Das Glaubensbekenntnis der Brandoris

Im Anbeginn der Zeit waren zwei göttliche Urprinzipien existent: das Weibliche und das Männliche. Sie lagen beieinander und zeugten gemeinsam die Welt Aurorae. Dort waren alle Wesen und Dinge mit den Attributen ihrer göttlichen Eltern unterschiedlich stark gesegnet. Sie herrschten in Eintracht über die neue Welt und liebten ihre Schöpfungen. In den langen Zeiten nach der Vollendung unzähliger Schöpfungen war die Göttin oft einsam; ihr Gemahl befand sich auf der Suche nach neuen Schöpfungen und wurde von Unruhe getrieben. So durchwanderte die Göttin häufig, auf der Suche nach Unterhaltung, die von ihnen geschaffene Welt. Eines Tages begegnete sie einem Mann vom Volk der Menschen, der sich in einer Notlage befand. Sie erbarmte sich seiner und rettete ihn und aus dieser Tat wurde eine feste Freundschaft, die sich zu einer tiefen, innigen Liebe wandelte. Nach einiger Zeit stellte sie fest, dass sie den nur allzu bald sichtbaren Beweis ihrer Liebe in ihrem Leib trug. Sie gebar einen Knaben, den sie Auror, den Goldenen, nannte.

drache2Der Knabe wuchs heran und reifte zu einem Mann. Die Göttin erkannte, dass sie ihn nicht bei sich behalten konnte und schickte ihn zurück zu den anderen Menschen, mit dem Auftrag, diese in das Gebiet zu führen, das wir heute als Aurorae kennen. Auror führte sein Volk in das Gebiet, das seine Mutter ihm zugewiesen hatte und ließ sich dort nieder. Die Göttin besuchte ihren Sohn immer wieder in verschiedenen Gestalten und sie war stolz auf ihn. Er war ein weiser und gerechter Herrscher, der seine Untertanen mit Güte und Barmherzigkeit regierte.

Doch die Göttin ahnte das Unheil, das kommen würde, wenn ihr Gemahl von Auror erfuhr! Sie stellte eine Armee zusammen, die gegen ihren Gemahl ziehen sollte, um ihn zu vernichten, die Kämpfer trugen den Namen Annuiyaée.

Und es kam, wie es kommen musste. Nach seiner langen Suche kehrte Kathâr zu seiner Gemahlin zurück und entdeckte ihren Verrat. Sein Herz war gebrochen und er wusste weder ein noch aus. Doch als er ihre Armee sah, die mit wehenden Fahnen gegen ihn in den Krieg ziehen sollte, überkam ihn die Wut und er brüllte vor Zorn, dass die Erde erbebte!
Er wusste, dass er nicht gegen die von der Göttin gesegneten Kämpfer bestehen konnte und erschuf mächtige Dämonen und befahl ihnen, die Annuiyaée zu vernichten, damit wieder Frieden im Land einkehren möge. Jahre des Krieges folgten und die Welt lag in Trümmern, als die Dämonen schließlich an den Grenzen von Aurors Reich standen. Als die Heere aufeinander prallten verdunkelte sich der Himmel und der Gott des Zorns stieg herab, um den unehelichen Sohn seiner Frau auszulöschen. Er war getrieben von Wut und Trauer, als er Auror endlich gegenüber stand. Doch er zögerte, denn er sah in seinem Anglitz das Licht seiner Gemahlin, die er immer noch liebte. Doch die Göttin, die ihren Sohn liebte, konnte dies nicht zulassen und bot ihrem Gemahl die Stirn. So wogte der Kampf zwischen den Annuiyaée und den Dämonen hin und her, je nachdem, welcher Gott gerade die Oberhand in ihrem Zwist hatte. Schließlich gelang es der Göttin, ihren Gemahl niederzuwerfen und durch Magie unter die Erde zu verbannen. In diesem Moment entfalteten die Waffen der Göttin ihre ganze Macht und die Annuiyaée fegten wie ein goldener Feuersturm zwischen die Dämonen und vernichteten sie. Jedoch war der Sieg der Göttin nicht ohne Folgen. Bevor der Gott des Zorns in die Unterwelt hinab fuhr legte er einen Fluch über die Männer des Landes. Nun konnten nur noch die Stärksten im Geiste die Magie der Männer benutzen, jeder schwache Geist, der dies versuchte, würde dem Irrsinn anheim fallen.
Nach diesen düsteren Ereignissen streute die Göttin Vergessen in alle Menschen, nur die Annuiyaée nahm sie davon aus. Sie sollten sich für alle Zeiten erinnern, dass es neben ihr noch einen zweiten Gott gab, den sie auf ewig bekämpfen mussten.

