Gedichte der Spieler

Nicht lange her…

Es nicht nicht lange her,
so glaubt mir bitte sehr
da lebte einst ein Mann im Wald
und seine Geschichte hört ihr bald

Sein Name den kennt keiner
vielleicht ist es ja meiner
oder ein ähnlicher wie deiner
Nun seis drum, er ist unbekannt
doch ihn kennt man ihm ganzen Land

Mutig ist er, stark und kräftig,
seine Sprache die ist deftig
Er ist ein Streuner und ein Dieb
und seine Freiheit ist ihm teuer und auch lieb

Geschickt ist er im Umgang mit den Frauen
und auch die Männer glauben ihm zu trauen
doch er ist nur aufs Geld bedacht,
man munkelt, er hätte auch schon umgebracht

Doch das ist das Ende einer Sage,
weiß man doch nichts über die gegenwärtige Lage
drum ist jetzt mit dem Liedchen Schluß,
bekommt der Sänger einen Kuss?
von Azrael, Streuner

nach oben

Krieger

Der Krieger träumte sieben Träume,
einsam ging er seinen Weg.
Eine Straße, rings um Bäume,
dann ein See und ein Steg.

An dem Steg, da lag ein Boot,

und der Krieger stieg hinein.
Niemals fürchtet er den Tod.
Wie es wird, so soll es sein.

Auf der Suche war der Krieger,
nach seiner Liebe, jung und rein.
Ewig wollt er sein der Sieger,
doch wie es wird, so soll es sein.

Geraubt ward sie, die junge Schönheit,
durch den König von dem See.
Und des Wassers raue Hoheit,
zerstört des Kriegers Hoffen jäh.

Denn nun zerschlagen die Wellen gar,
des Kriegers Boote ganz.
Und für jetzt und immerdar
verlor des Kriegers Ruhm den Glanz.

Nassen Hauptes schwamm er dann
auf das Ufer zu.

Glücklos zog der arme Mann
heimwärts und zur Ruh’.

Und des Kriegers Liebst jedoch,
wurde des Königs Maid,
und eh’ der Tag vergangen noch,
schwor’n sie am Altar den Eid.
von Theoram, Streuner

nach oben

Dalia

Dalia ging durch den Wald,
Der war so kalt und dunkel.
Da traf sie ‘ne uralt’ Gestalt,
Mit’m Gesicht voller Furunkel.

Seid Gegrüßt, der Göttin zu Ehren,

Das sprach die fremde Frau.
‘nen Wunsch könnt ihr nicht verwehren.

Ich weiß es und ihr wisst’s genau.

Dann sprich, was kann ich denn tun?

Das bat Dalia, die Kriegerin, sie.
Und so dacht’ sie sich dabei nun:
Oh, offentlich bereu’ ich das nie.

Dort liegt Holz zum Hacken bereit,
Sagt die Alte und deutet darauf.
Bitte hackt es, nehmt euch die Zeit,
Der Winter naht, s’ist der Weltenlauf.

Dalia nickt, sie denkt und sie sinnt:
Was schadet die Handlung auch schon?

Sie schnappt sich die Axt und beginnt
Doch die Alte lächelt voll Hohn.
Und sieh’ der Stapel er schrumpft nicht,
Egal wieviel Hölzer Dalia hackt.
Die Sonne geht unter und ohn’ Licht
findet Dalia die Lage beknackt.

He Alte, ruft Dalia zornig,
Was für ein Spielchen treibest du hier?
Sie lächelt voll bitterem Honig,
Niemand macht so etwas mit ihr!

Der Alte, sie ahnt wenig Gutes
Niemand macht sich Dalia zum Feind
Nur sie selbst ist so dumm und tut es.
Herrin, so hab ich’s ja nicht gemeint

So hört man die Alte nun flehen
Doch Dalia lacht sie jetzt aus.
Die Kriegerin denkt nun ans gehen.
Doch dann sieht sie der Alten Haus

Ein Palast so groß und so prächtig
Davor steht die Kriegerin nun.
Und, so denkt die Dalia bedächtig
Meine Göttin, was soll ich hier tun?

