Der Schamanismus

Wichtige schamanische Begriffe:

Krafttier – Jeder Mensch besitzt ein oder mehrere Krafttiere. Es ist Verbündeter und Führer in der Anderswelt. Die Verbindung zum Krafttier ist gezeichnet von starker Verbundenheit.

Anderswelt (Geisterwelt) – Die Anderswelt ist vergleichbar mit der Traumwelt. Der Schamane versetzt sich in einen tranceartigen Zustand, um in diese Welt eintreten zu können, um dort z.B. Antworten auf seine Fragen zu finden.



Die schamanische Reise


Das Instrument

Der Schamane nutzt zum Erzeugen des tranceförmigen Zustandes ein Instrument, das meistens die Trommel ist. Andere Instrumente wie Didgeridoo, Rasseln, Rainmakers, Klangschalen usw. sind ebenso gebräuchlich. Durch die monotone Folge des Klangs wird ein erweiterter Bewusstseinszustand hervorgerufen, der die Trancereise erleichtert. Der Rhythmus und das Instrument bestimmt dabei auch den Rahmen der Reise und wie der Schamane sie erlebt. Das Instrument wird nicht nur benötigt um die Reise zu beginnen, sondern auch um den Schamanen in die Wirklichkeit zurück zu holen! Kurz kann man sagen kein Instrument – keine Reise! Man kann zuvor ein Zeichen ausmachen, dass den Schamanen zurückholt.

Aber nicht nur das Instrument ist wichtig, sondern auch die besondere Tracht und der Gesang des Schamanen, das ein Ganzes bildet. Alleine schon das Anlegen des Kostüms kann trancefördernd sein.

Die Reise

Die Reise selbst ist eine Mental- oder Astralwanderung, in der der Schamane mit verschiedenen Fragestellungen hinüber gleiten kann. Ganz wichtig ist hierbei die Art der Fragestellung, sie muss klar formuliert sein, denn zu ungenaue Fragen können zu einem unbefriedigenden Ergebnis führen und somit erhält man keine Antwort auf seine Frage.
Der Schamane sollte einen ruhigen Ort aufsuchen, der ihm gefällt. Der Ort muss nicht real existieren, es reicht wenn er sich in der Fantasie des Schamanen manifestiert. Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.
Der Schamane wird durch einen Tunnel schreiten (oder ähnliches) und in die Anderswelt eintreten. Wichtig ist, dass am Ende der Reise der Weg in umgekehrter Reihenfolge wieder zurückgegangen werden muss! Tut er dies nicht, kann es sein, dass ein Teil seiner Seele in der Anderswelt verbleibt!!
Neben der Anders- oder Geisterwelt gibt es noch eine Ober- und Unterwelt, also ein weit verzweigtes System.

Das Krafttier

Die erste Reise sollte dazu dienen sein Krafttier zu finden. Nicht allen Schamanen gelingt es bei ersten Mal, oft sind sie zu Anfang scheu und verbergen sich. Das Krafttier ist Führer und Leiter in der Anderswelt. Es kann den Schamanen an verschiedene Orte führen und Antworten auf seine Fragen geben.
Oft gibt es mehr als ein Krafttier, je nach Fragestellung könne sie wechseln. Ein Bär kann z.B. für Stärke stehen, ein Wolf für Tapferkeit. Es kann auch vorkommen, dass man Fabeltiere finde, oder Tiere die bereits ausgestorben sind. Hierbei sind keine Grenzen gesetzt.