Es vergingen Jahre und Jahrzehnte in denen Kathâr im Gefängnis der Dunkelheit und Kälte verweilen musste. Sein Herz war gebrochen und er konnte den Verrat seiner Gemahlin nicht verstehen. Immer wieder sah er ihr goldenes Antlitz vor sich und spürte die verratene Liebe in sich. Noch immer hoffte er auf einen glücklichen Ausgang des Streites und das seine Gemahlin ein Einsehen hatte. Doch nichts geschah, bis eines Tages ein mächtiger Magier namens Zûl das Geheimnis des Gottes entdeckte und er erschuf ein Artefakt, mit dessen Hilfe er Kontakt zu dem Gott aufnehmen konnte. Kathâr erwachte aus seiner Starre und sah neue Hoffnung erblühen, denn wenn Auror erst einmal tot war, so hoffte er, konnte wieder Friede zwischen ihm und der Göttin herrschen.
Unter Anleitung des Gottes erschuf Zûl die Ohadu, mächtige Wesen des Bösen. Die Göttin wurde auf sein Tun aufmerksam und informierte Auror über die erneute Gefahr. Zusammen mit dem Magier Sorius führte er die Annuiyaée erneut in die Schlacht nach Mala Morta. Als sie das Schlachtfeld betraten stockte ihnen jedoch der Atem. Denn wie die Annuiyaée die Macht des Lichtes darstellten, so stellten die Ohadu das Dunkel dar. Als die Annuiyaée sich ihnen näherten erhoben einige der Geblendeten die Arme und eisige Furcht fraß sich in die Knochen des Heeres. Nur der Hilfe der Göttin war es zu verdanken, dass das Heer der Annuiyaée sich nicht zerstreute. So machtvoll die Ohadu auch waren, so war ihre Macht doch nicht derer gewachsen, die von den Waffen der Göttin ausging. So kam es zu einem blutigen Kampf, der auf beiden Seiten viele Opfer forderte, bis ein helles Licht auf dem Gipfel des Berges erschien. In diesem Moment verloren die Ohadu ihre Magie und ein wahres Abschlachten begann. Die Annuiyaée kämpften nun gegen einen wehrlosen Feind, doch kannten sie keine Gnade. Kein Ohadu verließ das Schlachtfeld von Mala Morta lebend.

Die Annuiyaée errangen abermals einen heimtückischen Sieg, doch mussten sie einen weit höheren Preis bezahlen. König Auror I, der Goldene, trug Wunden davon, die kein Heiler dieser Welt versorgen drache1konnte und schließlich, nach langem Todeskampf, starb er.
Kathâr entging sein Tod nicht und voller Hoffung wandte er sich an die Göttin, um sie zu trösten und sich mit ihr zu versöhnen, aber sie stieß ihn von sich und nannte ihn den Mörder an ihrem Sohn. Sie war verblendet von der Trauer und verstieß ihren Gemahl ein zweites Mal. Kathâr fiel noch tiefer in die Dunkelheit der Unterwelt, wo er Jahrhunderte voller Gram verweilte, ohne sich um die Dinge der Welt zu kümmern. Für ihn gab es keinen Sinn mehr, bis er eines Tages die Präsenz Zûls wieder spürte. Der Magier war wieder erwacht und hatte eine Möglichkeit gefunden ihm Energien zu entziehen. Wieder erklang Kathârs zorniges Brüllen und die Erde bebte abermals, dass sie sich teilte und es entstand einen tiefer Spalt von Süden nach Norden.
Zûl wollte die alleinige Macht an sich reissen und handelte wider seinen Gott. Er hatte sich von ihm abgewandt und nannte sich nun selbst Gott. Als Kathâr dies sah, erwachte er wieder zu neuer Kraft und suchte einen Weg die Menschen zu warnen. Er sah einen unter Zûls Angängern, der zweifelte, es war der Erstgeborene und er wandte sich an ihn, um seine Zweifel zu mehren. Während diesem Zeitpunkt drangen einige Frauen in die Burg der Finsternis ein und Kathâr erblickte eine unter ihnen und der Samen des Erkennens begann in ihm zu wachsen. Wenn er die Menschen retten wollte, müsste er es der Göttin gleich tun und ebenfalls einen Sohn in die Welt senden, damit er das Unrecht wieder gut machen würde und so geschah es. Er erwählte die Hexe Yazre als Mutter seines Sohnes Brando Rân! Wenige Monate danach sollte der Knabe die Welt erblicken und mit ihm wurde die neue Hoffnung geboren, das Leid endgültig aus der Welt zu verbannen. Es sollte wieder Friede und Eintracht unter den Göttern herrschen. Kathâr fordert lediglich seinen Platz an der Seite der Göttin zurück!

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