Wer bist du, fragt sie die Fremde.
Doch diese lächelt nur noch.
Segnend hebt sie die Hände,
Und schließlich spricht sie doch:”

Fortsetzung folgt……
von Theoram, Streuner

nach oben

Die Ballade von Theorams Flucht aus Patria

ein Schelmenstreich in 14 Strophen

Theoram Starkherz wird er gennannt
als Todtänzer und Rabenkind ist er bekannt
Spott ist seine Stärke, sein Mut gezeugt aus Hohn
Er ist des Astroths und der Maryes Sohn

Zum Ärger zieht es ihn, wie eine Made zum Speck
Furchtlos ist, tollkühn und keck
Lose ist das Mundwerk von Astroths Sohn
und lose hängt sein Dolch an seinem Gürtel schon

So höret die Mär, die man sich erzählt
über Einauge, der den Weg der Streuner erwählt

Höret die Geschichte von seiner Flucht
aus Patrias Kerkern und Marathonas Gruft

Vom Kampf mit dem Kasu war er geschwächt
Ein Sieg der sich dann bitter gerächt
Drei Amazonen ergriffen ihn nun
Grausam ihr Handeln, tückisch ihr Tun

Geheilt wurd er dann von Tala der Reinen
doch wie Glück mag dies dem Narren nur scheinen
verkauft und verschachert für wenig Gold
ward ihm fortan nur das Unglück hier hold.

Denn Marathona, Herrin von Patrias Sklaven
Wusste soviel Mittel Starkherz zu strafen
Seine größte Qual: Er war stets allein

Doch ungebrochen überstand er die Pein.

Geplagt und gepeinigt in lichtlosen Zellen
verhöhnt durch Marathonas keiferndes Bellen
Vergiftet, gefoltert Tagein und Tagaus
Erfüllt vom Gedanken: Er wollte hinaus!
Dann kam schließlich Caro die Wirtin hinzu
Sie bat und sie bettelte, gab keine Ruh
Bis Marathona ihr schenkte den lieblosen Jungen
doch vor Freude ist niemand in die Lüfte gesprungen

Halbnackt Caro ihn nun durch Patria schleifte
und er so zum Gespött dieser Stadt heranreifte
Auf Rache sann Theoram und schlau wie er war

war die Stunde der Stunden auch recht bald da.

Mit einem Messer aus Caros eigener Küche
Ersann der Schelm sich seine Schliche

Er überwältigt die Wirtin im Handstreiche dann
So ist es wie er die Freiheit gewann

Gefesselt, geknebelt lies er sie zurück
halbnackt wie sie ihn, wie war er entzückt
so hat er seinen Weg hinaus nun gebahnt

Das hat in Patria noch keiner geahnt.

So schlich er sich in Caros Kammer
Was nun kommt, das ist echt der Hammer
Dort holte er Mantel und Frauenkleid
damit gewandet war er zur Flucht bereit

“Frau” Theoram so durch Patrias Gassen eilt
wo er, wie er meint, schon viel zu lange verweilt
Niemand hält die alte Vettel auf
und Theorams Flucht nimmt ihren Lauf.

Nur wenig später ist er dann entwichen
Noch heute rätseln sie ob seiner Schlichen
In Patria und im Wald ist heute niemand mehr klar
Gibts Theoram wirklich oder war er niemals da?
von Theoram, Streuner

nach oben

Im Gras

Sie wusste nicht wie lange sie dort lag, im Gras.
Die Sonne wanderte über den Horizont
und verabschiedete den Tag.
Die Nacht kam kriechend,
kalt mit lichten Nebelschwaden.
Die Kälte bannte sich ihren Weg durch das Gras,
langsam einhüllend.

