherlich morgen oder auch den Tag danach für uns immer noch die Möglichkeit geben die Gefälligkeiten zu winzufordern, wenn ihr mich sucht findet ihr mich hier. Zwinkert einfach in die dunklen Ecken.“ Er lachte leicht. Tade strich dem noch sitzenden Damon sanft über die Wange und küsste ihn überraschend auf die andere. Ohne auf eine Erwiderung zu warten verschwand er aus der Tür.

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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Mahot » Donnerstag 7. November 2013, 06:57

Das Wirtshaus war um diese Stunde gut besucht. Mahot steuerte auf seine Stammecke zu. Allerdings dauerte es eine Weile bis er sie erreichte. Viele Frauen begrüßten ihn und einige klammerten sich an seine Arme. Eine schmiegte sich sogar von hinten an ihn und raunte ihm etwas in Ohr.

"Lasst mich heute in Ruhe. Ich will alleine sein." Er legte gerade so viel Druck in seine Stimme, dass die meisten von ihm abließen. Die ihn von hinten umklammerte allerdings nicht. Mahot löste ihre Hände von seinem Bauch, zog sie um sich herum und schmunzelte. "Roda, mein Herzblatt und Klette. Such dir einen anderen." Er schubste sie leicht von sich und gab ihr einen Klaps auf den Hintern. Oh ja, sie war eine Augenweide. Den Po-Klapser verstand ein anderer, der es auf Roda abgesehen hatte und der schon einige Humpen intus hatte falsch. Mahot spürte einen Schlag in seiner Seite. Schon im Umdrehen holte er mit Schwung aus und versetzte dem Angreifer einen derart heftigen Magenschlag, dass dieser stöhnend zusammensackte. Jetzt ging es Mahot noch besser.

Der Weg zu seiner Ecke war nun frei. Er zog einen Stuhl an den Tisch und rief die Magd: "Einen Roten, den guten wie immer. "Was gibst heute zum Beißen?" Er wusste, dass die Auswahl der Speisen nicht groß war. In diesen Zeiten gab es am Tag meistens ein Stammessen. Das, was der Koch günstig und in großen Mengen ergattert hatte. "Gut, dann bring mir die dicke Hühnersuppe. Sag dem Koch er soll eine Extra-Hand voll Huhn hineintun." Er drückte der Magd eine Münze für den Koch in die Hand.

Mahot dachte über den Tag nach. Doch nur ein Bild schob sich immer wieder vor seine Augen. Das der Amazone mit ihrem Gorsak. "Wo bleibt der Wein?" Seinen Kumpel konnte er nirgends entdecken.
....Und auf die gelernte Weise
Grub ich nach dem alten Schatze
Auf dem angezeigten Platze;
Schwarz und stürmisch war die Nacht.

(Auszug aus 'Der Schatzgräber' von Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Das Wirtshaus, Stadt der Streuner - Ebene 2

Beitragvon Mahot » Sonntag 17. November 2013, 10:06

Die Suppe tat ihm gut und vertrieb vorerst die Sehnsüchte. Doch schweiften seine Gedanken bald wieder ab. Er dachte an den Tag, an dem er seine Eltern verlor. Seiner Schwester ging es soweit gut. Aber Mahot musste immer wieder an seinen Bruder, der damals noch ein Säugling war, denken. Hatte er überlebt und wenn ja, wo war er jetzt? Und schon wieder sah er die diffuse Szene vor Augen, wo seine Schwester und er nach dem kleinen Bruder suchten. Vergeblich gaben sie erschöpft nach einem Tag die Suche auf. Diese traurigen Bilder verdankte er dem alten Händler, der von Spuren im Verbotenen Tal erzählt hatte, wo das Schreckliche damals passierte. Auch die zuckende Reaktion der Amazone Foxane auf seinen Hinweis hatte es verstärkt. Sollte er aufbrechen und suchen? Schon allein die Aussicht vielleicht die Amazone wiederzusehen, war sehr verlockend. Hier unten passierte in letzter Zeit ja doch nicht viel.

Plötzlich schob sich ein bekanntes Gesicht neben ihn. Roda rückte mitsamt einem Stuhl an seinen Tisch. Im Schlepptau eine junge Frau und den Verehrer, dem er noch vor Minuten einen Magenschlag verpasst hatte. Roda lachte, strich sanft über seine Schulter und flüsterte:
"Ich kann es nicht mit ansehen, wie du hier alleine Trübsal bläst." Sie mischte die Karten in ihren Händen, teilte sie aus und die anderen legten ihre Münzen aus. Mahot grinste: "Gut, gut. Ich hab nichts Besseres zu tun. Also lasst das Spiel beginnen." Obwohl Mahot zu gerne um etwas anderes gespielt hätte, war er mit dem Spiel um Geld einverstanden. Er besaß mehr als er im Moment ausgeben konnte. Wie und wo denn auch? Patria, die einstige Stadt der Freuden und des Überflusses, gab es nicht mehr.

So vergingen die Stunden. Mahot verlor anfangs und gewann am Ende doch seinen Einsatz zurück sowie einige Münzen dazu. Die ganze Zeit über flirtete Roda mit ihm unterm Tisch. Immer wieder berührte sie mit ihrem Fuß seine Beine und kicherte. Diese Frau wusste, wie man einen Mann verrückt machen konnte. Er wusste schon jetzt, wie das enden würde und ließ sie gewähren. Ihre Freundin und ihr angeblicher Verehrer entdeckten die gegenseitige Anziehungskraft und zwar oberhalb des Tisches. Die beiden verschwanden schnell.
Während Mahot die Leute beobachtete, lehnte Roda ihren Kopf an seine Schulter und erzählte ihm etwas.

Weiter siehe 'Außerhalb der Stadtmauern Patrias'
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(Auszug aus 'Der Schatzgräber' von Johann Wolfgang von Goethe)
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