Tipps für die Anderswelt

Nach einiger Zeit wird der Schamane feststellen, dass es gewisse Regeln oder eine Art Geographie in der Geisterwelt gibt. Die ist bei jedem verschieden und bietet für den persönlichen Mythos viel Nahrung. Schamanisten sollten sich im Laufe ihrer Arbeit langsam eine Art Landkarte zusammenstellen, auf der die wichtigsten Örtlichkeiten der Geisterwelt eingezeichnet sind. Es ist eine ganze Welt dort in der Geisterwelt zu erkunden. Bei manchen kann dies sehr schwierig sein, da sie sich vielleicht ständig ändert, bei anderen wiederum lässt sich tatsächlich eine Art Karte zeichnen. Orte wie der Weltenbaum, der Eingang ins Reich der Toten, der Fluss der Zeit, des Schicksals, der Seelen, des Lebens und deren Quelle, wichtige Orte an denen sich Lehrer oder Spezialisten aufhalten, Landmarken wie auffällige Berge, Seen usw. usf. Die Geisterwelt ist nicht unbelebt. In eigenen Reisen können unerwartete Begleiter auftauchen: Tiere verschiedenster Sorten und viele Arten von Geister. Selbst Städte können sich dort befinden. V
Vielleicht gibt es vor dem Eingang des Totenreiches einen Ort, an dem ein Wächter Opfer verlangt oder einen Kampf fordert. Die Geisterwelt ist eben nicht ein rosarotes Traumparadies sondern Ursprungsort der Mythen. Es ist auch interessant zu erforschen, ob und wie viele weitere Unterwelten sich unter der ersten befinden oder wohin man kommt, wenn man in den Himmel (irgendeiner) Unterwelt reist: In die Oberwelt oder woandershin? Es ist auch für den Realitätscharakter der Geisterwelt von Vorteil, sich diverse Skizzen oder Karten zu zeichnen. Mit der Zeit entsteht so ein persönlicher mythischer Raum mit eigenen Erzählungen. Schamanen waren hervorragende Geschichtenerzähler. All das Gesagte gilt natürlich analog für die mittlere und die obere Welt – oder für jede andere Welt, die schamanisch erreicht werden kann.

Das Krafttier

Man könnte die Verbindung zu dem Krafttier auch als einen Pakt bezeichnen, der er besteht aus nehmen und geben. Der Schamane erfüllt die Bitten des Krafttieres und erhält hierfür eine Gegenleistung. Es gibt auch bestimmte Umgangsformen, die man beachten muss! Es gibt auch andere Benennungen für das Krafttier, z.B.: Totem, Nagual, Krafttier, Schutzgeist/-engel/-tier, Fylgja, Clanwesen, Tierseele, Alter Ego um nur ein paar der bekannteren aufzuzählen.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem persönlichen und dem unpersönlichen Krafttier. Der persönliche Tiergeist kann nur auf den Schamanen selbst bezogen werden. Unpersönliche Tiergeister können durch Stammesüberlieferung (Clanwesen) oder Familientraditionen ermittelt werden. Unpersönliche Tiergeister “hat” jeder, gleichgültig ob Schamane oder nicht.

Es gibt mehrere Formen von Krafttieren, die wichtigste hierbei ist das lebenslängliche Krafttier. Oft begegnet es einem schon in den Kindheitsjahren und es begleitet uns durch das ganze Leben. Nicht selten treffen die Eigenschaften des Krafttieres auf die des Menschen zu.
Je nach Lebenssituation kommen dann noch andere Krafttiere hinzu, die den Schamanen eine zeitlang begleiten und dann wieder verschwinden.

Als besondere und außergewöhnliche Ehre sollte es der Schamane betrachten, wenn sein Tiergeist ihm Teile wie Federn oder ein Fell schenkt. Mit “schenken” ist gemeint, dass es den Schamanen auch nichts kosten wird, diese Dinge zu erhalten. Er findet Federn im Wald, andere Teile wiederum (wie Wolfsfelle oder andere Fetische) sind äußerst schwer zu erhalten, wenn die Geister es jedoch erlauben, dann wird es für den Schamanen einfach sein. Man sollte diese Geschenke in höchsten Ehren halten. Durch sie kannst du viel schneller und intensiver mit seinem Krafttier Kontakt aufbauen und hat einen direkten Kanal zur Kraft deines Tieres.

Die Fähigkeiten des Krafttieres

Sie besitzen Fähigkeiten, die über das normale hinausgehen: sie können sprechen, sich in untypischen Umgebungen zurechtfinden (Wölfe die tauchen, in der Erde schwimmende Adler). Während der Reise kann der Schamane mit seinem Krafttier verschmelzen. Sein astrales Imago gleicht dann dem seines Krafttieres. Ein intensiver Kontakt mit dem Krafttier kann in der alltäglichen Wirklichkeit faszinierende Wirkungen zeitigen. Tiere derselben Gattung reagieren auf den Tiergeist, und tendieren zu akzeptierendem Verhalten gegenüber dem Schamanen – oder reagieren mit intensiven Fluchtverhalten (Fressfeind!). Ein bewusstes in sich Rufen des Tiergeistes in alltäglichern Situationen kann auf Menschen ebenso interessante Wirkung haben, die sich in der Umgebung befinden.