Der Morgen von Röte erfüllt,

ohne Hoffnung, ohne Ziel.
Das Leben wanderte an ihr vorbei,
Vögel flogen über ihren Kopf,
hüpften durch das Gras.
Neugierig sich annähernd,
um dann doch in schneller Flucht,
sich in die Lüfte zu erheben.
Einsamkeit, eine große Leere,
machte sich in ihr breit.
Wie ein Becher, der entleert wurde,
lag sie nutzlos im Gras.
Nur der Schmerz blieb.
An ihr nagend, wie ein Wurm,

hungrig nach Leid und Qual.
Sie verlor den Sinn für Zeit und Leben.
Erschöpft vom Leben, blieb sie liegen,
sich dem Schicksal ergebend.
von Anilya

nach oben

Greni

There was a special dwarf in state,
his name was Greni to ev`ry mate.
He used to drink a very lot,
but even more, he smoked his pot.

Smoking was his biggest passion,
some say it was his dreadful obsession,

all day he smoked as much as he could,
to be in a much much happier mood.

With ev´ry piece of plant he smoked,
the more he grinned and laughed and joked,
the world became a more colorful thing,

and then he always started to sing:

“I´m the always-stoned dwarf of the amazone forest,
ask people `round here if ya don think I´m honest,

you can always be sure, that I´m up to no good,
I do it my way, that´s how it is, dude!”

He also had a big desire,

one, that poked his inner fire,
he wanted to meet a human maid,

that, he thougt, would be his fate.
by Greni

nach oben

Falkenkind

Ob Sonnenschein oder Regen
ob Flüche oder reiner Segen

ob tiefste Nacht oder am Tage
schön zu hören ist sie, diese Sage
Es lebte einst ein Falkenkind
es flog um die Wette mit dem Wind

doch der wollte sich nicht lumpen lassen
und bekam das Vöglein an den Federn zu fassen
Brutal riß der Wind sie aus
und brachte so den Sieg nach Haus

Der junge Falke stürtze zur Erde
in die Mitte einer großen Schafherde
Ihre weiche Wolle bremste den Sturz
und der Vogel spürte den Schmerz nur kurz
Doch am verletzen Stolz litt er noch lang

Übers ganze Land vernahm man seinen Rachgesang’
Er forderte seine Federn zurück
Jedes einzelne goldene Stück

Doch der Wind hatte sie vertragen
keiner konnte dem Falken sagen
wo seine goldenen Federn lagen
Aber der kleine Falke war schlau

kannte er doch den Wind genau
und so suchte er an den entlegensten Orten
versuchte es mit Drohungen und bösen Worten

Die erste Feder lag am Meeresgrund
bewacht von einem dicken Seehund
Doch als der Falke seine Geschichte erzählte
der Seehund die Befehlsverweigerung wählte
und die Feder dem Besitzer wieder gab
der damit um die zweite Feder warb
Und auch diese gewann er zurück
nun fehlte ihm nur noch ein Stück

Dies hatte der Wind selbst verschluckt
und damit über die Lande gezuckt
Doch der Falke ließ sich nicht verschüchtern
und fragte den Wind ganz nüchtern
ob er auch ohne Falkenfeder gewinnen könne

Das ließ der Wind nicht auf sich sitzen
die Zunge des Falken hatte ihre Spitzen
tief in des Windes Herz gebohrt

und darin herumrumourt
Derart aufgebracht
verlor der Wind die entscheidende Schlacht
und nun hatte unser Held wieder sein prächtiges Federkleid
und der Wind ist verstummt vor lauter Neid.
by Azreal

nach oben

Element Wasser

Feuer, Wasser, Erde, Wind
Wachsen, wehen, fließen g‘schwind
Lausch dem Lied, es spielt für dich
Wahrlich frei und königlich!
Du hörst gut zu, du lauschest nur
Den freien Liedern der Natur.
Spürst du denn nicht ihre Kraft?
Nur durch ein einzig Wort entfacht.
Der Sturmwind braust über das Land
Die Erde wird niemals gebannt
Das Wasser bahnt sich seinen Weg
Kraftvoll die Wand aus Feuer steht.
Tief in dir flüstert eine Stimme
Du schärfest nun alle deine Sinne
Und plötzlich spürst du, fein und sacht
Der starken Elemente Kraft!
by Jira

nach oben

Sklavenversteigerung

“Wie recht ihr nicht habt
wo ihr doch sonst so an den Schmerzen anderer labt
Ich bin ein Mann, bereit vieles zu tun
Kann arbeiten, ohne viel zu ruhn’
Meine Vorzüge, ihr glaubt sie alle zu kennen
doch würdet ihr sie nennen
so würden noch beträchtliche fehlen
aber ich möchte euch nicht eure Illusionen stehlen
ist doch ein Geschenk am interessantesten
wenn es noch nicht ausgepackt ist.”
by Azrael

nach oben

Dunkelheit

Die Dunkelheit bricht herein,
die Kälte der Nacht bedeckt das Land.

Dichter Nebel steigt aus dem Boden,
ich stehe am Fenster – ich bin allein.

Schatten bedecken meine Seele,
die Einsamkeit kontrolliert den Geist.

Stumme Schreie verhallen im Nichts,

niemand sieht, wie ich mich quäle.

Diese Welt ist mir so fremd;

Verkümmert sind fast alle Gefühle,
außer Abscheu, Hass und Wut.

Nur noch ein Wunsch, der in mir brennt:
Dass der Tod meinen Namen nennt!
by Celia

nach oben

Wohin

Sag mir doch, wohin trägt er mich,
wohin, wohin denn nur?
Sag mir doch, oder weißt du’s nicht,
Wald, Feld oder weite Flur?

Sag mir doch, wohin führt der Weg,
dort auf der warmen Erde?
Sag mir doch, oder weißt du nicht,
wohin ich kommen werde?

Sag mir doch, wohin fließt der Fluss,
ans Weltenende gar?
Sag mir doch, oder weißt du’s nicht,
oh, wie Kristall so klar!

Sag mir doch nun, wo brennt die Flamm‘,
etwa im tiefen Berge?
- Ich sag’s dir ja, die Schmieden sind’s,
dort, tief im Reich der Zwerge!
by Jira

nach oben

Im Auftrag des Königs

Schelm Rabenkind und Zaubermaid
wandern durch den Sumpf der Toten
Auf einem Weg nicht kurz nicht weit
sind sie des eig’nen Schicksals Boten

Doch seht wie hier ein Mann marschiert
Ein Wesen aus dem Volk der Berge
Seht wie er deren Weg passiert
Kleiner Mann vom Volk der Zwerge

Verwundet ist der Zwerg und doch
Flucht der Kleine wie ein Loch
Weil’s Rabenkind ihn wohl nicht mag

Die Zaubermaid Zwerg dennoch heilt
Der hier im Totensumpf verweilt
In seines Königs kleinem Auftrag

Ein gar nicht so nettes Sonett von Theoram Starkherz

nach oben

Melodie der Nacht

Es wurde gerade Winter und ein dunkler Schatten lag über den Tagen und raubte der Sonne ihre Kraft. Kälte kauerte auf den Wegen, saß in den Wänden unserer Hütten und lauerte in den Ecken.
Mein Herz fror so bitterlich, schauderte und zagte. Suchte und bat.
Es lauschte vergeblich nach Wärme in dem Echo unserer tristen Zeit.Und da tönte eine Melodie aus dem Baum durch die Nacht und rührte meine Seele zu Tränen der Traurigkeit, die gefroren am Boden zerschellten, denn die Melodie sang ein schreckliches Lied:
‘Weh mir, wo sind die Menschen, die lieben und lachen, die verzeihen und auffangen, die helfen ohne zu fragen? Weh mir, wo sind die Menschen, die Wärme schenken ohne eigenes Verlangen, die eine Hand, ein Licht oder einen Händedruck reichen, um zu sagen: ich bin da? Weh dieser Welt, in der sich alle Bande lösten, Familie wie Freundschaft, in der Fremdes fremd bleibt und die Angst hinter verschlossenen Türen lauert. Weh der Welt, die hungert und leidet, die hasst und kämpft, die neidet und verletzt. Und Weh uns allen, wenn die Hoffnung stirbt’

‘Nein!’, sprach da meine traurige Seele, ‘Ich will nicht, dass die Hoffnung stirbt!’