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Der Tiertanz

Den Schamanen wird nachgesagt, dass sie sich in Tiere verwandeln können oder aber ihre Seele in die Tiere schlüpfen kann. Dies kann z.B. während der schamanischen Reise passieren und es wird der Tiertanz genannt. Dieser Tiertanz kann dazu dienen die Verbindung zwischen Krafttier und Schamane zu festigen. Das Tier fährt hierbei in den Schamanenkörper und kann Heilungen durchführen und der Schamane nimmt Besitzt vom Körper des Tieres.
Es findet immer ein Energieaustausch zwischen Tiergeist und Schamanen statt, welcher für beide Seiten von großem Nutzen ist. Tiertänze schaden dem Schamanen niemals.

Kostüme beim Tiertanz

Für einen Schamanen ist es Gang und Gäbe ein Tierkostüm zu benutzen, die das Krafttier symbolisieren.
Die Herstellung solcher Kostüme bedarf großer Aufmerksamkeit und darf nur mit der Zustimmung des Krafttieres erfolgen. Auch die Aufbewahrung und Verwendung muss mit Bedacht geschehen.
Bei den Tierkostümen handelt es sich meistens um sehr magische Gegenstände, die es dem Schamanen ermöglichen innerhalb kürzester Zeit in Trance zu verfallen. Das Kostüm muss nicht zwingend aus Teilen eines echten Tiers bestehen, man kann z.B. auch Holz oder Stoff verwenden.
Oft sind Schellen oder kleine Glocken daran angebracht, um die Trancewirkung noch zu verstärkten, außerdem vertreiben sie böse Geister.

Die Ratgeber

Für einen Schamanen, der mit Rat und Tat seinem Clan bestehen soll, ist das System der Ratgeber von bedeutender Wichtigkeit.
Um mit Ratgebern in Kontakt zu treten ist die schamanische Reise am besten geeignet. Wichtig ist hierbei wieder die konkrete Fragestellung, mit der man diese Reise beginnt.
Ratgeber können prinzipiell für sämtliche Dinge gefunden werden, die mit ihnen selbst zu tun haben. Beispielsweise können einzelne Ratgeber gefunden werden für:

Die Chakren, die eigene Wahrnehmung (Sinnestiere), die Polarität, eventuelle Sucht, Tiere für einzelne Organe, Krankheitstiere, Tiere für Begabungen oder Schwächen, Innen/Außen Wahrnehmung (Denken, Fühlen / Empfinden, Intuition) sowie noch viele mehr. Der Phantasie sind nur dahingehend Grenzen gesetzt, als es sich um persönliche und eigene Sachverhalte handeln sollte.

Hat man bei der schamanischen Reise seinen Ratgeber gefunden – das können auch mehrere sein – gibt es verschiedene Wege. Es kann sein, dass der Ratgeber mit dem Schamanen sprich, aber auch Verhaltensweisen können interpretiert werden. Manche Tiere zerfleischen sich, wieder andere harmonieren gut und jedes Tier steht für einen bestimmten Teil. Nur der Schamane kann diese Begegnungen deuten und daraus Rückschlüsse ziehen für sein weiteres Vorgehen!

Die Ahnen

Der Schamane ehrt seine Ahnen. Er ehrt seine Eltern, seine Großeltern, seine Urgroßeltern und deren Eltern und so weiter. Der Schamane geht jedoch hierbei sogar soweit, dass er sogar die Natur ehrt, weil wir von ihr abstammen, aus ihr heraus geschaffen wurden. Unter den Ahnen versteht er somit weit mehr als nur die unmittelbaren Vorfahren!
Doch gibt es nicht nur die Ahnen in dieser Welt, sondern auch die Ahnen in der Anderswelt. Je nachdem mit welchen Ahnen er sich mehr verbunden fühlt, tendiert der Schamane mehr zur Geisterwelt oder zur realen Welt.
Diese Ahnenverehrung setzt auch ein bestimmtes Verhalten voraus. Ein Schamane geht ehrfürchtig mit der Erde um und allem was auf ihr lebt. Er erkennt in ihnen einen Teil von sich selbst und behandelt sie entsprechen. Ein Schamane glaubt an die so genannte Weltseele, die alle Informationen der Zeit in sich speichert.

Viele Familien leiden unter einer so genannten Erblast, diese kann sich auf unterschiedliche Weise äußern. Es gibt Familien in denen häufig Selbstmord anzutreffen ist, oder Krankheiten, manchmal sind es auch nur wiederkehrende Erfahrungen die sich durch die Ahnenreihe zieht.
Der Schamane kann dieser Erblast auf die Spuren kommen, indem er die schamanische Reise antritt. Wichtig ist hierbei, dass ein Familienmitglied anwesend ist und diese Reise begeleitet. Zusammen mit dem Schamanen kann nun versucht werden die Erblast aufzulösen, indem man die alten Lasten abarbeitet.