Du bist allein und verloren, verirrt in den Wirren deiner Gefühle. Weh dir, du arme Seele, Tag um Tag stirbt ein Teil von dir. Und niemand sieht deinen Tod…, klang da die Melodie des Baumes.

‘Mag sein’, sprach wiederum meine Seele, ‘Ich bin allein, weil der Mensch letztendlich immer auf sich allein gestellt ist. Und doch habe ich mich selbst. Ich muss mich nur wieder finden…’

Da wurde die Stimme der Nacht ganz sanft:
Dann höre einfach auf die innere Melodie deines Herzens. Sie führt dich zum Licht zurück. Mag der Weg noch so beschwerlich erscheinen, ist er überwunden, wird dir, wird allen, ein neues Leben zuteil…

‘Ach’, seufzte da meine traurige Seele, ‘könnte ich deinen Worten nur Folge leisten. Lang ist der Weg und voller Dunkelheit. Die Melodie höre ich nicht mehr, denn ich fürchte mich so sehr…’
Weh dir, arme Seele, deine Furcht macht dich so taub und blind. Lass mich für einen Augenblick dein Auge und dein Ohr sein. Und so will ich dir den Weg zeigen. Ihn betreten musst du jedoch selbst…

Mit offenen Augen und Ohren ging ich also durch meine Welt, sah und erkannte besser die Dinge, von denen mir der Baum erzählt hatte, die Fremdheit, den Hass, das Leid und die Zwietracht und tiefe Verzweiflung machte sich in meinem Herzen breit.

Lange hatte der Baum geschwiegen und es war erst in der Zeit der Stille, als ich eines Nachts wieder seine Melodie vernahm:

Ach, welch Wehklagen liegt doch in deinem Herzen. So viele traurige Lieder tönen in dir. Gib ihnen doch eine Stimme…

“Weh mir”, seufzt da meine traurige Seele, “Ich habe meine Worte verloren. So stumm ist alles in mir, trostlos und verlassen. Verschlossen ist mein Geist hinter einer Tür. Kein Entrinnen und kein Weg führt zu mir.”

Jede Tür hat einen Schlüssel und öffnet einen Weg. Nicht dein Geist ist verschlossen, sondern dein Schmerz. Verleugne nicht, was in
dir ist, verleugne nicht die Tiefe deines Schmerzes. Er hat seinen Grund und sein Recht zu sein. Er weist dir den Weg, ist die Stimme deines Herzens…

Stöhnend krümmte sich meine traurige Seele vor Pein. “Er hat ein Recht zu sein?”

Aber gewiss doch. Denn es ist dein Schmerz, geboren aus deinem War und Ist. Mache nicht den Fehler und vergleiche ihn mit dem Schmerz der anderen. Denn kein Schmerz ist wie der andere, jedes Leid ist ureigen und persönlich empfunden. Es existiert kein Groß und kein Klein, sondern nur Tiefe.

“Ja”, sprach da meine traurige Seele, “Ich empfinde Schmerz. Und der Schmerz hat sein Recht zu sein! Und ich will ihn hinausschreien in die Welt …”

Nun ist der erste Schritt vollzogen auf deinem langen Weg. Verzage nicht und gehe weiter …
Und so ging ich und versuchte meinen eigenen Schmerz zu entdecken,” setzte Alsandair nach einer langen Pause fort, “und fand dabei unendliche Leere in mir und um mich herum. Also besuchte ich wieder die Zypresse und klagte:
“So unendlich breitet sich die Leere in mir aus. Bar jeglichen Horizontes, bar jeglichen Sinnes. So drückend ist diese Last, sie nimmt mir schier die Luft zum Atmen und verwehrt mir den Blick auf die Felder des Morgens. Wohin soll ich nur gehen, wenn ich so meiner Zukunft beraubt werde?”

Sanft sprach da der Baum zu meiner traurigen Seele:

Sieh die Nacht, Alsandair! Auch sie ist unendliche Leere. Und doch, unendliche Sterne funkeln in ihr. Ein jeder erzählt eine neue Geschichte vom Werden, Sein und Vergehen. In dieser Unendlichkeit gibt es auch unendliche Möglichkeiten zu entdecken. Jede Leere erhält den Sinn, den du ihr gibst. Es ist dein Wille, dem sie sich unterwirft, und dein Wille, der sie erschafft.

“So trage ich selbst schuld an der Leere in mir?”, erwidert da erschrocken meine traurige Seele.

Sprich nicht von Schuld, sie findet hier keinen Platz. Deine Welt ist zerbrochen und dein Wille erschuf die Leere, um Platz für Neues zu schaffen. Jede tief greifende Änderung erzeugt Angst und Schmerz. Und doch birgt sie in ihrem Kern die Hoffnung auf etwas Neues, in dem Gutes für dich liegt. Nimm diese Chance für dich an!

“Doch ich fürchte mich!”

Sei gewiss, jeder spürt Furcht in der Leere. Lass dich nur nicht von ihr bestimmen, sondern durchschreite sie mutig und siehe, du wirst überraschendes dahinter entdecken.

“Sag mir”, fragte da voll neuerwachter Neugierde meine traurige Seele, “Was finde ich hinter der Furcht?”

Und die Nacht sprach mit leisem Lachen: Dich selbst!

An einem dieser dunklen Tage schlich der Abendwind über das Land und klopfte zaghaft an die Türen unserer finsteren Hütten. So gab
er ein Zeichen von Leben, welches nie aufgehört hatte zu sein, sondern nur einem steten Wandel unterworfen ist. Ich besuchte mit meiner trauernden Seele die Zypresse. Ihre Krone hüllte mich sanft in schwarz-schimmernden Samt und sie sprach:

Nun also, wo du durch die unendliche Leere geschritten bist, ist deine Zeit der aufrichtigen Trauer gekommen!

“Aber ich habe doch schon so oft Traurigkeit in mir gefühlt. Ich bin es leid so traurig zu sein.”

Oh nein, es war erstarrte, verkrustete und sich selbst verleugnende Traurigkeit. Nun sollst du trauern, um den Schmerz, der dir zugefügt wurde, und um den Verlust der Liebe, der dir und den Menschen widerfahren ist. Denn die aufrichtige Trauer entsteht aus der Erkenntnis um die Verlorenheit.

Für einen Moment schwieg meine traurige Seele. Dann kullerten Tränen den Hügel hinab und schwollen an zu einem Bach, derschließlich in den Fluss des Lebens seinen Weg fand.
“Ja, nun verstehe ich. Hinter meiner Wut liegt die Liebe also, die wir so schmählich verloren haben. Sie wird nicht mehr zu unszurückkommen. Niemals mehr. Welch kraftvolle Pein in dieser Erkenntnis liegt. Wie nur soll ich diese Qual ertragen?”

Lass sie los, die vergangene Zeit. Du kannst sie nicht mehr durchleben und nicht wieder zurückholen. Gib deiner Trauer ihren Raum.
Sie hat ihren Grund, ihr berechtigtes Sein und ist der Weg zur Heilung.

“Es tut so weh!”, schrie meine traurige Seele in die Nacht hinaus. Da hielt die Zypresse mich ganz fest in ihren Armen und wisperte
mit sanfter Stimme:

Nun endlich spürst du wieder das Leben. Der Schmerz wird vergehen und neue Stärke in dir hinterlassen. Und du wirst feststellen, dassdie Welt immer noch voller Liebe ist. Du musst sie nur wieder entdecken.