Die Ahnen können einem Schamanen viel erzählen. Sie offenbaren altes Wissen, Orte oder man kann sie um Rat fragen. Solche Reisen können vieles ans Licht bringen, was zuvor im Dunklen lag. Man sollte jedoch ausreichende Kenntnisse über diese Reise haben und sollte sie nur in einer Gruppe antreten. Keiner der Gruppe sollte den Wunsch verspüren in der Ahnenwelt zu verbleiben, es sei denn es handelt sich um einen alten und schwachen Menschen.

Mit dem Aufsuchen der Ahnen kann man viele nützliche Dinge verknüpfen, man kann z.B. das Familientotem ausfindig machen und somit über schicksalhafte Begegnungen Auskunft erhalten. Man kann die Clangeister über spezielle Bestattungsriten befragen und Auskunft darüber erhalten, ob es angebracht ist einen kleinen Altar zu errichten und Opfergaben zu machen, an bestimmten Tagen.

Der Gesang

Der Gesang gehört unweigerlich zu einem Schamanen, wie sein Instrument! Es ist ein machtvolles Instrument zur Erreichung seiner Ziele.
Der Ursprung des Gesangs sollte ebenfalls die schamanische Reise sein, in der der Schamane seinen Gesang findet. Gesang sollte jedoch nicht falsch interpretiert werden, denn es kann sich hierbei um eine Abfolge tierischer Laute handeln oder nur eine Widerholung verschiedener Wörter. Die Melodien dienen lediglich als Ausdrucksmittel des Schamanen, weshalb sie auch oft Kraftlieder genannt werden.

Jeder Schamane hat meistens mehrere Kraftlieder, die er je nach Bestimmung einsetzt. Durch den rhythmischen Trommelschlag und den Gesang kann sich der Schamane leicht in einen tranceartigen Zustand versetzen. Jeder Schamane hat ganz individuelle Lieder, die sie somit einzigartig werden lassen.
Die Lieder können dazu benutzt werden bestimmte Geister zu rufen oder aber in der Runenarbeit unterstützend wirken.

Das schamanische Opfer

Wie bereits angesprochen verlangen die Geister für ihre Dienste Opfergaben. Bei diesen Opfern handelt es sich meist um unspektakuläre Dinge wie Kräuterwerk, Obst, Blumen, Honig, Brot, Mehl, ein Gebet usw. Das Opfer sollte immer in der Größenordnung der Dienste ein und nie unverhältnismäßig. Manchmal können es auch Tieropfer sein, das passiert allerdings sehr selten. Opfer können auch angebracht sein, wenn man einen heiligen Ort betritt und die Erlaubnis der Geister erhält.

Bei den Tieropfern sollte man den Geist des Tieres besänftigen und es muss klar sein was danach mit dem Kadaver passiert, ob er verspeist wird, verbrannt oder vergraben. Tieropfer sollten die absolute Ausnahme bilden und sie dürfen nur von Meistern des Schamanismus durchgeführt werden.

Eine weitere Besonderheit stellt das Blutopfer dar, bei diesen Opfern handelt sich aber meistens um das Blut des Schamanen. Es ist eine sehr mächtige Opfergabe, vor allem im Zusammenhang mit der Opferung von Sexualsekreten wie Menstruationsblut oder Sperma und von Sexualenergie. Das Sexualopfer hat einen stark schöpfenden Charakter. Geister gewinnen durch diese Art von Opfer viel Energie und können schnell organisch werden. Eine Kombination aus Blut und Sexualsekreten kann auch zur Weihung und Belebung von künstlich erschaffenen Dienerwesen verwendet werden. Allerdings können Opfer der Sexualkraft ebenso wie Blutopfer (noch schneller!) zum Selbstzweck entarten und zur Obsession werden. Beide Opferarten verlange sehr viel Disziplin vom Schamanen.

Die Opfer, die etwas vom Schamanen fordern, wie obige Sexual- oder Eigenblutopfer oder andere Arten, in denen Fingernägel oder Haare benutzt werden (auch Urin!), sind immer auch Bindungsstärkend. Im Falle der Opferung von Mumia ist dies von Anfang an der Fall. Daher sollten diese Opfer sehr stark bedacht sein und nicht leichtfertig ausgeführt werden. Energetischer Vampirismus kann sehr schnell einsetzen und nur schwer wieder gebannt werden.

Quelle: Der Flug des Kondors

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