Und gemeinsam weinten wir bis der neue Tag erwacht war…
Am nächsten Tag wirbelte Schnee in weißen Flocken durch das Tal und hüllte alles in weiße Unschuld. Es war der gleiche Tag wie heute, der letzte Tag der Zeit der Stille. Und die zuvor graue Landschaft schimmerte in einem reinen, hellen Licht. Die Sternenkinder tanzten voller Entzücken und der gütige Mond lächelte mit vollem Gesicht.

Meine Seele war nun vor ihr Haus getreten und hatte sich in ein neues Gewand gekleidet, um ihren Baum ehrenvoll zu begrüßen. “Sei mir willkommen, du Mutter des Waldes, in dessen Wurzeln und Ästen sich mein Herz tausendfach widerspiegelt. Sag mir, mit welcher Stimme wirst du heute zu mir sprechen?”

Es gibt nur eine Stimme, mit der ich je zu dir sprach, und nur eine Melodie, dessen Klang in dir ein Echo fand. Es ist die Quelle, aus der unser Sein entspringt und zu der uns alles hinführt: die Liebe.

Da nickte die Seele wissend.
“Doch sag mir nun, wie weit wird mein Weg mich noch führen, werde ich je sein Ende finden?”

Ach, du liebe Seele, siehst du nicht die Wandlung, die dich umgibt? Weit hat dich dein Weg schon gebracht, durch viele Untiefen und über große Steine musstest du gehen. Entdecke nur die Wunder, die dich schon seit einiger Zeit umgeben. Blicke nicht so sehnsüchtig in die weite Ferne, sondern schaue auf das, was du bist, und auf die Liebe, die dich so reichhaltig umgibt. Du darfst sie nur nicht in ein Gewand hüllen, dass deinen Wünschen entspricht. Nimm sie so, wie sie dir geschenkt wird!

Die Zypresse schmiegte sich zärtlich an meine Seele und ganz zaghaft umschlang ich wieder den Baum und fühlte, wie Wärme durch meine eiskalten Räume strömte und sie mit neuer Glut erfüllte. “Welch lange verloren geglaubtes Gefühl nun durch mich fließt”, schluchzte meine Seele ergriffen, “Ich ahnte nicht, wie leer mein Leben doch war.”

Du liebe Seele, noch etwas will ich dir mit auf deinen weiteren Weg geben. Halte diese Worte stets in deinem Herzen fest: Bewahre das Licht! Es wird stets bei dir sein und dir Kraft geben, wo alles verloren scheint. Es wird dir Halt geben, wenn der Fluss des Lebens dich mit sich reißt. Und es wird stets für dich in dunkler, sternenloser Nacht scheinen. Bewahre es nur und erinnere dich, das Licht bist du!

In dem Moment erschien am Horizont ein erster heller Streifen und kündigte endlich wieder einen lichten Tag an. Feuerrot stieg die Sonne aus ihrem Winterbett und blickte staunend auf die Schneelandschaft, die darauf wartete, dass wir Menschen dort ihre Spuren hinterlassen würden …

Ein letztes noch, sagte da der Baum,
Nenne dich nun nicht weise,
nich bevor du alle Menschen weise nennst.
Eine junge Frucht bist du immer noch,
die sich an den Zweig klammert,

und es war erst gestern,
dass du nur eine Blüte warst.
Und nenne auch keinen unter euch töricht,
der den wahren Weg nicht kennt,
denn in Wahrheit sind wir
weder Weise noch Toren.

Wir alle sind grüne Blätter am Baum des Lebens,
und das Leben selbst
liegt fern jenseits der Weisheit
und jenseits der Torheit,
es liegt dort,
wo die Liebe wohnt.

Das war das letzte Mal, dass die Zypresse zu mir gesprochen hatte. Noch im selben Monat verließ ich meinen Clan, um den Menschen von der Liebe zu erzählen, die in uns allen wohnt. Sie ist der Schlüssel zu einer besseren Welt, in der die Völker wieder geeint und gestärkt hervorgehen. Sie ist das Licht, das jeder von uns trägt.
Danke an Alsandair, für diese wunderschöne Melodie…

nach oben